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Abriß zur Diskursgeschichte eines Mediums
1975 legte der amerikanische Fotograf Joel-Peter Witkin an der University of New Mexico eine M.A. Thesis vor, die den Titel „Revolt against the Mystical“ trägt. Dieser obskure und zugleich faszinierende Text – Autobiographie, Hagiographie, ein Sammelsurium von Anekdoten – bildet den Ausgangspunkt für eine Reihe von Erkundungen in die Mythen- und Diskursgeschichte der Fotografie. Untersucht werden in vier Kapiteln: die Geschichte der Retusche zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit; der Konflikt zwischen apparatischem Medium und Signaturprinzip, das Konkurrenzverhältnis zwischen der frühen Fotografie und der Malerei; die Experimente und Spekulationen um eine Fotografie des Unsichtbaren; die Rezeption der ersten Fotos des Grabtuchs von Turin und schließlich das mythische Dispositiv vom mortifizierenden Blick der Medusa. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den fototheoretischen Debatten des 19. Jahrhunderts, in denen sich jene Erwartungen, Konzeptionen und Vorbehalte ausbildeten, die noch in den einhundert Jahre später entstandenen Aufzeichnungen des Fotografen Witkin virulent sind.
Festschrift für Friedrich Kittler zum 60. Geburtstag
Dieser Band würdigt das facettenreiche Werk Friedrich Kittlers, das sich von der Literaturwissenschaft über die Mediengeschichte und die Computerwissenschaft bis hin zur Mathematik, Kulturwissenschaft und Gräzistik erstreckt. Die Beiträge lassen die immense Vielfalt der Disziplinen und Gegenstände erkennen, die durch Kittlers Arbeiten Anregungen erhalten haben und nicht selten geradezu revolutioniert worden sind.
Bei Jean Renoir, einem der einflußreichsten Regisseure der Filmgeschichte, gehen Theater und Film eine enge Verbindung ein. Sein Filmschaffen begleitet zwei bedeutsame Medienumbrüche: den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm Ende der 20er Jahre und das Aufkommen des Fernsehens als Massenmedium Anfang der 60er Jahre. Seine „Theater/Filme“ erkunden die vielfältigen Spielräume, Wechselbeziehungen und Kombinationen zwischen Bühne und Leinwand. Sie überführen die Traditionen und Gattungen des europäischen Schauspiels – vom Barock- bis zum Boulevardtheater – in Darstellungsformen des Kinos, in eine Art Meta-Theater. Die Leinwand fungiert dabei wie ein Theatervorhang, vor oder hinter dem sich das filmische Geschehen abspielt. Renoir unterläuft die Trennung zwischen hoher Filmkunst und Unterhaltungsbedürfnis, indem er Populärformen des Amüsements und der Zerstreuung (Revue, Music Hall, Varieté, Slapstick) einbezieht und neue Spielformen entwickelt, in denen Kategorien wie Sein und Schein, Realismus und Surrealismus austauschbar erscheinen. Der Band Jean Renoirs Theater/Filme verknüpft exemplarische Filmanalysen mit intermedialen Fragestellungen – mit dem Ziel, Bausteine einer kombinierten Theater- und Filmgeschichte zur Verfügung zu stellen. Die einzelnen Beiträge des Bandes beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven Renoirs Zeit-Bilder, in denen sich imaginäre und gesellschaftliche Rollenspiele, kulturelle Inszenierungsformen und historische Entwicklungen, Aktualität und Virtualität durchdringen.
Author: Corinna Müller
Der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm wird in einer Vielfalt unterschiedlicher Aspekte betrachtet und erweist sich als ein ebenso faszinierendes wie irritierendes Medienphänomen. Der Tonfilm, der Ende der 1920er Jahre das Kino revolutionierte, stellt sich nicht als eine neue technische Errungenschaft heraus, sondern als Wiederbelebung einer schon in der Frühzeit des Kinos erfolgreichen Filmform, die unterging, weil sie die Integration des Kinos in die ‚Kultur des Fiktionalen’ behinderte. Für die Aneignung der Fiktion im scheinbar ‚authentischen’ Bewegtbild bildete der Stummfilm eine kulturhistorische Notwendigkeit. Damit stellt sich auch der Tonfilm in einer überraschenden Perspektive dar, nicht als das linear angestrebte Ziel im Filmschaffen, sondern als problematischer Einschnitt in der Mediengeschichte und Medienwahrnehmung. Der hier entwickelte Blick auf die ‚Medienrevolution’ durch den Tonfilm schließt die Erklärung der frühen Tonfilmtechnik und ‚technikästhetische’ Beispielanalysen ein und lässt insgesamt eine neuartige Bewertungen der deutschen Filmgeschichte zu, nicht zuletzt der Rolle des Tonfilms bei der Unterstützung der aufkommenden Nazi-Diktatur.
Medienanalysen und Gesellschaftsbilder 1880-1960
Authors: Frank Bösch and Rainer Gries
Editors: Daniel Morat and Habbo Knoch
Contributor: Detlev Schöttker
Die digitale Wende der Gegenwart begleitet ein ausgeprägtes Bewußtsein des epochalen Wandels durch mediale Innovationen. Doch werden die Voraussetzungen dafür leicht übersehen: Bereits während der Massenmedialisierung vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kam es zu vielfältigen kritischen Beobachtungen des Verhältnisses von Medien und Gesellschaft. Hier entstanden nicht nur grundlegende Kategorien der erst später etablierten Medienwissenschaft. Die Reflexionen und Analysen trugen vor allem zur Integration der modernen Massenmedien in eine Gesellschaft bei, die erst in dieser Zeit begann, sich selbst zum Gegenstand zu machen. Diesen vielfältigen Prozessen einer Selbstthematisierung als Medien- und Kommunikationsgesellschaft zwischen 1880 und 1960 wenden sich die Beiträge dieses Bandes aus den Perspektiven der Geschichts-, Literatur- und Medienwissenschaften zu. Sie fassen diesen Zeitraum als „massenmediale Sattelzeit“, weil sich die einzelnen Massenmedien nicht allein technisch durchsetzten: Gerade als eine Grundlage ihres Siegeszugs bildete sich eine Selbstbeobachtung über die Entwicklung des massenmedialen Regimes als zweite Ordnung der Kommunikation heraus. Neben frühen Medienanalysen werden dazu gesellschaftliche Praktiken der Kommunikation und der kommunikativen Selbstreferenz anhand von Beispielen untersucht, die vom Bürgertum des späten 19. Jahrhunderts bis zu den politischen Parteien der frühen Bundesrepublik reichen. Dabei gewinnen insbesondere die vertrauten Zäsuren der Mediengeschichte ein neues Profil, weil sie mit den Wandlungen im Selbstverständnis der modernen Gesellschaft zusammengelesen werden und so das Wechselverhältnis zwischen Mediengesellschaft und Gesellschaft als Medium komplex und methodisch anregend historisiert wird.
Ein eschatologischer Essay
Author: Uwe Jochum
In einer Zeit, wo der Medienbegriff universell zu werden droht, wird eine Kritik der neuen Medien nötig. Gegen deren eschatologische Perspektive erinnert Jochum daran, daß das eschaton eine unübersteigbare Grenze unserer Welt markiert, die die Frage nach dem Jenseits offen hält. Neue Medien und Eschatologie, das klingt wie die Zusammenstellung einander widerstreitender Begriffe: hier die neuen Medien, die unseren Alltag telematisch umzugestalten beginnen, und dort die religiöse Dimension einer Eschatologie, die nicht vom Alltag spricht, sondern von den letzten Dingen, wenn sich am Ende aller Zeiten das transzendente Ziel der Geschichte enthüllen wird. Was könnte einander ferner sein als ein alltäglicher Umgang mit den neuen Medien und jenes eschaton, jenes Äußerste und Letzte einer aus dem Christentum hervorgegangenen Geschichtstheologie? Aber diese Ferne ist nur eine scheinbare. Wer genauer hinsieht, muß erkennen, daß die Attraktivität der neuen Medien sich eben nicht aus ihrem schieren Gebrauch speist, sondern aus dem theologischen Versprechen, das eschaton mit eigenen Mitteln herbeiführen zu können, um den Menschen von seinem Leib und einer Welt zu erlösen, die ihm auf Schritt und Tritt Grenzen setzen.
Photographie in Buch und Presse (1816-1914)
Nach der Verbreitung der Schrift durch den Buchdruck stellt die massenhafte Verbreitung von Bildern eine der großen Revolutionen der westlichen Kultur dar. Obwohl sie fraglos eine der Kernfragen der westlichen Kulturgeschichte darstellt, ist sie in ihrer Gesamtheit bis heute noch nicht untersucht worden. Der vorliegende Band versucht, eine erste Bestandsaufnahme für den Bereich der Photographie zu leisten. Er konzentriert sich auf die Anfänge der Verwendung von Photographie in Buchillustration und Presse. Das Spektrum reicht dabei von der Entstehung der Photographie aus frühen Experimenten, die eine massenhafte Verbreitung von Bildmaterial zum Ziel hatten, über erste Versuche eines kommerziellen Vertriebs bis zur allmählichen Einführung der Photographie in der Populärpresse und der Untersuchung der Verwendung der Photographie in Theater, wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder kriminalistischen Untersuchungen und schließlich der Rolle des gedruckten Bildes in deNeudefinition des künstlerischen Verständnisses insgesamt. Untersucht werden die Einflüsse des technischen Bildes auf die Kultur des 19. Jahrhunderts. Hiermit ergibt sich ein innovativer Beitrag zum Verständnis des allgemeinen Funktionierens von Repräsentation und den grundlegenden Veränderungen, die die Verbreitung der Photographie in der Moderne nach sich gezogen hat.