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Verweigerte Einblicke - Ausgestellte Innenwelten
»Der malt ja immer das gleiche!« Derart irritiert äußerte sich ein Kritiker über Vilhelm Hammershøis (1864–1916) stille Interieurbilder. Hammershøis Œuvre war außerhalb Skandinaviens lange Zeit in Vergessenheit geraten und gab schon seinen Zeitgenossen Rätsel auf. Der Maler beschäftigte sich unablässig mit dem bürgerlichen Interieur und verlieh ihm durch seine monochrome Farbwahl eine ungewöhnliche Melancholie. In den Fußstapfen Jan Vermeers und Caspar David Friedrichs befasste sich Hammershøi mit zentralen Problemen der Interieurmalerei. In der genauen Betrachtung in sich versunkener Figuren, leerer Räume und gerahmter Einrichtungsgegenstände wie Fenstern, Bildern und Spiegeln offenbart sich ein ästhetisches Paradox. Denn hinter den alltäglichen Szenen verbirgt sich eine Grundproblematik der Interieurmalerei, die das Private immer als etwas Ausgestelltes ins Bild bringt.
Eine Figur der Moderne
Series:  Bild und Text
Author: Bernd Stiegler
Der Traum des montierten Menschen ist der Entwurf einer technischen Welt, der das
20. Jahrhundert nachhaltig geprägt hat.
Ein technisches Zeitalter ist angebrochen, konstatiert man einhellig zu Beginn des
20. Jahrhunderts. Und so träumt man von einem neuen, einem technischen Menschen, der zuallererst neu zu erschaffen, zu konstruieren sei. Die Montage ist in den 1920er und 1930er Jahren dasjenige Verfahren, das von den Fabriken über die Kinos bis hin zu den Zeitschriften und dem Alltagsleben genau dieser Aufgabe dient. Es findet sich in allen Feldern der Technik und Ästhetik, versteht sich als visuelle Alphabetisierung, Psycho- und Medientechnik und zugleich auch als Vermittler zwischen den politischen Extremen. Taylorismus und Fordismus, aber auch Reflexologie, Arbeitswissenschaft und Psychotechnik sind die Strategien einer Neukonstruktion des Menschen und der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten, in Europa, aber auch im revolutionären Sowjetrussland. Zwischen Utopie und Dystopie pendelnd wird das Leben in einer technischen Welt entworfen. Der montierte Mensch, dessen Geschichte hier nachgezeichnet wird, hat jene des 20. Jahrhunderts in entscheidender Weise geprägt.
Editor: Petra Weber
In der ersten deutschen Übersetzung seit 140 Jahren liegt hier einer der berühmtesten Texte der Musikgeschichte erstmals in einer zuverlässigen und für die Praxis konzipierten zweisprachigen Ausgabe vor.
Die Musica Enchiriadis, entstanden in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, tradiert die Theorie des europäischen Tonsystems, entwickelt eine der frühesten Tonschriften, schafft und erweitert die begrifflichen Grundlagen zur Beschreibung von Musik und entwickelt die früheste Form der abendländischen Mehrstimmigkeit. Daher ist es nicht zu viel gesagt, wenn man die Musica Enchiriadis als Grundlage sowohl der Musiktheorie als auch der Komposition in Europa bezeichnet.
Männerporträts von Otto Dix, Christian Schad und Anton Räderscheidt 1914–1930
Author: Änne Söll
Wie sieht die Situation für Männer nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik aus? Welche Möglichkeiten der Repräsentation von Männlichkeit ergeben sich daraus?
Anhand der Porträtmalerei von Christian Schad, Anton Räderscheidt und Otto Dix geht es um Männlichkeitsentwürfe der 1920er Jahre, deren Beziehung zum Bild der modernen Frau und ihrer medialen Repräsentation. Es werden die visuellen Strategien aufgezeigt, durch die sich moderne Männlichkeit zur Zeit der Weimarer Republik wieder legitimieren und stabilisieren konnte. Die Arbeit leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur kulturwissenschaftlich orientierten Aufarbeitung der Kunst- und Geschlechtergeschichte der Weimarer Republik und beleuchtet den Anteil der neu-sachlichen Porträtmalerei an der Konstruktion damaliger Geschlechterbilder.
Die Marmorskulpturen von Auguste Rodin
Auguste Rodins Marmorskulpturen markieren eine Schwelle von der geschlossenen Formensprache des 19. Jahrhunderts hin zur fragmentarischen, offenen Form der Moderne. Ihrem hybriden Charakter zwischen Vorläufigem und Finalem, klassischem Material und skizzenhafter Ausführung wird ein traditioneller, auf Endgültigkeit ausgerichteter Werkbegriff nicht mehr gerecht.
Rodin etabliert das Non-finito als ästhetische Kategorie. Als sei der Werkprozess unterbrochen worden, entsteht der Eindruck des Auftauchens oder Zurücksinkens der artikulierten Form in den grob bossierten Block. Undefinierte Flächen werden zu Platzhaltern für neu zu bestimmende Inhalte, die eine traditionelle Ikonographie kompensieren. Diesen vermeintlich peripheren Zonen widmet sich die Studie, die erstmals Entstehungsbedingungen, kunsttheoretische und künstlerische Rezeption des Non-finito diskutiert.
Wissen an den Rändern von Fotografie und Film
Wissen und Sehen stehen in einem intimen Verhältnis zueinander. Ihre Beziehung ist jedoch keineswegs direkt und eindeutig; sie ist stets medial vermittelt und weist unscharfe Ränder auf. Der Sammelband geht diesem ebenso komplexen wie vielgestaltigen Verhältnis nach. Untersucht wird die Thematik am Beispiel der Medien Fotografie und Film, die maßgeblich zum Topos bildlicher Evidenz beigetragen haben. Hiervon ausgehend problematisieren die Beiträge die zu simple Gleichsetzung von Sichtbarkeit und Wissen (bzw. Nichtsichtbarkeit und Nichtwissen); darüber hinaus hinterfragen sie vereinfachende Grenzziehungen zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem sowie zwischen Wissen und Nichtwissen. Infolgedessen verdeutlichen sie den Umstand, dass sich überall dort, wo das Wissen über das Sehen oder das Sehen über das Wissen hinausschießt, Zonen des Möglichen öffnen: es entstehen diffuse Ränder des Ungewissen im Feld des Visuellen wie auch im Reich der Erkenntnis.
Über das Spannungsverhältnis zwischen U- und E-Musik
Author: Jochen Hörisch
›Pop‹ ist ein kurzes und prägnantes three letter word. Sein Sinn erschließt sich schnell. ›Pop‹ ist die Kurzfassung für ›populär‹. Im Wort Popmusik schwingt mit, dass diese Musik keine Scheu vor trivialen Knalleffekten hat. Genau dies aber kann auch bei sogenannter ernster Musik der Fall sein – sie kann zum Gassenhauer werden. Was also sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen E- und U-Musik?
Der Fall Mozart ist bestens geeignet, um deutlich zu machen, wie reizvoll heikel es um die Unterscheidung von E- und U-Musik steht. Viele seiner Kompositionen sind zweifellos populär, ja sie sind Pop-Musik. Man denke nur an die Kleine Nachtmusik, die unzählige Pop-Bearbeitungen erfahren hat, auch deshalb, weil sie sich dafür anbietet. Oder an die ›irre‹ Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte, an die etwa die virtuosen Gitarrensoli von Jimi Hendrix erinnern. Unübersehbar ist auch, dass der junge Mozart lange, bevor es den Begriff gab, von seinem Vater zum Popstar aufgebaut und als Wunderkind vermarktet wurde. Parallelen zu Michael Jackson drängen sich geradezu zwanghaft auf. Virtuosen wie der Teufelsgeiger Niccolò Paganini oder der akrobatische Pianist Franz Liszt haben sich im 19. Jahrhundert ungemein erfolgreich selbst als Popstars avant la lettre inszeniert.
Autoporträt und Zeit in Literatur, Kunst und Philosophie
Sich selbst zu porträtieren, in Bildern oder Worten, war über viele Jahrhunderte eine vertraute Geste. Immer wieder anders jedoch ist die Einschätzung dieses Bildes vom Selbst: als das eine ›exakt nach der Natur gemalte‹ Bild etwa, in dem sich dieses Selbst für immer unverrückbar darstellen lässt, wie Rousseau in der Präambel seiner Bekenntnisse formuliert hatte, oder als Fülle von Bildern, in denen sich, wie bei Rembrandt oder Cézanne, ein Selbst in unterschiedlichsten Rollen, Posen, Überzeugungen immer neu zu sehen und zu lesen gibt.
Aus der Perspektive der Philosophie, der Kunst- und der Literaturwissenschaft spüren die Beiträge des Bandes der Frage von Zeit und Selbst im literarischen wie im bildkünstlerischen Autoporträt nach, deren wechselseitige Bezugnahme die versammelten Arbeiten verbindet.
Amerika in drei Liedern
Author: Greil Marcus
Translator: Fritz Schneider
In seinem neuesten Buch entlarvt Marcus drei »gewöhnliche« amerikanische Songs als grundlegende Dokumente amerikanischer Identität: Bascom Lamar Lunsfords »I Wish I Was a Mole in the Ground« (1928), Geeshie Wileys »Last Kind Words Blues« (1930) und Bob Dylans »Ballad of Hollis Brown« (1964). Die Art und Weise, auf die jeder dieser Songs den unheimlichen Eindruck erweckt, er sei von niemandem geschrieben worden, erhellt unterschiedliche Aspekte der Tradition des »gewöhnlichen« Songs. Manche sind im Laufe der Zeit ohne einen identifizierbaren Urheber entstanden. Andere beziehen ihre Melodien und Motive aus obskuren Quellen, nehmen aber in den Händen eines bestimmten Künstlers eine endgültige, unvergessliche Gestalt an. Und, wie im Fall von Bob Dylans »Hollis Brown«, gibt es Songs, die von einem identifizierbaren Autor stammen, aber wirken wie Folksongs, die schon seit Generationen weitergereicht worden sind. So trägt jeder dieser Songs Amerikas Geschichte, seine Menschen in sich, auch in ihrer Rolle als Zuhörer.
Studien zu Kunst, Bild und Politik
Series:  Bild und Text
Author: Michael Diers
»Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten.« Wenn Walter Benjamin mit seiner These Recht hat, steht die Bildforschung vor einer wahrhaft großen Herausforderung. Es gilt, das Universum der Bilder zu sichten und auf den gebührenden Begriff zu bringen. Michael Diers tut dies, indem er in exemplarischen Analysen jeweils einen bedeutungsvoll sprechenden Gegenstand – Kunstwerk oder allgemeines Bild – in den Mittelpunkt rückt und einlässlich als ästhetisches und historisches Zeugnis ins Auge fasst. Sein Blick reicht dabei vom Ende des 15. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Öffentliche Bilder und damit Beiträge zur politischen Ikonographie liefern Sujets und Themen der Studie. Das klassische Gemälde ist ebenso vertreten wie das Graffito, die Collage wie der Film. Auch Tanz und Theater kommen mit ihren Bildvorwürfen sub specie von Politik, Geschichte und Ästhetik zur Sprache. Dass sich der behandelte Zeitraum weit erstreckt, lässt sich mit dem erwähnten paradigmatischen Vorgehen sowie mit einem berühmten Diktum Giorgio Vasaris, des Gründervaters der Kunstgeschichte, erläutern: Es komme darauf an, Vergangenes als Gegenwart zu erfahren, die Gegenwart als künftige Historie anzusehen. Diers expliziert kein historisches Kontinuum, sondern analysiert charakteristische und repräsentative Einzelfälle, die jeweils für ihre Epoche einstehen.