Die Moderne im Nationalsozialismus
AutorIn: Andreas Hüneke
Erstmals seit Jahrzehnten liegt mit diesem Buch wieder ein Überblick über die Verfolgung der künstlerischen Moderne durch die Nationalsozialisten vor.
Die Nationalsozialisten haben die »Argumente«, mit denen die künstlerische Moderne verspottet und beschimpft wurde, nicht erfunden, sondern die Äußerungen des Unverständnisses und der Ablehnung begleiteten den Aufstieg der modernen Kunst von Anfang an. Auch solche Anschauungen fallen – sofern sie nicht juristisch relevante Tatbestände erfüllen – unter das Recht auf freie Meinungsäußerung in einer Demokratie. Das Besondere nationalsozialistischer Kunstpolitik liegt in dem Umstand, dass diese privaten Meinungen staatlich sanktioniert und zum Leitfaden für das Handeln öffentlicher Einrichtungen und schließlich des Staates selbst umfunktioniert wurden. Die moderne Kunst wurde öffentlich an den Pranger gestellt.
Szenographien der Desubjektivierung
HerausgeberInnen: Adam Czirak und Barbara Gronau
Konstitution sowie Destitution von Subjekten ist auf die strukturbildende Kraft von Szenen angewiesen. Welche inszenatorischen Elemente sind an Bildung und Destabilisierung, ja Auslöschung des Subjekts beteiligt? Welches Wissen wird darin produziert?
In einem interdisziplinären Ansatz konturiert der Band das Verhältnis von Wahrnehmung und Wissen, Politik und szenischer Öffentlichkeit entlang der Schwerpunkte Tribunal, Folter und künstlerischen Verfahren der Selbstverletzung. So wie Tribunale an der Schnittstelle von Rechtsperformanz und Theatralität operieren, ist in der Folter die Verletzung des Subjekts Teil eines Gefüges aus Geheimhaltung, Offenbarung, Mitwisserschaft. Eperimentell erprobte und szenisch aufgeführte Desubjektivierung in künstlerischen Verfahren zeigen kulturelle und gesellschaftliche Restriktionen ebenso wie Vorstellungen über das Subjekt und dessen Grenzen.
HerausgeberInnen: Christoph Wagner und Christoph Wagner
Ist die Moderne tatsächlich unsere Antike, wie man auf der documenta XII behauptete? Keine Epoche hat die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts so nachhaltig mit neuen Ideen, künstlerischen Konzepten, Programmschriften und geistesgeschichtlichen Denkfiguren versorgt wie die Moderne.
Auf diese Anerkennung folgte aber die Kritik: Die Konzepte und Forderungen der Moderne wurden in Frage gestellt, ihre künstlerischen Gestaltungslehren und Programme auf ihre Brauchbarkeit und ideologischen Gehalte hin überprüft.
Aus der Distanz des 21. Jahrhunderts eröffnen sich veränderte Perspektiven, aus denen die Dispositive der Moderne und ihre zahlreichen rezeptionsgeschichtlichen Brechungen neu befragt werden können: Ausgehend vom Stichjahr 1910 zeigen die Beiträge neue Aspekte der Moderne und ihrer Rezeption bis hinein in die Gegenwartskunst.
Eine Bildgeschichte des gemalten Vorhangs
Reihe: Bild und Text
Im Akt der Enthüllung lässt ein beiseite geschobener Vorhang etwas zum Vorschein kommen, das zuvor verborgen war, und löst dadurch nicht nur das Interesse aus, dieses weiter zu ergründen, sondern lenkt auch unser Sehen. Dabei wird ersichtlich, mit welchen Mitteln ein Betrachter verführt wird, sich ein Bild anzusehen und wann welche Praktiken bestimmen, ob etwas in einem Bild zu sehen gegeben wird oder nicht gezeigt werden darf. Das vorliegende Buch fragt danach, auf welche Weise ein Vorhang im oder vor dem Bild die Begegnung mit dem Bild provoziert. Denn im Gegensatz zu einem distanzierten Sehen fordern die Vorhänge in den hier behandelten Kunstwerken vom 15. bis zum 19. Jahrhundert (u.a. Vermeer, Tizian, Velázquez, Manet, Cézanne) den Betrachter dazu auf, sich auf das im Bild Gezeigte einzulassen. Es ist ein Sehen, das zwischen dem Davor-Stehen und Sich-im-Bild-Bewegen zu pendeln beginnt. Ein Bild besteht somit weniger darin, Bedeutungsträger zu sein, sondern vielmehr darin, ein Zusammenspiel mit dem Betrachter und ein Sehen im Bild zu entfachen, dessen Reiz im Schauspiel des Halbversteckten liegt.
Allegorie, Imitation und Medialität
Das Buch untersucht allegorische Wandbilder des Trecento als Medien öffentlicher Bildpolitik und beleuchtet die künstlerischen Verfahren über die sie gesellschaftliche Wissensdiskurse mitbestimmen.
Mit Bildprogrammen wie dem Planeten-Lebensalter-Zyklus Guarientos in der Paduaner Eremitanikirche oder der sogenannten Allegorie des Wissens suchen institutionelle Auftraggeber sich an der Schnittstelle von gelehrter Wissenskultur und verfeinerter Bildkultur zu verorten. Ebenso exponierte wie kontroverse Wissensbestände aus den Bereichen von Philosophie, Theologie und Naturkunde gehen hier mit avancierten künstlerischen Lösungen einher. Anhand der Leitbegriffe Allegorie, Imitation und Medialität zeigt die Studie, inwiefern künstlerische Techniken und Handwerkswissen, Materialitäten und ästhetische Strategien die begrifflichen Gehalte konkretisieren, kontextualisieren oder semantisieren.
Breslau, Stettin und Königsberg gehörten 1937 auch zu von der NS-Aktion „Entartete Kunst“ betroffenen Städten. Engagierte Museumsdirektoren hatten dort zuvor umfassende Sammlungen moderner Kunst aufgebaut. Mit der Beschlagnahme wurde die jahrelange Museumsarbeit zerstört.
Alle drei Städte gehörten schon vor der territorialen Ausdehnung zum Deutschen Reich. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sie sich durch die im Potsdamer Abkommen 1945 geregelte geographische Neuordnung in Gebieten der polnischen bzw. sowjetischen Verwaltungshoheit. Damit waren sie von der juristischen Klärung der Beschlagnahmeaktion und den musealen Regenerationsbestrebungen in Deutschland ausgeschlossen. Die besonderen Umstände geben Anlass, Licht auf die damaligen Geschehnisse zu werfen und nach den Auswirkungen bis heute zu fragen.
Materialität und Konzeptkunst
Gase, Ultraschall und Radiowellen – die Werke des amerikanischen Konzeptkünstlers Robert Barry zeichnen sich durch einen eigenwilligen Materialgebrauch, Unsichtbarkeit und Unbestimmbarkeit aus.
Die monographische Studie zu Robert Barry als einem der zentralen Vertreter der New Yorker Konzeptkunst der 1960er Jahre setzt bei der Materialität dieser Werke an. Entgegen Auffassungen einer entmaterialisierten Konzeptkunst folgt die Untersuchung von einer minimalistisch geprägten Malerei bis hin zu sprachlich formulierten Werken der wechselseitigen Bedingtheit von Material und Konzept. Im Kontext zeitgenössischer Theorien und Kontroversen liest die Autorin diese als kritische Auseinandersetzung mit einem modernistischen Kunstverständnis und als Reflexion von Visualität und Objekthaftigkeit, des Verhältnisses von Sprache, Material und Wahrnehmung und den Erscheinungsformen von Kunst.
Historische und zeitgenössische Bildpraxen in globalen Kulturen
Reihe: dynamis
HerausgeberInnen: Christiane Kruse und Birgit Mersmann
In einer von Bildern vermittelten globalen Kultur werden Bilder mit politischen und religiösen Inhalten benutzt, um Handlungen auszulösen. Bilder fungieren als Kulturagenten des Politischen und des Religiösen mit weitreichendem Interaktionsradius.
Bilder steuern zentral die Wahrnehmung von Kulturen. Begreift man Kultur als gesellschaftspraktische Lebensform, dann lassen sich Bildkulturen als Gesamtheit der bildlichen Repräsentationen und Bildpraktiken bestimmen, durch die eine Kultur ihre Wirklichkeit konstruiert und behauptet. Die Frage nach Bildkultur(en) wäre eine Frage nach dem ‘Imagineering’, dem mentalen und physischen Erzeugen von Bildern, nach Bildtechniken und Bildpraktiken, nach anthropologischen und kulturellen Verortungen von Bildern im Spannungsfeld zwischen ,ImaginNation‘ und Migration. Die Beiträge des Bandes eröffnen eine ,Bildpraxeologie‘ des Politischen und erweitern damit den Horizont der Kulturwissenschaften um geopolitische Aspekte der Bildverwendung.
Theorien der Situation und künstlerische Praxis
Reihe: dynamis
HerausgeberIn: Petra Maria Meyer
Dieses Buch geht der existentiellen und ästhetischen Bedeutung sowie dem erkenntnisgenerierenden Potential von Situationen nach.
Künstler arbeiten medienübergreifend mit Situationen, um Verkanntes oder Unerkanntes erfahrbar zu machen und derart „Wissen“ zu generieren. Sie entwickeln dabei medienspezifische Ästhetik-Konzepte, denen theoriegeleitet nachgegangen werden kann. Mit Rekurs auf interdisziplinäre Theorieansätze widmen sich die Beiträge künstlerischen Beispielen aus den Bereichen Musik, Theater über die bildende Kunst, Photographie, Film und Video bis zu einer veränderten Kommunikationssituation im Internet.
Taktiles in Kunst und Theorie
HerausgeberInnen: Carolin Meister und Kristin Marek
Berührung beschreibt ein Verhältnis zur Welt. Sie durchkreuzt die Aufteilung der Sinne ebenso, wie die Trennung von Subjekt und Objekt. Welche Potenziale und Problemstellungen ergeben sich daraus? Wie steht es um Formen der Berührung und Bedingungen des Taktilen in Kunst und Theorie? Kunst betrachten heißt gemeinhin Distanz bewahren: sich dem Sehsinn überlassen, Abstand halten. Das ist nicht nur eine Schulung in Disziplin, die in den bürgerlichen Institutionen der Kunstausstellung eingeübt, sozial kontrolliert und längst auch technisch gesichert wird. Abstand zum Betrachter ist der Ausstellungskunst selbst eingeschrieben. Doch nicht erst seit technische Medien der Berührung und interaktive Ausstellungsformate die Museen erobert haben, stellt sich die Frage nach den Potenzialen des Taktilen in der Kunst.