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Ab-Gründe spielen in philosophischen Reflexionen und Diskursen wie auch in der literarischen Topographie eine wichtige Rolle. Vergleiche zwischen Formen und Konzepten des Abgründigen lassen Rückschlüsse auf jeweils zeit- und werkspezifische Vorstellungswelten zu und lenken den Blick auf dominante thematische Interessen. Mit der Benennung eines Ortes oder Raums als „Abgrund" verbunden ist zumindest implizit oft ein Moment der Privation oder doch des Nicht-so-Seins-wie-Anderes, des Sich-Absetzens-von-Anderem. Die Beiträge des vorliegenden Bandes widmen sich Abgründen verschiedener Art: realen, metaphorischen, diskursiven.
Nietzsches Spuren, Adornos Schatten
Der Titel des Buches Eigendenken bedeutet Weg und Entwicklung des eigenen Denkens und Daseins. Beides kann nur in Stücken erfolgen, als „Stückwerk“. Diese Schritte und Teilschritte sind meist nur auf dem Weg, im Gleich- oder Wechselschritt und auf den Spuren oder im Schatten anderer Wanderer und Denker zu vollziehen: „Der Wanderer und sein Schatten“ – der eigene wie der fremde – heißt der zweite Band von Nietzsches Menschliches, Allzumenschliches. Der Schrittmacher auf diesem eigenen Weg des Denkens und Daseins, der Stifter von Spuren im vorliegenden Buch, ist also Nietzsche. Demgegenüber sind die anderen Namen eher als Schatten zu bezeichnen. Sie sind für den Autor oft Hindernisse, die den eigenen Weg verdunkeln: Stolpersteine, die den Gleichschritt mit dem Schrittmacher verzögern. Wiederum aber klären sie auch diesen Fortschritt zum eigenen Denken und Dasein durch Innehalten und Besinnung, Nachdenken oder Pausen. Solche Stolpersteine sind unter dem Namen Adornos zusammengefasst. Vielleicht liegt das an dessen Negativer Dialektik.
Die Sehnsucht nach Lebendigkeit
Author: Peter Strasser
Heute sehnen wir uns nach Göttern, deren Wiederkehr auf sich warten lässt. Sie sind Symbole einer entschwundenen Daseinstiefe und Vitalität, während das Mediengeschäft mit den Zombies boomt. Fasziniert uns der Kampf gegen die lebenden Toten deshalb, weil wir uns darin selbst bespiegeln und unsere eigene Lage erkennen? »Alles ist voller Götter«, soll Thales von Milet gesagt haben. Wir entnehmen dem Aphorismus ein Bekenntnis zum Ganzen als Schöpfung. Vorbei die Zeit, da man der Meinung sein konnte, der Mensch werde sich an die Sinnlosigkeit und Wertirrationalität des Weltlaufs anpassen. Mag sein, dass alles Leben bloß Chemie ist. Aber ohne Seele gibt es keine Lebendigkeit. Symptomatisch kreisen unsere Sehnsuchtsfantasien um Begriffe, die wir, unter dem Vorzeichen von Aufklärung und Dekonstruktion, dem Mythos übereignet hatten: Gott, Schöpfung, Seele. Unsere Dunkelheit – so die Hoffnung – möge sich nicht ins Gewaltextrem eines Lebendigkeitsterrors verkehren. Wir suchen nach den Göttern des Thales, nach dem »Seelischen«, das »dem Weltall eingemischt« ist, um unserer eigenen Zombieapokalypse zu entkommen.
Analytiker der Demokratie
Die moderne Demokratie wurde zuerst von Alexis de Tocqueville wegweisend und in einer nach wie vor aktuellen, komplexen, aber zu wenig untersuchten »neuen Wissenschaft der Politik« analysiert.
Ein internationaler Expertenkreis untersucht in verschiedenen Perspektiven Tocquevilles Konzeption einer »neuen Wissenschaft der Politik« in systematischen und historischen Kontexten. Neben dem breiten Demokratieverständnis, das politische, gesellschaftliche und sittliche Gesichtspunkte verbindet, rückt dabei sein stereoskopischer Blick in den Fokus, der ihn stets Vorteile und Nachteile von Institutionen und Handlungen untersuchen lässt. Gezeigt wird: Tocquevilles Demokratiewissenschaft ist erfahrungswissenschaftliche Aufklärung, die auf Gesellschafts- und Politikberatung zielt. In seinem Werk begründet er die vergleichende Forschung, Institutionenanalyse sowie politische Kulturforschung der Demokratie. Mit Beiträgen von Ewa Atanassow, Juri Auderset, Jean-Luis Benoît, Mathias Bohlender, Hubertus Buchstein, Aurelian Craiutu, Annelien de Dijn, Michael Drolet, Lucien Jaume, Alan Kahan, Françoise Mélonio, Walter Reese-Schäfer, Cheryl Welch und Siegfried Weichlein.
Visualisierung im Wahrnehmen, Lesen und Denken
Was sind ›äußere‹ und ›innere‹ Bilder? Wie entstehen sie? Was sind ihre Korrelate?
Seit der Antike bewegen diese Fragen Philosophie, Rhetorik, Literatur- und Kunstwissenschaft, gegenwärtig auch die Medien- und Intermedialitätsforschung und Neurowissenschaften. Als Beitrag zu Bild- und Literaturwissenschaften sowie Visual Studies bietet der Band interdisziplinäre Untersuchungen der Bewegung vom Sehen über das Anschauen zu Anschaulichkeit und Anschauung. Die Beiträge zeigen Verflechtungen zwischen Epistemologie und Ästhetik auf, erhellen Fragen von Imagination und Stil, stellen neue Bezüge zwischen unterschiedlichen Künsten, Medien und Ausdrucksformen her und bieten neue Einsichten in die visuell-imaginativen Dimensionen von Wissen, Erkenntnis und Erfahrung.
Eine Diskursanalyse
Author: Harry Lehmann
Seit beinahe einem halben Jahrhundert bestimmen Theorien der ästhetischen Erfahrung den Ästhetikdiskurs in Deutschland. Harry Lehmann zeigt in seiner Diskursanalyse, wie diese Diskussion in Abgrenzung zu Adornos Ästhetischer Theorie und im Rückgriff auf Kants Kritik der Urteilskraft ihre Diskursregeln definiert hat.
Der Autor diskutiert, wie sich in diesem vorgegebenen Theorierahmen anschließend die prominentesten Erfahrungsästhetiken ausdifferenziert haben und wie dieser Diskurs zuletzt seine eigenen, konstitutiven Prämissen in Frage zu stellen beginnt. Problematisch ist nicht nur, dass etwa die Konzeptkunst in diesem Diskurs ›ästhetisch‹ interpretiert wird, sondern dass diesen Erfahrungsästhetiken im Prinzip die Theoriemittel fehlen, um auf die neusten Entwicklungen der Neuroästhetik und der KI-Ästhetik reagieren zu können. Lehmann schlägt deshalb ein Alternativmodell vor, das nicht länger der Kant’schen Traditionslinie folgt und mit einer begrifflichen Unterscheidung von ästhetischen und nichtästhetischen Phänomenen, Wahrnehmungen oder Urteilen einsetzt, sondern auf einer Praxis von Wahrnehmungsvergleichen beruht, deren sachliche und historische Voraussetzungen sich analysieren lassen.
Zeitgenössische Kunst zwischen Natur und Kultur
Author: Wolfgang Welsch
»Ästhetische Welterfahrung« bedeutet, dass uns die Begegnung mit Kunst, über die Spiegel-spiele der Kunst hinausgehend, mit der Welt verbinden kann. Kunst kann neue Aspekte der Welt entdecken oder unerwartete Weltsichten eröffnen.
Heute, wo unser Weltbild sich verschiebt – weg vom neuzeitlichen und modernen Dualismus zwischen Mensch und Welt hin zu einer integrativen Sicht, welche die Weltzugehörigkeit des Menschen betont –, ergeben sich besonders interessante Entwicklungen. Lange Zeit hatte der Status der Kunst gewissermaßen eine Parallelaktion zur Mensch-Welt-Opposition dargestellt: So wie der Mensch der Welt gegenüberstand, so sollte die Kunst gegenüber der Wirklichkeit eine eigene Welt schaffen und dadurch noch einmal die Weltdistanz und Autonomie des Menschen bezeugen. Derzeit nimmt die Kunst eine andere und wirklichkeits-affinere Gestalt an. Sie bewegt sich in einem Zwischenfeld zwischen Kultur und Natur. Mit dem Wegfall des Mensch-Welt-Dualismus ist ja auch die kategoriale Unterscheidung zwischen Natur und Kultur brüchig geworden. Mensch, Kultur und Kunst agieren in einem Spielfeld, das die herkömmliche Trennung von Natur und Kultur nicht mehr zulässt, sondern beides umfasst. Die zeitgenössische Kunst arbeitet vielfach an dieser neuen Thematik. Die Essays dieses Bandes loten diese Suchbewegungen und Transformationen aus.
Vorboten einer anderen Sterbekultur
Die offiziellen Debatten um Sterbehilfe offenbaren ein skandalöses Maß an Arroganz und Bevormundung seitens der machthabenden Eliten. Das Buch diskutiert die gängigen Positionen und skizziert die sich heute schon abzeichnenden Alternativen. Gestiegene Lebenserwartung bedeutet leider auch Leidensverlängerung im Alter und Sterbensverlängerung am Lebensende. Das Buch prangert schonungslos die Strategien an, mit denen Funktionärseliten aus Politik, Kirche, Medizin und Jurisprudenz die offene Diskussion um Selbstbestimmung im Alter und am Lebensende tabuisieren – gegen das Votum fast aller Intellektuellen, Wissenschaftler und Künstler sowie von rund drei Viertel der Bevölkerung. Es stellt anhand exemplarischer Schicksale Möglichkeiten des zivilen Ungehorsams ebenso vor wie Beiträge aus Film, Philosophie, Literatur und Musik, die sich dem existenziell bedrängenden Thema eines säkularen Umgangs mit dem eigenen Tod nähern.
Author: Karen Gloy
Wir alle werden in eine bestimmte Kultur hineingeboren, in eine bestimmte Sprache, in bestimmte Denk-, Verhaltens- und Handlungsmuster, die nicht wir selbst erfinden, sondern die uns vorgegeben werden und in die wir durch einen Sozialisationsprozess hineinwachsen.
Auch wenn heute durch die fortschreitende Globalisierung die ursprünglichen Herkunftskulturen immer weiter zurückgedrängt werden und einer Internationalisierung und Nivellierung weichen, lassen sich die jeweiligen Herkunftskulturen nicht gänzlich leugnen. Welche Rolle sie spielen, auch welche Schwierigkeiten sie bereiten, zeigt der sogenannte »cross-race-Effekt«, die für das Leben erforderliche Gruppenzugehörigkeit. Das vorliegende Buch macht sich zur Aufgabe, grundkategoriale Differenzen der diversen Kulturen aufzuzeigen: Parataxe, Hypotaxe und Vernetzung, die in allen Bereichen der Sprache, Wissenschaft, Kunst, Jurisprudenz, Zeit- und Geschichtsauffassung wiederkehren. Die parataktische Struktur wird anhand der altvorderorientalischen Kultur demonstriert, die hypotaktisch-hierarchische anhand der abendländischen und die vernetzte anhand der modernen globalen.
Existentielle Anerkennung bei Nietzsche
Author: Sarah Bianchi
Anerkennung ist ein schillernder Begriff, der erst seit wenigen Jahrzehnten Aufmerksamkeit findet, aber in Ethik, politischer Philosophie und Kritischer Theorie mit großen Erwartungen verbunden wird. Sein Ursprung in den Intersubjektivitätstheorien Fichtes und Hegels lässt hoffen, dass er von sich aus Impulse für Freiheit und Gerechtigkeit in sich trägt.
Vor diesem Hintergrund ist es eine Entdeckung ersten Ranges, dass ein Denker wie Nietzsche den Begriff der Anerkennung in grundlegender Weise verwendet, ohne den erst Ende des 20. Jahrhunderts mit ihm verknüpften Hoffnungen zu widersprechen.
Nietzsches Verständnis von Anerkennung zeigt sich in seiner Lebensphilosophie. Wie die Individuen konkret »einander nöthig« sind, arbeitet Sarah Bianchi heraus. Qua Anerkennung sind die Individuen vom Selbstverhältnis, über zwischenmenschliche Beziehungen bis hin zum Recht und Staat existentiell verwoben.