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Die Beweglichkeit des fotografischen Apparats, seine Möglichkeiten verschiedene Blickwinkel und Einstellungen zu erproben, die Option, ein Objekt ferner oder näher zu rücken, haben Proust dazu verlockt, diese visuellen Techniken in das Medium der Literatur zu transportieren. Der Band widmet sich einer Neuentdeckung dieses intermedialen Potentials in Prousts Recherche und der wahrnehmungsästhetischen Relevanz heterogener medialer Dispositive wie Telefon, Laterna Magica, Fotografie und Postkarte, die Prousts écriture kennzeichnen. Die Beiträge fokussieren die intermediale Ästhetik der Recherche und deren filmische Transformationen am Beispiel der Proust-Filme von Percy Adlon, Volker Schlöndorff, Raoul Ruiz und Chantal Akerman sowie der unverfilmten Proust-Drehbücher von Luchino Visconti und Harold Pinter. Das breite Spektrum der Beiträge bereichert die traditionelle Proust-Lektüre um neue visuelle, textuelle, akustische und sinnliche Erfahrungen.
Faszinationstypen von der Antike bis heute
Author: Martin Andree
Woher rührt die universale Faszination an Medien, die sich gegen die Evidenz durchsetzt, dass Bilder, Texte und Filme nie mehr sein können als bloße Zeichen? Exakt aus dieser Irritation heraus muss der Frage 'wie Medien wirken' zunächst ein 'warum' vorangestellt werden: Warum also gelingt es den Zeichen, sich zur Suggestionskraft des Wirklichen aufzuschwingen? Und wie erzeugen Medien das Phantasma eines 'Mehr-werts', welches uns veranlasst, nicht Zeichen zu decodieren, sondern Stimmen zu hören oder an Gefühlen zu partizipieren? Anhand einer historisch breiten Materialanalyse unterschiedlicher medialer Faszinationstypen wird das Feld der Medienwirkungsforschung neu erschlossen. Aus dem Inhalt I. Die Wirkungsmacht der Medien II. Der Reiz der Simulation III. Der Reiz des Mysteriösen IV. Der Reiz des Erlebens V. Der Reiz des Archaischen VI. Der Reiz des Echten
Krimis - intermedial
Editor: Jochen Vogt
Lange Zeit wurde die Kriminalerzählung als mehr oder weniger skurrile literarische Sonderform angesehen und von der etablierten literaturwissenschaftlichen Forschung weithin missachtet. Inzwischen hat sie sich nicht nur als postavantgardistisches Erfolgsgenre in der Literatur durchgesetzt, sondern beherrscht auch in vielerlei Variationen und Adaptionen unseren alltäglichen Medienkonsum. Eben dies drückt ja auch das umgangssprachliche Allerweltswort 'Krimi' ganz treffend aus. Systematische Forschung zu solchen Krimis in den audiovisuellen Unterhaltungsmedien ist aber immer noch die Ausnahme. Dieser Band macht einen Anfang, indem er Überblicke und exemplarische Analysen zum Kriminalfilm, zu Fernseh-Krimiserien, zum Krimihörspiel, zu Krimi-Videospielen, aber auch zur Thematisierung der Medien im literarischen Krimi vorlegt. Seine Beiträge sind aus einem interdisziplinären Gespräch zwischen 'Krimifans' aus Literaturwissenschaft, Erzählforschung, Film- und Fernsehwissenschaft und Medienpädagogik, aber auch aus Soziologie, Kulturgeographie und Informatik hervorgegangen.
Untersuchungen zur amourösen Rede im Film von Eric Rohmer
Author: Uta Felten
Das filmische Werk Eric Rohmers ist symptomatisch für die oft konstatierte Fraktalität und Hybridisierung der Liebessprache im 20. und 21. Jahrhundert und stellt eine archäologische Fundgrube für eine Diskursgeschichte des Wandels der amourösen Rede dar. Ausgehend von den Theoremen, die Roland Barthes, Niklas Luhmann und Michel Foucault entwickelt haben, untersucht Uta Felten die Liebeskommunikation in Rohmers Filmen aus einer diskursanalytischen und archäologischen Perspektive. Die sich bei Rohmer manifestierenden Liebesdiskurse erweisen sich als déjà-dit, als recycelte Redebruchstücke aus dem Reservoir der verfügbaren Codes des abendländischen Liebesthesaurus. In der Rohmerschen Liebeskommunikation lassen sich drei zentrale Codes unterscheiden: der Code der Libertinage, der Code Drague und der Code der romantischen Liebe. Das zunehmende Hin- und Her-Switchen zwischen den einzelnen Codes indiziert einerseits die Umbrüche und Zusammenbrüche der amourösen Rede im 20. Jahrhundert und steht anderseits für die Spielfreiheit des Liebenden, der sich seinen amourösen Baukasten selbst zusammenbasteln kann.
Geschichte und Gegenwart des Bertelsmann-Konzerns
Author: Thomas Lehning
Bertelsmann, einer der größten und am besten vernetzten internationalen Konzerne in Privatbesitz, hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Medienkonzentration gewaltig vorangetrieben und ist heute eines der weltweit führenden Medienunternehmen. Vom christlichen Kleinverlag im Umfeld einer radikalprotestantischen Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert über den 'NS-Musterbetrieb' (Heinrich Mohn) in der Zeit des Nationalsozialismus, die Reorganisation des Hauses nach 1945, von den Buch- und Medienclubs, den Zeitschriftenverlagen, bis hin zur Musikvermarktung und der Film-, Fernseh- und Hörfunkunternehmungen liest sich seine Geschichte wie eine beinahe ununterbrochene Erfolgsstory. Überraschenderweise gab es über dieses 'Kraftwerk der Kreativität', wie der alte Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff sein Unternehmen bezeichnete, bisher keine ausführliche Darstellung auf wissenschaftlichem Niveau. Diese Lücke schließt nun Thomas Lehnings brillant geschriebene Untersuchung, die – ohne den biographischen 'Blick durch das Schlüsselloch' – aus so abstrakten Daten wie Umsatz- und Mitarbeiterzahlen, internationalen Verflechtungen und Kapitalflüssen, technischen Innovationen und Umgestaltungen der Märkte, aber natürlich auch aus hausinternen Erfolgsgeschichten, Führungsberichten und Nachrichten über interne Machtkämpfe exemplarisch den Aufstieg eines Medienhauses rekonstruiert, dessen unternehmerische Brillanz nicht von der Hand zu weisen ist, das aber auch zeigt, wie die wirtschaftliche Einflußnahme auf die Medien immer mehr zunimmt. Dabei zeichnet sich der gemeinhin als 'liberal' geltende Konzern durch eine fast schon wieder Besorgnis erregende Interesselosigkeit bezüglich der Inhalte aus, ist aber durch seine gewaltige Medienkonzentration auch fast ein Beweis für McLuhans These, daß das Medium selbst die Botschaft ist.
Medien in der digitalen Kultur
Series:  Forum
Längst ist der Computer keine Rechen- oder Schreibmaschine mehr, sondern ein Mehrzweck-Medium, das zunehmend mehr Funktionen integriert. Schon jetzt fungiert ein Computer als Telefon, Fax, Fernsehgerät, Kamera, persönlicher Assistent, Einheit zur Videokonferenz oder Spielzeug. Eingebunden in das Internet dient er als Nachschlagewerk und Wissensquelle. Der Band geht in zwölf Texten den Spuren der digitalen Evolution nach. Sie beschäftigen sich in historischen Analysen mit den Veränderungen, die die Medien durch die Digitalisierung erfahren, prognostizieren zukünftige Entwicklungen und geben theoretische Ausblicke.
Der Digital Divide in ethischer Perspektive
Das digitale Netz vernetzt nicht nur, sondern spaltet zugleich; die digitale Kommunikation verbindet nicht nur, die trennt auch: Der afrikanische Kontinent hat eine geringere Netzpräsenz als allein die Stadt New York. Die Angestellten der Weltbank verfügen über mehr Telefonleitungen und Modems als ganz Ruanda. Am Beginn des 21. Jahrhunderts hat etwa die Hälfte der Menschheit noch niemals telefoniert. Ist das aber ein Problem? Ja, sagen die einen und unternehmen alle Anstrengungen, um Informations- und Kommunikationstechnologien in die entlegensten Teile der Welt zu bringen. Nein, sagen die anderen, und verweisen auf die Innovationsdynamik der ICTs, die das Problem von selbst lösen werde. Falsch gefragt, sagen die Dritten, denn den entsprechenden Ländern fehlen nicht ICTs, sondern Wasser und Medikamente. Die Einbindung in die Weltgesellschaft durch ICTs zerstört allenfalls unsere Kultur, setzen wiederum andere hinzu und demonstrieren gegen Globalisierung. Der vorliegende Band widmet sich aus ethischer Perspektive diesen und weiteren Fragen der Spaltung durch Vernetzung. Er bringt die einzelnen Positionen zur Sprache und in einen Dialog miteinander. Dabei integriert er diskursethische, gerechtigkeitstheoretische, ästhetische, systemtheoretische, poststrukturalistische, kulturtheoretische und symboltheoretische Zugänge und bietet durch interne Vernetzung der Texte ein komplexes Bild möglicher Antworten. Politische Aktualität gewinnt der Band zudem mit einer der ersten wissenschaftlichen Gesamtanalysen der DOT-Force-Initiative der G8, die jüngst ihren Abschlussbericht vorgelegt hat, und mit dem MISTICA-Dokument, das die digitale Spaltung von der anderen Seite her, aus lateinamerikanisch-karibischer Sicht behandelt und hier erstmals im deutschsprachigen Raum vorgestellt wird. Der 3. Band der Schriftenreihe des International Center for Information Ethics zeigt deutlich: Der Digtial Divide ist nicht allein unter technischen oder kommerziellen Gesichtspunkten bewertbar. Er verlangt nach einer ethischen Verortung.
Zur filmischen écriture der Nouvelle Vague
Der vorliegende Sammelband analysiert die Komplexität und Aktualität der Nouvelle Vague unter neuen Perspektiven einer intermedialen Medienanalyse und integrierten Mediengeschichte. Mit Blick auf einzelne Regisseure und ihre Filmproduktionen ebenso wie auf die kultur- und diskursgeschichtlichen Kontexte der Zeit werden die innovativen und kombinatorischen Spiel- und Denkfiguren eines Film- und Mediendiskurses durchschaubar, dessen Bedeutung bis in die gegenwärtige Medientheorie, Literatur- und Filmästhetik reicht. In den Mittelpunkt rücken die Begriffe Körper, Ästhetik und Spiel als konzeptuelle Spielmarken, mit denen sich zentrale Faszinationsmuster im Kino der Nouvelle Vague neu bündeln lassen. In dem Maße wie diese Trias hinter den Beiträgen des Bandes als offene Struktur gleitender Begriffe durchscheint, können diese Konzepte als Kondensationsmomente einer Ästhetik fruchtbar gemacht werden, mit der sich die Nouvelle Vague in der Variabilität ihrer Schreibweisen und den Strategien einer reflektierten Intermedialität neu erschließt.
Walter Benjamins Suche nach der lingua adamica
Author: Anja Hallacker
Wie ist es möglich, dass ein Sprachskeptiker wie Walter Benjamin zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine derart antiquierte Sprachtheorie wie die lingua adamica wieder aufgreift? Denn eben dies tut er im Rahmen seiner Überlegungen zur reinen Sprache oder Namensprache. Müssten Benjamins Texte auf Grund ihrer Anbindung an eine heute zumeist indiskutable Sprachtheorie nicht ihre Anschlussfähigkeit an aktuelle Diskurse verlieren? Jacques Derrida „rettet“ Benjamin, indem er ihn dekonstruktiv liest. Das interessante Wechselspiel der beiden Texte wirft ein Licht auf Stärken und Schwächen sowohl der lingua adamica als auch der dekonstruktiven Lektüre. Ein dritter Text, Umberto Ecos Roman Das Foucaultsche Pendel, erlaubt den Lesenden von den nun ausführlich diskutierten Sprachtheorien Abstand zu nehmen. Anders als Derrida ironisiert Eco den philosophisch-magischen Zusammenhang der lingua adamica, zeigt sein Potential, die auf ihm ruhenden Hoffnungen und auch die Gefahren, denen selbst 'aufgeklärte' Lektoren des 20. Jahrhunderts nicht immer entgehen können.
Diderot, Chardin und die Vorgeschichte der Fotografie in der Malerei des 18. Jahrhunderts
Author: Annette Geiger
Betrachtet man den Beginn der Fotografie einmal nicht als den Zeitpunkt ihrer technischen Erfindung, sondern als einen Paradigmenwechsel in der Geschichte der Ästhetik, so wird der epistemologische Umbruch schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts deutlich. Die Idee eines fotografischen Effekts gelang bereits der Malerei mit ihren ureigensten Mitteln, noch gänzlich ohne die entsprechende Aufnahmetechnik. Das Sehen selbst wurde als neuartiges Aufnahmeverfahren begriffen und wiedergegeben. Das Buch untersucht einerseits in a-historischer Perspektive, was ein fotografisches Bild eigentlich auszeichnet und andererseits im Sinne der Mediengeschichte, wie sich die neue Bildauffassung im Kontext von Wahrheits- und Naturbegriff sowie der spezifischen Platonlektüre im 18. Jahrhundert herausbilden konnte. In einem weit gefassten Bogen von der Ästhetik Diderots und den Stillleben J. B. S. Chardins bis zur zeitgenössischen Fotografie unserer Tage arbeitet die Studie die zentralen Topoi des fotografischen Bildes heraus.