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Die Reihe untersucht die Menge von der Antike über die Moderne bis in die Gegenwart als Dispositiv, d.h. als eine heterogene Gesamtheit von Redeweisen, Körpern, Machttechniken, Affekten, Metaphern, Zeichenprozessen und kulturellen Praktiken in drei ineinandergreifenden Feldern: (1) Begriffsgeschichte und Semantik: Die begriffsgeschichtlich komplexe Figur der Menge wird auf unterschiedlichen Diskursebenen und in Hinblick auf die verschiedenen benachbarten Begriffe wie Masse, Schwarm, Pöbel untersucht. (2) Geschlechterdiskurs und Epistemologie: Die Menge impliziert Geschlechterfragen, die durch Frauenkörper, Mädchenschwärme, Nymphen, Musen usw. das Verhältnis von Geschlecht und Menge problematisieren. (3) Repräsentation und Ästhetik: In den verschiedenen Diskursen von Philosophie, Literatur und Ästhetik geht es um das Verhältnis von Individuum und Kollektiv, Öffentlichkeit und Innerlichkeit, von Besitzenden und Besitzlosen und somit Fragen der Repräsentation.

The series examines the crowd from antiquity through modernity to the present as a dispositive, i.e. as a heterogeneous totality of ways of speaking, bodies, power techniques, affects, metaphors, sign processes and cultural practices in three interlocking fields: (1) Conceptual history and semantics: the conceptually complex figure of the crowd is examined at different levels of discourse and with regard to the various neighbouring terms such as mass, swarm, rabble. (2) Gender discourse and epistemology: The crowd implies gender issues that problematise the relationship between gender and crowd through women's bodies, swarms of girls, nymphs, muses, etc. (3) Representation and aesthetics: The various discourses of philosophy, literature and aesthetics are concerned with the relationship between the individual and the collective, the public and the inward, the haves and the have-nots, and thus questions of representation.
Versuch einer Bestimmung des Spielelements der Kultur. Mit der Rektoratsrede von 1933 "Über die Grenzen von Spiel und Ernst in der Kultur". Aus dem Niederländischen von Annette Wunschel
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Der siebte und letzte Band der Reihe „Huizinga Schriften“ bringt die Neuübersetzung des berühmten „Homo Ludens“ von 1938, der das Denken des Spiels seither maßgeblich beeinflusst hat. Das Werk bestimmt Spiel als ein kulturkonstitutives Element und entfaltet dessen Formen in der Sprache, im Recht, im Krieg, in der Wissenschaft, in der Philosophie, im Sport und in der Kunst an Beispielen aus zahlreichen Disziplinen. Ergänzt wird diese wichtige Neuübersetzung durch die ebenso überfällige Übersetzung von Huizingas Rektoratsrede „Über die Grenzen von Spiel und Ernst in der Kultur“ von 1933, die im Deutschen bisher nur als Selbstübersetzung zugänglich war.
Der Sammelband bündelt Aufsätze zur literarischen Darstellung von Krankheiten und Mengen.
Die einzelnen Beiträge zielen auf das ästhetische (Erzähl-)Potenzial im Verhältnis dieser beiden Sujets zueinander. Sie nehmen dabei Fragen nach Phänomenen der Ansteckung, der Darstellung von Krankheiten, Versuchen der Ordnung von Menge zur Vermeidung von Krankheitsausbreitung oder dem Verhältnis zwischen Individuum und Menge im Zustand der Krankheit in den Blick. In komparatistischer Anlage durchläuft der Sammelband Stationen der Reflexion über Menge und Krankheit vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
Gottes trinitarisches Liebesabenteuer: Dreieiniges Werden, Ökologische Schöpfungswege, Menschen und Ver-rückung
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Im zweiten Band seiner umfassenden Post-Systematischen Theologie auf Basis einer phänomenbasierten, narrativen Ontologie behandelt Mühling das trinitarische Liebesabenteuer Gottes von der Gotteslehre bis zur Hamartiologie. Innerhalb des Liebesabenteuers werden die Differenz in Gott in Form seiner dreifachen Personalität, Gottes narrative Einheit und Gottes Werdenseigenschaften behandelt. Der Schöpfungsweg behandelt Gottes Fähigkeit zur Schöpfung, creatio ex nihilo und creatio continuata, die Schöpfung als imago trinitatis, Kosmologie, wirkliche Möglichkeiten, Engel und Außerirdische sowie biologische Evolution. Die Anthropologie des menschlichen Werdens inmitten der Geschöpfe behandelt den Menschen als imago trinitatis, seinen leiblichen Geist und seine leibliche Seele, Vernunft, Wille und Affektivität, den menschlichen Prozess des Humaning, die Erschöpflichkeit seiner Geschöpflichkeit und eine umfassende Explikation der Sünde als Ver-rücktheit des Menschen im geschaffenen Gewebe. Der Band schließt mit Überlegungen zu einem ökologischen Ethos der Geschöpflichkeit. Stets spielen interdisziplinäre Überlegungen, v.a. zwischen Theologie, Philosophie und den Naturwissenschaften eine wichtige Rolle.
In sieben Bänden. Aus dem Niederländischen von Annette Wunschel
Series:  Huizinga Schriften
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Die Reihe der „Huizinga Schriften“, die Brill | Fink seit 2011 in Neu- und Erstübersetzungen vorlegt, findet ihren Abschluss mit dem siebten Band, der mit „Homo Ludens“ den Referenztext aller modernen Spieltheorien enthält. Dank Annette Wunschel, die für ihre Übersetzung von Huizingas „Kultur- und zeitkritischen Schriften“ 2016 mit dem Else-Otten-Preis ausgezeichnet wurde, liegen jetzt nicht nur Huizingas Hauptwerke „Herbst des Mittelalters“, „Erasmus“ und „Homo Ludens“ in einer gänzlich neuen Übersetzung vor, die durch ihre intendierte Nähe zum Originaltext dessen Lebendigkeit und Pointenreichtum bis in kleinste Nuancen zu erhalten vermag. Mit den erstmals übersetzten Briefen, den „Amerika“-Büchern und der Biographie des Künstlers Jan Veth eröffnet sich ein umfassender Blick auf das Werk des großen niederländischen Kulturhistorikers.
Zur Wende im Kräfteverhältnis zweier Theaterformen zwischen 1869 und 1918 in Berlin
Anders als heute war der Zirkus um 1900 überaus erfolgreich in Berlin – so erfolgreich sogar, dass er für das bürgerliche Literaturtheater eine bedrohliche Konkurrenz darstellte. Dies führte nicht nur zu Diskreditierungen des Zirkus in theaterinternen Debatten, sondern auch zu politischen Vorstößen von Bühnenverbänden gegen die Präsenz und Aufführungspraxis der Zirkusse. Doch obwohl die Theatergesetze zwischen 1880 und 1900 zu Lasten der Zirkusse verschärft wurden, war ihr Erfolg bis in die 1910er Jahre ungebremst. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte sich das Kräfteverhältnis der beiden Theaterformen jedoch um. Das Buch beleuchtet die komplexe Verflechtung von Akteur:innen und Faktoren, die zu dieser Wende führten, und zeichnet ein Bild der Ausgangslage des heutigen Theatersystems im deutschsprachigen Raum, das heißt der Theaterpraxis wie auch des grundlegenden Förderverständnisses. Zudem gibt es Antworten auf die Frage, wie der Zirkus zu seinem Status als „niedere“ oder Nicht-Kunst kam.
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Bergvisionen zwischen Symbolik und Erfahrungsraum
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Der vorliegende Band untersucht das Zusammenwirken von Bergdarstellungen und Traumnarrativen in Literatur und Film aus epochen- und kulturraumübergreifender sowie intermedialer Perspektive. Dabei soll der Traum in seiner ganzen semantischen Spannweite in den Fokus gerückt werden, denn die komplexe Hybridisierung von Schlaftraum, Tagträumerei und Wunschtraum scheint im Kontext von Bergnarrativen besonders sinnstiftend. Gleichzeitig wird durch die Analyse ästhetischer Bergdarstellungen in onirischen Narrativen eine Re-Evaluierung etablierter Bergtopoi angestrebt. So soll die spezifische Wissens- und Kulturpoetik der Berg-Traum-Narrative herausgestellt werden. Zwischen Selbstfindung und Entfremdung, Fiktion und Referenzialität, rückwärtsgewandter Traumabewältigung und zukunftsgerichtetem Sehnsuchtsraum konstituieren sich ästhetische Darstellungen von 'Traumbergen' und 'Bergträumen' regelmäßig durch eine ambivalente, dialektische Logik, die es zu untersuchen gilt.
Spektrale und axiale Aspekte der Darstellung von Migration in romanischen Literaturen und Bildmedien des 21. Jahrhunderts bilden den Fokus dieses Bandes. Während sich das Spektrale den doppeldeutigen, unheimlichen und wiedergängigen temporalen Aspekten von Migration annähert, ermöglichen es Achsen, spatiale Dimensionen und Subjektpositionen Migration in ihrer Dynamik zu erfassen. Welche Gespenster der (kolonialen) Vergangenheit kehren in der Gegenwart wieder? Welche räumlichen Achsen werden in den Migrationsnarrationen erzeugt? Welche medialen Verfahren entstehen in diesem Zusammenhang? Die Beiträge gehen diesen Fragen in lateinamerikanischen und frankokanadischen Literaturen ebenso wie in frankophonen Comics, afrikanischen Spiel- und Kurzfilmen sowie in europäischen Ko-Produktionen wie TV-Serien nach.
Open Access
Zur Praxis materialistischer Literaturinterpretation
Wie steht es um den Materialismus in den Literaturwissenschaften? Gibt es ‚den‘ Materialismus oder eine Pluralität von Materialismen? Wie bringen wir das Verhältnis der Dinge und Texte zu den Bedingungen ihres Erscheinens auf den Begriff? Und wie gestaltet sich dabei das Verhältnis der neuen zu den alten Materialismen? Man müsse, heißt es bei Marx, die Hegelsche Dialektik „umstülpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hülle zu entdecken“. Im Anschluss an die vielschichtige Metapher des Umstülpens unternimmt das Buch eine Neuvermessung der Landkarte materialistischer Analyseformate in den Literaturwissenschaften. Auf der Grundlage einer kritischen Rekonstruktion marxistischer Traditionslinien werden gegenwärtige Einsätze vorgestellt und mittels theoretischer Situierung und exemplarischer Analysen auf ihre Potentiale hin befragt: Dabei erweisen sich der Realismus- und der Ideologiebegriff mit materialistischen Theorien der Form oder der Produktion von Literatur eng verwoben. Ansätze einer materialistischen Weltliteraturforschung werden mit postkolonialen und intersektionalen Perspektiven ins Gespräch gebracht. Zum Horizont aktueller Debatten gehören schließlich Fragen der Sorgearbeit oder ‚platform work‘ in der Gegenwartsliteratur. Der Band widmet sich u.a. theoretischen Positionen von Pierre Macherey, Roberto Schwarz, Karen Barad und des Warwick Research Collective sowie literarischen Texten von Wilhelm Raabe, Anna Seghers, Kōbō Abe und Gertraud Klemm. Das Resultat ist keine vollständige Darstellung des Diskursfeldes, sondern eine Orientierungshilfe, die es trotz der Unabgeschlossenheit der Begriffsbildung erlaubt, materialistische Theorie literaturwissenschaftlich fruchtbar zu machen.
Open Access
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Pier Paolo Pasolini (1922–1975) war ein traditionsverbundener, marxistischer Atheist mit Tendenzen zur christlichen Spiritualität. Er idealisierte vergangene, archaische, ‚einfache‘ Gesellschafts- und Bewusstseinsformen, die sich der Rationalität, Gleichschaltung und Kommerzialisierung moderner, kapitalistischer Welten verwehren. Der Band versammelt 13 Aufsätze internationaler Pasolini-Experten und -Expertinnen, die der Frage nachgehen, inwieweit sich das Konzept der Authentizität eignet, um sich dem Regisseur und seinem Werk zu nähern. Inwiefern hing Pasolini dem ‚Mythos Authentizität‘ nach? Lassen sich künstlerische Mittel bestimmen, die Formen des (In-)Authentischen zum Ausdruck bringen? Vorgelegt werden Analysen zu den Spielfilmen „Accattone“, „Mamma Roma“, „Il Vangelo secondo Matteo“, „Edipo Re“, „Teorema“ und „Medea“, zu den Dokumentationen „Il 12 dicembre“ und „Appunti per un film sull‘India“ sowie zu den unverwirklicht gebliebenen Drehbüchern „L’Histoire du Soldat“ und „Porno-Teo-Kolossal“.