Zur Einführung

*Anmerkung zum vorigen Briefe

In: Aus der Welt gefallen
Open Access
Abb. 4
Abb. 4

„Anmerkung zum vorigen Briefe“, Blatt aus der Korrespondenz zwischen Moritz von Beurmann und August Petermann, 1862

Die Kunst der Verschollenheit – und eine Kunst ist es, denn verschollen ist nur, wen eine beständige ars memoria festhält im Zwischenreich von Leben und Tod – ist eine Kunst der Collage. Wer verschollen ist, bleibt gefangen in einem Labyrinth verwischter Spuren und zerstreuter Gerüchte, die zu keinem feststellbaren Ort führen und sich zu keiner lesbaren Geschichte fügen, sondern die sich nur immer wieder neu und niemals ohne erkennbare Brüche und Risse arrangieren lassen. In einer Collage in einem ganz materiellen Sinn ist uns einer der Verschollenen, um die es in diesem Buch gehen soll, zuerst entgegengetreten und hat uns damit vorgegeben, wie das, was in einem geo- und kartographiegeschichtlichen Archiv zu finden ist, in einer literaturwissenschaftlichen Hinsicht zu lesen wäre. In der heute in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrten Korrespondenz der Schriftleitung der Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie findet sich, unter der Signatur SPA ARCH PGM 189, Folio 40, ein Blatt, auf dem der Herausgeber August Petermann verschiedene Dokumente zu einer Druckvorlage zusammengefügt hat. Nicht alle davon sind auf dem Blatt selbst zu finden. So ist das, was im Druck als Haupttext erscheinen soll, nur durch eine fast die Hälfte des Blattes einnehmende Lücke repräsentiert und wird durch den mit dünnem Bleistift eingetragenen Hinweis „(S.2)“ vertreten, der auf ein anderes, heute etwas entfernt vom ersten, aber in der gleichen Mappe abgelegtes Blatt deutet.17 Unser collagiertes Blatt dagegen enthält lediglich Neben- oder Paratexte. Zunächst, in der Handschrift Petermanns, eine Überschrift:

VII. Moritz v.on Beurmann’s

Aufenthalt in Mursuk und Reise von Mursuk nach Wau

28. April bis 19. Juni 18621)

Dann, auf der unteren Hälfte des Blattes, unterhalb einer Falzlinie, ebenfalls in Petermanns Handschrift:

1)Anmerkung zu meinem vorigen Briefe [s. Erg. Heft G. M. No. 8 pp. (68)- (78)]:-

Das

Darunter ist ein Ausschnitt aus einem Brief des Forschungsreisenden Moritz von Beurmann eingeklebt, ein Pfeil verweist darauf, wie er an Petermanns „Das“ anzuschließen ist, wobei Beurmanns eigene Überschrift „Anmerkung zum vorigen Briefe“ übersprungen wird. Zu lesen ist in dem auf diese Weise zur Fußnote gewordenen Brief-Ausschnitt von einem Tier, über das Beurmann in einem früheren Brief berichtet hatte, das er aber erst jetzt richtig benennen kann. Die Fußnote bezieht sich also nicht auf etwas, das in dem – auf dem vorliegenden Blatt abwesenden – Haupttext zu lesen wäre, sondern auf etwas, das anderswo bereits im Druck erschienen ist. Wer wissen will, um was es sich handelt, wird auf ein – hoffentlich aufbewahrtes – älteres „Erg. Heft“ zurückgreifen müssen.

Der Bericht, für den Petermanns Collage die Druckvorlage liefert, erscheint dann im Ergänzungsheft 10 der Mittheilungen, und somit ein Periodikum supplementierend, das seinerseits als ein „fortlaufendes leicht zugängliches Supplement in handlicher Form“ zu den ebenfalls im Justus Perthes Verlag erscheinenden Atlanten dienen soll.18 Das dieses Supplement ergänzende Heft steht noch in einem weiteren Supplementierungsverhältnis, nämlich zu einer Karte, die nun aber in keinem Atlas erscheint, sondern, in insgesamt zehn Blättern, als Beilage zu einer Folge von vier Ergänzungsheften, zu denen auch jenes gehört, für das Petermanns Collage die Druckvorlage liefert. Diese Karte, Inner-Afrika nach dem Stande der geographischen Kenntniss in den Jahren 1861-1863, ist das bis dahin ambitionierteste Kartenprojekt Petermanns, Summe und Abschluss des ersten Jahrzehnts seiner Tätigkeit für den Perthes Verlag. Die Ergänzungshefte breiten zunächst in einem ausführlichen fünfzigseitigen Kartenkommentar das Material aus, auf dessen Grundlage die Karte erarbeitet wurde, und fügen dann, in neu beginnender, geklammerter Seitenzählung, aktuelle Reiseberichte an, die über das im Kartenkommentar ausgebreitete Material hinausgehen. Hierzu gehören auch die Briefe Beurmanns. Er ist, während die Karte schon erscheint, innerhalb des kartographierten Territoriums unterwegs, und zugleich doch nicht, denn das Ziel seiner Reise ist eine Region, die die Karte nur vorläufig, mit vielen Fragezeichen, verzeichnen kann: einer der sprichwörtlichen weißen Flecken. Und so ist seine „Anmerkung zum vorigen Briefe“ auch ein Hinweis darauf, dass das hier verarbeitete Wissen (noch) nicht wirklich gesichert ist, dass es sich im Fluss befindet. Im Fall der „Anmerkung“ ist das kartographisch unverfänglich, da es um linguistische und zoologische Informationen geht, die Petermanns physikalisch-topographische Karte ohnehin nicht verzeichnet. Aber gerade das verweist auf die Supplementierungsbedürftigkeit der Karte, und zwar in einer doppelten Weise: Was sie verzeichnen kann, ist immer nur ein Teil dessen, was gewusst werden kann, und was gewusst wird, ist ständig vom Verfall bedroht.

Hier deutet sich ein Spannungsverhältnis an, das nicht nur Petermanns Arbeit als Kartograph einerseits, als Herausgeber eines geographischen Periodikums andererseits bestimmt, sondern das im Laufe des 19. Jahrhunderts alle Projekte einer umfassenden Präsentation des Wissens von der Welt charakterisiert. Programmatisch hat sich Petermann immer wieder darauf festgelegt, dass nur die Karte das Medium eines solchen Weltwissens sein kann, und zwar gerade weil sie dem Fluss der Daten die Stabilität einer graphischen Oberfläche entgegensetzt:

Das Endresultat und der Endzweck aller geographischen Forschungen, Entdeckungen und Aufnahmen ist, in erster Linie, die Abbildung der Erdoberfläche, die Karte. Die Karte ist die Basis der Geographie. Die Karte zeigt uns am Besten, am Deutlichsten und am Genauesten, was wir von unserer Erde wissen. Die Karte der Gegenwart soll eine Abbildung der Erdoberfläche sein, auf der nicht bloss alle Punkte und Räumlichkeiten nach horizontaler Lage und Entfernung messbar sind, sondern auf der auch die vertikalen Unebenheiten, vom Meeresniveau bis zu den höchsten Berggipfeln, ihren Höhenunterschieden nach vor Augen treten.19

Auf der Karte also soll „vor Augen treten“ und „messbar“ werden, „was wir von unserer Erde wissen“. Dazu aber muss dieses Wissen übersetzt werden in Relationen von Punkten auf einer Fläche. Es ist dieses Versprechen der Übersicht, das die Karte zum Medium des Weltwissens schlechthin werden lässt. Nichts lässt sich, Bruno Latour zufolge, besser überschauen, operationalisieren und dominieren als eine zweidimensionale Fläche, deren Größe wenige Quadratmeter nicht überschreitet.20 Insofern gehören die Operationen, die alle möglichen Objekte auf solche Oberflächen abbilden, zu den grundlegenden Kulturtechniken. Zugleich erzeugen diese Operationen jedoch notwendig Überschuss: all das, was nicht als Relation von Punkten auf einer Fläche darstellbar ist. Für die Kartographie des 19. Jahrhunderts ist das etwa die Zeitlichkeit der Welt, wie sie in den geologischen Veränderungen der Erdoberfläche erkennbar wird, ebenso aber auch die Zeitlichkeit des Wissens von der Welt. So ist Petermanns Karte eine „Karte der Gegenwart“ nicht nur insofern sie das je aktuelle Wissen verzeichnet, sondern auch insofern sie dabei alles frühere Wissen, und das heißt auch: ihre eigene Geschichtlichkeit, löscht. Wie alle Techniken, Übersicht zu schaffen, produzieren Karten einerseits Unübersichtlichkeiten, zugleich aber weitere Techniken, solche Überschüsse zu organisieren, etwa in Supplementierungen, die gerade auch die Darstellungsformen verschiedener Medien gegeneinander ausspielen. Auf ähnliche Weise geschieht das auch zu anderen Zeiten und an anderen Orten der Sammlung und Ausstellung von Wissen: in Magazinen etwa, die all das aufnehmen, ordnen und katalogisieren, was Museen nicht ausstellen können, in komplexen Speicherarchitekturen, die sich auf nur scheinbar übersichtlichen (Desktop-)Oberflächen abbilden.

Im Vorwort zum ersten Heft der Mittheilungen hat Petermann die seinem Modell der Geographie zugrundeliegenden Operationen treffend, aber mit einem diesem Begriff eigentümlich widerstreitenden Pathos, als Reduktion zusammengefasst:

Rastlos nach dem unerforschten Innern längstgekannter Continente wandert der Mensch, trotz Seuche und Gefahr; furchtlos ob der starren Natur durchbricht er die Geheimnisse der ewig eis-umgürteten Angel-enden des Erdballs; die höchsten Gipfel der himmelanstrebenden Gebirge muss er ermessen und mit seinem meilenlangen Senkblei den Grund des Meeres, wo es am tiefsten, erfassen. Die Phänomene der Luft, der Fluth, des Innern seiner Erde muss er ergründen und auf ihre einfachen Naturgesetze reduciren; des gelben welt-regierenden Metalles verborgene Schlupfwinkel prophetisch verkünden, und die natur-gerechten Stätten der ihm unentbehrlichen Pflanzen und Thiere in Gürtel-Linien um die Erde legen.21

Im Kontext astronomischer Positionsbestimmungen, auf die Petermann die im Dienste der Mittheilungen reisenden Forscher zu verpflichten bestrebt war, bedeutet Reduciren zunächst einmal die Berechnung eines mittleren Sternenortes, das heißt das Herausrechnen von Refraktion, Aberration und Parallaxe aus den beobachteten Koordinaten – für die von Beurmann gelieferten Messwerte erledigte das der Direktor der Leipziger Sternwarte, Karl Christian Bruhns.22 Aber Beurmann und auch die anderen astronomisch Gebildeten unter den Reisenden gebrauchen den Begriff in einer sehr viel allgemeineren Weise, ähnlich wie hier Petermann, im Sinne einer Reduktion der Informationsdichte durch Vereinheitlichung und insbesondere naturwissenschaftliche Schärfung ihres Materials, oder, noch allgemeiner, einer Übersetzung ihrer oft rätselhaften Beobachtungen und Erfahrungen in standardisierte Daten.

Dass ein solches Reduciren weder ein irreversibler, noch ein ausschließlich innerhalb der Wissenschaft auszuhandelnder Prozess ist, deutet sich, mehr noch als in dem eigentümlichen Pathos, auf das noch zurückzukommen sein wird [Kapitel 3], in dem Spiel wechselseitiger Supplementierungen an, das das Projekt der Mittheilungen in Gang setzt.

Unsere ,Mittheilungen‘ sollen sich dadurch von ähnlichen Schriften unterscheiden, dass sie auf sorgfältig bearbeiteten und sauber ausgeführten Karten das Endresultat neuer geographischen Forschungen zusammenfassen und graphisch veranschaulichen. Nie wird deshalb eine Nummer unserer Schrift ausgegeben werden, ohne eine oder mehrere Karten-Beilagen, und diese werden mit besonderer Rücksicht darauf entworfen werden, dass sie allen Besitzern von Stieler’s Handatlas, Berghaus’ Physikalischem Atlas, und anderen aus der Anstalt hervorgegangenen Kartenwerken ein fortlaufendes leicht zugängliches Supplement in handlicher Form gewähren.23

Was zunächst als Geste der Bescheidenheit erscheinen kann, mit der die neue Zeitschrift den etablierten Verlagsprodukten bei- und untergeordnet wird, beinhaltet doch zugleich den ganz unbescheidenen Anspruch, die Atlanten in doppelter Weise zu überbieten: im Hinblick auf Vollständigkeit und auf Aktualität. Eingelöst wird dieser Anspruch keineswegs nur in Form von Karten, denen Petermanns Versprechen an die Abonnenten noch den ersten Rang einzuräumen scheint. Der ab Februar 1855 erscheinende erste Jahrgang der Mittheilungen umfasst in seinen elf Monatsheften 23 Karten und 378 Textseiten, unterteilt in drei Rubriken: Vier bis fünf größere Aufsätze pro Heft präsentieren Reiseberichte, Länderkunden, Statistiken, Forschungsprojekte in Form von Narrationen, Tabellen, Diagrammen; Geographische Notizen berichten in knapper anekdotischer Form von aktuellen Ereignissen und neuesten Forschungsergebnissen; Literaturberichte listen und kommentieren geographische Fach- und Sachliteratur. Diese Fülle macht bald eigene Supplemente erforderlich: Ab 1860 erscheinen in unregelmäßigem Rhythmus die Ergänzungshefte, in denen, oft im Rearrangement bereits gedruckter Informationen, einzelne Themenbereiche gebündelt werden und von denen ab 1861 wiederum mehrere zu Ergänzungsbänden zusammengebunden werden können; ab 1865 kommen dann zu den jährlichen Inhaltsverzeichnissen aufwendige Register-Bände hinzu, die das nun schon etwas gealterte Neueste der jeweils letzten zehn Jahre präsent halten sollen. Zugleich bewahrt das Archiv der Schriftleitung bereits ausgewertete Dokumente zur erneuten Aufbereitung ebenso auf wie all das, was (noch) keinen Ort in der Vielfalt der Publikationen gefunden hat. Der Fortschritt der Wissenschaft erzeugt einen Gedächtnisraum, den als „leicht zugängliches Supplement in handlicher Form“ zu bezeichnen sehr schnell zum Euphemismus wird.

Mit einem Abonnement der Mittheilungen sehen sich die Besitzer aufwendiger und kostspieliger Atlanten – eine Gesamtausgabe von Stieler’s Hand-Atlas kostete etwa das, was ein Beamter des gehobenen Dienstes in zwei Monaten verdiente – dazu verdammt, ihre repräsentativen Bücher durch ständig neue Supplemente nicht nur anschwellen und buchstäblich aus dem Leim gehen, sondern auch von Monat zu Monat veralten zu sehen. Der Atlas erscheint in dieser Perspektive nicht mehr nur als ein Medium des Wissens über die Welt, sondern zugleich als Indikator, wie schnell sich dieses Wissen wandelt. Mit dieser Dynamik stellen die Mittheilungen das in Karten festgestellte (und zu festen und dauerhaften Büchern zusammengebundene) Wissen in Frage, während sie es in ihren ausführlichen Artikeln und kurzen Miszellen zugleich in narrativer, deskriptiver oder tabellarischer Form supplementieren: ein auch medial zerstreutes Wissen, das keineswegs irgendwann in einer Karte aufgegangen sein wird und das sich kaum der versprochenen „handliche[n] Form“ fügt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Aktualisierung, sondern um Bewegungen vielfältiger Art: um Forschungsreisen, die auf oft abenteuerlichen Wegen Daten produzieren, die dann in die Statik eines Kartenraums einfließen, aber auch um die Bewegungen von politischen Grenzen, von Gütern und Personen, von Krankheiten und Küstenlinien, schließlich um die Bewegung der Kontinente selbst. Die Mittheilungen verzeichnen diese Bewegungen in einer materialen Heterogenität und in Formen der Präsentation, die zugleich Möglichkeiten neuer Bewegungen entwerfen oder ausschließen (etwa im Hinblick auf ein kolonial- oder geopolitisches Begehren) und dabei ähnliche Fragen aufwerfen wie der ästhetische Realismus und die Historiographie des 19. Jahrhunderts. Hier wie dort geht es darum, wie Dynamik und Komplexität mit der Konstruktion stabiler und verlässlicher Realitäten in Einklang zu bringen sind.

Petermanns Collage zu Beurmanns „Anmerkung zum vorigen Briefe“ antwortet auf diese Fragen mit einem zutiefst paradoxen Versuch, auseinanderdriftende, sich in Raum und Zeit zerstreuende Wissens-Partikel wieder auf einer Fläche zusammenzubringen. Sie will Übersicht schaffen, wenn sie die verstreuten Materialien auf der graphischen Oberfläche eines Blattes arrangiert und durch einfache Operatoren zueinander in Beziehung setzt: die Falzlinie, die Haupt- und Nebentext und damit Gestern und Heute trennt, der Pfeil, die Fußnotenmarkierungen, die Klammern, die den Bleistift-Eintrag „(S.2)“ als Hinweis für den Setzer und nicht für die Leserinnen und Leser ausweisen. Solche Operatoren stecken den Rahmen ab, in dem sich eine Narration – es ist, wie der Titel sagt, ein Reisebericht – entfalten kann, und deuten damit zugleich auf das, was in diesem Rahmen nicht auftauchen kann. Petermann trifft Entscheidungen, was im Druck, vorerst in der Narration eines Ergänzungshefts, später vielleicht auf einer Karte, in einem Atlas, erscheinen kann, und was vorerst dem Archiv überantwortet wird. Auch das für den Druck Ausgewählte übersetzt er aus der Sukzessivität von Beurmanns Korrespondenz in eine neue Hierarchie der Über- und Unterschriften, der Haupt- und Nebentexte. Dieser Versuch, Übersicht zu schaffen, erzeugt beständig neue Räume der Unübersichtlichkeit, und so illustriert die Collage vor allem ein von ihr selbst in Gang gesetztes, nur noch schwer zu beherrschendes Spiel von An- und Abwesenheiten, in dem sich das geographische Wissen konstituiert.

Das, was in die Collage als Haupttext der Reisenarration, der großen Erzählung von der Entschleierung Afrikas, dem Fortschritt der Wissenschaft, einzusetzen wäre, bricht mit der „Anmerkung zum vorigen Briefe“ abrupt ab. Sie steht am Ende des letzten Briefs, den Petermann von Beurmann erhalten hat. Nur noch der Forscherkollege Heinrich Barth, Vorläufer auf dem Weg ins Innere Afrikas, wird eine kurze Notiz erhalten, mit der Beurmann seinen baldigen Aufbruch in das geheimnisvolle Fürstentum Wadai ankündigt – heute die östlichste Provinz der Republik Tschad, in der Mitte des 19. Jahrhunderts aber eine terra incognita des europäischen Wissens. Dort verliert sich Beurmanns Spur in einem Geflecht einander widersprechender Gerüchte, die einmal von seinem Tod künden, ein anderes Mal von seiner Gefangenschaft im Reich eines in Europa völlig unbekannten Potentaten oder von seiner glücklichen Rettung und baldigen Rückkehr: Gerüchte, die auf unterschiedliche Weise, meist aber in Form von Briefen, Europa und schließlich Gotha erreicht haben. Petermann hat sie aufgehoben und, zu immer neuen Collagen arrangiert, den Leserinnen und Lesern seiner Mittheilungen präsentiert. Schließlich hat er sogar den paradoxen Versuch unternommen, das, was sich nirgendwo mehr verzeichnen lässt, auf einer Karte erscheinen zu lassen: als „Märtyrer deutscher Wissenschaft“ [Kapitel 5]. Andere Reisende werden den Spuren Beurmanns folgen, so wie auch er den Spuren eines anderen Verschollenen, Eduard Vogel, gefolgt war. Das Verschwinden vollzieht sich vor den Augen der Öffentlichkeit. Beurmann selbst jedoch bleibt, bis heute, wie es im Deutschen Wörterbuch von den Verschollenen heißt, „der kunde der menschen entzogen“.

Das heißt jedoch nicht, dass er nicht mehr Teil dessen ist, „was wir von unserer Erde wissen“. Verschollene Forschungsreisende sind keine unvertraute Figur, weder in der Erdkunde, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts als wissenschaftliche Disziplin etabliert, noch in der Literatur, und vor allem nicht in den – oft illustrierten – Zeitschriften, die beides zusammenbringen.24 Petermanns Mittheilungen, die auf dem in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht ganz so schmalen Grad zwischen Wissenschaft und Popularität operieren, verfolgen ihr Schicksal oft über mehrere Jahre hinweg und entwickeln dabei eine Spannungsdramaturgie, die nicht nur souverän das Potential eines monatlich erscheinenden Periodikums nutzt, sondern in der Periodizität allererst die Möglichkeit für das Verschollengehen eröffnet und damit zugleich Verfahren eines medienbewussten Realismus erschließt. Erzählt wird weder rückblickend, aus einer Position schon gesicherten Wissens, noch kontinuierlich, im stetigen Fortschreiben einer kohärenten (Lebens- und Entdeckungs-) Geschichte, sondern in Fragmenten. Diese bilden, häufig von der Chronologie der Ereignisse abweichend, den diskontinuierlichen, manchmal über viele Monate unterbrochenen Informationsfluss zwischen der Redaktion und den Reisenden in fernen Territorien ab. Wenn die Briefe ausbleiben, in denen die Forscher kartographisch auswertbare Daten liefern und zugleich in ausgearbeiteten Narrationen, die oft direkt die Druckvorlagen für die Zeitschrift bieten, ihre eigene Geschichte entwerfen, dann gewinnen andere, sehr viel heterogenere Quellen an Bedeutung. Deren Seriosität ist oft nur schwer einzuschätzen, und sie eröffnen, häufig einander widersprechend, einen Raum für Spekulationen, Gerüchte und dunkle Ahnungen: eben jenen Raum der Unsicherheit und Unübersichtlichkeit, auf den der Begriff des Verschollenen verweist.

Scheinen die Geschichten, die über die Verschollenen erzählbar oder eben nicht erzählbar werden, zunächst einen abenteuerlichen Fremdkörper innerhalb der sich verwissenschaftlichenden Geographie und insbesondere ihres bevorzugten Mediums, der Kartographie, zu bilden, verknüpfen sie sich doch eng mit deren medialen und epistemischen Voraussetzungen, die in ähnlicher Weise allen realistischen Weltentwürfen des 19. Jahrhunderts inhärent sind. In den Unterbrechungen zwischen den einzelnen Heften eines Periodikums ebenso wie in den Korrespondenzen zwischen fernen Kontinenten manifestiert sich eine mediale Infrastruktur, die zugleich eine entscheidende epistemische Dimension ausbildet. Sehr schematisierend gesagt, geht es dabei um die Vermittelbarkeit punktförmiger Adressierungen, wie sie das Koordinatennetz einer Karte ermöglicht, und der Kontinuität homogener Bewegungen in Zeit und Raum. Noch schematischer: Im Nebeneinander diskreter Punkte und kontinuierlicher Linien prallen digitale und analoge Raumlogiken aufeinander. Exemplarisch ausgehandelt wird dieses Neben- und Gegeneinander in einer Erdkunde, deren „Endresultat“ und „Endzweck“ laut Petermann die Karte sein soll, an deren Anfang er aber eine anthropologische Rastlosigkeit des Menschen gestellt hat [Kapitel 3].

Die Operationen, die Mensch, Erde und Karte aufeinander beziehen und auseinander hervorgehen lassen, sind der Gegenstand dieses Buches. Seine Protagonisten sind Menschen, die sich im Hinblick auf eine neue Wissenschaft entwerfen, als die sich die Geographie in der Mitte des 19. Jahrhunderts formiert und diszipliniert. Seine Protagonisten sind aber auch Karten, das bevorzugte Medium nicht nur der Geographie, sondern auch der Forscher, die ihre Bewegungen und Beobachtungen so organisieren, dass sie sich letztendlich dem fügen, was eine Karte zeigen kann – und dem, was sie nicht zeigen kann.25

Dass dieser Prozess der Verwissenschaftlichung sich parallel zur Formation eines kolonialen Begehrens entfaltet, das sich dann gegen Ende des Jahrhunderts auch in Deutschland ein ‚überseeisches’ Imperium geschaffen hat, ist sicher kein Zufall. Dennoch gehen kartographisches und koloniales Begehren keineswegs so restlos ineinander auf, wie dies oft behauptet wird. Kartographie entspringt nicht, wie es etwa Simon Ryan behauptet, einem voyeuristischen Begehren, alles zu sehen und zu beherrschen.26 Eher beruht sie auf Operationen, die es ermöglichen, in einem doppelten Sinn zu übersehen: Die Karte macht etwas sichtbar, indem sie vieles (fast alles) unsichtbar macht. Insbesondere betrifft das auch den Standpunkt und die Verfasstheit des Betrachters oder der Betrachterin. Die Karte produziert kein gottgleiches Ich, das alles sieht und überall zugleich sein kann. Oder, anders gesagt, sie tut das nur, indem sie diesem Ich zugleich den konkreten Ort entzieht, an dem es als Ich zu finden sein könnte. Die Karte gibt allem seinen Ort, aber, anders als das zentralperspektivische Bild, privilegiert sie genau damit nicht die eine Position, an die sich der Mensch (der Mann, der Europäer: in Petermanns Anthropologie der Rastlosigkeit scheinen das Synonyme) stellen könnte. Das Subjekt der Karte, wenn es denn eines geben kann, ist ortlos in dem Sinne, dass es weder auf der Karte zu verzeichnen ist noch irgendwo vor, hinter, über oder unter ihr – Dimensionen, die die Karte als reine Oberfläche schlichtweg nicht kennt. Das heißt, durch die Karte entwirft sich kein Ich, das sich selbst als Gravitations- und Machtzentrum des repräsentierten Territoriums wahrnimmt, sondern ein Ich, das ebenso dezentriert ist wie die Karte selbst, auf der „alle Punkte und Räumlichkeiten nach horizontaler Lage und Entfernung messbar sind“. Das Subjekt der Karte ist nicht hier oder dort, es ist immer zugleich anderswo. Es ist ebenso zerstreut wie das Wissen von ihm und von der Welt.27

Auch im Hinblick auf ein Objekt der Karte ließe sich fragen, ob jemand oder etwas, von dem nur die in Koordinaten anzuschreibende Adresse bekannt ist, damit schon davor bewahrt ist, „der kunde der menschen entzogen“ zu sein. Interessanter finden wir es aber, einer Verbindung nachzugehen zwischen der eigentümlichen Zerstreutheit des kartographischen Subjekts und einer Kunst der Verschollenheit, die das Deutsche Wörterbuch mit dem Hinweis auf einen 1879 erschienenen Roman von Friedrich Spielhagen andeutet:

verschollenheit, f. vgl. verschollen 2: dauernde verschollenheit berechtigt zum antrag auf gerichtliche todeserklärung des verschollenen. Dernburg pand.3 1, s. 118; freier: ein wahres lotos-leben, in welchem man nichts mehr wisse von der schweren ruderarbeit auf dem öden meere .. sondern das dasein dahinfliesze in mühelosem genusz und seliger verschollenheit. Spielhagen werke 15, 88 (Plattl. 2, 2).

Mit dem freieren Wortgebrauch deutet sich eine andere Kunst der Verschollenheit an, eine Kunst, die die Perspektive verlagert oder unter Umständen auch ganz auflöst, wenn sie vom Verschollenen selbst ihren Ausgang nimmt, dessen Erfahrung – oder Genuss – es wird, aus der Welt gefallen zu sein. Spielhagens Platt Land weist allerdings zugleich auf das Paradoxe dieser Verlagerung – die Unmöglichkeit des Sprechaktes „Ich bin verschollen“ – hin. In der vom Deutschen Wörterbuch zitierten Stelle beschreibt der Protagonist des Romans, ein junger Jurist aus Thüringen, in einem Brief an seinen Bruder sein Leben als Volontär auf einem großen pommerschen Landgut:

ein wahres Lotos-Leben, in welchem man nichts mehr wisse von der schweren Ruderarbeit auf dem öden Meere, nichts von Lästrygonen, Cyklopen und anderen bösen Menschen und Ungeheuern, denen man sonst auf seiner Irrfahrt auf Tritt und Schritt begegene [sic], sondern das Dasein dahinfließe in mühelosem Genuß und seliger Verschollenheit?28

Indem er diesen Brief, durchaus nicht mühelos, schreibt, hat der Schreiber nicht nur den beschriebenen Zustand durchbrochen, er hat sich zugleich zu seiner Verantwortung als Oberhaupt der Familie, die er nach dem Tod des Vaters trägt, bekannt. Denn der Brief, weit davon entfernt, den tatsächlichen Zustand des Schreibers zu beschreiben, soll vor allem dem jüngeren Bruder das schlechte Gewissen nehmen, als Kunststudent in Rom seine Zeit zu vertrödeln, während der ältere sich dem Diktat der Nützlichkeit unterwirft. Möglich wird die Selbstbeschreibung als Verschollener also nur in einer Fiktion (dem geschönten Brief) innerhalb einer Fiktion (Spielhagens Roman), die sich zudem in eine literarische Konfiguration hineinprojiziert: in die Odyssee als die prototypische Verschollenen-Geschichte. Hier wiederum ist es allein die Episode bei den Lotophagen – auf die Platt Land schon vorher anspielt: „Man ißt nicht ungestraft Lotus bei den Lotophagen“29 –, die den Zustand „seliger Verschollenheit“ verspricht. Odysseus erreicht diesen Zustand nicht, da er hinter dem Versprechen die Drohung erkennt: Verschollen ist er für die Griechen, nicht aber für sich selbst – noch nicht einmal dann, wenn er in der Auseinandersetzung mit dem Cyklopen listig seinen Namen opfert, um sein Leben zu retten. Wüsste man nichts mehr von Lästrygonen und Cyklopen, jenen mythischen Mächten, die sich nur mit Vernunft bezwingen lassen und die einen damit zwingen, sich der eigenen Vernunft zu vergewissern, dann wüsste man auch nichts mehr von sich selbst. Aber in Odysseus’ Auseinandersetzung mit dem Cyklopen versteckt sich noch eine andere Form der Verschollenheit, die mit dem gesteigerten Bewusstsein des Selbst durchaus in Verbindung stehen kann – eine Verschollenheit, die an der Grenze der Moderne steht.

Um das Versprechen der Seligkeit beraubt, wird der freiere Wortgebrauch Walter Benjamin zufolge zur Signatur einer Moderne, die ihre Formel in dem wiederholten Imperativ von Bertolt Brechts Lesebuch für Städtebewohner (1930) findet: „Verwisch die Spuren!“30

Für Benjamin und Brecht ist Verschollenheit kein Zustand, dem sich das moderne Subjekt in Seligkeit hingeben kann. Es kann ihn, wie bereits bei Spielhagen angedeutet, begehren, es muss ihn aber im Widerstand gegen die kapitalistisch-administrative Produktion von ‚Menschenmaterial’ ständig wieder neu herstellen. Diese Arbeit oder auch Kunst des Spurenverwischens scheint dabei im Widerstreit mit jener ars memoria zu stehen, die die Verschollenen festhält und sie damit zugleich auf eine bestimmte Rolle festschreibt, etwa indem sie sie, als Märtyrer, zum propagandistischen Motor neuer Forschungs- oder auch Eroberungsprojekte macht. Aber das Medium einer solchen festhaltenden Erinnerung ist eben nicht die Karte. Im Gegenteil: Auch der kartographischen Arbeit, ihrer Entortung und damit Auflösung des je spezifischen Individuums, liegt eine Form des Spurenverwischens zugrunde. Robert Stockhammer zufolge liegt genau hier, in der „nicht anthropozentrischen Modellierung“, das Versprechen der Kartographie, „das Glück, mit ihrer Hilfe aus einer Anordnung herauszutreten, die Foucault als ‚Episteme des Menschen’ beschrieben hat“.31 Ganz konkret betrifft das, ob als Glück oder als Unglück, die Spuren der Forschungsreisenden, deren Bewegungen im 19. Jahrhundert die Informationen und Daten produzieren, die dann von den Kartographen weiterverarbeitet werden. Sind die ersten Karten fremder Territorien noch um die Linien herumkonstruiert, die die Fahrten und Irrfahrten einzelner Reisender erzeugt haben, treten diese Linien und damit auch die Reisenden mit der Vervollständigung des Wissens immer weiter in den Hintergrund, bis sie schließlich in einer homogenen Fläche verschwunden sind [Kapitel 1 und 4]. So sind gerade die erfolgreichen Forschungsreisenden vom Verschwinden, das heißt von einer zumindest kartographischen Verschollenheit betroffen. Erinnert werden sie, wenn überhaupt, anderswo: in Zeitschriften, Büchern, Bibliotheken und Archiven. So lässt sich die Operation, die für Brecht und Benjamin zur Bedingung und Möglichkeit des Überlebens im Zeitalter der umfassenden kapitalistischen und schließlich faschistischen Verwertung all dessen wird, was ein Individuum auszeichnet, zurückverfolgen bis zu ganz konkreten Operationen der Produktion eines umfassenden Wissens von der Welt.

Das Archiv der Schriftleitung, mit dessen Aufbau August Petermann bereits vor dem Erscheinen des ersten Hefts der Mittheilungen im Februar 1855 begonnen hat und das seine Nachfolger bewahrt und weiter ausgebaut haben, ist ein solcher Ort, an dem sich die auf den Karten verwischten Spuren erhalten haben. Abgelegt sind dort, sortiert nach Personen, Briefe der Reisenden selbst, Abschriften von Briefen, die sie an andere Empfänger gesandt haben, Korrespondenzen mit Angehörigen, Vertragsentwürfe, Zeichnungen und Skizzen. Über andere Sammlungen verstreut oder selbst verschollen ist all das, was die Reisenden sonst noch eingesammelt und nach Europa geschickt haben: Kunst- und Kultgegenstände, präparierte Pflanzen und Tiere, geologische Proben, manchmal auch Manuskripte und Bücher. Aber auch das, was in Gotha aufbewahrt wird, macht gerade in seiner personenbezogenen Zusammenstellung deutlich, wie sehr sich die Reisenden selbst über die verschiedenen von ihnen gelieferten Materialien zerstreuen. Was sie übermitteln, sind, manchmal bereits numerisch kondensiert, Positionsbestimmungen, Höhenmessungen, meteorologische Beobachtungen, Bevölkerungsstatistiken; sie verfassen aber auch Itinerare und ausführliche, tagebuchartige narrativ angelegte Reisebeschreibungen. Während die Daten zunächst von wissenschaftlichen Experten ausgewertet und gegebenenfalls korrigiert werden, bevor sie, mit Kommentaren und abweichenden Vergleichsdaten versehen, publiziert werden oder in die Kartenproduktion einfließen, werden die Beschreibungen oft nach nur geringen redaktionellen Eingriffen veröffentlicht; nicht selten dienen die Originalbriefe direkt als Satzvorlage. Dass Daten sorgfältiger überprüft werden, spricht jedoch nicht dafür, dass den Berichten geringere Bedeutung beigemessen würde. Vielmehr zeigt sich daran, dass diese bereits im Hinblick auf eine Veröffentlichung verfasst und vor ihrer Absendung nach Europa sorgfältig konzipiert, arrangiert und formuliert worden sind. Das gilt auch für Briefe, die an Angehörige, andere Wissenschaftler und häufig auch an Vertreter der in die Reisen involvierten politisch-diplomatischen Institutionen adressiert und in Abschrift an Petermann weitergeleitet worden sind. So treten die Reisenden zugleich als Autoren auf, ihre Berichte sind meist auch als Grundlage geplanter Buchveröffentlichungen gedacht. Das kommt zudem bereits in Vertragsverhandlungen zum Ausdruck. Die Berichte enthalten Beschreibungen von Wegen, Landschaften und Städten, Tier- und Pflanzenwelt, sie schildern politische und ökonomische Verhältnisse, präsentieren meteorologische ebenso wie völkerkundliche und linguistische Beobachtungen und erzählen von Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. Die narrative Form integriert ein Spektrum heterogener Erkenntnisinteressen. Thematisiert wird aber vor allem das Reisen selbst, seine Bedingungen, Probleme und Hindernisse. Und schließlich stehen die Reisenden selbst im Fokus. Was sie von sich preisgeben, sind jedoch weniger persönliche Erfahrungen und Befindlichkeiten als die Umstände ihres Arbeitens. Sie beschreiben sich als das Subjekt aller angestellten Beobachtungen und Bewegungen und definieren damit ihr Selbstverständnis als Wissenschaftler. In erster Linie gilt das natürlich für das Sammeln geographischer Daten in (allerdings häufig nicht aufrechtzuerhaltenden) Routinen des Messens und Beobachtens. Die kartographische Mission steht, trotz weitgestreuter anderer Interessen, klar im Vordergrund. So streben die Reisenden ständige Bewegung an, die allein Qualität und Quantität von Positionsbestimmungen zu gewährleisten vermag. Andere, etwa ethnologische, sprachkundliche, botanische oder geologische Interessen, die längere Aufenthalte an einem Ort erfordern, sind dem deutlich untergeordnet. Aber auch in diesen Tätigkeiten entwerfen sich die Reisenden im Hinblick auf den wissenschaftlich-öffentlichen Raum, den die Mittheilungen und andere Zeitschriften konstituieren. Als Sammler wissenschaftlicher Daten wie als Erzähler imaginieren sie sich als Angehörige einer Welt jenseits des durchreisten Territoriums. Sie distanzieren sich, indem sie beobachtend und erzählend einem Raum gegenübertreten, dessen Funktion darin besteht, Daten oder Erlebnisse und Erfahrungen zu erzeugen, die übermittelt und in einem anderen Raum (dem europäischen Wissensraum) ausgewertet werden können. Ein Motivkomplex, der in den Briefen immer wieder auftaucht, ist der der Unruhe, der Eile oder der Verzweiflung über das zu langsame Vorankommen. Hier spielt die Konkurrenzsituation, in der sich verschiedene Forscher im Wettlauf um die letzten weißen Flecken sehen, eine Rolle. Schwerer wiegt aber, dass sie sich als Teil eines Prozesses imaginieren, aus dem sie nicht herausfallen wollen: dem unaufhaltsamen Voranschreiten der Wissenschaft. Wissenschaft meint daher hier nicht so sehr einen klar definierten disziplinären Raum, sondern beschreibt Praktiken der Distanzierung, die eine spezifische Subjektposition konstituieren, von der aus die Reisenden dem Territorium begegnen. Wissenschaft erzeugt nicht nur Daten und Karten, sondern auch Subjekte.

Die Zerstreutheit, in der sie das tut, tritt auf eine besonders eindringliche Weise hervor, wenn die Reisenden nicht mehr selbst schreiben (können), ihre Geschichte aber auch von niemand anderem zu Ende erzählt werden kann, weil über dieses Ende eben nichts bekannt ist. Nun tritt all das hervor, was sich weder in einer personalisierten Erzählung noch in einer anonymisierten Karte zu einem „Endresultat“ zusammenfassen lässt. An ihre Stelle treten oft experimentell anmutende Versuche wie Petermanns Karte der Märtyrer deutscher Wissenschaft, die auch den Kartenkommentar zur Märtyrer-Legende mutieren lässt. Wenn sie in solcher Sakralisierung zunächst aus dem Feld realistischer Darstellungsmodi hinauszuweisen scheint, deutet sie doch darauf hin, dass und wie diese Modi in formaler Hinsicht zu erweitern wären: in Folgen wechselseitiger Supplementierungen. Als offener Fall widersetzt sich das Schicksal der Verschollenen jeder geschlossenen Darstellung.

Drei solche Fälle sollen im Folgenden – in Form von Mikrogeschichten – näher betrachtet werden, drei Fälle, die untereinander sowie mit Petermanns Afrika-Projekt auf vielfache Weise verknüpft sind. Zwei davon, die Schicksale Eduard Vogels und Moritz von Beurmanns, sind bis heute offen. Der dritte, der Fall Heinrich Barths, scheint dagegen gelöst. Er selbst hat seine Reise in die und aus der vorübergehenden Verschollenheit in einem monumentalen, multimedial Erzählungen, Beschreibungen, Diagramme, Listen, Bilder und Karten zusammenführenden, Werk dargestellt (oder, im Fall der Bilder und Karten, darstellen lassen). Aber damit hat er ein Werk geschaffen, das vor allem demonstriert, wie die verschiedenen Darstellungsformen nicht nur mit-, sondern immer auch gegeneinander arbeiten und in diesem Gegeneinander auf die Unvollständigkeit und Supplementierungsbedürftigkeit jeder Darstellung verweisen [Kapitel 6]. Barths Reisewerk ist in seinem universalen, Reise und bereistes Land in allen Aspekten erfassenden Anspruch ein typisches Beispiel für eine ganze Reihe enzyklopädischer Projekte im 19. Jahrhundert, die in ihrer materialen und medialen Vielfalt vor allem demonstrieren, dass Wissen nicht nur in der Sammlung und Systematisierung, sondern auch in der Zerstreuung entsteht. Das zeichnet sich zunächst in den Versuchen ab, auch die Verschollenen im Raum des Wissens präsent zu halten. Diese Versuche affizieren das Wissens selbst, indem hier die Distinktionen von seriösem und unseriösem Wissen, von Wirklichkeit und Möglichkeit und schließlich auch von Faktizität und Normativität ins Wanken geraten. Ein solches zerstreutes Wissen adressierbar, auffindbar und korrelierbar zu halten, stellt eine zentrale Herausforderung aller enzyklopädischen Projekte dar, die den Anspruch erheben, aufzuzeichnen, „was wir von unserer Erde wissen“. Angesichts der Ausdifferenzierung und Dynamisierung wissenschaftlicher Disziplinen wird es immer problematischer, die zunehmende Kluft zwischen Expertenwissen und den Bedürfnissen eines primär bildungsbürgerlichen Publikums zu überbrücken. Dabei die uneinholbare Vollständigkeit eines quantitativ anwachsenden und zugleich qualitativ sich transformierenden Wissens mit Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit zu verbinden sowie gleichermaßen Aktualität in einer sich immer stärker dynamisierenden Wissenskultur und Dauerhaftigkeit zu gewährleisten, wird zur paradoxen Aufgabe einer modernen Wissenschaft. Eben dies verspricht der Perthes Verlag im Zusammenspiel von Atlanten und Periodikum, oder, so könnte man auch formulieren, von Reduktion und Supplementierung.

Angesiedelt zwischen Philologie, Wissens- und Kulturgeschichte, suchen die folgenden Lektüren nicht nur die (geographischen, narrativen, medialen) Koordinaten nachzuzeichnen, innerhalb derer sich die Figur des Verschollenen bewegt, und aus denen sie schließlich herausfällt, sondern sie betrachten diese Figur und ihre epistemologischen Grundlagen als Kondensationspunkt der Bedingungen einer neuen Wissenschaft von der Welt. Im Zwischenraum der Medien Zeitschrift, Buch, Brief und Karte sowie im Changieren von Fiktion und Realität, realistischen und fabulierenden Schreibweisen entwerfen sich die Reisenden ebenso wie die Daheimbleibenden, die sich gleichermaßen dem kartographischen Projekt verschreiben, und in diesem Zwischenraum passiert das Verschollengehen und wird zum nationalen medienhistorischen Ereignis.

17

Forschungsbibliothek Gotha: SPA ARCH PGM 189, Folio 47.

18

Mittheilungen 1855, S. 2.

19

August Petermann, Notiz über den kartographischen Standpunkt der Erde, in: Geographisches Jahrbuch, hg. v. Ernst Behm, Bd. 1, Gotha 1866, S. 581.

20

Bruno Latour, Visualization and Cognition: Drawing Things Together, in: Henrika Kuklick (Hg.), Knowledge and Society. Studies in the Sociology of Cultural Past and Present, Bd. 6, London 1986, S. 1-40; S. 19.

21

Mittheilungen 1855, S. 1.

22

Vgl. Mittheilungen, Ergänzungsband 2, S. 91.

23

Mittheilungen 1855, S. 2.

24

Vgl. Kerstin Stüssel, Verschollen. Erzählen, Weltverkehr und Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Michael Neumann/Kerstin Stüssel (Hg.), Magie der Geschichten. Weltverkehr, Literatur und Anthropologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Paderborn 2011, S. 265-281; Daniela Gretz, Das ‚innere Afrika’ des Realismus. Wilhelm Raabes Abu Telfan (1867) und der zeitgenössische Afrika-Diskurs, in: ebd., S. 197-216. Vgl. auch Irina Gradinari, Dorit Müller, Johannes Pause, Versteckt – Verirrt – Verschollen. Reisen und Nichtwissen, Wiesbaden 2015. Zur Zeitschriftenliteratur vgl. Nicola Kaminski/Jens Ruchatz, Journalliteratur – ein Avertissement, Hannover 2017 und Volker Mergenthaler, Garderobenwechsel. ‚Das Fräulein von Scuderi’ in Taschenbuch, Lieferungswerk und Journal, Hannover 2018.

25

Die Geschichte der Geographie bildet dabei einen Teil jener Geschichte der „Objektivität“, wie sie Lorraine Daston und Peter Galison geschrieben haben; sie erscheint jedoch zugleich als Sonderfall, da das „wissenschaftliche Selbst“ der reisenden Forscher auf eine problematischere Weise mit seinem Forschungsfeld verbunden blieb als dies bei Vertretern anderer Wissenschaften der Fall war. Vgl. Lorraine Daston, Peter Galison, Objektivität, Frankfurt a. M., 2007, S. 39.

26

Vgl. z. B. Simon Ryan, The Cartographic Eye: How Explorers Saw Australia, Cambridge 1996.

27

Diese ‚zerstreuende‘ Funktion der Karten betont auch Denis Cosgrove: „Maps are thus intensely familiar, naturalized, but not natural, objects working within a modern society of high if uneven cartographic literacy. They are also troubling. Their apparent stability and their aesthetics of closure and finality dissolve with but a little reflection into recognition of their partiality and provisionality, their embodiment of intention, their imaginative and creative capacities, their mythical qualities, their appeal to reverie, their ability to record and stimulate anxiety, their silences and their powers of deception. At the same time their spaces of representation can appear liberating, their dimensionality freeing the reader from both the controlling linearity of narrative description and the confining perspective of photographic or painted images” (Denis Cosgrove, Introduction: Mapping Meanings, in: ders. (Hg.), Mappings, London 1999, S. 1-23; S. 2). In einer analogen Argumentation hat Robert Stockhammer vorgeschlagen, für bestimmte Formen modernen Erzählens den an der (zentralperspektivischen) Malerei orientierten Begriff der Erzählperspektive aufzugeben und stattdessen das Modell der kartographischen Projektion erzähltheoretisch fruchtbar zu machen. Die Verfahren, in denen eine solche Projektion entsteht, „sind dann [...] nicht solche des subjektiven, kontemplativen Blicks und nicht solche der ununterbrochenen Rede“ (Robert Stockhammer, Kartierung der Erde. Macht und Lust in Karten und Literatur, München 2007, S. 80-83; S. 83).

28

Friedrich Spielhagen, Platt Land, in: Friedrich Spielhagens sämmtliche Romane, Bd. 14, Leipzig 1903, S. 87f.

29

Spielhagen, Platt Land, S. 74.

30

Walter Benjamin, Erfahrung und Armut, in: ders., Gesammelte Schriften, hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, Bd. II.1, Frankfurt a. M. 1977, S. 213-219, hier S. 215 u. S. 217. Bertolt Brecht, Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, hg. v. Werner Hecht u. a., Berlin/Frankfurt a. M. 1988-2000, Bd. 11, S. 157. Vgl. Helmut Lethen, Lob der Kälte. Ein Motiv der historischen Avantgarden, in: Dietmar Kamper/Willem van Reijen (Hg.), Die unvollendete Vernunft: Moderne versus Postmoderne, Frankfurt a. M. 1987, S. 282-324; Alexander García Düttmann, Verwisch die Spuren, Zürich/Berlin 2005; Wolfgang Struck, Ein Hund ging in die Küche. Figuren der Wiederholung und Figurationen von Geschichte in Bertolt Brechts früher Lyrik, in: Heinrich Detering/Peer Trilcke (Hg.), Geschichtslyrik. Ein Kompendium, Göttingen 2012, Bd. 2, S. 911-927.

31

Stockhammer, Kartierung der Erde, S. 82.

Aus der Welt gefallen

Die Geographie der Verschollenen

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  • Barth, Heinrich, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika in den Jahren 1849 bis 1855 von Dr. Heinrich Barth. Im Auszuge bearbeitet. Mit Holzschnitten, zwei Bildern und dem Portrait des Reisenden, Erster Band, Gotha 1859

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