Diskurs über die Ungleichheit
Ein Anti-Rousseau
2009, 207 Seiten, Kart., EUR 17.90 / CHF 25.90
ISBN: 978-3-7705-4797-5

Summary

Die Linke hat wieder Konjunktur. Sie spricht nicht mehr von Klassengesellschaft, sondern von der Neuen Ungleichheit und verweist auf die Pornographie des exzessiven Reichtums zwischen Beverly Hills und Moskau einerseits, die stillen Leiden der Kinderarbeit und der Hartz IV-Existenz andererseits. Mehr Gleichheit durch Um-verteilung scheint deshalb die selbstverständlichste politische Forderung zu sein. Und in der Tat hat sich die moderne Gesellschaft durch die Mächte der guten Gleichheit entfaltet: Wissenschaft und Technik, gleiches Recht und Bildung für alle, städtisches Leben und staatliche Organisation.

Nüchtern betrachtet, kann Gleichheit unter modernen Lebensbedingungen aber nur heißen: Inklusion, die Möglichkeit der Teilnahme an den sozialen Systemen. Und wer alle integrieren will, muss auf die Gleichheit aller verzichten. Egalitarismus ist eine Anleitung zum Unglücklichsein. Wir können das gute Leben, das uns die moderne Gesellschaft ermöglicht, nicht leben, solange wir noch an Rousseau glauben. Die größte Gefahr für die moderne Welt geht nicht von denen aus, die asozial sind, sondern von denen, die zu sozial sind. Es gibt keine gerechte Gesellschaft.

Inhalt

Tocquevilles unheimliche Aktualität
Der Skandal der natürlichen Ungleichheit
Das unstilisierte Geschlechterverhältnis
Der Egalitarismus der Medien
Die Sakralisierung der Gerechtigkeit
Nietzsches ursprüngliche Einsicht:
der böse und der gute Neid
Rangordnungen
Absolut knappe Güter
Vom nehmenden über den gebenden zum sorgenden
Kapitalismus

Pressemeldungen

Focus, 23.03.2009

Halb Floskel, halb Kampfbegriff: In seinem neuen Buch entlarvt der Philosoph Norbert Bolz die Rhetorik der sozialen Gerechtigkeit [...]

Bolz hat sich in seinem Plädoyer für die Ungleichheit natürlich der Schützenhilfe aller versichert, die seit Aristoteles und auf dessen Niveau über diesesThema nachgedacht haben. Aber worauf will er hinaus? Bolz formuliert es auf Englisch: to make a difference. Zurück zur Distinktion, lautet seine Botschaft. Gepriesen seien die Unterschiede. Zur Hölle mit den Gleichmachern.

Ist das nötig? Ein beliebiger Blick in beliebige gesellschaftliche Bereiche scheint ihn zu bestätigen.[...]

Aber was empfiehlt der Philosoph, wie man mit dem Skandal der natürlichen Ungleichheit umgeht? Bolz beruft sich auf den Soziologen Niklas Luhmann, der dafür plädiert hatte, von der Idee der Gerechtigkeit überhaupt Abschied zu nehmen und sich mit der Rechtssicherheit zu begnügen – sowie damit, dass soziale Systeme überhaupt funktionierten. Um die Grenzen der möglichen Gerechtigkeit zu erkennen, so Bolz, „braucht man die Tapferkeit der Bürgerlichkeit. Sie besteht darin, auf ein Konzept von Glück als Wunscherfüllung zu verzichten.“

 

SWR 2 Forum Buch, 03.05.2009

Nicht genug damit, daß Bolz den Traum von der sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit, wie ihn die französische Revolution in die Welt gesetzt hat, als unrealistisch denunziert und entsprechende sozialstaatliche Hoffnungen für nichtig erklärt, er propagiert daüber hinaus gesellschaftliche Ungleichheit als Bedingung von Leistungsbereitschaft und all jenen Werten, die im "demokratischen Despotismus" auf der Strecke bleiben, nämlich:; Schönheit, Wahrheit, Geist, Stärke, Talent, Fleiß, Geschicklichkeit und Tugend. [...] Ein provokantes Buch [...].

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2010

Bolz' antiwelfaristisches Pamphlet ist aber als "Anti-Rousseau" gänzlich fehladressiert.[...]

Vielleicht aber meint Bolz, soziale Gerechtigkeit sei ein Tabu, weil niemand es wage, sie aus dem Vokabular der kollektiven moralischen Selbstverständigung zu streichen.