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Lutherische Visionskultur der Frühen Neuzeit
Author: Anika Höppner
Vor dem Hintergrund des langjährigen ›Gesichtsstreits‹ (1634–1649) zwischen dem Lübecker Theologen Jacob Stolterfoht (1600–1668) und dem Stettiner Theologen Jacob Fabricius (1593–1654) wird eines besonders deutlich: Die lutherische Visionskultur der Frühen Neuzeit ist durch das Schriftprinzip bestimmt. Bibeln, Briefe, Predigten, Bücher – in den Visionen ›neuer Propheten‹ wimmelt es von Medien, Medien verbünden und Medienreflexionen. Mehr als andere Visionen tragen die Gesichte lutherischer Seher das Spannungsverhältnis zwischen kirchlichen Heilsmedien und unmittelbaren Offenbarungen, zwischen Mediatem und Immediatem aus. Die hier versammelten medienkulturhistorischen Lektüren lutherischer Gesichte dokumentieren diese Verstrickungen von amtlich verordneter Medialität und visionärer Gegenwärtigkeit. Sie beleuchten lutherische Vorstellungen von Gottunmittelbarkeit in ihrem Verhältnis zur Medienkultur des 16. und 17. Jahrhunderts und betonen ihre Spezifik gegenüber solchen mystisch konnotierter Erfahrungen. Dabei zutage treten die vielgestaltigen Mechanismen der Verschränkung etwa von Bibelzitat und Gottesschau, Wortglaube und Brautmystik, Bekenntnis und Stimmwunder sowie der historische Wandel dieser und anderer Logiken, die Visionen zum festen Bestandteil der lutherischen Konfessionskultur werden ließen.
Szenarien von Zeugenschaft und ihre Akteure
Series:  Trajekte
Der Zeuge verkörpert eine Schlüsselfigur unserer Kultur und Wissenspraxis, obwohl das mittels Zeugenschaft generierte Wissen immer einen umstrittenen Status hat.
In diesem Band werden verschiedene Typen und Formen des testimonialen Wissens diskutiert, kulturhistorische und systematische Perspektiven zusammengeführt und in ihren Verflechtungen zwischen epistemischem Wert und ethischer, politischer, sozialer, künstlerischer und religiöser Bedeutung beleuchtet. Im Fokus stehen dabei vor allem die Praktiken und Handlungsszenarien der Bezeugung, da sich in ihren Konstellationen und Dynamiken die Frage der Glaubwürdigkeit des Zeugnisses und die Optionen zur Etablierung eines Zeugenwissens entscheiden.
Alternative Gegenwarten und Zukunftsprojektionen um 1914
Was wäre, wenn der Erste Weltkrieg nicht stattgefunden hätte? Welche Zukunft wäre dann vielleicht unsere Vergangenheit geworden? Betrachtet man geschichtliche Wendepunkte und fragt, wie die Dinge hätten anders verlaufen können, so öffnen sich mit den Parallelwelten der Vergangenheit zugleich mögliche Zukünfte. Der vorliegende Band widmet sich wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen Alternativszenarien unserer Gegenwart sowie vergangenen Zukunftsprojektionen um das Jahr 1914 und fragt nach deren Bedeutung für die Auseinandersetzung mit dominanten Geschichtsbildern.
Verletzung als Rationalität visueller Politik
Author: Sarah Dornhof
Figuren, Geschichten und Erzählformen aus islamischen Traditionskontexten finden heute auf vielfältige Art Eingang in kulturelle Praktiken in Europa und verändern den Blick auf Islam und Muslime. Der Islam ist immer seltener das konstitutive Außen; er wird Objekt komplexer Politiken, durch die Muslime in Europa anders gesehen werden, sich selbst anders sehen.
Die Studie richtet den Fokus auf die Vielfalt, Konflikthaftigkeit und gegenseitige Veränderbarkeit von Blicken, Wahrnehmungsweisen und Sensibilitäten, durch die sich die Sichtbarkeit des Islams in Europa grundlegend verändert. Im Zentrum stehen Momente der Verletzung durch Bilder, die nicht als repressive, ausgrenzende Macht gefasst sind. Vielmehr werden sie im Rahmen politischer Rationalität analysiert, durch die Muslime auf vielfache Weise in die Arbeit an (den eigenen) Bildern, Blicken und Affekten in europäische Kulturpraxis eingebunden werden.
Ordnungen des Zukunftswissens
Series:  Trajekte
Wissen von der Zukunft ist für das Alltagsleben genauso relevant wie für politische Entscheidungen. Allerdings handelt es sich um einen sehr spezifischen Typus von Wissen, denn Zukunft ist als Gegenstand abwesend und als Zeitform immer nur im Kommen.
Zukünfte sind streng genommen nur im Plural zu fassen. Sie erscheinen in unterschiedlichen Sprach- und Denkfiguren, werden hergestellt durch verschiedene Kulturtechniken und soziale Praktiken, geformt durch Narrative und Gattungen. Zudem bilden unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen ganz unterschiedliche Prognose-Kulturen aus. Angesichts der Vielfalt und Heterogenität des Zukunftswissens verspricht ein kulturwissenschaftlicher Zugriff differenzierte und neuartige Erkenntnisse. Die zahlreichen Beiträge des Bandes eröffnen anhand von Lemmata wie »Ahnung«, »Suspense«, »Mantik«, »Computersimulation«, »Prophet«, »Posthumanismus« oder »Nanotechnologie« ein historisches und interdisziplinäres Panorama verschiedenartiger Futurologien.
Kulturelle Praktiken von Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist weit mehr als Ressource und Mangelware. Sie artikuliert sich im Zusammenspiel von Räumen, Gegenständen, Körpern und Bewusstsein und ist damit grundlegend für individuelles und gesellschaftliches Handeln und Erleben.
Krankheiten, Krisen und Konflikte der Aufmerksamkeit bilden einen zentralen Aspekt, mit dem sich die gegenwärtigen westlichen Gesellschaften selbst beschreiben. Im Gegensatz
zu gängigen kulturwissenschaftlichen Interpretationen betrachten die AutorInnen des Bandes die Geschichte der Aufmerksamkeit jedoch nicht als eine Geschichte des Niedergangs. Stattdessen stellen sie Aufmerksamkeit als Grundlage und Produkt individueller und kollektiver Praktiken vor, die vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart reichen und die so unterschiedliche Kontexte wie architektonische Gebilde, das Börsengeschehen, die Ratgeberliteratur oder den Raum eines fiktionalen Textes betreffen.
Lebens-Arbeit mit Wilhelm Dilthey
Author: Gregor Kanitz
Geist hat keine Konjunktur in Kulturwissenschaften. Die postmodernen/poststrukturalen Theorieformationen der letzten Jahrzehnte gründeten sich gerade in Absetzung von Geist und Geisteswissenschaft, welche prominent und methodologisch mit dem Namen Wilhelm Dilthey verknüpft wird. Dilthey ist der Knotenpunkt eines Netzwerkes, welches Philosophie, Literatur, Pädagogik, Religion und (Kultur-)geschichte als Umgebung von Personen tradiert. Diese Syntheseleistung funktioniert nicht primär hermeneutisch, sondern als genealogischer Überlieferungsverkehr. (Auto-)biografische Techniken und Verkehrsformen zeigen und erzeugen eine »Ökonomie geistigen Lebens«, die das Leben mit der Wissenschaft »befreunden« muss. In dieser Konkretion werden Haut, Hand und Kopf eines theoretischen Lebens zu Oberflächen, in denen sich Kulturgeschichten, Wissenspoetologien und Ideengeschichten einrichten können.
Koloniale und antisemitische Verräterfiguren »hinter den Kulissen des Welttheaters«
Author: Timm Ebner
Die koloniale Populärkultur boomte im »Dritten Reich«. Dennoch gab es bisher kaum Forschung zu diesem Material.
Mit dem Verlust der Kolonien im Ersten Weltkrieg begann in Deutschland eine postkoloniale Phase, die mit der späteren Dekolonisierung anderer Kolonialreiche kaum vergleichbar ist. Ob als Kolonialismus ohne Kolonien oder als Metapher für den Versailler Vertrag (Deutschland sei »Kolonie der Westmächte«), ob als »Weltgeltung« oder »Weltverschwörung«: Der koloniale Schauplatz verlieh eine globale Dimension. Der seit 1933 geltende permanente Ausnahmezustand richtete sich gegen »Verräter«, die der Aufstandsvorbereitung verdächtigt wurden. Um dieses paranoische Szenario plausibel zu machen, griffen Schriftsteller auf das etablierte Motiv der rassistischen Aufstandsbekämpfung zurück.
Die mediale Formierung des Sakralen
Auf welche Weise markieren, übertragen oder konstituieren Medien die Sakralität erfahrbarer Orte? Für das Verständnis der christlichen Kultur des Mittelalters ist diese Frage zentral. Der Band erhellt aus interdisziplinären Perspektiven, wie Medium, Imagination und Affekt spatiale und sakrale Erfahrung verbinden. Bereits in der Spätantike werden die Orte von Christi Passion als heilige Stätten medialisiert. Im Mittelalter kommt ihnen eine Logik übertragbarer Heilswirkung zu, die den Umgang mit weiteren Orten prägt. Städte, Klöster und Kirchen organisieren sich baulich und rituell auf Basis vorgängiger sakraler Topographien; Liturgien, Prozessionen, geistliche Spiele bringen sie vor Ort zur Geltung. Wie sind Rolle und Verhältnis konkreter, imaginärer, virtueller und affektiver Räume in Praktiken der Sakralisierung dabei zu konzipieren? Der Blick auf historisch spezifische Konstellationen eröffnet Perspektiven, die zum kulturwissenschaftlichen Raumdiskurs beitragen.
Kultur- und Wissensgeschichte einer Denkfigur
Series:  Trajekte
Synergie ist ein Schlüsselbegriff in Wissenschaft und Gesellschaft. Wie wird er historisch und gegenwärtig verwendet? Was zeichnet ihn als produktives Paradigma in interdisziplinären Forschungs- und Praxisfeldern aus?
Als Modell einer holistischen Beschreibung der Wirklichkeit macht die synergetische Perspektive die aristotelische Einsicht fruchtbar, dass das Ganze mehr ist als bloß die Summe seiner Teile. Allgemeine Theorien des Zusammenwirkens (synérgeia) nehmen hier ihren Ausgangspunkt. Mit Blick auf kooperative Interaktionen und dynamische Strukturbildungen in Natur, Kunst und Gesellschaft untersuchen die Beiträge philosophie-, wissenschafts- und kulturgeschichtliche Konstellationen, in denen Synergie-Konzepte besondere Konjunktur haben, und fragen nach dem Zukunftspotenzial dieser transdisziplinären Denkfigur.