Die Auslassung als ‚Wirklichkeitseffekt‘

Ellipsen und Lateralellipsen im Film

in Auslassen, Andeuten, Auffüllen
AutorIn: Guido Kirsten

In zwei Punkten scheint über alle Paradigmengräben in der Filmwissenschaft Einigkeit zu herrschen: Erstens können Ellipsen im Film eine Vielzahl von verschiedenen Funktionen erfüllen. Zweitens dienen sie aber mehrheitlich der Erzählökonomie, in dem sie alles eliminieren, „was nicht für die Verständlichkeit des Plots unerlässlich ist und dessen Beibehalten die Dichte der Erzählung verringern könnte“ (Pierre Beylot). Gerade mit diesem erzählökonomischen Prinzip scheinen realistische Filme im Sinne eines Barthes’schen Wirklichkeitseffekts zu brechen. Sie integrieren an prominenten Stellen auch solche Handlungen und Details, die keiner dramaturgischen Notwendigkeit entsprechen, sondern nur auf den realistischen Charakter der Diegese verweisen. Diese Art Wirklichkeitseffekt ergibt sich also aus einem zur klassischen Ellipse konträr stehenden Konzept. Vor dem Hintergrund dieses Befunds und unter Bezug auf Schriften von André Bazin wird die Frage diskutiert, wann und wie auch Auslassungen als Wirklichkeitseffekt fungieren und damit zu einer realistischen Filmästhetik beitragen können. Als Beispiel für eine solche Wirkung wird die ‚Lateralellipse‘ aus Cristian Mungius 4 LUNI, 3 SAPTAMÂNI SI 2 ZILE (4 MONATE, 3 WOCHEN UND 2 TAGE, 2007) im Zusammenhang mit der spezifischen Erzählweise des Films analysiert.