Verstehen als Prozess der Vergegenwärtigung: Anselm Kiefer liest Paul Celan

In: Erzeugen und Nachvollziehen von Sinn

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Anselm Kiefer, der in seinen Gemälden häufi g über die Bildtitel oder auch durch Bildinschriften konkrete Textbezüge herstellt, stellt sich damit scheinbar in die große Tradition humanistischer Bildpraxis. Während die aufgerufenen Texte traditionell jedoch interpretationsleitend waren, stellen Kiefers Textbezüge zwar einen assoziativen Bezug zum aufgerufenen Text her, tragen aber gleichwohl nicht zu einem besseren, d.h. vom Verständnis des Textes geprägten illustrativen Bildverständnisses bei. Stattdessen eröffnet der reziproke Verweis von Bild und Text neue Sinnschichten, die nicht selten auch auf das Textverständnis wieder zurückweisen. Insofern stellen die Celan-Bilder Kiefers eine zweifache Provokation des Verstehens dar: Sie stellen sowohl die Integrität des Textes, auf den sie verweisen, in Frage, als auch die gewohnte, vom Betrachter geforderte Interpretationshilfe eines literarischen Bezugs. Stattdessen operiert der Künstler – dem Emblematiker ähnlich – mit einer undarstellbaren Größe, auf die Text und Bild wechselseitig verweisen, ohne diese jedoch tatsächlich darstellen zu können. Hieran schließt sich die Frage an, inwieweit das Undarstellbare noch in den Kategorien einer von der Hermeneutik bestimmten Kategorie des Verstehens genügen kann.

Erzeugen und Nachvollziehen von Sinn

Rationale, performative und mimetische Verstehensbegriffe in den Kulturwissenschaften

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