
Summary
„Kafkas bewegte Körper“ ist die erste Auseinandersetzung mit den literarischen Möglichkeiten und Verfahren des motion capturing in Kafkas Schreiben. Elisabeth Lack arbeitet Kafkas spezifische ‚somatologische’ Poetologie heraus, die sich aus dessen Arbeit an der Metapher ableitet und weist auf die Nähe seiner bewegten Körper zur Körperdarstellung in den neuen Medien, z.B. in den gezoomten oder im Tempo verzerrten Bewegungen in den Fotografien Muybridges hin. Sie skizziert literaturhistorische und geistesgeschichtliche Zusammenhänge (Physiognomik, Medizingeschichte) und zeigt, wie stark Kafkas Schreiben in die verschiedenen konkurrierenden Authentizitäts-Diskurse von Körperlichkeit seiner Zeit (Reformbewegung, Bewegungskultur in Tanz, Variété, Sport) eingebettet war.
Auf die Frage der Kulturgeschichte – nach der Bedeutung der „Wiederkehr des Körpers“ – antwortet die Untersuchung mit philologischen Mitteln und erlaubt dabei den Blick in eine der wohl geheimsten wie umkämpftesten Kammern der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts: in die literarische Werkstatt und auf die poetischen Werkzeuge von Franz Kafka.


