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Die Beiträge des Bandes verstehen „Krise“ als einen zentralen Bestandteil kultureller und gesellschaftlicher Institutionen – und gleichermaßen als Ursprung und Effekt von Erzählungen: Einerseits müssen Krisenphänomene narrativ hergestellt, medien-, gattungs- und disziplinspezifisch in Szene gesetzt werden, andererseits dient die Kulturtechnik des Erzählens – nicht nur im engeren Sinne einer talking cure – der Überwindung von und dem Lernen aus Krisen. Dabei stellen Krisen in Erzählprozessen als Ereignis meist den Zeitpunkt unmittelbar vor einem Wendepunkt dar: Krisen erfordern Entscheidungen.
Zitat und skeptische Poetik bei Michel de Montaigne und Pierre Bayle
Author: Simon Godart
Wie verhält sich das Verwenden von Worten anderer im Modus des Zitats zum Denken und zur Form eines skeptischen Diskurses in der französischen Spätrenaissance und Frühaufklärung?
Montaignes emprunts der humanistischen Gelehrsamkeit sind zentraler Bestandteil der Poetik seiner Essais; seine charakteristische peinture de passage orchestriert einen Wechsel der Stimmen innerhalb seines großen humanistischen Selbstportraits. Zitieren – avant la lettre, da Montaigne noch nicht über den Begriff und die Konvention verfügt – wird zum formalen Mittel eines skeptischen Schreibens, das die Dinge in der Schwebe halten will. Bayle greift diese Technik in seiner „Rüstkammer der Aufklärung“ auf, um sie mit den Mitteln der bibliographischen Akribie neu zu gestalten; nunmehr auf den Begriff gebracht, wird Zitieren zum kritischen modus operandi einer skeptischen Erschütterung des historischen Bestands der philosophischen Tradition.
Das 17. Heft des Archivs für Mediengeschichte widmet sich der Funktion von Medien in der Entstehung und Etablierung moderner Finanzwirtschaft. Ausgangspunkt ist der offenkundige Sachverhalt, dass symbolische und technische Medien in engem Austausch mit Institutionen, Kulturtechniken und administrativen Prozeduren nicht nur die Monetarisierung neuzeitlicher Wirtschaftsräume bestimmten, sondern vor allem die Ausbreitung und Innovationsschübe finanzkapitalistischer Wirtschaftsweisen diktierten.
Neben prominenten und exemplarischen (medien-) historischen Szenarien rücken die Beiträge die Varianten von Geldmedien, ihre medientechnischen Bedingungen, die finanzökonomische Rolle von Kulturtechniken und konkreten Geschäftspraktiken wie die enge Verflechtung von Geldsystemen und Institutionen im Zeichen der Finanzökonomie in den Mittelpunkt.
Mit Beiträgen von Florian Baranyi, Armin Beverungen, Till Breyer, Sophie Cras, Sebastian Gießmann, Alasdair King, Ann-Christina Lange, Andreas Langenohl, Nina Peter, Wolfgang Pircher, Ramón Reichert, Dennis Schep und Sebastian Schwesinger.
Ahura Mazda und sein Prophet Zarathushtra. 2. Auflage
Author: Harald Strohm
Die Mehrzahl damit befasster Iranisten und Indologen vertritt seit Langem die Ansicht, dass Ahura Mazda, der von Zarathushtra um etwa 1000 v. Chr. verkündete Monotheos, sich aus demselben Gott entwickelte wie der vedische Asura Varuna des benachbarten Indien. Mit weiteren, insbesondere psychologischen Argumenten unterfüttert, erweist sich diese »Gleichung« als einzigartige Chance, die Entstehungsgeschichte des altiranischen Monotheismus zu rekonstruieren.
Nicht nur Varunas Narrenrolle im indischen Theater, auch sein gefürchteter Groll, seine Gespaltenheit in lichte und finstere Züge, seine moralischen Ansprüche, seine Weltflüchtigkeit, sein gestörtes Verhältnis zu Frauen: Alle diese Züge haben ihr klares Pendant im Ahura Mazda des iranischen Propheten. Dennoch wurde er in den Offenbarungen ein völlig anderer. Der Sonderling in einer sonst illustren polytheistischen Göttergesellschaft mutierte zum schweigenden, transzendenten und streng richtenden Autokraten. Jedoch erschließen sich auch die Mechanismen dieser Transformation durch die Psychologie des Varunischen.
Diskussion eines ästhetischen Begriffs
Erstmalig stellt dieses Buch die Theorie und Geschichte des ästhetischen Authentizitätsbegriffs vor und liefert Beiträge zu den Feldern Philosophie, Ästhetik, Literatur, Kunst, Musik, Film, Fotografie und Architektur. Unstrittig ist Authentizität mit seinem Bedeutungsfacetten Echtheit, Wahrhaftigkeit, Ursprünglichkeit, Unmittelbarkeit und Eigentlichkeit in der zweiten Hälfte des 20. Jh. zu einem allseits verwendeten Catchword geworden. Strittig sind allerdings Begriffsinhalt, Begriffsumfang, Verwendungsweise und der theoretische Ort dieses schillernden Begriffs. Der Band konzentriert sich auf den ästhetischen Authentizitätsbegriff und diskutiert unter theoretischen, systematischen, pragmatischen und historischen Gesichtspunkten dessen kognitive Validität. Mit Beiträgen von: Michael Wetzel, Gayatri Chakravorti Spivak, Jochen Mekke, Barbara Kuhn, K. Ludwig Pfeiffer, Volker Wortmann, Jürgen Fohrmann, Sandor Radnóti, Andreas Huyssen, Hans-Ulrich Reck, Rosalind Krauss, Reinhold Martin, Andrea Lapp, Susanne Knaller und Harro Müller.
Zur Archäologie der Computerkultur
Es geht um Technik und Medien, Medien und Wissen, Wissen und Technik – und deren wechselseitigen Zusammenhang, der sich zeigt, wenn man beide Seiten, Diskurs und Medium, als verkörpertes Wissen begreift. Dass digitale Medientechnik die Gegenwart und Zukunft beherrscht, ist unumstritten. Wie aber sieht dadurch die Vergangenheit aus? Diskurs und Medium perspektiviert Computer als Mediengeschichte wie Mediengeschichte von der Geschichte des Computers her. 'In den letzten Jahren haben es einige Bücher über verwandte Themen zu Beststellern gebracht, beispielsweise Gödel, Escher, Bach von Douglas R. Hofstadter und Computerdenken von Roger Penrose [.] und so reich an Anregungen wie diese Bücher ist Dotzlers Werk allemal.' Herbert W. Franke in Spektrum der Wissenschaft
Konsum ist schon lange nicht mehr nur eine Notwendigkeit. Zum Sommerschlussverkauf 2004 lud ein grosses britisches Kaufhaus mit dem Slogan ein: „I shop, therefore I am“. Menschen definieren sich nicht mehr nur über das, was sie produzieren, sondern auch über das, was sie konsumieren. Konsumentenstile werden zu Lebensstilen. Konsumentenvereinigungen und Konsumentenboykotte haben den Konsum als ein Mittel der politi-schen Auseinandersetzung entdeckt. Der Konsumismus scheint zur Ideologie des Zeitalters zu werden. Der vorliegende Band geht den philosophischen, wirtschaftsethischen, soziologischen, ökonomischen und politischen Dimensionen des Konsums nach. Wenn der kulturelle Zusatznut-zen der Konsumgüter wichtiger wird als der materielle Nutzen dieser Güter, wird Konsum selbst zu einem kulturellen Phänomen. Die Ethik und Kultur des Konsums ist eine umfassende Frage an die Kulturwissenschaften.
Theologie-Darwinismus-Nihilismus
Author: Edith Düsing
Düsings Buch bietet eine Gesamtsicht auf Nietzsches philosophisches Denken. Dieses wird entwicklungsgeschichtlich in den grundlegenden Problemkreisen der Theologie, des Darwinismus und des Nihilismus dargelegt. Zum ersten Mal zeigt Düsing – in intensiver Auseinandersetzung mit der Forschung – an Werk und Nachlaß von Nietzsche die hohe wechselseitige Spiegelung der naturphilosophisch-kosmologischen, der biologistischen, der moral- und der religions-kritischen Argumentationslinien auf. Aufgrund der Erweiterung der darwinistischen Auffassung von der zufälligen Entstehung und Entwicklung der Arten zur Sicht auf den Kosmos als Spiel und Chaos gelangt Nietzsche zu seinem Immoralismus und zur Ablehnung jeglicher Theodizee.
Zur Kulturgeschichte der wissenschaftlichen Wahrnehmungen
Series:  Bild und Text
Die Geschichte der wissenschaftlichen Wahrnehmungen zeigt uns wie die Wissenschaften in unsere Kultur eingebunden sind. Sehen ist nicht einfach die Wahrnehmung dessen, was da ist. Die Objektivität der Naturwissenschaften gründet zwar darauf, dass es jemanden gibt, der zuschaut. Aber die Wahrheiten werden nicht einfach durch wahrnehmen gefunden. 'Bilder des Wissens' sucht den Raum abzuschreiten, den diese Fragen eröffnen. Das Buch fragt, wie wir uns dieser naturwissenschaftlichen Erfahrung sicher sein können. Dabei findet es die Antwort in der Geschichte, die zeigt, wie sich die Welt-Bilder der Wissenschaften entwickelt haben. Ausgehend von der Antike werden die wesentlichen Phasen in der Entwicklung der wissenschaftlichen Beobachtungen skizziert. Breidbach diskutiert das Verhältnis von Erfahrung, Beobachtung und Experiment und erläutert die Genese der wissenschaftlichen Bildwelten. Dabei zeigt er auf, wo in den Beobachtungen der Wissenschaft neue Facetten einer Wahrnehmungskultur dieser Wissenschaften erwuchsen und wie sie zu bewerten sind. Aus dem Inhalt Erfahrung wissen Sehen – Beobachten – Experiment Zur Wissenschafts-Geschichte des Beobachtens Mittelalterliche Buchbilder und Tafelbilder Von der Standardisierung der Beobachtung Artefakte und Natur-beobachtungen I: Der freie Fall – Galileo Galilei Artefakte und Natur-beobachtungen II: Die Entdeckung des Blutkreislaufs durch William Harvey Sehen und Illustration Bilder und Beobachtungen Galileis Monde Pflanzenbilder Mikrophotographien Haeckels Embryonenbilder Zur Archäologie des Blickes Beobachtungsbestimmungen Wissenschaftstheorie und Experiment Naturwissenschaft als Geisteswissenschaft
Über Erkenntnis und Kunst im Denken Nietzsches
Author: Fredrik Agell
In seinem grundlegend neuem Buch interpretiert Agell Nietzsches veröffentlichtes Werk im Licht von Briefen und Arbeitsnotizen, Lektüren und Einflüssen. Er zeichnet das Bild eines leiden-schaftlichen Denkers, der bereits früh unter dem Einfluss F.A. Langes die Begrenzungen der Erkenntnis als entscheidendes Problem des Menschen erkennt. In Folge der nachkantischen Tragödie der Erkenntnis ist Nietzsche der Überzeugung, das Dasein sei nur durch die Kunst gerechtfertigt und sinnvoll, wobei er zur Kunst der Frühantike, zur ekstatisch-kathartischen Kunst des Tänzers, des Musikers und des Rhapsoden zurückkehrt. In einem gross angelegten rezeptions-geschichtlichen Überblick nimmt Agell ausserdem eine kritische Bewertung der Nietzscheinterpretationen Heideggers und Derridas vor.