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In diesem Buch geht es um Neugier als Triebfeder in Wissenschaft und Kunst.
Neugier ist lustvoll. Die Wissenschaft trennt Leidenschaft und Vernunft. Neugier ist fragwürdig. Die Kunst verbindet Sinnlichkeit und Erkenntnis. Neugier ist unabdingbar. Sie sucht nicht nach der bestimmbaren Wissenslücke, sondern nach Unverfügbarem, Unerwartbarem. Der unbedingte Wille, etwas zu sehen, zu hören, zu wissen, eignet sowohl den Wissenschaften als auch den Künsten. Beider Geschichte ist bevölkert von Gestalten, die sich aus aller Konvention hinaus- und in Extreme hineinbegeben haben. Der Bruch mit dem Gewöhnlichen erweist sich als Bruch mit tradierten Ausdrucksformen. Das Buch erörtert daher auch die Möglichkeit des Zeigens als Alternative zum Behaupten.
Mit Beiträgen von Wilhelm Berger, Elke Bippus, Bazon Brock, Florian Dombois, Adreis Echzehn (Bilder), Pasquale Gagliardi, Julian Klein, Eva Meyer, Elfie Miklautz, Michaela Ott, Hans-Jörg Rheinberger, Andrea Rüdig.
Kreative Verbindungen in der Maschinen- und Apparatetheorie bei Deleuze, Guattari und Flusser
Series:  dynamis
Author: Katrin Weiden
Nachbarschaftszonen, Ensembles, Telematik, Rhizomatik: Mit den tech-nikphilosophischen Begriffen der Maschine und des Apparates bei Deleuze, Guattari und Flusser wird eine öko-logische und prozessorientierte, nichtmoderne Theorie der Technik vorgestellt.
Im Gegensatz zu einem traditionellen, ökonomischen Technikverständnis, das Technik vor allem instrumentell oder anthropomorph auffasst, wird in der prozessorientierten Maschinen- und Apparatetheorie das dualistische, zweiwertige Denken von Mensch und Welt, Subjekt und Objekt überwunden. Stattdessen wird ein Denken der Mitte oder des Dazwischen, der Relationen und des Anders-Werdens entfaltet, eine Öko-Logik des »Und«, die auf die medial zu bezeichnende Tätigkeit des Verbindens, aber auch des Trennens verweist. Die Frage, was der Mensch, was die Technik ist, ist umzuformulieren in die Frage, wie sie werden.
Lässt sich Recht fühlen? Gibt es normativ gesehen ein richtiges Fühlen? Seit über 200 Jahren dauert eine wissenschaftliche, politische und künstlerische Auseinandersetzung um die Funktion des Gefühls im Recht an.
Das Konzept des Rechtsgefühls im engeren Sinne entsteht im 18. Jahrhundert. Es fragt seither nach dem Verhältnis des Menschen zu normativen Ordnungen, nach Verantwortung und Teilhabe und nicht zuletzt nach dem richtigen Urteilen. Der Band folgt diesen historischen und systematischen Suchbewegungen und verbindet sie mit der aktuellen Debatte um »Law and Emotion«. Beiträge aus Rechts-, Literatur-, Geschichts- und Kulturwissenschaft erkunden konzeptionelle und funktionale Dimensionen rechtlichen Fühlens: als Teil der Rechtsprechung und Rechtsgenese, als Form politischen und ästhetischen Urteilens und als Modus der Formierung von Subjekt und Gesellschaft. Reflektiert werden so Deutungsmuster und Pro-
blemstellungen, welche die historischen und aktuellen Debatten mit erstaunlicher Persistenz überspannen.
Stanislaw Lems Philosophie der Wissenschaft und Technik
Stanislaw Lem ist vor allem als Science-Fiction-Autor bekannt. Sein Werk ist jedoch sehr vielgestaltig und lässt sich nicht eindeutig einer Gattung zuordnen.
Literatur, Wissenschaft und Philosophie verbindend, spielte Lem häufig mit den literarischen Konventionen. Seine Romane, Erzählungen und Essays zielen weniger darauf ab, die Leser mit dystopischen Zukunftsszenarien zu fesseln, sondern sie versuchen Wirkungszusammenhänge zwischen Kultur, Technik und Wissenschaft in Gedankenexperimenten auszuloten und die Auseinandersetzung mit fremden Zivilisationen exemplarisch durchzuspielen. Die in diesem Band versammelten Aufsätze fragen daher nach den möglichen Konnotationen zwischen Lems Erzählprinzipien und den wissenschaftlichen Konzeptionen, die in diesen Texten verhandelt werden.
Der Auftaktband der neuen Reihe Poetik und Ästhetik des Staunens beschäftigt sich mit dem Staunen als einem Moment der Grenzerfahrung und Grenzziehung, der Neugier und Überwältigung, der Erkenntnis und Blindheit, aber auch als Anfang von Denken, Erkennen, Sehen und Dichten.
Staunen indiziert eine (noch) nicht kategorisierbare Fremdheit und konstituiert damit eine Grenze des Verstehens und Wissens. Damit wird es zum Ausdruck einer semantischen Leere vor dem Fremden. Als Moment der verunsichernden Reflexion kann es so zum Stimulus eines Begehrens nach Grenzüberschreitung werden. Andererseits kann es Ausdruck eines Zustands sein, in dem sich ein radikal anderes, nicht mehr an Körper und Verstand gebundenes Wissen ereignet. In den interdisziplinären Beiträgen des Bandes wird Staunen, historisch und diskursiv je unterschiedlich akzentuiert, als Phänomen der Grenze reflektiert, das dann im Kunstdiskurs, von der Antike bis heute, zu einem Moment des lustvollen Verharrens auf den Grenzen der Wahrnehmung, des Wissens und der Erfahrung werden kann.
Mit Beiträgen von Udo Friedrich, Jan Niklas Howe, Reinhard Möller, Anna Laura Puliafito, Stefan Matuschek, u.a.
Authors: Julia Kockel and Oliver Hahn
Unser Verhältnis zu Tieren ist vor allem eins – ambivalent. Wir betrauern das Schicksal rumänischer Straßenhunde und spenden für das Überleben der letzten Tiger. Wir bringen unseren Kindern bei, keine Tiere zu quälen – nicht einmal Insekten. Gleichzeitig entsorgen wir in Deutschland im Jahr rund 50 Millionen männliche „Abfallküken“ und schlachten in etwa genauso viele Schweine. Wir bauen unseren Lebensstandard auf dem Leben und Sterben diverser Tierarten auf. Aber können wir dieses Verhalten ethisch rechtfertigen? Welche Eigenschaft spricht einem Lebewesen einen moralischen Wert zu? Hat ein Menschenaffe ein Recht auf Leben, ein Säugling aber nicht? Darf ein Tier ein menschliches Eigentum sein? Wo ziehen wir die Grenze? – Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Tierethik. Der Comic zeichnet die Debatte um das Tier nach, die in der Antike ihren Anfang nahm und bis heute andauert. Er stellt die prominenten tierethischen Positionen vor und befasst sich mit der Frage nach den soziologischen und politischen Bedingungen für eine angewandte Ethik zwischen Mensch und Tier. Die Geschichte der Tierethik ist zugleich ein philosophischer Streifzug durch die Landschaft der allgemeinen ethischen Theorien (vom Utilitarismus, über die Theorie der Rechte bis zur feministischen Fürsorge-Ethik) – durch die uns der Comic ortskundig führt und uns hilft ihre Komplexität durch ein lebendiges Zusammenspiel von Zeichnung und Text zu erschließen. Kleine Exkurse zu Begriffen und Konzepten sorgen für einen tieferen Einstieg in die Thematik und gelegentliche Anekdoten und versteckte Anspielungen für den nötigen Humor. In diesem Comic diskutieren die Gelehrten – nach der Lektüre kann jeder, der möchte, mit einsteigen.
Ästhetische Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit
Der Wunsch, Kunst möge die Zeit ihrer Herstellung überdauern, ist so alt wie die Kunst selbst. Doch was kann Dauerhaftigkeit bedeuten? In welchem Verhältnis steht sie zu den prinzipiell vergänglichen Momenten der Produktion und Rezeption? Wo stößt Dauerhaftigkeit an ihre Grenzen? Und wo und wie entfaltet Flüchtigkeit ihren Sinn?
Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Künste – die bildende Kunst, die Literatur, die Musik, das Theater und die Performancekunst – im Blick auf ihre Arbeit in und mit der Zeit? Im Zentrum des Buchs steht das prinzipiell spannungsvolle Verhältnis von Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit in den Künsten. Transaktualität fragt danach, wie Kunst in jeweils unterschiedlicher Weise über die aktuellen Momente ihrer Konkretion hinauszuweisen in der Lage ist – ohne dass man sie deswegen als zeitlos begreifen müsste.

Aufklärung und Exil nach 1933
Die Ideen der Aufklärung nahmen unter den ab 1933 Vertriebenen eine Schlüsselfunktion ein. Sich emphatisch oder skeptisch gegenüber den Aufbrüchen des 18. Jahrhunderts zu positionieren half vielen bei der Selbsterhaltung oder Selbstprüfung. Deren kritischen Höhepunkt stellt die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno dar, wo die NS-Barbarei als logisches Resultat einer in ihr Gegenteil umschlagenden Aufklärung identifiziert wird.
Aus der Sicht von Philosophie, Soziologie, Judaistik, Literatur- und Kulturwissenschaft geht der Band der Frage nach, wie sich die aus Deutschland Vertriebenen mit der Aufklärung auseinandersetzten und dabei (Selbst-)Aufklärung betrieben. Auch die Erfahrung eines spezifisch verlaufenen Aneignungsprozesses von ›Aufklärung‹ in den schutzbietenden Gastländern (v.a. Frankreich und den Vereinigten Staaten) zwang zur Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe der Aufklärung. Sollte sie nicht zur Kampfparole verfallen, musste sie von den Emigranten mühevoll neu angeeignet werden.
Vorlesungsmitschrift Adolf Heimann (1828/1829)
Die Studienausgabe der Mitschrift Adolf Heimanns von Hegels letzter Berliner Ästhetikvorlesung im Winter 1828/29 schließt die exemplarische Dokumentation einzelner Quellen aus den Jahren 1820/21, 1823 und 1826 ab. Zudem ist diese Quelle die einzige erhaltene Nachschrift von 1828/29, die H.G. Hotho für die Edition der Ästhetik genutzt hat. Heimanns Mitschrift der letzten Berliner Ästhetikvorlesung informiert über eine Reihe von Neuerungen. Die wohl wichtigste ist die von Hegel eingangs vorgetragene, an der Enzyklopädie von 1827 orientierte, differenzierte Bestimmung der Bedeutung der Kunst für die moderne Welt. An die Stelle einer inhaltlichen Orientierung durch Kunst setzt Hegel die These ihrer Funktion als Stimulans der kritischen Auseinandersetzung mit der abend- und morgenländischen Kultur. Auf dieser Basis diskutiert er einzelne Kunstwerke, aktuelle Kunstereignisse und Theorien seiner Zeitgenossen.
2. Auflage
Author: Gilles Deleuze
Gilles Deleuze provoziert in dem hier wieder vorgelegten Essay eine Begegnung, in der sich die Arbeit des Begriffs und die Malerei Francis Bacons wechselseitig ergänzen und illustrieren und ihren Koinzidenzpunkt – den Augenblick des Schöpferischen – hervortreiben. Deleuze vermeidet eine philosophische Entmündigung der Kunst ebenso wie einen bloßen Nachvollzug von Bildgehalten oder eine ideengeschichtliche Interpretation. Er formuliert vielmehr eine Hommage an das Werk Bacons und liefert darüber hinaus das seltene Manifest einer glücklichen Konstellation zwischen Philosophie und Malerei. In enger Korrespondenz zu den Bildern dieses Malers führt Deleuze philosophisches Argument und ästhetisches Experiment zusammen und bietet eine umfassende Darstellung dieser künstlerischen Arbeit und zugleich eine Einführung in wesentliche Themen der Deleuze‘schen Philosophie.