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Sehen und Blindheit bei Baudelaire
Author: Sarah Pines
Die Gegenwart ist für Baudelaire eine endlose Abfolge verfliegender Augenblicke. Ihr Entfaltungsraum ist die Stadt, in der sich diese sich stets entziehende Jetztzeit visualisiert. Baudelaire weist den beweglichen Blick, der an die Geschwindigkeiten der Gegenwart angepasst ist, als zentrales Werkzeug aus, um in der banalen Alltagswirklichkeit des Stadtlebens Neues zu entdecken und daraus Kunst zu schaffen.
Das Buch untersucht erstmalig solche »Schnappschüsse des Jetzt« in Baudelaires Fleurs du Mal. Dabei werden Momente des Sehens faszinierender Raumdetails jenen Momenten gegenübergestellt, in denen die Außenwelt den Blick des melancholischen Dichters nicht mehr fesselt und dieser in eine Schreibblockade verfällt. Diese Arten der visuellen Wahrnehmung werden in Beziehung zum Symbolismus, zu modernen Vorstellungen von Zeit und Raum gesetzt wie Plötzlichkeit, Thermodynamik und industrielle Urbanisierung.
Rassedenken in der italienischen Philologie des neunzehnten Jahrhunderts
Die italienische Philologie und ihr erkenntnistheoretischer Beitrag zu Rassedenken und Ethnozentrismus.
Die Entstehung rassistischen Denkens in den philologischen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts wurde durch die Forschung in Ansätzen aufgezeigt. Die meisten Arbeiten betrachten Entwicklungen in England, Frankreich und Deutschland. Diese Fokussierung erschien gerechtfertigt aufgrund der Geschichte des Kolonialismus in den ersten beiden Ländern und der deutschen Vorreiterrolle bei der Systematisierung der historisch-vergleichenden Sprach- und Textwissenschaften. Es ist jedoch verkürzt, Dynamiken epistemologischen Wandels zu ignorieren, die das wissenschaftliche Italien im 19. Jahrhundert prägten. Auch in der soziokulturellen Komplexität des Risorgimento bildeten sich Strukturen rassistischen Denkens und Räume differenzierter Reflexion über die anthropologische Aussagekraft der Philologie.
Marcel Prousts À la recherche du temps perdu steht im Dialog mit unterschiedlichen Genres und stößt selbst andere Dialoge an. Dies fordert einen komparatistischen Zugang, den dieser Band verwirklicht.
Prousts Roman aktualisiert Literatur und Kunst als relevante Kontexte, die sich, im Medium des Erzählens verschmolzen, signifikant verändern. Die Erneuerung des Romans geht also mit einer Umbestimmung anderer Genres einher. Komparatistisch lässt sich nach dem Verhältnis zur bildenden Kunst, zur Lyrik, zur Philosophie, zum Telefongespräch und Theater der Epochenschwelle von 1912/1913 fragen: Wie erscheinen und verändern sich diese Formen in der Ästhetik des modernen Romans? Ebenfalls vergleichend wird die Möglichkeit dieses dynamischen Gattungsverständnisses bei Zeitgenossinnen wie Lasker-Schüler, bei Proust-Lesern wie Schnitzler und in Proust-Romanen wie denen von Garréta, Besson u.a. untersucht.
Aisthetische Poetiken in der französischen und mexikanischen Literatur (1963-1984)
Author: Berit Callsen
Sehen ist nicht gleich Sehen: Bald ist es Warten auf ein Erscheinen, bald taktiles Entziffern; hier steht es mit produktivem Wortverzicht zusammen, dort vermittelt es Ansichten einer störenden Sprachlosigkeit. Anhand fiktionaler und essayistischer Texte des französischen nouveau roman und der mexikanischen Generación del Medio Siglo untersucht Berit Callsen die literarische Reflexionsfigur »Wahrnehmung« als konzeptuell vielfältiges Phänomen. Im theoretischen Horizont von philosophischer Ästhetik und Bildwissenschaften stellen sich Wahrnehmungsformen bei Nathalie Sarraute, Juan García Ponce, Alain Robbe-Grillet und Salvador Elizondo in einen Zusammenhang mit Funktionslogiken von Bild und Schrift - und in einen chiastischen Vergleich. Auch der Brückenschlag zum kultur- und kunsthistorischen Bezugsrahmen des Sehens in Frankreich und Mexiko in den 1950er und 1960er Jahren eröffnet bisher verborgene Einsichten in wahrnehmungszentriertes Schreiben.
Zum literarischen Bekenntnis bei Augustinus und Derrida
Author: Johanna Schumm
Was heißt bekennen? Und was ist ein literarisches Bekenntnis?
Diese Fragen stellt die komparatistische Studie an ein vormodernes und ein postmodernes Bekenntniss - Augustinus’ »Confessiones« und Jacques Derridas »Circonfession«.
Freilich ist dieser Vergleich schon bei Derrida angelegt. In seiner »Circonfession« bezieht er sich auf vielfache Weise auf Augustinus’ Bekenntnistext. Schumms Untersuchung erschließt nicht nur diese spezifische Rezeption Augustinus’ durch Derrida, sondern eröffnet von dort aus auch einen neuen Blick auf die Confessiones und auf das literarische Bekenntnis überhaupt.
À la Recherche du temps perdu ist ein künstlerisch gestaltetes Universum von unvergleichlicher Größe. Vielfältige Bewegungen durchziehen und gliedern diese Welt – nicht nur als Formen ästhetischer Erfahrung, sondern auch als Modelle literarischer Hermeneutik. Die Kategorie der Bewegung ist unumgänglich, um die Poetik der Recherche zu verstehen. Dies beginnt bei erzählerischen Modellierungen von Bewegung an Schlüsselstellen und führt zu Erkundungen des ästhetischen Potenzials verschiedener Bewegungsarten. Analysiert wird dies vor dem Hintergrund zahlreicher einschlägiger Diskurse: die moderne Kinästhetik, die Philosophie Henri Bergsons, die medizinische Theorie der Nervosität, die Theorie fotografischer Stillstellung. Ebenso wichtig sind die intertextuellen Bezüge, die von Anspielungen auf Ovid und Hans Christian Andersen bis zu generischen Referenzen auf die moderne Lyrik, die avantgardistischen Formen des Theaters und die Ästhetik des Kinos reichen.
Zur Genesis der Moderne bei Baudelaire und Flaubert
Ein einheitlicher Stilbegriff ist in der Moderne kaum zu finden. Aber ist die Geschichte des Stils deshalb zu Ende? Ist eine Moderne ohne Stil überhaupt denkbar? Historisch und systematisch weist die vorliegende Studie im 19. Jahrhundert einen epochemachenden Wendepunkt des Stilbegriffs nach. An pointierten Analysen aus der ästhetischen Theorie und insbesondere dem prosapoetischen Spätwerk von Charles Baudelaire und Gustave Flaubert werden die Einschreibungen der Autoren in antike und moderne Stilparadigmen herausgearbeitet, die Spuren des Stil(u)s aber auch in philosophisch-theologische Quellen von Platon, Paulus, Augustinus oder Pascal über Kant, de Sade bis Poe und Nietzsche verfolgt und so eine bisher verstellt gebliebene Poetik des Stils rekonstruiert, die den modernen Stilbegriff neu bestimmt. Eindrücklich lässt sich an der Arbeit der Autoren am Stil zeigen, wie sich die Moderne mit einer einzigartig anderen Genealogie verbindet, die das klassische, logozentrische, abendländisch-aufgeklärte Ursprungsdenken lapidar durchkreuzt, der Moderne buchstäblich neue Quellen, Intertexte und Ursprünge, erschließt. Die hier umfassend untersuchten Stilreflexionen von Baudelaire und Flaubert eröffnen einen neuartigen Zugang zu Werk und Denken der zwei wichtigsten Autoren der französischen Moderne – und ergänzen die subjektfixierte Theorie der Moderne um eine andere Dimension.
Rhetorik des Körpers in den Autobiographien von Michael Leiris
In der Lektüre des vielbändigen autobiographischen Werks von Michel Leiris (1901-1990) führt Regine Strätling exemplarisch vor, wie sich in der Bezugnahme auf den eigenen Körper pragmatische, epistemologische und darstellungslogische Dimensionen autobiographischen Schreibens bündeln.
Subjekte entwerfen sich maßgeblich über ihr Bild vom eigenen Körper. Das lässt sich auch an autobiographischen Subjektivierungsformen ablesen. Der eigene Körper ist dabei allerdings notwendig ein konstruierter und kodierter und von poetologischen und rhetorischen Verfahren nicht zu trennen. Der Körper ist Figur, mag diese auch für eine unfigürliche Kreatürlichkeit stehen.
Die Ritterromane Chrestiens de Troyes
Authors: Xuan Jing and Jing Xuan
Wenn Erich Auerbach im Auszug des höfischen Ritters die Funktionskrise des feudalen Standes sieht, so benennt er damit einen politischen Strukturwandel, von dem der
Ritterroman entstehungsgeschichtlich bedingt wird.
Chrestiens de Troyes Erzählwerk lässt sich neu lesen: Als politisch sinnhafte Fiktion, die jenen historischen Übergang imaginär aufarbeitet, der sich von Feudalkönigtum zur souveränen Monarchie vollzieht. Dem politischen Umbruch seiner Epoche begegnet Chrestien mit einem Abenteuernarrativ, das fiktive Krisenbewältigung und die Projektion neuer Herrschaftsformen gleichermaßen leistet. Seine Ritterhelden werden als neue Subjekte der Herrschaft entworfen. Subjektwerdung und christliche Zeit finden dabei nicht nur in einer typologischen Erfüllungsstruktur ihre Entsprechung. Mit der Figur des »Aufhalters« bringt Chrestien auch die Endzeit in eine politische Theologie ein.
Kontrapunktisches Lesen der Poetologie José Lezama Limas und der Sprach- und Geschichtstheorie der Kabbala
Author: Einat Davidi
Paradiso als Pardes untersucht in einer vergleichenden und interdisziplinären Studie die Zusammenhänge zwischen historischer Entwicklung, Kulturgenerierung und Sprachschöpfung in zwei Textkorpora: im Werk José Lezama Limas und der jüdischen Mystik.
Beide werden als allumfassende und radikale Schöpfungstheorien gelesen, als Denksysteme, in denen Sprachschöpfung und Weltschöpfung gleichzeitig und als gleichzeitig gedacht werden.
Diese Studie, welche das Interesse des kubanischen Schriftstellers für die Kabbala und die Affinitäten zwischen den Werken herausarbeitet, verdeckt die dem Werk innewohnende Dialektik von Säkularisierung und Sakralisierung und ermöglicht damit sowohl einen neuen Zugang zur rätselhaften Schrift Lezama Limas als auch zur viel- diskutierten Schnittstelle zwischen Kabbala und Literaturtheorie.