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Paradoxe Subjekte denken und erzählen in den 1970er Jahren
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Die Rückkehr zum Ich in der Strömung „Neue Subjektivität" erweist sich als hochgradig zweischneidiges Unterfangen: Das Subjekt wird als Instanz der Befreiung angerufen und zugleich als Ort der inneren Vergesellschaftung offenbart. Das ist die paradoxe Subjektkonstitution, welche die Studie für die untersuchten Texte identifiziert. Und gerade in dieser Hinsicht partizipieren literarische und subjekttheoretische Texte dieser Jahre an derselben Konstellation. Die Untersuchung rekonstruiert das Subjektdenken und -erzählen an u.a. Roland Barthes, Thomas Bernhard, Peter Handke, Herbert Marcuse oder Verena Stefan und stellt die Frage, auf welche Weise das Subjekt in den Fokus gerät. Dabei wird deutlich, dass viele Texte ihren Fluchtpunkt – nämlich das private, authentische Subjekt – als emanzipative Kraft bereits in Frage stellen und die Paradoxie offenlegen, dass die radikalste Umsetzung individueller Selbstbestimmung zu einer Entleerung des Subjekts führt.
Was versteht der große Philosoph der Freiheit, Hegel, unter dem Begriff, der seinen Untersuchungen zugrunde liegt? Ist Hegels Theorie der Freiheit liberal zu verstehen? Oder ist ihm eine Art von Totalitarismus zuzuschreiben, in dem von persönlicher Freiheit keine Rede sein kann? Um diese und viele andere Fragen zu beantworten, macht es sich die vorliegende Studie zur Aufgabe, Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ philosophisch zu rekonstruieren und seinen Argumentationsgang deutlich darzustellen.
Husserls Programm der Phänomenologie
Selbstverständlichkeiten in Verständlichkeiten überführen – dies ist das Credo der Phänomenologie Husserls. Ein zentrales Anliegen des phänomenologischen Programms ist es, die „vermeintlichen Selbstverständlichkeiten“ des Positivismus aufzudecken und zu klären; zugleich gibt Selbstverständlichkeit Anlass zu inhaltlichen Analysen, denn sie fungiert als Geltungsmodus des alltäglichen Lebensvollzugs, gespiegelt im Sinnbild von Boden und Horizont der Lebenswelt. Die Studie stellt Geltung, Einstellung und Perspektivwechsel als jene begrifflichen Werkzeuge heraus, mit denen Husserl dieses schwer greifbare Phänomen systematisch erschließt und methodisch wie inhaltlich in die Spannungsfelder von Theorie und Praxis, Doxa und Episteme, Lebenswelt und Wissenschaft einbettet. Darüber hinaus ergänzt sie mit dem psychopathologischen Ansatz Wolfgang Blankenburgs, was die Beschreibungsmacht der Phänomenologie an ihre Grenzen bringt: die Erfahrung der Selbstverständlichkeit im Lebensvollzug.
Band 1 und 2
Erscheinungstermine der Einzelbände: 2014 und 2019

Zwischen christlichem Glauben und religiöser Indifferenz sind in Europa neue Religionen entstanden, die bis in unsere Gegenwart ausstrahlen und die Wertorientierung leiten. Auf dem Wege einer historisch-soziologischen Analyse der Konjunkturen des Themas »Wiederkehr von Religion« entwickelt Wolfgang Eßbach eine Typologie europäischer Religionen in der Moderne. Behandelt werden Konfessionalismus, Vernunftreligion, Nationalreligion, Kunstreligion, Wissenschaftsreligion und Elemente des Glaubens an Verfahren. Dabei wird nach ihren Verbindungen mit den dominierenden Zeiterfahrungen im modernen Europa, von den Glaubenskriegen der frühen Neuzeit bis zur Artifizierung der Lebenswelt im 20. Jahrhundert, gefragt. Sie haben Intellektuelle immer wieder umgetrieben. Jede neu hinzukommende Erfahrungslage bestimmt die Konjunktur des Religiösen. Neue Deutungen und Kritiken treten in Beziehung zu älteren Thematisierungen von Religion, die entweder verblassen oder reaktiviert werden. Der religiöse »Pluralismus« der Gegenwart kann so als ein geschichtetes, kumulatives Phänomen begriffen werden, dessen einzelne Elemente in einem spannungsreichen Gefüge auch in Zukunft kaum zu beruhigen sein werden.
Editor:
Pier Paolo Pasolini (1922–1975) war ein traditionsverbundener, marxistischer Atheist mit Tendenzen zur christlichen Spiritualität. Er idealisierte vergangene, archaische, ‚einfache‘ Gesellschafts- und Bewusstseinsformen, die sich der Rationalität, Gleichschaltung und Kommerzialisierung moderner, kapitalistischer Welten verwehren. Der Band versammelt 13 Aufsätze internationaler Pasolini-Experten und -Expertinnen, die der Frage nachgehen, inwieweit sich das Konzept der Authentizität eignet, um sich dem Regisseur und seinem Werk zu nähern. Inwiefern hing Pasolini dem ‚Mythos Authentizität‘ nach? Lassen sich künstlerische Mittel bestimmen, die Formen des (In-)Authentischen zum Ausdruck bringen? Vorgelegt werden Analysen zu den Spielfilmen „Accattone“, „Mamma Roma“, „Il Vangelo secondo Matteo“, „Edipo Re“, „Teorema“ und „Medea“, zu den Dokumentationen „Il 12 dicembre“ und „Appunti per un film sull‘India“ sowie zu den unverwirklicht gebliebenen Drehbüchern „L’Histoire du Soldat“ und „Porno-Teo-Kolossal“.
Ästhetik und Physiologie im 19. Jahrhundert
Author:
Im 19. Jahrhundert vollzieht sich in der französischen Kunst ein bemerkenswerter Wandel: Das Ideal ästhetischer Lebendigkeit weicht der Manifestation der künstlerischen Mittel, die das Dargestellte seines vitalen Illusionismus berauben und als materiell Gemachtes hervorkehren. Die Repräsentation des Menschen verliert ihre Rolle als dominantes Sujet und wird in ihrer ›Wahrhaftigkeit‹ hinterfragt. Das Buch beleuchtet diese Entwicklung aus medizingeschichtlicher Sicht. Die Physiologie entwirft ein materialistisches und deterministisches Menschen- und Körperbild, das in Konkurrenz zur anatomischen Lehre tritt und Fragen der Darstellbarkeit, aber auch Willensfreiheit und Handlungsmacht aufwirft. Werkbeispiele aus der Zeit zwischen 1800 und 1900 zeigen auf, wie unterschiedlich die Kunst auf diese Verwerfungen reagierte – und neue Körperbilder entstanden.
Gottes trinitarisches Liebesabenteuer: Dreieiniges Werden, Ökologische Schöpfungswege, Menschen und Ver-rückung
Author:
Im zweiten Band seiner umfassenden Post-Systematischen Theologie auf Basis einer phänomenbasierten, narrativen Ontologie behandelt Mühling das trinitarische Liebesabenteuer Gottes von der Gotteslehre bis zur Hamartio logie. Innerhalb des Liebesabenteuers werden die Differenz in Gott in Form seiner dreifachen Personalität, Gottes narrative Einheit und Gottes Werdensei genschaften behandelt. Der Schöpfungsweg behandelt Gottes Fähigkeit zur Schöpfung, creatio ex nihilo und creatio continuata, die Schöpfung als imago trinitatis, Kosmologie, wirkliche Möglichkeiten, Engel und Außerirdische sowie biologische Evolution. Die Anthropologie des menschlichen Werdens inmitten der Geschöpfe behandelt den Menschen als imago personalitatis, seinen ausgedehnten Geist und sein leibliches »Seelen«, Vernunft, Wille und Affektivität, den menschlichen Prozess des Humaning, die Erschöpflichkeit seiner Geschöpflichkeit und eine umfassende Explikation der Sünde als Ver-rücktheit des Menschen im geschaffenen Gewebe. Der Band schließt mit Überlegungen zu einem ökologischen Ethos der Geschöpflichkeit. Stets spie len interdisziplinäre Überlegungen, v.a. zwischen Theologie, Philosophie und den Naturwissenschaften, eine wichtige Rolle.
Zur Wende im Kräfteverhältnis zweier Theaterformen zwischen 1869 und 1918 in Berlin
Anders als heute war der Zirkus um 1900 überaus erfolgreich in Berlin – so erfolgreich sogar, dass er für das bürgerliche Literaturtheater eine bedrohliche Konkurrenz darstellte. Dies führte nicht nur zu Diskreditierungen des Zirkus in theaterinternen Debatten, sondern auch zu politischen Vorstößen von Bühnenverbänden gegen die Präsenz und Aufführungspraxis der Zirkusse. Doch obwohl die Theatergesetze zwischen 1880 und 1900 zu Lasten der Zirkusse verschärft wurden, war ihr Erfolg bis in die 1910er Jahre ungebremst. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte sich das Kräfteverhältnis der beiden Theaterformen jedoch um. Das Buch beleuchtet die komplexe Verflechtung von Akteur:innen und Faktoren, die zu dieser Wende führten, und zeichnet ein Bild der Ausgangslage des heutigen Theatersystems im deutschsprachigen Raum, das heißt der Theaterpraxis wie auch des grundlegenden Förderverständnisses. Zudem gibt es Antworten auf die Frage, wie der Zirkus zu seinem Status als „niedere“ oder Nicht-Kunst kam.
Open Access
Author:
Diese Arbeit stellt einen neuartigen Ansatz vor, die symbolischen Strukturen, die der traditionellen chinesischen Tuschmalerei zugrunde liegen, zu verstehen und im interkulturellen Kontext zu vermitteln. Lichen Zhang nimmt damit eine substantielle Erweiterung von Ernst Cassirers Konzeption des menschlichen Geistes als einem universellen symbolischen Netzwerk vor und beweist stringent die Anwendbarkeit des symbolphilosophischen Konzepts auf die bildende Kunst. Das Buch stellt mit eindrucksvollen Bildbeispielen die weitreichenden Konsequenzen dieses neuen Blickwinkels anhand der traditionellen chinesischen Tuschmalerei dar. So wird der Einfluss, den chinesische Philosophien, Ethik, Religion, Gesellschaft und frühe Naturwissenschaften über die Jahrhunderte hinweg auf die Kunst hatten, durch systematische Aufarbeitung als Objektivierung einer geistigen Aktivität offenbar.
Der alpine Diskurs und die moderne Literatur
Author:
Die vorliegende Studie gilt der Wahrnehmungs- und Diskursgeschichte des hochalpinen Raums und seiner poetischen Inszenierung in der deutschsprachigen Literatur der Moderne. Waren die Alpen seit der Aufklärung als faszinierende Landschaft entdeckt worden, so trug die spätere ‚Eroberung‘ des Gebirges und seine touristische Erschließung ambivalente Züge: Die Wildnis wurde kulturell förmlich kolonisiert. Schon um 1900 gerät die Literatur daher in ein vielfach kritisches Verhältnis zu Elementen und Stereotypen des tradierten Alpenbildes. Im 20. Jahrhundert aber führen der Gebirgskrieg, die Mediengeschichte von Fotografie und Film und das Expeditionsbergsteigen zu neuer Faszination und neuen Entwicklungen des Diskurses über die Alpen. Die Arbeit verfolgt das Wechselspiel von kultureller Wahrnehmung und literarischer Inszenierung an einer Fülle von Texten und erforscht über deren „Poetik der Höhe“ eine weitgehend unbekannte Seite der literarischen Moderne.