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Infogene Welten – anthropologische Zukünfte
Author: Manfred Faßler
Die globalen Verbreitungen digitaler Netzwerke schwächen und zerstören zusehends einen alten Mythos: die Gesellschaft. Die Menschheit ist dabei, ihre Organisationsweisen und Lebenszustände grundlegend zu verändern. Die These dieses Buches ist: Gesellschaften verlieren ihre Vererbungstauglichkeiten und damit ihre Reproduktionstauglichkeit. Sie verlieren sie an komplexe ökonomische, projektgebundene, künstlerische, kollaborative Informationsrealitäten, die für ihre selektiven Vernetzungen, ihre koordinierenden Verabredungen und ihre Innovationsfähigkeit des Legalitäts- und Legitimiationsraumes der Gesellschaft nicht mehr bedürfen. Gegenwärtig steht dafür das Kürzel: Web 2.0.
Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven
Verstehen und Erklären gelten in den Sozial- und Kulturwissen-schaften als die beiden grundle-genden methodischen Zu-gangsweisen, um den Phäno-menbereich des Sozialen zu er-schließen. Wie diese Zugangs-weisen je für sich und in ihrem Verhältnis zueinander zu bestimmen sind, ist freilich bis in die Gegenwart umstritten. Die Verstehen-Erklären-Kontroverse gehört, neben dem Werturteilsstreit und dem Positi-vismusstreit, zu den großen Selbstverständigungsdebatten der Sozial- und Kulturwissenschaf-ten. Eine systematische Be-standsaufnahme, welche die verschiedenen Konzeptualisie-rungen des Verstehens und Erklä-rens sichtet, fehlt bisher jedoch. Viele der einschlägigen Positio-nen sind deshalb in der neueren methodologischen Diskussion nicht mehr präsent und in ihren Einzelheiten kaum noch be-kannt. Hier versucht das vorlie-gende Buch Abhilfe zu schaffen. In dieser Breite wohl erstmalig, werden darin 22 Positionen, vor allem aus der Soziologie, aber auch aus der Ethnologie und der sozial- und kulturwissenschaftlich relevanten Philosophie, darge-stellt und analysiert. Das Spekt-rum der behandelten Konzepte reicht dabei von den Klassikern bis hin zu aktuellen Ansätzen.
Es gibt keine einheitliche Öffentlichkeit, sondern unterschiedliche Öffentlichkeiten, die für verschiedene Gruppen der Gesellschaft jeweils andere Wirklichkeitsregimes darstellen. Öffentlichkeiten sind verschiedenen Interessen verpflichtet und stehen miteinander in Konflikt. Öffentlichkeiten werden von den Gruppen selbst als Kollektivgüter produziert und dienen der Konsensbildung in diesen Gruppen über Werte, Normen und Ziele. Medien sind Institutionen, denen bei der Konstituierung von Öffentlichkeiten eine zentrale Rolle zukommt, indem sie für die unterschiedlichen Gruppen unterschiedliche selektive Anreize (Stereotype und Formate) setzen und damit zur wechselseitigen Verfestigung von Rezeptions- und Angebotsstrukturen und damit von Distinktionen im sozialen Raum beitragen.
Zum Wandel von Ethos und Strategie des Unternehmertums im Ausgang der Moderne
Author: Lars Immerthal
Immerthals Buch beschreibt den Wandel des Begriffs und der Vorstellung vom Unternehmer aus einer wirtschaftsphilosophischen Perspektive. Dieser Wandel bezieht sich dabei insbesondere auf Vorstellungen vom Unternehmertum, die noch heute von den sogenannten Klassikern der Moderne geprägt sind. Ein solches Unternehmerethos oszilliert zwischen Zukunftsvorsorge, Verantwortung, Paternalismus, Risiko- und Innovationsbereitschaft sowie bindungslosem oder gar verantwortungslosem Nomadentum, das den Unternehmer als Fremden in der „eigenen“ Gesellschaft begreift. Ein solches modernes Ethos orientiert sich in seiner Beschreibung des Unternehmers an einem Individualakteur, der in den verschiedenen theoretischen Ansätzen als Pionier, Kapitalist, Risikoträger, Kommunikator oder Arbitrageur auftritt. Diese Vorstellungen vom Unternehmer und Unternehmertum werden insbesondere durch die Bezugnahme auf die Begriffe des Risikos und der Innovation in Frage gestellt und dekonstruiert. So wird ein Unternehmerbegriff neu entwickelt, der diesen als kollektiven Akteur in Netzwerken und Unternehmertum als eine spezifische Kommunikationsstruktur begreift, die sich mit Risiko und Innovation auseinandersetzen und diese zu kapitalisieren weiß. Die Untersuchung hat drei Teile. Im ersten Teil wird das moderne Verständnis von Unternehmertum, insbesondere anhand der Begriffe von Ethos und Strategie, erörtert. Der zweite Teil setzt sich mit dem Begriff des Risikos als soziales Konstrukt und Vermögen auseinander, indem die Transformation des modernen Unternehmertums – auch im Hinblick auf Ethos und Strategie des Unternehmertums - sichtbar gemacht wird. Der dritte Teil vollzieht eine Neuformulierung des Unternehmerbegriffs im Ausgang der Moderne. Dies geschieht aus einer kommunikationstheoretischen Perspektive und durch die Einführung der sozialphilosophischen Kategorie des Dritten, die den Unternehmer nicht mehr als autonomes, sondern eher als dezentriertes und verführtes Subjekt begreift.
Die Entwürfe einer globalen Weltpolitik nach dem 11. Sep-tember, Diskussionen um die Stammzellenforschung, neue militärtechnologische Entwick-lungen machen deutlich, wie sehr wissenschaftliche Arbeiten in politische Strategien einge-bunden sind. Zudem verweisen die aktuellen Zusammenhänge darauf, dass die Vorstellung von einem unab-hängigen, unpolitischen Wissen-schaftler immer noch sehr ver-breitet ist. Aber: Wissenschaften werden eingesetzt – Wissen-schaften setzen ein. Einerseits werden wissenschaftliche Model-le gesellschaftlich instrumentali-siert, andererseits normalisieren sie selbst ihren spezifischen Zugriff. Die Beiträge des Bandes fragen aus der Sicht von Medizin, Poli-tikwissenschaften, Philosophie, Pädagogik, Rechtswissenschaft, Geschichtswissenschaft und Germanistik mit Blick auf den Nationalsozialismus nach den spezifischen Rollen und Funktio-nen von Wissenschaften und Wissenschaftlern. Dabei geht es nicht nur um eine historische Vergewisserung, schon gar nicht um Verdächtigungen oder An-klagen, sondern um die fortdau-ernde gesellschaftliche Verant-wortung von Wissenschaft und Forschung.