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Eine Geschichte des ›Türken‹ in medientheoretischer Perspektive (1453-1529)
Author: Yigit Topkaya
»Ein Gespenst geht um im ›christlichen Europa‹ – das Gespenst des ›Türken‹«. In einer medientheoretischen Perspektive auf Alterität und Wahrnehmung untersucht Yig?it Topkaya den diskursivmedialen Wirkungszusammenhang zwischen Türkenwerken und Reformprozessen um 1500. Zum Glaubensfeind stilisiert, wird der ›Türke‹ nach dem Fall Konstantinopels (1453) im politischen Diskurs um die unitas christiana zur historisch wirkmächtigen Alteritätsfigur. Vor dem Erfahrungshintergrund der Konzilsbewegung ist es insbesondere die Kurie, die den ›Türken‹ nicht zuletzt im Rückgriff auf das Kreuzzugskonzept in den ekklesiologischen Redezusammenhang stellt, um die Position des Papstes im Streit um die ekklesiale Repräsentationsordnung zu verteidigen. Als eine Rechtfertigungsschrift des Papst-Primats und im Interesse einer papalistischen Ekklesiologie verfasst, nimmt in der Epistola ad Mahumetem Pius II. mit der literarisch inszenierten Sultanstaufe zugleich die Sakramentenlehre in den Blick, um damit auch in der Frage der Heilsgewissheit die geistlichen wie weltlichen Herrschaftsansprüche der Sedes Apostolica einzufordern. Derart trägt die Kurie, unterstützt und verstärkt durch die Verbreitung der Türkenablässe im typographischen Netz, zu einer nachhaltigen medialen Präsenz des ›Türken‹ in der zeitgenössischen Wahrnehmung bei, so dass mithin in frömmigkeitstheologischen und reformatorischen Kontexten die Türkenfigur der heilsgeschichtlich motivierten Konstruktion von sichtbarer und unsichtbarer Alterität in der Erörterung und Problematisierung von Glaubens- und Kirchenfragen dient. Dem Diskurs über den ›Türken‹ wird dadurch eine Medialität inhärent, die gesellschaftspolitischen Prozessen der Zeit eine besonders emphatische Bühne verleiht.
Von der Sowjetunion zum Neuen Russland
Contributor: Holger Kuße
Woraus bezog Gorbacevs Perestrojka ihre ungeheure Dynamik? Steckte das Land in einer Gerechtigkeitskrise, die erst durch Glasnost sichtbar wurde? Welche Gerechtigkeitsanforderungen stellten die Bürger an eine künftige Ordnung und ihre politischen Führer?
Diese und ähnliche Fragen erlauben, die Geschichte vom Zerfall der Sowjetunion und Wiederaufbau als Russische Föderation anhand von zwei Thesen unter einem neuen Blickwinkel zu beschreiben: Erstens war das Streben nach Gerechtigkeit ein wichtiger Antrieb für die Reformbewegung der späten 1980er Jahre. Zweitens hat seine Missachtung zum Scheitern
demokratischer Reformen maßgeblich beigetragen. Unter Verwendung von Begriffen philosophischer Gerechtigkeitstheorien gelingt es, die andauernde gesellschaftsprägende Bedeutung von Gerechtigkeitserwartungen herauszustellen.
6. Archäologisch-historisches Forum
Der Band 26 der Reihe MittelalterStudien versammelt die Beiträge einer interdisziplinären Tagung, die die „Gräber im Kirchenraum“ aus historischer, kunsthistorischer und archäologischer Sicht in den Blick genommen hat. Inhaltlich schlagen die Aufsätze einen weiten Bogen und behandeln von den Jenseitsvorstellungen und der memoria im Frühmittelalter über die Motive für die Beisetzung in Königsgrabkirchen auch die monumentalen Grabmonumente des 16. Jahrhunderts und die dahinter stehenden Intentionen. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei immer wieder die Frage, welchen Personenkreisen überhaupt das Privileg eingeräumt wurde, sich innerhalb des Kirchenraums möglichst nahe bei den Heiligen, ad sanctos, bestatten zu lassen.
Bekenntnisse - Ikonen - Gesamtkunstwerke
Gibt es einen spezifisch »linken« Kitsch in Abgrenzung zu politisch »rechtem«? Dieser vernachlässigten, für das Verständnis »linken Denkens« seit der Französischen Revolution aber wichtigen Frage gehen die Beiträge dieses Bandes nach. Gezeigt wird, dass »linkes« Denken aus ganz anderen Gründen kitschanfällig ist als sein »rechtes« Pendant, auch wenn die Pathosformeln sich mitunter frappierend ähneln. Denn während rechte Ideologien den Veränderungsdruck der Moderne kompensieren, streben linke eher danach, ihn nach dem Motto »Mehr desselben« zu überbieten. Dieses Phänomen »linker Kitsch« nimmt der Band anhand von sprachlichen, bildlichen und filmischen Beispielen in historischer wie auch theoretischer Perspektive in den Blick, sodass es in seinem konstitutiv transmedialen Charakter zur Geltung kommt.
Räume der Allegorie bei Baudelaire und Proust
Die Schwelle ist ein besonderer Raum. Sie gehört weder zum Innen- noch zum Außenraum. Sie umgrenzt einen Bereich, der nicht zuzuordnen ist und begrifflich undefiniert bleibt.
Auf die Besonderheit dieses Raumes deutet die Schwelle des Erkennens, wie sie Zeitgenossen eines Epochenübergangs erfahren. Sie fühlen sich eingeschlossen in einer terra incognita, die aber selbst die Grenzen der bekannten Welt aufsprengt und unauslotbar erscheint. Baudelaire und Proust reflektieren diese paradoxe Erfahrung der frühen und späten Phase der Moderne im Verfahren der Allegorie. Diese erzeugt ästhetische Schwellen im Text. Sie öffnet jenseits der buchstäblich lesbaren Welt diffuse Zonen des Surrealen und Atmosphärischen, Areale einer unerklärlichen Schönheit. In kritischer Auseinandersetzung mit prominenten literaturtheoretischen Ansätzen erkundet der Band die funktionale Spannbreite der Allegorie als textuelles Verfahren.
Zur heteronomen Genealogie der Moderne
Das Werk Rousseaus ist ein Ereignis planetarischer Auswirkung. Dass dieses Werk symptomatisch für die Moderne wurde, hat seinen Grund in der aporetischen Verschränkung von Autonomie und Heteronomie, die nach dem Tod des Königs jeder republikanischen Verfassung eingeschrieben ist.
Rousseau ist sich dieser Problematik bewusst, wenn er um die Frage von Fremd- und Selbstbestimmung kreist. Er legt eine Spaltung im Subjekt gerade dort bloß, wo sich kollektive Vernunft und individueller Affekt, symbolische Ordnung und Imaginäres entzweien. Das diskursive Feld, das man als »Rousseauismus« bezeichnet, bleibt davon nicht unberührt; denn wenn politische Denker und Literaten weltweit Rousseau für sich in Anspruch nehmen, transkodieren sie kein stabiles Wissen, sondern verstricken sich unweigerlich in Widersprüche. Diesen Widersprüchen gehen die Autoren von Planet Rousseau nach.
Amerikanische Literatur, Expansion und die Krise der Nation 1784-1866
Thomas Dikant führt die Ästhetik der Landschaft mit den historischen Manifestationen des territorialen Diskurses zusammen und zeigt, in welchen Konfigurationen der Raum in der amerikanischen Literatur zwischen Revolution und Bürgerkriegsende imaginiert wurde.
Die Landschaft und das Territorium zueinander in Relation zu setzen, ermöglicht es, die ästhetische Konstitution der Nation sowie expansionsbedingte, die Nation zersetzende Konflikte zu untersuchen. Das sich entfaltende Narrativ reicht von der Imagination eines rational geordneten, der Nation verfügbaren territorialen Raums über die Darstellung des amerikanischen Territoriums als Landschaft bis hin zum Zusammenbruch aller landschaftlichen Ästhetisierung in einem Krieg, an dessen Ende die Vereinigten Staaten nur noch als territoriale Einheit fortbestehen.
Sehen und Blindheit bei Baudelaire
Author: Sarah Pines
Die Gegenwart ist für Baudelaire eine endlose Abfolge verfliegender Augenblicke. Ihr Entfaltungsraum ist die Stadt, in der sich diese sich stets entziehende Jetztzeit visualisiert. Baudelaire weist den beweglichen Blick, der an die Geschwindigkeiten der Gegenwart angepasst ist, als zentrales Werkzeug aus, um in der banalen Alltagswirklichkeit des Stadtlebens Neues zu entdecken und daraus Kunst zu schaffen.
Das Buch untersucht erstmalig solche »Schnappschüsse des Jetzt« in Baudelaires Fleurs du Mal. Dabei werden Momente des Sehens faszinierender Raumdetails jenen Momenten gegenübergestellt, in denen die Außenwelt den Blick des melancholischen Dichters nicht mehr fesselt und dieser in eine Schreibblockade verfällt. Diese Arten der visuellen Wahrnehmung werden in Beziehung zum Symbolismus, zu modernen Vorstellungen von Zeit und Raum gesetzt wie Plötzlichkeit, Thermodynamik und industrielle Urbanisierung.
Theorie und Praxis kultureller Übertragung in der Moderne
Series:  Trajekte
Author: Stefan Willer
Das Erbe ist ein unabdingbares und zugleich unabgegoltenes Problem der Moderne.
Stefan Willer untersucht die Wissensgeschichte moderner Erbekonzepte zwischen Recht, Biologie und Kultur und rekonstruiert einzelne literarhistorische Erbfälle zwischen 1889 und 1949.
Erbe und Moderne - diese Verknüpfung ist so naheliegend wie widersprüchlich. Naheliegend ist sie mit Blick auf die neuere Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, handelt es sich doch beim Erbe um einen Schlüsselbegriff zur Bestimmung von Eigentum, Eigenschaften und Eigenheiten im Spannungsfeld von Recht, Biologie und Politik. Widersprüchlich erscheint die Konjunktion zwischen Erbe und Moderne hingegen angesichts der Tendenzen zur Bewahrung, Stabilisierung und Kontinuitätsstiftung, die immer dort ins Spiel kommen, wo etwas bereits Bestehendes aus der Vergangenheit in die Zukunft transferiert werden soll.
Rassedenken in der italienischen Philologie des neunzehnten Jahrhunderts
Die italienische Philologie und ihr erkenntnistheoretischer Beitrag zu Rassedenken und Ethnozentrismus.
Die Entstehung rassistischen Denkens in den philologischen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts wurde durch die Forschung in Ansätzen aufgezeigt. Die meisten Arbeiten betrachten Entwicklungen in England, Frankreich und Deutschland. Diese Fokussierung erschien gerechtfertigt aufgrund der Geschichte des Kolonialismus in den ersten beiden Ländern und der deutschen Vorreiterrolle bei der Systematisierung der historisch-vergleichenden Sprach- und Textwissenschaften. Es ist jedoch verkürzt, Dynamiken epistemologischen Wandels zu ignorieren, die das wissenschaftliche Italien im 19. Jahrhundert prägten. Auch in der soziokulturellen Komplexität des Risorgimento bildeten sich Strukturen rassistischen Denkens und Räume differenzierter Reflexion über die anthropologische Aussagekraft der Philologie.