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Lektionen im Kontext des Flusserschen Denkens
Der Dialog nicht nur zur kybernetischen Erzeugung neuer Informationen, sondern als Anerkennung des jeweils Anderen ist Dreh- und Angelpunkt im Werk Vilém Flussers.
1937, zwei Jahre vor dem Einmarsch der Truppen Nazideutschlands und seiner erzwungenen Emigration, hörte der junge Flusser zusammen mit seiner späteren Ehefrau Edith Barth in Prag Martin Bubers Vortrag „Vorurteil gegen Gott“. Der Kern der jüdisch geprägten Dialogphilosophie, das Realisieren des Ichs im Du, das Entwickeln des eigenen Denkens im Dialog, trieb den unermüdlichen Redner und Schriftsteller Flusser an. Der unbedingte Dialog ist auch der Antrieb der International Flusser Lectures, die 1999 durch das Vilém Flusser Archiv initiiert wurden mit der Idee, die Gedankenwelt des Prager Kulturphilosophen am Leben zu halten und sie regelmäßig zu überschreiten. Dieser Band stellt eine Auswahl der Vorträge zusammen und versammelt heterogene wie eigen- und widerständige Positionen im großzügigen Kontext des Flusserschen Denkens.
Mit Beiträgen von Christoph Asendorf, Norval Baitello jr., Klaus Bartels, Paola Bozzi, Hinderk M. Emrich, Harun Farocki, Susanne Hauser, Dietmar Kamper, Detlef B. Linke, Nils Röller, Elisabeth von Samsonow, Klaus Theweleit, Peter Weibel und Sigrid Weigel.
Klagen über den Verfall der Kultur gehören zu den beliebtesten Übungen von Intellektuellen. In welchen Formen sich diese Klagen äußern, untersuchen Beiträge namhafter Wissenschaftler.
Viele empfinden die Gegenwart als zu hektisch, zu laut, zu oberflächlich, zu chaotisch. Doch diese Diagnosen unter dem Vorzeichen von Kulturkritik sind so alt wie die Moderne selbst. Was sich allerdings wandelt, sind die Medien von Klagen über Entfremdung und die Inszenierungen des Niedergangs. Der Band nimmt diese Klagetradition zum Anlass, um die Modalitäten von Kulturkritik näher zu beleuchten: In welchen Rede- und Schreibweisen, Erscheinungsbildern, Zeichen- und Ausdruckswelten nehmen kulturkritische Leidensemphasen Gestalt an? Und wie konsumieren zeitgenössische Rezipienten die alltäglichen Angebote der Kulturkritik?
Von der Antike bis an die Schwelle der Moderne wurden politische Ordnungen immer wieder im Rückgriff auf die schillernde Semantik von ‚Natur‘ bestimmt. Was lange Zeit als obsolet galt, erlebt in der politischen Rhetorik unserer Tage eine erstaunliche Renaissance.
Durch die Rekonstruktion der politischen Funktionalisierung von Natur in einem weiten Spektrum historischer Fallbeispiele bieten die Beiträge des Bandes eine Archäologie heutiger Debatten. In der Geschichte wurde Natur zum einen als normatives Modell herangezogen, um politische Ordnung zu legitimieren, zum anderen erschien sie als eine anarchische Gegenkraft, die durch politisch-kulturelle Ordnungsleistungen gezähmt werden muss. Zudem gilt: Wer sich in politischen Diskussionen auf Natur beruft, unterstellt Gegebenheiten, die sich menschlicher Verfügungsmacht entziehen. Sowohl aus ihrer Doppeldeutigkeit wie aus dem Phantasma ihrer Unverfügbarkeit gewinnt die Berufungsinstanz Natur in politischen Diskussionen ihre besondere rhetorisch-argumentative Stärke.
Zur Genealogie des möglichen Menschen
Schon beim frühesten Auftauchen des lateinischen Wortes »Potentialis« lässt sich eine entscheidende Ambiguität beobachten: Einerseits bezeichnet »Potential« etwas, das noch nicht aktuell ist, aber sein könnte, andererseits stellt »Potential« ein Merkmal der Macht und der Mächtigen dar. Diese Unschärfe und Doppelung ist nicht bloß ein sprachliches Merkmal, sondern hängt mit der Komplexität und gesellschaftlichen Reichweite symbolischer Praktiken zusammen. Im Kern geht es um die Materialität des menschlichen Potentials als eine Grundbedingung des Regierens. In interdisziplinären Fallstudien zur Transformation von Subjekten und gouvernementalen Kulturtechniken rekonstruiert der Band die Genealogie der Regierung von Kollektiven und Individuen in Spätantike, Mittelalter und Neuzeit. Hierbei zeigt sich eine der Urszenen der Biopolitik schon in mittelalterlichen Klöstern als menschlichen Perfektionsmaschinen und nicht erst im quantifizierenden Licht der Aufklärung. Zudem betonen neuzeitliche Verflechtungen von Literatur und Kunst mit Recht und Ordnung die gouvernementale Qualität ebenso umfassender wie unscharfer symbolischer Setzungen, die auch in Zeiten funktionaler Differenzierung noch fortwirken. Über die Zeiten hinweg erweist sich die Administration von Menschengekoppelt an das Versprechen von Sicherheit.
Descartes' Dichten, Träumen, Denken
Author: Jakob Moser
Zum Abschluss seines Studiums entwirft Descartes ein Thesenblatt. Darin dichtet er eine Allegorie seines Bildungsweges, die unser Bild vom Begründer des modernen Rationalismus irritiert. Für den klassischen Descartes gilt allein das rationale Denken als unbezweifelbare Quelle aller Wissenschaft. Dahingegen schöpfte er in seinem frühsten Text, der Widmung seines Thesenblatts von 1616, aus den Quellen der Musen, der antiken Poesie und Mythologie. Wenige Jahre später erblickte er in seinen Träumen eine Anthologie römischer Dichter und deutet sie als Verheißung seiner künftigen Philosophie. Die intuitive Einbildungskraft der Dichter überflügelt das deduktive Denken der Philosophen. Ausgehend vom Thesenblatt zeichnet Moser ein ungewöhnliches Portrait des jungen Descartes, um es schlaglichtartig mit seinen späteren Werken zu kontrastieren. Die nackte Vernunft erscheint dabei immer wieder neu im Kleid der Imagination.
Szenen einer medienanthropologischen Theorie des Geistes
Author: Eva Schürmann
Wie macht sich der Geist ein Bild von der Welt? – Vermittels Darstellungen. In Texten und Bildern, Filmen und Aufführungen werden Vorstellungen präsentiert, die wie allgegenwärtige Zwischenglieder zwischen uns und den anderen fungieren. Gleichgültig, ob wir etwas erzählen oder ein Bild ins Netz stellen, ob wir Zeitung lesen oder Filme schauen, stets sind es Darstellungen, die Auffassungsweisen vergegenwärtigen.
Schürmann suspendiert anhand einer Theorie des Vorstellens und Darstellens sowie der Analyse spezifischer Darstellungspraxen – wie etwa der legendären Rodney King-Affäre, die angesichts der filmisch dokumentierten Fälle von Gewalt gegen Schwarze in den USA in letzter Zeit erschreckend aktuell geblieben ist – die Behauptung, wir lebten in einem postfaktischen Zeitalter, in dem sich Wahrheit und Fälschung nicht mehr auseinanderhalten ließen. Hiergegen entfaltet das Buch eine Darstellungstheorie in kritisch-therapeutischer Absicht. Es zielt darauf, Darstellungspraxen als spezifisch menschlich, weil geistig und freiheitlich, zu qualifizieren, um im Streit der Interpretationen bessere von schlechteren unterscheiden zu können – am Ende der Lektüre steht die Entwicklung einer „medienkompetenten Urteilskraft“.
Zur Ursprünglichkeit einer Dimension des Politischen im Anschluss an die Philosophie des frühen Heidegger
Lässt sich mit Heidegger noch politische Philosophie betreiben? Seit der Veröffentlichung der Schwarzen Hefte scheint dies unmöglich oder zumindest sehr kontrovers. Ohne die Relevanz der um die Hefte entstandenen Debatte in Frage zu stellen, wird hier ein anderer Weg eingeschlagen, um diese politische Dimension zu erkunden.
Dieser alternative Zugang thematisiert die frühen phänomenologischen Schriften (1919–1923) des Autors, die um die fundamentale Frage nach einem Denken des Ursprungs kreisen. Es handelt sich um ein Denken, das für sich in Anspruch nimmt, einen genuinen und adäquaten Zugang zur ursprünglichen Struktur der faktischen Lebenserfahrung gefunden zu haben. Die zentrale These Mengas lautet nun, dass die Vorrangigkeit des Politischen gerade in dieser phänomenologischen Dimension entdeckt, weiter entfaltet und kritisch erörtert werden kann – bis hin zu Spuren einer Demokratietheorie in Heideggers früher Philosophie.
Studien zu ihrer Interdependenz von der Aufklärung bis zur Gegenwart
Der Band durchleuchtet das keineswegs einfach oppositive Verhältnis von Freiheit und Zwang, wie es sich seit der Formierung der Moderne in der Aufklärung entwickelt hat – politisch, philosophisch, anthropologisch, ästhetisch.
Freiheit und Zwang stellen nur auf den ersten Blick binäre Gegensätze dar. Das eine kann graduell und oft unmerklich in das andere übergehen, und beide sind ohne das jeweils andere nicht denkbar. Häufig stehen Freiheit und Zwang in einem – negativen oder positiven – dialektischen Verhältnis zueinander, in dem sie sich gegenseitig bedingen und steigern oder aber unterminieren. Oder sind Freiheit und Zwang in der Moderne sogar zunehmend ununterscheidbar geworden? Der Band verleiht diesem schillernden Vexierbild in vier Abteilungen Ordnung und Struktur: I. Politik und Ökonomie, II. Institutionen und Lebensführung, III. Physiologische Dimensionen, IV. Ästhetische Verhandlungen.
„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ – schrieb einst Thomas Hobbes, Autor des berühmten Leviathan. Schon mehrfach glaubten die Gesellschaften in ihrer Geschichte, diese pessimistische Formel vom menschlichen Zusammenleben hinter sich gelassen zu haben. Doch hat uns am Ende der Glaube an das Recht des Stärkeren im Angesicht von Krieg und Terrorismus im 21. Jahrhundert wieder eingeholt?
Hobbes (1588–1679) machte nicht nur als Mitbegründer der modernen politischen Philosophie von sich reden. Viele seiner Ideen sind auch mehr als 350 Jahre nach seinem Tod immer noch präsent. Sie sind Thema im Schulunterricht, an den Universitäten; in allen Zusammenhängen, in denen wahrhaftig philosophiert wird. Der Comic führt anschaulich und gut verständlich in das Leben und Denken des Philosophen ein. Beleuchtet werden beispielsweise seine Anthropologie und sein Gottesbegriff, seine Konzeption des Guten und sein Begriff der Vernunft, seine Prinzipien staatlicher Herrschaft und seine Auffassung vom Reich der Finsternis. Schritt für Schritt werden die Grundbegriffe und intellektuellen Kontexte seiner Lehren und ihrer Wirkungsgeschichte bis in unsere Gegenwart hinein thematisiert. Im Zentrum steht das zugleich epochale wie umstrittene Hauptwerk des Engländers, der 1651 publizierte Leviathan. Wir müssen unsere natürliche Freiheit und unser Recht auf alles aufgeben, um im und durch den Staat Frieden zu finden.
Hobbes’ Philosophie hat auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Aktualität verloren.
Hobbes’ Denken auf anschauliche, verständliche und unterhaltsame Weise erklärt.
Der traditionell behauptete Gattungsunterschied von wahrheitsorientierter philosophischer Prosa und fi ktionaler Literatur stellt sich nicht zuletzt dann als problematisch heraus, wenn Formen des Denkens und Erkennens aus der Betrachtung herausfallen, die sich keinem der beiden Modelle zuordnen lassen.
Das Konzept der »Literarischen Denkformen« soll dazu dienen, philosophische und literarische Modi des Erkennens gleichermaßen einzufangen. Die Leitfragen der vorliegenden Analysen sind somit, ob und auf welche Weise philosophische Texte auf »dichterische« Mittel angewiesen sind und inwiefern Literatur in Philosophie umschlägt, wenn man sich denkend in sie versenkt.