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Das in den biblischen Texten durchgehend wirksame Offenbarungsgeschehen ist – unbeschadet der Frage nach der Historizität des Mose und des Exodus – ein Faktum von höchster Relevanz für die Abfolge der kulturellen Ordnungsvorstellungen. Die bisherige Kompaktheit des Seins wird aufgebrochen für eine unmittelbare Partnerschaft mit Gott, die in der Gabe des Dekalogs am Sinai ihre Vermittlung findet: Der Gottesnähe muß das Handeln der Menschen entsprechen. Indem der Dekalog aber die gesellschaftliche Existenz des Volkes ordnet, ist er auch zweideutig. Die in ihm begründete soziale Existenz Israels verhindert immer wieder einen reflektierten Transzendenzbezug. Das ist der Ausgangspunkt der Botschaft der Propheten. Sie verweisen auf den Widerspruch zwischen offenbarter Ordnung Gottes und realer gesellschaftlicher Unordnung. Dabei entwickeln sie zunehmend die menschheitlich-universale Dimension des Gottesbildes.
Politische Kultur und Mentalität von der Reichsgründung bis zur Wiedervereinigung
Schwaabes neues Buch beschäftigt sich mit der Entwicklung der politischen Kultur im modernen Deutschland. Im Mittelpunkt steht die Reaktion auf Modernisierungsprozesse, insbesondere das verbreitete Unbehagen an bestimmten Konsequenzen kultureller und gesellschaftlicher Modernität. Diese politisch-kulturelle Anpassungskrise äußert sich vor allem in antiliberalen und antiparlamentarischen Vorbehalten und einer hohen Wertschät-zung der nationalen „Gemeinschaft“. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei der Tiefenschicht der Mentalitäten zu – eine Problemdimension, die in vergleichbaren Studien meist nur am Rande thematisiert wird. Es wird gezeigt, wie diese Modernitätskrise von ihren Anfängen im Kaiserreich über ihre Verschärfung in Weimar schließlich im Januar 1933 kulminierte – und wie das Dritte Reich zu einer derart populären Diktatur werden konnte. Erst der totale Zusammenbruch von 1945 macht den Weg frei für die nicht zuletzt mentale Aussöhnung der Bun-desdeutschen mit der Idee und der Wirklichkeit einer „offenen Gesellschaft“.
Author: Olaf Karitzki
Weltweite Armut, vorbeugende Kriege, grosse wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Staaten, globale Klima-Katastrophe: die Welt befindet sich in Unordnung. Diese spiegelt sich in heftigen Debatten über globale Gerechtigkeit, in der Frage, welchen Zustand der Welt wir anstreben sollen. Einfache Antworten wie im Kalten Krieg oder ein simples 'nicht für uns sein heisst gegen uns sein' helfen nicht weiter. Dazu sind die Probleme zu komplex und zu sehr miteinander verwoben: Soll man nicht-liberale Staaten tolerieren, inklusive illiberaler? Sind wir für den Hunger in der Welt verantwortlich und wer ist ein relevantes 'Wir'? Sollen heutige Generationen die Versprechen ihrer Vorfahren halten müssen, die sich heute als nachteilig herausstellen? Wie lange gilt umgekehrt ein grenzüberschreitendes Unrecht als Anspruch, aus dem man heute legitime Forderungen auf Wiedergutmachung ableiten kann? Ist ein Krieg moralischer, wenn er im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen erklärt, geführt und beendet wird? In Anlehnung an John Rawls’ Buch 'Das Recht der Völker' entwickelt der Autor ein Verfahren, diese und weitere Fragen von einem unparteiischen Standpunkt aus zu beantworten – nicht im Sinne unumstösslicher Wahrheiten, sondern als Anregung zum Diskutieren und Weiterdenken. Mit dem an Rawls angelehnten Verfahren des 'Urzustands zweiter Ordnung' werden Grundsätze aus verschiedenen Bereichen internationaler Politik kohärent auf ein Begründungsschema zurückgeführt. Auf diese Weise stellt der Autor ein argumentatives Gegenüber auf zu den häufig selektiven ethischen Argumentationsstrategien von Politikern und Vertretern Nicht-Staatlicher Organisationen (NGOs). Gerechtigkeit anzustreben heisst im Sinne des Autors, nicht die Rosinen herauszupicken, sondern ein System von Grundsätzen verwirklichen zu wollen.
Der erste Teil von Das Ökumenische Zeitalter befasst sich mit den Problemen einer nicht-eurozentrischen Geschichtsphilosophie und den Symbolismen, die zur Entwicklung einer solchen Geschichtsphilosophie herangezogen werden müssen. Der zeit-räumliche Bereich des ersten Auftretens dieser neuen Symbolismen sind die Jahrhunderte zwischen dem Aufstieg des persischen und dem Untergang des römischen Reiches. Voegelins Neuordnung dieses Zeitalters wird in der Einleitung zu diesem Band philosophisch begründet und als ein Prozess zwischen kosmologischem Anfang und transkosmischem Jenseits dargestellt, in dem die Menschheit das Feld bildet, das von der Spannung dieses Prozesses gestaltet wird. Die Legitimität der ökumenischen Antike besteht nach Voegelin darin, dass sie grundsätzlich die Möglichkeiten von dem, was als Geschichte bezeichnet werden kann, abgrenzt und zugleich die Spannung des geschichtlichen Prozesses als das Wesen des Menschseins schlechthin aufzeigt.
1987 posthum erschienen, stellt 'Auf der Suche nach Ordnung' den letzten Band von Ordnung und Geschichte dar. Von 1980 bis zu seinem Tod 1985 arbeitete Eric Voegelin intensiv an diesem Text. Lissy Voegelin berichtet im Vorwort, dass ihr Mann in diesen Zeilen den 'Schlüssel zu all seinen anderen Werken' sah. In äußerst verdichteter und direkter Form spricht Voegelin noch einmal von den Ordnungsgrundlagen menschlicher Existenz im 'Komplex Bewusstsein-Realität-Sprache' – und auch von deren Deformation. Die theoretischen Bezugspunkte sind vor allem Platons Timaios und Hegel. In der Annäherung an die Erfahrung des metaxy, der 'existentiellen Spannung' zwischen Immanenz und Transzendenz, wird der anamnetische Zug des Voegelinschen Denkens noch einmal deutlich sichtbar. Es ist wohl keine Übertreibung, 'Auf der Suche nach Ordnung' als Voegelins philosophisches Testament zu bezeichnen.
Wie schon im ersten Teil von Das Ökumenische Zeitalter behandelt Voegelin in Weltherrschaft und Philosophie die erstaunliche Gleichzeitigkeit von westlichen und östlichen Reichen in der geistigen “Achsenzeit der Menschheit” (Karl Jaspers). Er diskutiert die Parallelphänomene von Reichen, welche die jeweilige bekannte Welt beherrschen wollen, und geistigen und spirituellen „Ausbrüchen“, die universale Wahrheitsansprüche stellen. Mit diesen beiden Bänden von Ordnung und Geschichte erreicht das Projekt einer vergleichenden Bewusstseins- und Symbolgeschichte der Menschheit seinen intellektuellen Höhepunkt. Neu (von Weinberger):
Vom Mythos zur Philosophie
In der Welt der Polis zeichnet Eric Voegelin den Gang der geistigen Entwicklung in Hellas nach – bis zu ihrem Höhepunkt in der Philosophie Platons und Aristoteles. War der erste Teil der Studie der spezifischen Ausgestaltung eines den Hochkulturen des Alten Orients vergleichbaren kosmologischen Welt- und Ordnungsverständnisses gewidmet, das seinen großartigen Ausdruck in der Mythopoetik Homers und der erwachenden Mythenspekulation Hesiods fand, so befaßt sich der zweite Teil mit dem Übergang vom archaischen zum klassischen Hellas. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf dem sich wandelnden Welt- und Ordnungsverständnis. Voegelin verfolgt die über Jahrhunderte sich hinziehende Ablösung vom traditionellen Mythos der Polis durch die Philosophie als neuer symbolischer Form. Es ist der Prozeß, in dessen Verlauf es zur Entdeckung der menschlichen Seele, ihrer Tiefe und ihrer Ordnung kam, sowie zu der sie begleitenden Erfahrung und Erforschung der radikalen Transzendenz des Göttlichen. In ebenso eindringlichen wie eigenwilligen Analysen protokolliert er die einzelnen Schritte dieses geistigen Abenteuers in den Werken der großen mystischen Philosophen Anaximander, Heraklit und Parmenides. Das Buch gipfelt in einer Studie des „Athenischen Jahrhunderts“ – mit Betrachtungen über die politische Bedeutung der griechischen Tragödie, über die geistige Krise der Sophistik und über den Aufstieg und Fall Athens bzw. das Problem von „Macht“ und „Geschichte“ – wie es sich in den Werken Herodots und Tkukydides’ spiegelt.
Figurenlehren des sozialen Körpers nach der Romantik
Seitdem die Französische Revolution den politischen Körper von seinem königlichen Haupt getrennt hat, ist das Bild moderner Macht von einem Riß durchzogen. Was Recht ist, bestimmen Volksvertreter, doch geht die politische Realität in dieser Repräsentation nicht auf. Namen wie ”Volk” und ”Nation” sind exklusive Titel; sie verschweigen den Unterschied, den sie zwischen den Bewohnern eines Landes machen. Das Recht trennt die, die es schützt, von denen, die den Staat nur als Gewalt zu spüren bekommen. Von dem Begehren, die Sache des Politischen zu verhandeln und im Schatten der Politik aufzusuchen, zeugt eine weitläufige Debatte, die bis heute andauert. Ihre theoretischen Impulse hat sie von so unterschiedlichen Denkern wie Carl Schmitt, Michel Foucault, Claude Lefort, Jacques Rancière und Giorgio Agamben erhalten. Genauso führen ihre Spuren aber durch das Feld der Rechtsakten, der Geschichtsschreibung und der Literatur. Die Beiträge des Bandes gehen den einschlägigen und apokryphen Geschichten nach, in denen das Politische auf dem Spiel steht. Sie verfolgen dabei auch eine Arbeit am politischen Imaginären, die seit der Romantik nicht aufhört, in den Figuren des sozialen Körpers eine andere Wirklichkeit der res publica festzuhalten: eine öffentliche Sache, deren heimliche Wahrheit die Dichtung aussagt und deren unheimliche Möglichkeiten sich historisch als Biopolitik und Totalitarismus ausbuchstabieren.
Wandlungen eines Feindbildes
Antiamerikanismus hat im modernen Deutschland eine lange, wenn auch keineswegs bruchlose Tradition. Das durchaus ambivalente Verhältnis zu Amerika erfüllt in sehr unterschiedlicher Weise eine wichtige Funktion bei der Frage nach der eigenen deutschen Identität. Schwaabe verknüpft in seiner Untersuchung diese beiden Dimensionen als zwei Seiten derselben Medaille: Die deutschen Amerikabilder sind Spiegelungen des eigenen Selbstbildes. Dabei markiert das Jahr 1945 eine fundamentale Wende. Der Antiamerikanismus vor 1945, zumal in Weimar, war ein rechter, radikal antiwestlicher. Nach 1945, mit dem apokalyptischen Scheitern des deutschen Gegenentwurfs eines martialischen Heldentums, wird Amerika in vielerlei Hinsicht zum Katalysator der bundesdeutschen Verwestlichung. Neben der lebensweltlichen „Amerikanisierung“ kommt es spätestens mit 1968 und dem Vietnamkrieg zu einem neuen, nun „linken“ Antiamerikanismus. Jetzt stehen die USA, in bemerkenswerter Verkehrung der alten Rollen, für Militarismus und Imperialismus. Sie stehen damit auch für die eigene deutsche Vergangenheit, von der sich die zivilen, postheroischen Bundesbürger gründlich gelöst haben. Aus dem Inhalt A. „Heroische Verweigerung“ gegen das westliche „Händlertum“. Antiamerikanismus und deutsche Selbstbilder 1871 bis 1945 Kulturkritische Erfindung Amerikas als Nebenprodukt der Modernitätskrise Kulturkämpferisches Heldentum: Die „Ideen von 1914“ Martialische „Verfinsterung“: Der „Mythos von 1914“ Antiwestlicher Groll und Weimarer Amerikanisierung Verlockungen des politischen Existentialismus Die glückliche „Volksgemeinschaft“ und die Apokalypse des deutschen Heldentums B. Verwestlichter Pro- und Antiamerikanismus. Bundesdeutsche Befindlichkeiten Die Stunde Null: Incipit America … Tektonische Entspannung: Westbindung einer entschärften Rechten Amerikanisierung oder Verwestlichung? Zivilisierte Helden, Amerika-freundliche Biedermänner: James Dean und Konrad Adenauer 1968: Antiamerikanische Verwestlichung Zivile Wende 1 - US-Imperialismus und deutsche Vergangenheit Zivile Wende 2 - Die harmlose deutsche Provinz 1989/90: Ende der Absence und neue Heimatlosigkeiten Außenpolitische Zumutungen und zivile Reaktionen
Zwischen Re- und Dekonstruktion
Dietmar Wetzel unternimmt eine diskurskritisch-vergleichenden Lektüre zweier Theorielinien der neueren Sozialphilosophie: identitäts- versus alteritätsorientierte Konzepte. Das Denken des Ethischen und des Politischen wird dabei anhand einer Beschäftigung mit Schlüsselbegriffen, Konstellationen und Figuren der Gegenwartsgesellschaft thematisch an Gerechtigkeit, Geschlecht, Dritte(m) und Gemeinschaft ausgerichtet. Soziologische Essays, dem Intellektuellen, der Hausfrau, dem Grenzpolizisten und dem Flüchtling gewidmet sind, komplementieren die Analysen. So kann gezeigt werden, daß differenztheoretische Positionen (Lévinas/Derrida) den Begriff der Gerechtigkeit um Aspekte der Fürsorge und der moralischen Gefühle erweitern müssen (Benhabib, Cornell). Da im Übergang der Ich-Anderer-Beziehung zu „ordentlichen Bezügen“ das Dritte eine grundlegende Rolle spielt, läßt sich Gemeinschaftsbildung nicht mehr im Sinne natural bzw. religiös begründeter Nachbarschaft (Kommunitarismus), sondern nur als stets neu zu legitimierende und variierende Kultivierung von Andersheit begreifen.