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Bewegung als Wissenschaft und Kunst in der Frühen Neuzeit
Author: Sandra Schmidt
Hoch hinaus in die Luft springen, kopfüber um die eigene Achse drehen und wieder aufrecht landen – diese Bewegung nennt man heute Salto mortale. Im 16. Jahrhundert werden dieser und ähnliche Sprünge an den Höfen von Wien und Paris praktiziert. Der Springer Arcangelo Tuccaro bestimmt in den Trois dialogues de l’exercice de sauter et voltiger en l’air (1599) diese traditionell geringgeschätzte Bewegungsform erstmals als Wissenschaft und Kunst. Er systematisiert die Körperbewegungen, verflicht sie mit etablierten Wissensdiskursen – so den Sieben Freien Künsten, der Architektur und der Kosmologie – und zielt damit auf eine Nobilitierung der Bewegung und der sozialen Gruppe der Springer. In der idealen Ausführung des Saltos nähert sich der Springer der perfekten, den Himmelskörpern vorbehaltenen Kreisform an. Die Autorin deckt in ihrer wissenschaftsgeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen sowie sozialhistorischen Lektüre der an Castigliones Hofmann anknüpfenden Dialoge die Ambivalenz dieses Sprungs auf: Denn der Flug ist nie ohne den Sturz zu haben, der kopfüber stehende Springer symbolisiert auch, der ornamentalen Groteske und dem literarischen Motiv der Verkehrten Welt vergleichbar, die Umkehrung der Welt.
Vom 'Eintopf für die Volksgemeinschaft' über die Erziehung, von der Propaganda in Presse, Film und Rundfunk bis zum Kampf gegen 'entartete' Kunst und Musik – kein Lebensbereich konnte der totalitären 'Gleichschaltung' des Nationalsozialismus entgehen. Mobil gemacht wurden nicht nur die Männer und Frauen des Reichs, sondern auch die Jugendlichen und Kinder. Vom alle politischen, kulturellen und sozialen Institutionen und Lebensformen bestimmenden Antisemitismus bis zum gesellschaftsprägenden Militarismus reichte die nationalsozialistische Durchdringung des 'Volkskörpers'. Dieses Buch führt in übersichtlichen, klar formulierten und materialreichen Einzeldarstellungen gerade junge Leser, aber auch alle anderen Interessierte in sämtliche Bereiche der Kultur des Nationalsozialismus ein – und erweist sie eben dadurch als: Unkultur.
Männliche Gebärphantasien zwischen Kultur und Wissenschaft (1890-1933)
Author: Christine Kanz
Dass auch Männer Kinder gebären können, ist ein uralter Traum. Zwischen 1890 und 1933 wurden männliche Gebärphantasien zu einem in Literatur, Kunst und Film geradezu obsessiv präsentierten Phänomen. Heute ist aus der Phantasie Realität geworden. Dieser Aufstieg vom Imaginären der 'Kunstgeburten' zum 'Realen' einer neuen Materialität öffnet einen ganz neuen, vollständig unbekannten Horizont, von dem Filme wie 'Blade Runner' oder 'Matrix' nur einen Vorschein geben. Zu Recht steht Filippo Tommaso Marinettis 'afrikanischer' Roman 'Mafarka der Futurist' im Dreh- und Angelpunkt der Argumentation.
Die Ästhetik gesellschaftlicher Selbstbehauptung
Getreu der Hofmannsthal-Devise, das Tiefe finde sich an der Oberfläche versteckt, thematisiert das Buch die Selbstdarstellungsaktivitäten dreier Zeitgenossen des 19. Und 20. Jahrhunderts, deren Stile zu einem festen Bestandteil der modernen Muster, Schablonen und Modelle für Individualität geworden sind. Beau Brummell, Oscar Wilde, Andy Warhol – in den textilen Verfeinerungen, theatralischen Gesten und seriellen Bildproduktionen dieser Stilbildner spiegelt sich weiniger die Hybris gesellschaftlicher Außenseiter als vielmehr ein grundlegendes Lebensproblem des heutigen Individuums: die Suche nach glaubwürdigen Ausdrucksformen für jenes gesellschaftlich eingeforderte Maß an persönlicher Souveränität, Kreativität und Unabhängigkeit, das die Pragmatik des gesellschaftlichen Alltagslebens dem einzelnen nur in seltensten Fällen gewährt. Ausgehend von der wissenssoziologisch-sozialanthropologischen Annahme, dass Individualität weder eine moderne Erfindung ist noch ein dem gesellschaftlichen Dasein des einzelnen vorausliegendes Substrat, veranschaulicht das Buch die gesellschaftliche Wandelbarkeit von Individualität: die ideellen Bildentwürfe, denen sie folgt, die Darstellungsästhetiken, in denen sie Gestalt erlangt, und die sichtbaren Widersprüche in die sie gerät, wenn der einzelne sein soll, was er nicht sein kann – eine (Zitat Arnold Gehlen) »Institution in einem Fall«.
Eine Konfiguration in der Wiener Moderne
Stimmungen bilden in der Wiener Moderne einen experimentellen Zugang zur Ich-Welt-Einheit. Sie führen Leib, Sprache und physikalische Welt in einen Zusammenhang, der sich jedoch begrifflichem Erfassen entzieht. So ist die Einheit, die Stimmungen vermitteln, paradoxerweise nur mehrdeutig sagbar. Sie drückt sich als eine bewegte Konfiguration aus Stimmung, Leib und Sprache in Texten der Wiener Moderne aus. Gisbertz’ Studie fokussiert auf gemeinsame Strukturen und Funktionen von ›Stimmung‹ in wissenschaftlichen und poetischen Diskursen um 1900. Nach einem Einblick in die historische Semantik der ›Stimmung‹ und ihre Bedeutung als Bezugspunkt von unterschiedlichen Disziplinen folgt eine Analyse der philosophischen Auseinandersetzung über ›Stimmung‹ von Nietzsche, Dilthey, Heidegger und Bollnow. Anschließend wird das Stimmungskonzept der Wiener Moderne exemplarisch anhand der wissenschaftlichen Werke des Physikers und Philosophen Ernst Mach und der poetologischen Texte und Prosawerke Hugo von Hofmannsthals erkundet.
Robert Musil und der Gewaltdiskurs der Zwischenkriegszeit
Das Thema ›Terror‹ ist in aller Munde. Dabei verbinden sich politische Aktionen mit einer religiös-fundamentalistischen Ideologie. Aus kulturgeschichtlicher Perspektive erweist sich der thematische Konnex von Terror und Erlösung keineswegs als neu, sondern ist mit dem Problem der ›Ungleichzeitigkeit‹ verschiedener Kulturen in der Moderne verbunden. In diesem Zusammenhang ist Robert Musil als politischer Autor und Diagnostiker der Zwischenkriegszeit erst noch zu entdecken.
Konzepte und Praktiken im Kulturvergleich
Die Opposition von rein und unrein ist für das Verständnis alter und moderner Kulturen grundlegend. Reinheit und Unreinheit markieren Diskurse über Tod und Geburt, Gesundheit und Krank-heit, Recht und Sakrileg, über Geschlechterbeziehungen und nicht zuletzt über die Erfahrung von Kunst. Die in diesen Diskursen gesetzten Grenzen sind dabei jedoch zugleich für Übergänge und Überschreitungen freigegeben; es kommt zu provokativen Akten der 'Befleckung'. Dadurch werden komplex regulierte Prozesse der 'Reinigung' und Wiederherstellung nötig. Der kulturkomparatistisch angelegte Band rückt mit 16 Studien renommierter Vertreter der Altertumswissenschaften, der Theologie, Judaistik, Geschichtswissenschaft und Ethnologie, der Kunst-, Theater- und Filmwissenschaft sowie der Japanologie, Indologie und der Islamwissenschaft exemplarisch die Spannweite und Dynamik der Begriffsopposition in den Blick.
Das Recht der Literatur
Author: Thomas Weitin
Was wissen Zeugen? Die neue Studie "Zeugenschaft. Das Recht der Literatur" untersucht die gemeinsame Geschichte von juristischer und literarischer Wahrheitsfindung. Ohne das Wissen von Zeugen könnte kaum ein Gerichtsverfahren zu Ende geführt werden. Zeugen sind notwendig, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Dabei ist jedem Juristen klar: Zeugenaussagen stammen von unzuverlässigen Erzählern. Sie geben subjektive Sichtweisen, wo man gern auf Objektivität vertrauen würde. Mit Hilfe des Zeugen aber können Tatsachen im Zusammenhang begriffen werden. Und erst dadurch wird es möglich, über vergangene Ereignisse zu verhandeln. Der Zeuge verkörpert den narrativen Kern des Rechts - und das Recht der Literatur, von Welt und Wahrheit zu erzählen. Das Buch rekonstruiert diesen Zusammenhang ausgehend von der Epoche der Aufklärung, die gleichermaßen ein neues, zeugenschaftliches Beweisrecht und neue literarische Formen schuf, die von der Figur des Zeugen getragen wurde.
Beiträge zum Begriff und zur Theorie der Geschichte
Der Band beschreibt zwölf verschiedene Zugangsweisen und Formen der Geschichtsschreibung – aus den Sozialwissenschaften und der Psychologie, aus der Musik- und der Kunstwissenschaft, aus der Kultur-, Medien- und Literaturwissenschaft bis hin zu Religionswissenschaft und Philosophie. Exemplarisch behandelt werden u.a. die moderne Konsumgeschichte, die Problematik einer umfassenden Gesellschaftsgeschichte, die Geschichtlichkeit des personalen Welterlebens, die Veränderung der Geschlechterbeziehung, die Anfänge der abendländischen Medizin, Aspekte der Technikgeschichte, praktische Produktgeschichte am Beispiel des Klassikers 'Volkswagen' oder theoretisch das Verhältnis von Evolutionstheorie und Geschichte.
Formen und Funktionen
Längst glaubte man das Böse neutralisiert und erledigt. Aber es ist wieder da und sichtbar: als "Schurke", als menschliche Bestie, als satanischer Terror. Das Böse fasziniert in den Medien, den Künsten, der Popmusik oder in neuen Kulten. Ganze Systeme scheinen in Bosheit und Eigennutz zu gründen. Deshalb versuchen die verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen, ihm auf die Spur zu kommen - neben Theologie und Philosophie auch Psychologie, Politologie, Rechtswissenschaften, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaft. Dieser spannende Band bündelt den heutigen Informations- und Diskussionsstand - und gibt Antworten.