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Goethe im Kontext
Author: Hartmut Böhme
Natur ist stets Gestalt und stellt, rhetorisch gesehen, insofern eine figura dar, ohne die sie sich überhaupt nicht bilden und zur Anschauung werden könnte. Dass alles, was wir als Natur ansehen, kontingent ist und ohne die konstruktiven Vermögen des Menschen keinerlei Evidenz gewinnt: das ist für Goethe selbstverständlich.
Goethe vermeidet die falsche Alternative zwischen Naturalismus und Konstruktivismus, die im 20. Jahrhundert das Projekt der Naturästhetik kennzeichnet. Bevor eine auch theoretisch umfassende Naturästhetik vorgelegt wird, schaut Hartmut Böhme auf die Zeit um 1800, die Belle Époque des Naturdenkens. Goethe ist dabei das Paradigma: sein Verhältnis zum Wasser oder zur Erde, zur magischen Bezauberung des Bewusstseins durch Obsessionen und fetischistische Praktiken; die überraschende Entdeckung einer Figuration, die man eher der Romantik zuordnen würde, nämlich des Vampirismus; seine Kritik an der Tele- und Mikroskopie; seine dissidenten Erfahrungen, Praktiken und Konzepte in der Montanwissenschaft und der Anatomie. Die Treue zur Dinglichkeit und Phänomenalität bei Goethe bestimmt seine pagane Naturästhetik und seine wissenschaftlichen Arbeiten. So entdeckt das Auge des Lesers die (wissenschafts-)historischen, thematischen und ästhetischen Innovationen Goethes auf dem Weg zu einer Philosophie und Ästhetik der Natur.
Zur Performativität des Denkens
Die Beschäftigung mit der Musik und besonders die Auseinandersetzung mit Wagner prägten Nietzsches gesamtes Leben. Am Beginn stand das Bestreben, Musik und die Rolle des Chors in der Tragödie zu würdigen und mithin den performativen und multimedialen Charakter der Tragödie hervorzuheben. Entscheidend zur Umsetzung von Nietzsches philosophischem Programm war es, dass er ab der Mitte der 1870er Jahre Schreibweisen entwickelte, in denen er die Fixierung von Gedanken, die bereits den antiken Philosophen ein Gräuel war, zugunsten einer Beweglichkeit des Denkens ersetzte. Die Musik diente ihm dabei als Vorbild. Dieses Buch stellt einen Versuch dar, in der Auseinandersetzung mit Nietzsche dessen Ausdrucksweise mit einzubeziehen und Nietzsches Denken, anstatt durch Erklärungen still zu legen, durch weitere Gedanken in Bewegung zu halten.
Es ist schon kurios, dass die Soziologie eines der anspruchsvollsten und innovativsten Theorieunternehmen im 20. Jahrhundert ausgerechnet der Arbeit eines ehemaligen Verwaltungsbeamten verdankt. Schließlich war Niklas Luhmann nur durch Zufälle und über Umwege überhaupt in der akademischen Soziologie gelandet … Komplexe Einführungen zum Thema Luhmann gibt es zuhauf. Die Reihe Philosophie für Einsteiger geht einen anderen Weg. Zeichnung und Text sind gleichberechtigt, was diese kurze und äußerst unterhaltsame Einführung besonders leicht verständlich macht. Mit reichlich anekdotischem und biographischem Material ausgestattet, wird der Leser mit Leben und Denken Luhmanns vertraut gemacht. Kleine Exkurse machen sein Denken besser verständlich – wer Luhmanns Einfluss auf die Soziologie verstehen will, muss nicht gleich seine gesammelten Werke wälzen! Warum verabschiedete dieser außergewöhnliche Denker die klassischen Grundbegriffe der Soziologie? Warum war bei ihm nicht mehr von ›Menschen‹, ›Klassen‹ oder ›Handlungen‹ die Rede, sondern stattdessen von ›Autopoiesis‹ und ›System‹, von ›Funktion‹ und ›Doppelter Kontingenz‹? Und welche Rolle spielte dabei sein legendärer Zettelkasten?
Mit einem Anhang: Über das Radikalgute
Author: Peter Strasser
Im Diabolischen, das die Welt durchherrscht, wird ein Bedeutungsüberschuss spürbar, der durch keine wissenschaftliche Betrachtung abzudecken ist. Diese leugnet die Existenz eines objektiv Bösen. Hingegen kann keine Ethik, die nicht blind-naiver Aufklärung anhängt, einer Ontologie des »Teufels« entbehren. Dabei bildet akkurat die »unschuldige« Natur mit ihren Orgien des Fressens und Gefressen-Werdens, denen die harmlosesten, freundlichsten Geschöpfe zum Opfer fallen, ein satanisches Tableau. Dessen Entzauberung durch die Theorie der Evolution verstärkt bloß den Zauber des Bösen. Die Präsenz des Dämonischen zeigt sich in der Stimmung, die den modernen Menschen heimsucht. Er fühlt sich abgeschnitten von der wahren Realität, fürchtet, als ein Wesen existieren zu müssen, das seiner Seele verlustig ging. Unsere Zombie-Angst vermittelt eine Ahnung vom Radikalbösen.
Zur Phänomenologie des Bildes nach Husserl, Derrida und Merleau-Ponty
Iris Laner untersucht das Bild gleichermaßen als Phänomen und Gegenstand des Denkens.
In seinen Analysen des Bildbewusstseins begreift Edmund Husserl das Bild als eine Herausforderung phänomenologischen Fragens. Iris Laner erkundet, inwiefern das Bild das Denken der Phänomenologie motiviert, und widmet sich dem Hintergrund wie auch den Folgen eines Forschens nach und mit dem Bild. Das Bild ist durch seine spezifische Gegenstands- und Erfahrungsstruktur als ein besonderes Phänomen ausgezeichnet. Vor allem mit Blick auf die Zeit erweist sich die Beschäftigung mit der bildlichen Erscheinungsweise so als folgenreich. Laners Studie macht daher das Bild als heuristischen Schlüssel für die Analyse der Zeit in der phänomenologischen Forschung verständlich. Damit unterstreicht sie nicht nur seine Bedeutung als Phänomen, sondern auch als systematisches Konzept des Denkens.
Spiel als Technik und Medium von Subjektivierung
Neben der Autobiografie gehört das Spiel zu den bedeutendsten Techniken der Subjektivierung. Der vorliegende Band geht Formen der Verschränkung von autobiografischen und ludischen Praktiken nach.
Wirkmächtige Modi dieser Verschränkung bieten der spielerischen Selbsterkundung Raum wie Autobiografie, Blog oder interaktive Performances. Der Fokus auf spielerische Praktiken von Selbstbezüglichkeit zeigt die potenzielle Offenheit von Subjektivierungsprozessen. Doch spielerische Praktiken münden nicht in Beliebigkeit. Sie besitzen häufig einen existenziellen Ernst, gerade weil die Bewegung ins Offene geht. Das Moment des Risikos ist für sie konstitutiv. Der »heilige Ernst«, den Johan Huizinga dem Homo ludens attestiert, tangiert auch den Status des dadurch konstituierten Subjekts, das sich oft selbst zum Einsatz des autobiografischen Spiels macht – sich selbst aufs Spiel setzt.
Potenziale prekärer Fundierung
Einer Welt ohne letzte Gründe bleibt, so scheint es, nur die Alternative zwischen Fundamentalismus und pragmatischer Indifferenz. Beides wird weder der Komplexität noch der ungebrochenen Notwendigkeit der Begründungssuche gerecht.
Die Beiträger denken Begründung konsequent als ein stets prekäres Unternehmen: Den Ungründen in Philosophie und Kunst nachzugehen meint nicht eine bloße Ablehnung von Gründen oder einen existenziell aufgeladenen Nihilismus. Im Unheimlichen, Unbegrifflichen oder Unbestimmten schwingt der Versuch (wie das Scheitern) der Entbergung, Konzeptionalisierung und Bestimmung immer mit. Genauso zeichnen sich Ungründe dadurch aus, dass das Negierte als Negiertes stets mitgeführt wird und wirksam bleibt. Ungründe sind immer noch Gründe – aber es sind prekäre, prozessuale, endliche Gründe, die den Anspruch, einen »guten Grund« zu liefern, auf je spezifische Weise einlösen.
Kunst und Zeugenschaft verbindet ein zwiespältiges Verhältnis: Zeugen sollen Tatsachen wiedergeben, nicht als Künstler oder Dichter sprechen. Auf der anderen Seite haben Figurationen der Zeugenschaft die Künste stets fasziniert. Darf Kunst ein Zeugnis sein? Und: Kann sie dies? Der Band betrachtet künstlerische Produktionen von Zeugenschaft in Film, Theater, Literatur, Performance, Bildender Kunst und Fotografie.
Künstlerinnen und Künstler haben Zeugenschaft in vielfältigen Formen dargestellt und kommentiert – und sich zuweilen selbst als Bezeugende verstanden und in Szene gesetzt. Die Originalbeiträge arbeiten zum einen gattungsspezifische Aspekte der jeweiligen Kunstformen heraus, thematisieren aber auch gattungsübergreifende Fragen über das Verhältnis von Kunst und Zeugenschaft: Wie wird die kulturelle und gesellschaftliche Rolle von Zeugnissen in der Kunst reflektiert? Wie werden Wahrheit und Fiktion ins Verhältnis gesetzt? Und scheint im Gestus des Bezeugens womöglich eine eminent politische Dimension von Kunst auf?
Wolkenformen in ihrer Variabilität und Beweglichkeit laden dazu ein, als ,Bilder' von allerlei Wesen und Erscheinungen betrachtet zu werden. Sie lösen Assoziationen aus, reizen die Phantasie. Indem sie Gott oder die Götter verhüllen, verweisen Wolken den Menschen aber auch auf die Begrenztheit seines Fassungsvermögens. Die Mediengeschichte der Wolken illustriert die Abhängigkeit des Wissens von Darstellungspraktiken und -techniken. Unter ästhetischen Aspekten sind Wolken-Darstellungen reizvolle Herausforderungen; literarische Texte knüpfen an vielfältige Semantiken der Wolke und des Wolkigen an.
Author: Karen Gloy
Seitdem die Menschheit reflektiert, macht sie sich Gedanken darüber, ob Wach- und Traumbewusstsein identisch oder verschieden seien. Während Mystiker unser gesamtes Leben für einen Traum halten, Kinder ihre Phantasien für die Realität nehmen, archaische und traditionelle Völker an die Verwirklichung ihrer Träume und die Wirkungsmächtigkeit ihrer Einbildungen in Heilungsséancen glauben, hält der moderne westliche, rational aufgeklärte und durch die kritische Vernunft entmythologisierte Mensch Träume für Schäume und nur sein wissenschaftlich interpretiertes Weltbild für wahr und real, ein Weltbild, das bei genauerem Zusehen ein reduktionistisches Konstrukt darstellt. Alle Beweise für eine Differenz von Wach- und Traumzustand, seien es solche, die sich auf die Gesetzmäßigkeit der Realität berufen oder auf deren Anschaulichkeit, Leibhaftigkeit oder Affektivität, erweisen sich als unhaltbar. Wach- und Traumbewusstsein sind – wie auch verschiedene kulturspezifische Weltbilder – je verschiedene Auslegungen eines unverfügbaren sublinguistischen und subrationalen Hintergrundes. Jede Kultur interpretiert diesen in einer für sie typischen Weise und deutet ihn zu ihrer Realität um, welche aber letztlich nur konstruktivistisch zu erklären ist.