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Author: Bettina Unger
Bei Genet lässt sich eine Sprache der Liebe feststellen, die sich jenseits des sexuellen Verlangens äußert. Liebe wird emblematisch durch eine mütterliche Position beschrieben, die aus der christlichen Tradition vertraut ist. Die in Genets Romanen auftretenden Männer erinnern an bekannte Bildnisse der Heiligen Gottesmutter, insbesondere an Darstellungen der Mater Dolorosa. Unbestritten entwerfen die Romane männliche Protagonisten in einer Eindringlichkeit, der man sich nur schwer entziehen kann. Doch betrachtet man sie genauer, weisen sie weibliche, ja mütterliche Qualitäten auf, die den ersten Eindruck als Illusion anzeigen und eine neue Lesart empfehlen. Dadurch dass in „Das Lied der Liebe bei Jean Genet“ erstmals Liebe nicht sexuell begriffen wird, entsteht eine neuartige Lektüre dieses Autors, die von Roland Barthes’ inspiriert ist. In Verbindung mit dieser anderen Wertung des Liebesdiskurses stellt der Band Bezüge zur christlichen Ikonographie in den Mittelpunkt.
Goumegous Buch rekonstruiert den Zusammenhang von wissenschaftlichem Traumdiskurs, ästhetischem Traumbegriff und literarischer Ausgestaltung von Traumtexten an drei Beispielen. Zu Beginn der Moderne bleibt der Traumbegriff bei Nerval in Absetzung vom protopsychiatrischen Traumdiskurs seiner Zeit literarischen Traditionen verhaftet und die Traumerzählung in Aurélia an den fiktionalen Kontext ge-bunden. Für Bretons Auseinandersetzung mit Psychologie und Psychoanalyse ist kenn-zeichnend, daß er den Traum in erster Linie für die surrealistische Ästhetik in Anspruch nimmt. Michel Leiris schließlich, der exemplarisch für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts steht, entwickelt in der Règle du jeu, nun ohne explizite Bezugnahmen zu Wissensdiskursen, einen Traumbegriff, der den Traum zum Paradigma des Poetischen schlechthin macht.
Lektüren Prousts
Author: Marcus Coelen
Ein Leiden der Identität und der Ähnlichkeit treibt die Suche, durchzieht die Recherche. Alles, was ist, soll sein, was es ist, gerade in der absoluten Veränderung, im Zugriff des Anderen, durch die Zeit, Erinnerung, Liebe, Eifersucht, Blick und Bewusstsein des anderen Subjekts. Alles soll erkennbar bleiben als das, was ist, als anderes. Der Proustsche Sadismus –Komplex der Qual der unmöglichen Ähnlichkeit – ist die Affizierung und Thematisierung dieser aporetischen Logik und die gesamte Recherche die Suche des Sadismus: Darstellungsversuch einer Aporie, die nicht wie Dialektik Identität und Differenz, Selbes und Anderes verbindet, sondern, negativer, in einer eigentümlichen Negation jenseits des dialektischen Widerspruchs – eher eine Art Verneinung –, das Singuläre und sein désastre mannigfach, unberechenbar, zu jedem Moment, in jedem Element aneinander erinnert.
Beispiele intermedialer Vernetzung von Literatur, Malerei und Film
Manet, Balzac, die Brüder Goncourt, Zola, Poe und Rivette – bei ihnen allen findet man Werke, die das Frauenopfer in der Kunst illustrieren, wen nauch nicht unbedingt Blut vergossen wird. Es ist sogar zweifelhaft, ob hier eine einzige Frau ihr Leben für die Kunst opfern muss. Dennoch werden in all diesen Beispielen aus Literatur, Malerei und Film zahlreiche Opfermetaphern zitiert – nur um die Ungewissheit zurückzulassen, ob es dem Künstler wie Pygmalion gelingt, seine Galathea zu verlebendigen oder ob nicht vielmehr die imaginierte Frau als dekonstruktives Element ihn selbst und sein Werk in einem Atemzug schafft und wieder zerstört. Im intermedialen Wechselspiel der Künste werden Fragen nach der Möglichkeit von Repräsentation, Mimesis und nicht zuletzt weiblicher und männlicher Identitätsbildung neu gestellt.
Als Schlüsselfigur seines Jahrhunderts ist Michel Leiris – Schriftsteller und Ethnologe gleichermaßen – bislang noch kaum angemessen und umfassend gewürdigt worden. Der Band nimmt den hundersten Geburtstag des Autors zum Anlass, das in seiner Sprengkraft noch unterschätzte Werk aus der Sicht unterschiedlicher text- und kulturwissenschaftlicher Fragestellungen neu zu perspektivieren. Der Titel Szenen einer Transgression betont die poetologischen und ästhetischen Momente der vor allem von kulturwissenschaftlicher Seite beschriebenen Akte der Übertretung von Verboten und der Überschreitung von Ordnungen. Gerade für Leiris gilt, dass die Transgression eine „Szene“ braucht.
Allegorische Rede und mystische Erfahrung in der Dichtung des heiligen Johannes vom Kreuz
Author: Bernhard Teuber
Die drei grossen Gedichte des San Juan de la Cruz (1542-1591) gelten als Glanzlichter der spanischen Mystik. Auf semiotischer und kulturanthropologischer Grundlage werden jene rätselhaften Texte erschlossen, denen theologischer Sinn zugeschrieben wurde, wiewohl das Wort 'Gott' darin nicht vorkommt. Ihre immanente Poetik wird nunmehr (re-)konstruiert im Rückgriff auf die allegorische Exegese des Hohenlieds, auf die negative Theologie des Dionysius vom Areopag und auf J. Derridas Philosophie der Dekonstruktion. Den anthropologischen Horizont bildet G. Batailles Theorie des erotischen Exzesses und der unproduktiven Verausgabung, wie sie bereits in der Deutung des Kreuzesopfers durch die Osterliturgie angelegt ist. Noche oscura, Cántico espiritual und Llama de amor viva sind demnach lesbar als hoch komplexe Allegorien des Liebesopfers, der Liebeskunst und der Liebeswunde. Indem der mystische Dichter den fleischlichen Sinn der geistlichen Gottesliebe bis in die erotischen Perversionen hinein ausbuchstabiert und zugleich allegorisch durchkreuzt, performiert er ein radikales 'Buchstabenopfer', das auf 'nichts' (spanisch nada) anderes verweist denn auf die unsagbare Erfahrung des unsichtbaren Anderen.
Das Werk Alberto Savinios von der "scrittura metafisica" zum "surealismo archeologico"
Author: Peter Gahl
Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod findet das vielfältige Werk Alberto Savinios (1891-1952) langsam auch in Deutschland das ihm gebührende Interesse: In den letzten beiden Jahren gab es hier nicht nur eine große Ausstellung seiner Malerei und der seines Bruders Giorgio de Chirico, es fand auch die erste Savinio-Tagung auf deutschem Boden statt. Gahls Buch untersucht das umfangreiche literarische Oeuvre des Italieners von den ersten, im Paris des Jahres 1914 entstandenen Texten bis zu vielschichtigen Spätwerken wie dem Mailand-Portrait "Ascolto il tuo cuore, città" von 1944. Dabei wird gezeigt, wie sich Savinios Poetik zur pittura metafisica seines Bruders verhält, aber auch, wie er in bewusster Auseinandersetzung mit André Breton und Louis Aragon seine ganz persönliche Form des Surrealismus entwickelt.
Proust, Perec und Barthes zwischen Verlust und Eingedenken
Author: Judith Kasper
Das Vergessen meint nicht einfach einen Betriebsunfall des Gedächtnisses, sondern den perspektivischen Fluchtpunkt, in dessen Sog immer schon derjenige steht, der sich erinnert und der über Erinnerung reflektiert. Als Phänomen läßt sich das Vergessen nicht begreifen und es entzieht sich jedem Versuch direkter Thematisierung. Eben dieser Dynamik zu entsprechen, ist die große Herausforderung von Judith Kaspers Beitrag zur kultur- und literaturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung. Die textnah gestalteten erzähltheoretischen Überlegungen vollziehen sich stets vor dem Horizont der ethischen Frage, wie wir – erinnernd vergessend oder vergessend erinnernd – dem Anderen Gerechtigkeit zukommen lassen können. Die drei untersuchten Texte – Marcel Prousts Recherche, Gerorges Perecs W ou le souvenir d’enfance und Roland Barthes’ La chambre claire – werden von Kasper in eine Konstellation gesetzt, in der sie sich gegenseitig beleuchten. Dabei scheinen gerade im Verlust, im schlechthin Unerinnerbaren blitzlichtartig Formen des wahren Eingedenkens auf.
Studien zum spanischen auto sacramental von den Anfängen bis zu Calderón
Autos sacramentales sind allegorische Theaterstücke, die in Spanien im 16. und 17. Jahrhundert zum Fronleichnamsfest aufgeführt wurden und deren Thema das Sakrament der Eucharistie ist. Sie sind als ein spezifischer Ausdruck der Formation der frühen Neuzeit lesbar, die in Spanien die deutlichste Gestalt angenommen hat: der posttridentinisch-gegenreformatorisch geprägten katholischen Prämoderne. Fraglich ist dann, wie das Fronleichnamsdrama zur Artikulationsgestalt einiger die Zeit bestimmender Tendenzen hat werden können. In welcher Hinsicht kann das Fronleichnamsfest und ein zu ihm aufgeführtes allegorisches Theaterstück neuzeitlich sein? Die eucharistischen Debatten gehören zu den strittigen Fragen im Zeitalter der Religionskämpfe. Das Fronleichnamsfest ist die höchste Ausdrucksform der katholischen Mentalität der Prämoderne. Deshalb kann eine Untersuchung des auto sacramental, der literarischen Gestalt des eucharistischen Komplexes Einsichten in die geistige Eigenart vermitteln, die damit eingeübt und anerzogen wurde. Rekonstruiert werden geistes- und kulturgeschichtliche Kontexte, aus denen die Stücke zu verstehen sind und etwas über die frühe Neuzeit zu verstehen geben: die spirituelle Literatur der Zeit sowie die Kontroversen um das Sakrament der Eucharistie: ein Versuch über das Sakramentale unter den Auspizien der Neuzeit. In drei Teilen werden drei Hauptmomente der Stücke entwickelt: der psychomachische Inhalt, der eucharistische Gehalt und die allegorische Form. Ein ergänzender Teil ergibt sich aus dem eucharistischen Komplex; er handelt vom Opfer und seiner literarischen Gestalt. Die Allegorie im Verständnis Calderóns als eigenständige Denk- und Erkenntnisform vorzuführen, ist Sinn und Ziel der Ausführungen. Sie läßt Rückschlüsse auf die Konzeption der Stücke insgesamt zu: auf ihren Status im Rahmen des Fronleichnamsfests, des eucharistischen Komplexes überhaupt und schließlich der konfessionellen Streitigkeiten der Zeit. Dabei geht es zuletzt um die Frage nach der Wahrheit in der Literatur. Nicht philosophische, sondern literarische Erkenntnis ist das Ziel. Die Allegorie als deren Form (weiter)entwickelt zu haben, ist der spezifische Beitrag Calderóns zu seiner Zeit und dieser Zeit zur Geschichte der Neuzeit.
Zur Decodierung von Intimität bei Marcel Proust
Die Beiträge des Bandes fragen nach den bei Marcel Proust wirksamen 'Liebes-Konzepten' und loten ihre Distanz zu einer zwar massenmedial trivialisierten, aber weiterhin sozial wirksamen romantischen Liebessemantik aus. Das sich um 1800 gegen das alteuropäische Allianzdispositiv auf der Basis von 'Neigung' ausdifferenzierende und autonom setztende Kommunikations- medium Liebe unterliegt in der Folge selbst einem rasch voranschreitenden Differenzierungs- und Decodierungsprozeß, der nicht zuletzt den von sozio- logischer Seite (Niklas Luhmann) unverändert unterstellten Zusammenhang von romantischer Liebe, Familialismus und Prokreation sowie von romantischer Liebe und Individualitätssemantik auflöst. Diese kulturellen Erosionsprozesse des Mediums Liebe beschreibt – im Medium der Literatur im 20. Jahrhundert kein anderer Autor mit solcher Präzision wie Marcel Proust.