Versuch einer Typologie anhand literarischer Texte um 1800
AutorIn: Markus Gut
„Schrift besitzt die Macht, zu verewigen.“ Diese Vorstellung begleitet Schriftzeichen seit ihrer Erfindung und hat bis heute nichts von ihrer Wirkmächtigkeit eingebüßt.
Aus zeichentheoretischer Perspektive ließe sich jedoch entgegenhalten: „Nichts“ ist flüchtiger als ein Zeichen und jene Vorstellung eine bloße Behauptung. Vor diesem paradoxen Hintergrund unternimmt die Monographie den Versuch, systematisch innersprachlichen Verfahren nachzugehen, die dazu eingesetzt werden, Informationen möglichst dauerhaft festzuhalten. Sie stützt sich dabei auf literarische Texte zwischen 1755 und 1821 sowie deren historische Ko- und Kontexte. Es gelingt ihr so, im Schnittfeld von Literatur- und Kulturwissenschaft sowie der Semiotik erstmals eine Typologie vorzulegen, die weit über die Zeit um 1800 und die Literatur hinaus zeichenhafte Verfahren im Dienste der „Verewigung“ zu beschreiben vermag.
Narrative Ordnungen bei Robert Walser, Franz Kafka und Theodor Fontane
AutorIn: Lukas Gloor
Robert Walser, Franz Kafka und Theodor Fontane verfolgen in ihrer Auseinandersetzung mit dem Ordnungsproblem der Moderne ein genuin prekäres Erzählen.
Versucht Fontanes Der Stechlin kurz vor der Jahrhundertwende die subtile Ambivalenz im Roman mittels Erzählen in ihre Schranken zu weisen, so befreit Walser das Erzählen regelrecht: In digressiven und performativen Verfahren, der Überblendung von widersprüchlichen Ordnungsmustern potenziert sich das Ordnungsproblem. Kafka schließlich führt in der späten fragmentarischen Erzählung Der Bau vor, wie jegliche Differenzierung in sich zusammenfällt und das Erzählen in einer paradoxen Wendung seine eigene Unmöglichkeit darstellt. Die vorliegende Studie untersucht diese drei prototypischen Formen eines prekären Erzählens mit aktuellen narratologischen Konzepten.
Das Choreodrama "Le Sacre du printemps" im Spiegel der 'Theaterreform um 1900'
AutorInnen: Leila Zickgraf und Leila Zickgraf
Igor’ Stravinskijs "Le Sacre du printemps" gilt als Meilenstein der Musik- und Tanzgeschichte. Gleichwohl hat die Wissenschaft einen Schlüsselaspekt zum Verständnis des Werkes bislang übersehen: die ‚Theaterreform um 1900‘. Leila Zickgraf zeigt erstmals, dass Stravinskij mit dem "Sacre" sein höchst eigenes ‚Theater der Zukunft‘ verwirklichte. Durch die Rhythmen seiner Komposition versetzte er Tänzer wie Publikum in einen körperlich erfahrbaren Rausch, wodurch er die Zuschauer ins Bühnengeschehen integrierte. Mit seiner interdisziplinären Ausrichtung sowie seiner umfassenden Quellenerschließung leistet das Buch einen wichtigen Forschungsbeitrag zu einem noch immer ungenügend ausgeleuchteten Meisterwerk.
in Igor’ Stravinskijs Theater der Zukunft
in Igor’ Stravinskijs Theater der Zukunft
in Igor’ Stravinskijs Theater der Zukunft
in Igor’ Stravinskijs Theater der Zukunft
in Igor’ Stravinskijs Theater der Zukunft
Moraldiskurse in der Literatur der Gruppe 47
AutorIn: Nicole Weber
‚Skandale‹ um geheim gehaltene Verstrickungen in den Nationalsozialismus haben u. a. mit Grass, Andersch oder Walser zentrale Mitglieder der Gruppe 47 betroffen. Die Studie fragt erstmals systematisch nach der Bedeutung dieser Einflüsse für die literarischen Texte der Gruppe. Ausgehend vom gegenwärtigen Bild der Gruppe 47, von Theorien narrativer Ethik und der Geschichtsforschung zur ›NS-Moral‹ untersucht die Studie diskursive Verknüpfungen von Moral und Zugehörigkeit in den wichtigsten Texten der Gruppe 47. Qualitative und quantitative Analysen zeigen die Vorherrschaft eines partikularen Moralverständnisses sowie in mehreren Texten einen Zusammenhang dieser Moralvorstellungen mit literarischem Antisemitismus. Daneben finden sich – u. a. in Bezugnahmen auf Bubers dialogisches Prinzip, das gerade die Hinwendung zum ›radikal Anderen‹ als ethisches Handeln konzipiert – auch alternative Ethiken; allerdings oft in Texten marginalisierter oder als untypisch geltender Mitglieder wie Bachmann und Celan.
in Kinder des Krieges, Gewissen der Nation