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Polyphonie bei Friedrich Glauser
Baumbergers Studie untersucht die Texte des Schweizer Autors Friedrich Glauser erstmals unter dem Leitbegriff der „Polyphonie“. Ausgehend von den grundlegenden Schriften des russischen Kulturphilosophen Michail Bachtin und erweitert durch neuere Ansätze zur Theorie sekundärer Oralität (Ong), zum logos sonore (Svenbro) oder zu einer Differenzästhetik nach Derrida wird dieser der Musik entnommene Begriff für die Literaturwissenschaft konzeptualisiert. In der Gegenüberstellung mit zeitgleichen Autoren wie Ludwig Hohl, Georges Simenon, Blaise Cendrars wird das Verhältnis von Mündlichkeit und Schrift, die Vielstimmigkeit und Klangdimension von Glausers Texten deutlich. „Polyphonie“ erweist sich damit als literarische Verarbeitungsform von Hybridisierungsprozessen, wie sie weit über Glauser hinaus für die Literatur aus der Schweiz charakteristisch ist
Zum Rückblick auf das Schillerjahr: Schillers Geschichtsschreibung zwischen Teleologie und kritischer Selbstreflexivität – ein Forschungsfeld, das Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft gleichermaßen interessiert. Mit dem linguistic turn der Geschichtswissenschaft, mit deren selbstreflexiver Einsicht in die Bedeutung narrativer Strukturen geschichtlichen Wissens, ist auch die Chance zur Neubewertung des Historikers und Geschichtsdramatikers Schiller gekommen. Den Beiträgen geht es um die Verortung der Werke Schillers im europäischen Geschichtsdiskurs, damit auch um die Lektüre der Texte vor dem Hintergrund seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Aufklärung. Der interdisziplinäre Ansatz schafft fruchtbare Irritationen: So wird die literaturwissenschaftliche Analyse von den aktuellen Debatten zur Historiographie her neu fundiert, umgekehrt lässt sich die geschichtswissenschaftliche Lektüre der historischen Schriften von aktuellen Beschreibungsmodellen ästhetischer Strukturen inspirieren.
Autobiographische Reflexionen
Author: Lea Kirstein
'Warum hat Gartenarbeit in meiner Vorstellung immer mit einem Aufzwingen von Regeln zu tun? Warum kommen mir immer jene Lagergärten in den Sinn? Kleine Tontöpfe, der eine mit einem Sprung am oberen Rand, auf einem niedrigen Bruchsteinvorsprung – ein Garten in Buchenwald, wie ich ihn einmal auf einem Photo gesehen hatte, ein Lagergarten. Eine kleine Bruchsteinmauer um die Terrasse, Tontöpfe mit Blumen und Kräutern – der Garten meiner Mutter.' Der sogenannten 'zweiten Generation', den Kindern der Überlebenden des Holocaust, den Kindern des Danach, wurde von ihren Eltern nicht nur die Aufgabe übertragen, nicht zu vergessen. Sie wurden selbst Teil der Geschichte der ihrer Eltern. In der Wissenschaft findet man heute Beschreibungen eines sogenannten Überlebendenkomplexes: die Skizzierung der entwicklungs- und identitätshemmenden Einflüsse eines übertragenen Traumas. Doch vehement wehrt sich die Autorin gegen die Zuschreibung eines solchen unüberwindbaren Teufelskreises aus Übertragungs-Gegenübertragungs-Prozessen, der einer gescheiterten Verarbeitung der Verfolgungserfahrung folgt. Unnachgiebig folgt sie ihren autobiographischen Reflexionen, um das Fehlen von Nähe und Sicherheit, Familie und Identität, nicht aus den Nachwirkungen einer dunklen Vergangenheit zu erklären, sondern um zu erkennen, dass das Erbe der 'zweiten Generation' ein Scheitern vor den Anforderungen der Gegenwart ist. In Deutschland zu leben als Kind der Gebliebenen bedeutet, in einer geheimen Wirklichkeit zu leben, die auch, wenn sie geöffnet würde, auch wenn sie erklärt und gelebt werden könnte, geheim bleiben muss.
Zur Chronographie Paul Celans
Author: Sandro Zanetti
Zanettis Studie untersucht erstmals das Verhältnis von Schrift/Schreiben, Gedicht und Zeit in Paul Celans Projekt 'Dichtung', dessen Konturen sich als Konzept und Schreibpraxis manifestiert haben. Paul Celan orientierte sein Schreiben von Gedichten an einem Anspruch. Seine Gedichte sollten durch die Zeit hindurchgreifen: 'durch sie hindurch, nicht über sie hinweg', wie er in der Bremer Rede von 1958 präzisierte. Dabei war dieses Vorhaben nicht nur leitend für Celans Arbeit an seinen Gedichten sowie für die entsprechenden Kommentare. Es bestimmte auch die Gedichte selbst mit: ihre Thematik, ihre Zeitform, ihre Ansprachestruktur. Von den frühesten bis zu den spätesten Gedichten bleibt dieses Vorhaben erkennbar und leitend für Celans Weiterarbeit an dem Projekt, das er 'Dichtung' nannte.
Zu einer Poetologie des Schreibens in Walter Benjamins Kindheitserinnerungen (1932-1939)
Author: Davide Giuriato
Walter Benjamins Kindheitserinnerungen aus den Jahren 1932-1939 – neu gelesen und dokumentiert. Giuriato fragt nach dem Zusammenhang von Walter Benjamins charakteristischer Verkleinerungstechnik des Schreibens und seinem ab Mitte der 1920er Jahre einsetzenden Interesse fürs 'Kleine'. In den Katastrophen des Ersten Weltkrieges sah Benjamin eine neue, 'barbarische' und 'entmenschte' Seite der Kindheit, die er als ein ebenso destruktives wie produktives Prinzip in der Literatur der Moderne geltend machte. Benjamins Schreiben stellt im Kern die Frage danach, wie Infantilität im Zeitalter eines vorbildlosen Kindheitsverlustes zur Darstellung kommen kann. Auf der Grundlage einer neu dokumentierten Überlieferungslage bietet das Buch neue Lektüren von Benjamins Schreibszenen, die vom 'Kleinen ins Kleinste' (Benjamin) gehen.
Geschichte, Theorie und Fallstudien
In der Krisenlage der gegenwärtigen Welt trägt die kontrastive Kulturkomparatistik dazu bei, die inter- und multikulturelle Kommunikation in Gang zu setzen und statt des manchmal brutalen „Kampf[s] der Kulturen“ gemeinsam auf den Erfolg des inter- und multikulturellen Austauschs hinzuarbeiten. In der vorliegenden Arbeit wird die Möglichkeit eines Paradigmenwechsels der japanischen Germanistik durch eine wissenschaftsgeschichtliche Darstellung und durch wissenschaftstheoretische Reflexionen eröffnet und die Durchführbarkeit der Konzeption der kontrastiven Kulturkomparatistik für eine japanische Germanistik anhand konkreter Fallstudien demonstriert.
Literarische Innovation und politische Zeitgeschichte
Editor: Jürgen Breuer
Das hochmittelalterliche Nibelungenlied vermittelt überraschende Einblicke und Entdeckungen, wenn sich die traditionell zuständige germanistische Fachwissenschaft in einer interdisziplinären Diskussion behaupten muss. Vor dem Horizont der mittelalterlichen Reichsgeschichte führt die Einordnung der Haupthandschriften C, B und A in ihren historischen Kontext zu den Schreibern der Abschriften und ihren Auftraggebern. Die Zeitbezüge des verlorenen Originals, entstanden um 1200, erhellen die Intention des Dichters, die Stauferkaiser als reges Burgundiae in ihrem Machtanspruch und ihrem Untergang zu beschreiben. Die Darstellung des Schicksals Siegfrieds und des Untergangs der Burgunden als Nibelungen durch den Dichter kann durch dessen Kontakt zu den historisch nachweisbaren Dynastien der Siegfriede und der Nibelungen begründet werden.
In Hermann Brochs "Die Schlafwandler" und Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften". Rhetorische und narratologische Aspekte von Interdiskursivität
Die Romane Brochs und Musils stehen zu Unrecht im Ruf, nicht narrativ, literaturfern, vorrangig theoretisch oder sogar Thesenromane zu sein. Anhand eines rhetorischen und narratologischen Instrumentariums deckt Gunther Martens erstmals systematisch die erzähltechnische Kreativität auf, die beide Autoren zu bieten haben. Eine bisher unbekannte Bedeutung gewinnt dabei die Ebene der Erzählvermittlung. Dazu wird nachgewiesen, dass Auktorialität sich nicht länger mit Autorintentionalität oder mit den spekulatären Fällen von Allmacht oder Allwissen gleichsetzen lässt, sondern vielmehr rhetorische und narrative Textstrategien umfasst, mit denen die Perfomativität von Aussage- und Wahrnehmungsakten inszeniert wird. Die Untersuchung stellt diese als interdiskursiv charakterisierte Erzählvermittlung gleichzeitig in einen größeren theoretischen Zusammenhang, indem Brochs und Musils unterschiedliche Modernitätsauffassungen und -beobachtungen vor dem konzeptuellen und epistemologischen Hintergrund der Debatte zwischen der Kritischen Theorie und der so genannten "affirmativen" Systemtheorie Niklas Luhmanns situiert werden. Über die Broch- und Musil-Lektüre hinaus bietet die Untersuchung zahleiche Anregungen zu einer Erzählrhetorik der overt narration und innovative Einsichten in das Verhältnis von Literatur und Philosophie, von (literarischer) Ideologiekritik und Systemtheorie.
Author: Evelyn Annuß
In der Frage nach der sprechenden Instanz gründet – bislang unbemerkt – die politische Sprengkraft von Jelineks Texten. Der vorliegende Band arbeitet diese erstmals anhand ihrer Theaterstücke heraus und liest sie als dekonstruktive Fortschrift der brechtschen Lehrstückversuche. An der Schnittstelle zwischen Rhetorik und Theaterwissenschaft werden die Auftrittsformen einer vermeintlich selbstbezüglichen Rede im Formzitat vom neuzeitlichen Drama bis zur allegorischen Tradition des barocken Trauerspiels untersucht. Die zu Unrecht vernachlässigten frühen Stücke dienen als Ausgangspunkt, um das Zitierverfahren im Spiel mit der Aufführungssituation neu zu bestimmen und auf die Aufgabe der auktorialen Rolle zu beziehen. Jelineks Texte fingieren, so die daraus gewonnene Einsicht, über die Reflexion der sprachlichen und szenischen Bedingungen von Rede den ‚Ausnahmezustand’ personaler Souveränität; sie geben die sprechende Instanz im Anschluss an Benjamin als Figur zitathaften Nachlebens zu denken.
Studien zur Darstellungspraxis der literarischen Moderne (Walter Serner, Robert Müller, Hermann Ungar, Joseph Roth, Ernst Weiss)
Author: André Bucher
André Bucher unternimmt in seiner Studie eine kritische Gesamtschau der in den letzten Jahren entwickelten, aber allzu global ansetzenden Leitmetapher der Performanz. Der Gegensatz von Textparadigma versus Performanz wird von Bucher zurückgenommen und auf der Textebene selbst lokalisiert, wo immer schon eine repräsentative und eine performative Dimension in enger Verschränkung agierten. Dabei setzt Bucher der Performativitätstheorie, die sich vor allem auf die fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts kapriziert, den Blick auf die Experimente der klassischen Moderne entgegen, denen er sich im Anschluß an Paul Ricoeur und Wolfgang Iser repräsentationstheoretisch nähert. Dabei ergibt sich eine andere Genealogie des Performativen: Sonach war es gerade jenes die Moderne begleitende Bewußtsein einer Krise der Repräsentation, das zu der Neubestimmung der Performanz führte, was einer Theorie, die erst bei den Auswirkungen einsetzt, entgehen mußte. In seinen Fallstudien zu Walter Serner, Robert Müller, Hermann Ungar, Joseph Roth und Ernst Weiss kann Bucher diesen Befund untermauern.