Vorwort

In: Hörlyrik
  • 1 Berlin
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Das vorliegende Buch entstand in den Jahren 2017 bis 2020 in einem von der VolkswagenStiftung geförderten Forschungsprojekt mit dem Titel „Rhythmicalizer. A digital Tool to identify Free Verse Prosody“. In diesem Projekt entwickelte ein Team aus Informatikern und Literaturwissenschaftlern sowohl von der FU Berlin wie der Universität Hamburg eine digitale Musteranalyse des Berliner Portals Lyrikline, dem weltweit wohl wichtigsten Internetportal für internationale Hörlyrik. Zur Analyse dieser einzigartigen Datenbank nutzten wir die Prosodieerkennung aktueller Sprachtechnologien der Computerlinguistik, um mittels einer digitalen Analyse und in enger Orientierung an der sogenannten „free verse prosody“ Einsichten in die rhythmischen Muster jenseits der klassischen Metrik zu gewinnen. Arbeitsteilig identifizierte dazu zunächst ein philologisch arbeitendes Teilprojekt spezifische rhythmische Muster der modernen und postmodernen deutsch-amerikanischen Lyrik: Etwa Synkopen, variable Versfüße oder Kadenzen. Das digitale Teilprojekt entwickelte daraus eine digitale Muster(wieder-)erkennung auf der Grundlage maschinellen bzw. tiefen Lernens, mit dem Ziel der Entwicklung einer Methode und einer Software zur digitalen Prosodieerkennung und formalen Korpusanalyse (post-)moderner Hörlyrik.

Im Rahmen zahlreicher Vorträge und Symposien wie etwa dem an der FU Berlin angesiedelten Symposium „Plotting Poetry II: Bringing Deep Learning to Computational Poetry Analysis“ (September 2018) oder der ebenfalls an der FU Berlin angesiedelten Konferenz: „Beyond Metrical Prosody. New Rhythms in US and German (Post-) Modern Poetry“ (Mai 2018) konnten wir diese Thematik zudem in einem größeren Forschungsrahmen diskutieren: Das vorliegende Buch ist nunmehr das Ergebnis all dieser Arbeiten. In diesem Zusammenhang danke ich meinen beiden Kollegen Dr. Timo Baumann und Dr. Hussein Hussein für zahlreiche Diskussionen und Anregungen. Gedankt sei zudem Dr. Thomas Wohlfahrt und Heiko Strunk vom Team Lyrikline bzw. dem Berliner Haus für Poesie für die freundliche und hilfreiche Unterstützung bzw. Genehmigung der Datennutzung. Danken möchte ich Prof. Dr. Erik Redling von der Universität Halle für hilfreiche Anregungen, Prof. Dr. Henrieke Stahl von der Universität Trier für die Möglichkeit der Diskussion dieser Thematik, sowie schließlich der VolkswagenStiftung und der Freien Universität Berlin für die freundliche Finanzierung der Drucklegung.

Zu hoffen bleibt, dass die Ergebnisse dieses Buches in einem weiteren, möglicherweise von der VolkswagenStiftung finanzierten Projekt auch für Berliner bzw. Brandenburger Schulen im Rahmen des Lyrikunterrichts an der gymnasialen Oberstufe zur Verfügung gestellt werden: Ein entsprechender Antrag dazu ist in der Begutachtung. Geplant ist im Schuljahr 2020/2021 eine Kooperation mit dem „Lernraum Berlin“ – der zentralen Lernplattform sämtlicher Berliner Schulen –, dem Online-Portal „lyrikkritik”, der Berliner Filmproduktionsfirma „KATAPULT Filmproduktion GmbH“, drei Berliner Schulen (dem Dathe-Gymnasium, dem Rosa-Luxemburg-Gymnasium und dem Georg-Herwegh-Gymnasium), sowie fünf der derzeit bekanntesten LyrikerInnen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik (Monika Rinck, Ann Cotten, Hendrik Jackson, Steffen Popp, Bas Böttcher): Im Rahmen dieser Kooperation sollen die Ergebnisse des genannten Projektes bzw. des vorliegenden Buches auch für den Lyrikunterricht in der gymnasialen Oberstufe nutzbar gemacht werden. Widmen möchte ich das Buch Nikolas und Kathleen.

Berlin, im Juni 2020 Burkhard Meyer-Sickendiek

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Eine interaktive Gattungstheorie