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Logik und Rhetorik der doppelten Verneinung
Author: Mathias Mayer
Eine raffinierte sprachliche Eigenheit des Erzählers Kafka erweist sich als folgenreiches Analyseinstrument. Die Forderung nach genauem Lesen wird mit dem theoretischen Horizont von Regel und Ausnahme verknüpft.
Kafka ist ein Virtuose der doppelten Verneinung: Die schon in der Alltagssprache angelegte Unsicherheit – was nicht falsch ist, muss nicht richtig sein – nutzt er als listige Strategie. Genaue Beobachtungen seiner Sprache, Erzählanfänge und Briefe führen vor Augen, wie hintergründig Kafka eine unsichere Welt aus Regeln, Ausnahmen und Ausnahmen von der Ausnahme gestaltet. Was stilistisches Spiel scheint, erweist sich als komplexe Denkfigur. Kafkas Texte interessieren sich weniger für die eindeutige »Unwahrheit« als für das, was »nicht unwahr« ist. Dabei kommt sein biographisches Dilemma ebenso zur Sprache wie die Macht, die nichts ausschließt. Sodann werden Fragestellungen aus der Rhetorik, Logik, politischen Theorie (Agamben) und Jurisprudenz herangezogen.
Wilhelm Raabes narrativ inszenierte Bilddiskurse
Author: Natalie Moser
Die jüngste Realismus-Forschung fokussiert selbstreferenzielle Tendenzen des spätrealistischen Erzählens. Wilhelm Raabes Erzählen zeugt jedoch sowohl von einer immanenten Radikalisierung des Realismus als auch von dessen Zeitlichkeit.
Die vorliegende Monographie widmet sich aus erzähltheoretischer, zeit- und bildphilosophischer Perspektive der Aporetik des Erzählens. Ausgehend von der Epoche des Realismus und anhand einzelner später Erzählungen Wilhelm Raabes wird aufgezeigt, dass das spätrealistische Erzählen gleichermaßen selbst- und fremdreferenziell ist. Raabes narrativ inszenierte Bilddiskurse kultivieren unter der Oberfläche des realistischen Erzählens einen Anti-Realismus. Beim Versuch, erzählend das Erzählen darzustellen, wird die Zeit als irreduzibler Rest des Erzählens anschaulich. Raabes späte Erzählungen werden paradoxerweise zu Bildern der (undarstellbaren) Zeit.
"Nibelungenlied" und Kreuzzüge
Nibelungenlied und Klage spiegeln im Schutz der »alten maeren« historische »warheit«: die Ehre des Reichs, zerstört durch die Kreuzzüge.
Dieter und Jürgen Breuer würdigen das Nibelungenlied unter den politisch-historischen Voraussetzungen seiner Entstehungszeit um 1200 gegen die vorherrschende Meinung des Fachs. Sie sehen im Dichter des Nibelungenlieds den kritischen Beobachter, der den bekannten Sagenstoff in einer Weise neu erzählt, die diesen transparent für die Bewertung der verstörenden politischen Vorgänge seiner Gegenwart macht: das katastrophale Scheitern des hochmütigen Ausgriffs der Staufer nach der Weltherrschaft als Folge der Kreuzzüge. Am Ende steht einmal mehr die Frage, wem ein solches politisch motiviertes Epos wie das Nibelungenlied zuzutrauen ist. Die beiden Autoren plädieren mit guten Gründen für den Epiker und Politiker Bligger von Steinach, der dem Gefolge des Stauferkaisers Heinrich VI. angehörte.
Die Entdeckung der reinen Sichtbarkeit in Ludwig Tiecks frühen Romanen
Author: Norman Kasper
Wann beginnt die Romantik? Und wie viel Aufklärung steckt in ihr? Wenn jemand bei der Beantwortung dieser Fragen helfen kann, dann Ludwig Tieck; denn an den ästhetiktheoretischen Positionen seiner Romane der 1790er Jahre lässt sich der Epochenumbruch besonders gut studieren. Im Mittelpunkt der Studie steht Tiecks Beitrag zu einer Diskurs- und Wissensgeschichte der Sichtbarkeit, zum Verhältnis von bildlicher Gegenständlichkeit und Abstraktion, zur Beziehung von Anschauung und Darstellung sowie zur Markierung bzw. Überschreitung medialer Grenzen. In der Analyse des Dialogs von Aufklärung und Romantik greift Norman Kasper am Leitfaden der Sichtbarkeit auf historische Texte der physiologischen Anthropologie, der philosophischen Ästhetik und der Kunsttheorie zu und verfolgt die Entstehung der reinen Sichtbarkeit entlang der Romane Geschichte des Herrn William Lovell und Franz Sternbalds Wanderungen.
Emphatische Intertextualität in der modernen Lyrik
Einfluss-Lust statt Einfluss-Angst: Der Band untersucht das Phänomen emphatischer Intertextualität als ästhetische Antwort und Gegenmodell zum allgegenwärtigen Originalitätsparadigma in der modernen Lyrik. Entgegen der starken These von der »Einfluss-Angst« (Bloom) und dem poststrukturalistischen Diktum einer subjektlosen und rein in der »Struktur des Geschriebenen selbst« (Derrida) enthaltenen Intertextualität beziehen sich viele Gedichte des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart programmatisch und poetologisch motiviert auf individuelle literarische Vorbilder. Lyrische Fallstudien (u.a. zu Hugo von Hofmannsthal, Robert Walser, Bertolt Brecht, Franz Josef Czernin oder Marie-Thérèse Kerschbaumer) renommierter Literaturwissenschaftler erkunden ebenso wie Dichtergespräche mit zeitgenössischen Autoren unterschiedliche poetische Formen und Implikationen einer solchen emphatischen Intertextualität und beleuchten ihr Verhältnis zur Forderung nach Originalität, die sich in der Moderne als ästhetisches Dogma herausgebildet hat. Close readings fördern Poetiken zu Tage, die sich der scheinbar scharfen Antithese von epigonaler Kontinuität oder innovativem Bruch mit der Tradition verweigern und gerade in dem zur Schau gestellten Bezug auf dichterische Vorbilder ihre poetische Sprengkraft enthüllen.
Praktiken audioliteralen Schreibens und Verstehens
Das Hörbuch ist ein literarisch relevantes Produktions- und Rezeptionsmedium, das nicht auf die Distribution literarischer Texte beschränkt bleibt, sondern selbst zur Genese einer neuen, produktiven und rezeptiven audio-literalen Ästhetik beiträgt.
Gefragt wird nicht nur, was ein Hörbuch ist und wie es sich von anderen Medien abgrenzen lässt, sondern auch, welche audio-literalen Verfahren darin zur Anwendung kommen. Es werden die akustischen Schnitttechniken Rolf Dieter Brinkmanns oder Peter Kurzecks als poetologische Strategien analysiert und nach der Synästhesie eines transienten Mediums ebenso gefragt wie nach einer Theorie der Audioliteralität. Zudem geht es um eine Bestimmung akustischer Paratextualität und um die Frage, inwiefern sich die hörbaren »Seelenspuren der Dichter« als Intimisierung des Vortrags verstehen lassen.
Die deutsche Literatur kreist im 20. Jahrhundert um drei große Themen: die Frage nach den Bedingungen und Weisen poetischen Sprechens, die Konkurrenz zwischen Literatur und technisierten Medien, die Unentrinnbarkeit des Politischen. Systematisch werden vor diesem Hintergrund wesentliche Werke der Prosa, Dramatik und Lyrik des 20. Jahrhunderts in ihren denkgeschichtlichen Kontexten dargestellt. Thematisiert werden der Aufstieg der Sprache, die Kunstrevolutionen zwischen Großstadt, Massenkultur und Avantgardismus sowie die politische Aufladung der Literatur bis hin zu den Machtverwicklungen einiger Dichter. Romane von Thomas Mann, Hans Henny Jahnn und Robert Musil erscheinen als Versuche, die Moderne unter den Bedingungen von Totalitätsverlust zu reflektieren. Behandelt werden Suchbewegungen und Neueinsätze nach 1945 in Sprachexperimenten, im Konflikt um literarische Subjektpositionen in der (Sub-)Kultur und im Horizont von Nation, Migration, ambivalenter Utopie und globalen Topographien. Dem Leser begegnen eine Fülle bekannter und einige weniger kanonisierte Autoren und Werke, deren Stimmen hörbar gemacht werden.
Evidenz und Polyphonie der Gewissensentscheidung auf dem deutschsprachigen Theater der Frühen Neuzeit
»Read my lips…«, »als Ehrenmann versichere ich Ihnen…« – wer kennt nicht die öffentlichen Beteuerungen von Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit? Doch die selten überprüfbaren Wahrheitsinstanzen machen misstrauisch. Muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Wahrheit gesprochen wurde?
Fromholzer untersucht das Spannungsverhältnis von unerschließbarer Innerlichkeit und wahrheitsgemäßer Aussage unter Rückgriff auf das Theater der Frühen Neuzeit. Vom Reformationsdrama bis zu Friedrich Schiller bedarf das Gewissen objektivierbarer Kriterien, sei es als Imitatio Christi oder als aufgeklärte Urteilslegitimation, die seine Autorität gesellschaftlich begründen.
"Ein gewaltiger Verhöhner des Zeitgeistes"
Gerhard Nebel war ein Freigeist und ein Querulant. Er ließ sich in keine Schublade stecken. Ob nun Sozialdemokrat, Marxist, Nihilist, Atheist, Existenzialist oder Metaphysiker: Nichts will auf ihn passen, diesen »gewaltigen Verhöhner des Zeitgeistes«. Seine Texte, voll aufbrausender Leidenschaft, Eigensinnigkeit und Eifer, sind noch heute faszinierend. Im raschen Wechsel seiner Überzeugungen, die Nebel alle stets mit Inbrunst vertrat, spiegelt sich die Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. Nun wird dieser Querdenker aus dem Umkreis Ernst Jüngers wiederentdeckt. Was er zu Themen wie Ökologie, Medienlandschaft und islamistischer Gefahr zu sagen hat, die wieder hochaktuell sind, wird hier herausgearbeitet.
Zum Werk Barbara Honigmanns
Series:  Makom, Volume: 9
Barbara Honigmann ist eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen unserer Zeit. Sie zeichnet in ihrem Werk die Konturen unserer Zeit nach: die Zäsur von 1945, die Frage nach der Literatur im Angesicht der Shoah, und das Leben in Europa nach der politischen Wende von 1989.
Das Buch versammelt Beiträge von WissenschaftlerInnen, die in Deutschland, Israel und den USA die Literatur Honigmanns im Zusammenhang der deutschen Nachkriegsgeschichte und der zeitgenössischen deutsch-jüdischen Literatur lesen. Da sich Barbara Honigmann in ihrem Werk auch dem heutigen Amerika oder dem Leben im multikulturellen Europa zuwendet, umfassen diese Essays zudem Fragen der Literatur und Kultur im Zeitalter der wachsenden Globalisierung und Neuorientierung in Politik und Gesellschaft.