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Literarische Gerechtigkeitsentwürfe im gesellschaftlichen Umbruch (1773-1819)
Um 1800 experimentieren literarische Texte verstärkt mit Szenarien, in denen Recht, Moral und Gerechtigkeit konvergieren, und bilden dabei eine innovative Anerkennungstheorie heraus.
Im Rekurs auf Spieltheorie, Evolutionspsychologie und Kognitionswissenschaften untersucht Claudia Nitschkes Studie diese literarischen Überlegungen zur Anerkennung im Kontext des Gesellschaftsvertrags, der seinerseits einen Versuch darstellt, politische Ordnung und Gerechtigkeit säkular zu entwerfen und rational zu legitimieren. Ein entsprechender Blick auf spezifische kanonische Tete, Autoren und Genres der Sattelzeit zeigt, wie sich auch die Literatur kritisch und bis heute instruktiv mit speziellen, vertragstheoretischen Prämissen auseinandersetzt und neue Antworten auf alte Fragen finde.
Flüchtige Gegenwart und Phantasmagorie
Kein anderer Dichter des 19. Jahrhunderts ist Paris so eng verbunden wie Charles Baudelaire (1821–1867). Die Hauptstadt bietet mit Museen, Kunstausstellungen, Galerien und den Ateliers der ersten Fotografen neue inspirierende Orte des Austausches zwischen Literatur und Kunst. Bibliotheken, Verlage sowie die Zeitungen beschleunigen den Informationsfluss. Eine neue Unübersichtlichkeit entsteht. Bereits Balzac beklagt die historische Flüchtigkeit, die »erschreckende Geschwindigkeit« im Wandel des alten Paris. Im Zweiten Kaiserreich nehmen die Veränderungen ein unerhörtes Ausmaß an. Architektonische Neugestaltung, ein auf große Verkehrsachsen ausgerichtetes Straßennetz, Umbau des Louvre sowie die ersten Weltausstellungen von 1855 und 1867 repräsentieren unter Napoleon III. die imperiale, mondäne Hauptstadt Paris. In den Faubourgs und jenen Vierteln, wo Reichtum und schöne Fassaden fehlen, treten mit Industrialisierung und dichter Bevölkerung Mangel, extreme Armut, Kriminalität und Laster hervor. In Daumiers Karikaturen und Baudelaires Lyrik erscheinen prekäre Figuren des beschädigten Lebens, der Lumpensammler und die sich prostituierende Frau.
Manets Gemälde Die Musik im Garten der Tuilerien (1862) zeigt den Schriftsteller Baudelaire als städtischen Typus im schwarzen Anzug und mit Zylinder, nicht als Bohemien. Die urbane Lebenswelt in ihrer kulturellen Vielfalt ermöglicht, wie Baudelaire betont, »das Gespräch, dieses große, dieses einzige Vergnügen eines geistigen Wesens«. Der Dichter, wie ihn Manet malt, steht inmitten der Öffentlichkeit und ist ihr doch zugleich fremd. Baudelaires Gedichte, die Fleurs du mal (1857/1861), vergegenwärtigen bedrohliche Szenen des Bewusstseins, die die Ordnung städtischer Topographie überlagern. Der städtische Raum verwandelt sich im Blick des Betrachters in das Unheimliche und Monströse der Phantasmagorie.


Der französische Philosoph Michel Serres ist am 1. Juni 2019 verstorben. Er war Mitglied der Académie française und hat mehr als 50 Monographien zu unterschiedlichsten Themen veröffentlicht. Sein Denken ist durch eine große Vielfalt gekennzeichnet und die Vielfalt selbst ist immer wieder Thema seiner Texte. »Das vielfältige Denken. Oder: Das Vielfältige denken« versucht, die Ansätze des Denkens von Michel Serres in ihrem Facettenreichtum dem Leser nahe zu bringen.
Aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven wird die Vielfältigkeit beleuchtet. Thematische Akzente sind u.a.: Gemenge und Gemische, das Parasitäre, Engel und Boten, die Rolle der Musik und die der Kommunikation, der Mensch in den Netzen, in seiner Körperlichkeit und Leiblichkeit sowie sein Verhältnis zur Natur. Außerdem werden die Berührungen mit anderen Philosophen thematisiert, von Henri Bergson über die phänomenologische Tradition bis zu Michel Foucault. Zu den Autoren der einzelnen Beiträge gehören neben Philosophen auch Literaturwissenschaftler, Medienwissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Juristen.
Der Dokumentationsband des Symposiums »Literatur in der neuen Klassengesellschaft« enthält Texte und Debattenbeiträge u.a. von Hans-Jürgen Urban, Christoph Butterwegge, Klaus Dörre, Annett Gröschner, Joachim Helfer, Stefanie Hürtgen, Cornelia Koppetsch, Norbert Niemann, Monika Rinck, David Salomon, Stefan Schmitzer, Erasmus Schöfer, Ingar Solty, Enno Stahl und Michael Wildenhain. Er dokumentiert – quasi in Echtzeit – den Ablauf des Symposiums, das durch einen ungewöhnlich barrierefreien Zugang des Publikums zum Tagungsgeschehen gekennzeichnet war. Das Netzwerk »Richtige Literatur im Falschen«, das diese Veranstaltung zum vierten Mal in dieser Form realisierte, versteht sich als offenes Diskussionsforum. Diskutiert wird in diesem Band die Frage, ob Deutschland heute wieder eine Klassengesellschaft ist, was die meisten der Autorinnen und Autoren bejahen. Die Auswirkungen dieser sozialen Spaltung werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: der Pauperisierung, der Geschlechterproblematik und der Migration. Vor diesem Hintergrund werden sodann Überlegungen angestellt, ob Literatur auf die gesellschaftlichen Verwerfungen reagieren sollte oder gar muss – und wenn ja, in welcher Form.
Der Beitrag von Autorinnen und Autoren osteuropäischer Herkunft zur literarischen Kultur im deutschsprachigen Raum
In den Beiträgen des Bandes wird das große Spektrum der aktuellen Migrationsliteratur von Autorinnen und Autoren aus Osteuropa im deutschsprachigen Raum veranschaulicht und theoretisch diskutiert.
Migration spielt für die Gegenwartsliteratur eine bedeutende Rolle. Sie ist dabei zum einen ein Sujet, das wichtige Veränderungen der Gesellschaft inhaltlich reflektiert, zum anderen manifestiert sie sich auch in sprachlich-formalen Besonderheiten. Denn dadurch, dass die Autorinnen und Autoren dieser Literatur in der Regel selbst Migrationserfahrungen haben, bringen sie neben dem Blick von außen auch nicht selten einen zweiten Sprachhintergrund mit. Dieser wirkt, ebenso wie die inhaltlichen Aspekte, in die literarischen Texte hinein. Die Beiträge des Bandes reflektieren theoretische Fragen sowie einzelne Werke, unter anderem von Maxim Biller, Olga Martynova, Terézia Mora, Matthias Nawrat, Katja Petrowskaja, Julya Rabinowich und Anna Zonová.
Open Access
Film- und Mediengeschichte im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit
Nie schien der Zugriff auf Filmgeschichte leichter als heute: Mit wenigen Klicks kann man »Klassiker« anschauen, sie kopieren und teilen – noch dazu digital remastered, »schöner als je zuvor«! In der jüngeren Medienkultur werden ehemals analoge Filme digitalisiert und durchlaufen ständige Transformationen, um in neuen Medienumgebungen sichtbar zu bleiben.
Die Studie widmet sich den grundsätzlichen Fragen, in welcher Form die vermeintlich allgegenwärtig verfügbaren Bewegtbilder aus der Filmgeschichte überhaupt in die Zirkulation der digitalen Kultur gelangen und welche ästhetischen, theoretischen, soziokulturellen wie historiografischen Konsequenzen sich daraus ergeben.


Open Access
Hunde in der Literatur der Goethezeit und Moderne
Jonathan Kassner widmet sich dem Thema der Hundefiguren in der Literatur aus ästhetischer und ideengeschichtlicher Sicht. Er nimmt seinen Ausgang von der klassischen Ästhetik, die die Auseinandersetzung mit Tieren und der menschlichen Tierlichkeit führt, um stets den autonomen Geist über die Natur triumphieren zu lassen. Dagegen artikuliert sich parallel in der Literatur durch Tierfiguren, und insbesondere durch Hunde, ein Gegendiskurs zum vorherrschenden Idealismus der Zeit. Der Autor liest Hunde als poetologische Reflexionsfiguren, mit denen Autoren wie Goethe und Jean Paul und in der Moderne Kafka und Thomas Mann sowohl ästhetische als auch ontologische Fragen verhandeln. Er rekonstruiert in textnahen Lektüren den Übergang von der humanistischen Ästhetik der Klassiker zu einer Ästhetik der Kreatur, deren Spur er vom Faust bis zum Doktor Faustus verfolgt.
Author: Benjamin Schmid
Der Autor legt die wachsende Bedeutung der Architektur im politischen Denken des Mittelalters dar. Er demonstriert, wie Architektur zu einer Grundlage politischen Denkens wurde und wie Architektur dieses Denken beeinflusste. Das Buch analysiert die grundlegenden Verbindungen von Politik und Architektur. In zwei Teilen wird die Rolle der Architektur im politischen Denken des Mittelalters anhand zahlreicher Schrift- und Bildquellen untersucht. Im ersten Teil wird der weite Weg der Architektur hin zu ihrer Anerkennung in der mittelalterlichen Wissenschaftssystematik überblickt. Im zweiten Teil werden repräsentative Orte mittelalterlichen Denkens herausgearbeitet. Das Buch demonstriert damit den Bedeutungszuwachs der Architektur innerhalb des mittelalterlichen politischen Denkens, legt die Ursprünge der Verbindung von Politik und Architektur offen und zeichnet die Aufwertung der Architektur zu einem Fundament der Politik nach.
Adolf Hölzel war nicht nur ein Kunstpädagoge von ungeheurer Bedeutung, sondern auch ein Pionier in der theoretischen Bestimmung der ungegenständlichen Kunst: »Absolute Malerei« ist der Begriff, den Adolf Hölzel prägte.
In zahlreichen Aufsätzen und auf 4000 überlieferten Schriftblättern aus dem sogenannten »kunsttheoretischen Nachlass« entwickelt Adolf Hölzel seine Theorie, die allein an den Mitteln orientiert ist, die ein Bild konstituieren – unabhängig davon, ob etwas Gegenständliches dargestellt wird oder nicht. Denn jedes Bild ist, so Adolf Hölzel, allein ein abstraktes Gebilde von Linien, Formen und Farben. Seine kunsttheoretischen Schriften sind nun in chronologischer Reihenfolge zugänglich, inklusive seiner zentralen Aufsätze und Schriften, bisher unpublizierter Manuskripte und ausgewählter Briefe des vielleicht wichtigsten Kunstpädagogen des 20. Jahrhunderts
Denkwege – Eine theologische Philosophie
Author: Markus Mühling
Theologie ist ein Explizieren, Im-plizieren und Kom-plizieren christlichen Wahrwertnehmens im Weg des Evangeliums, das organisch, aber unabschließbar offen erfolgt und jede Systembildung zum Post-Systematischen hin überschreiten muss.

Nach einer phänomenal begründeten, narrativ-ontologischen Neudefinition von Grundbegriffen wie Relation, Weglinie, Ereignis, Zeit, Raum, Zeichen, Metapher, Begriff, Name, Modell, Theorie, Kohärenz, Kausalität, Kontingenz, Subjekt und Wahrheit befasst sich der Hauptteil mit Gottes dreifaltiger Selbstpräsentation im Wahrwertnehmen des Evangeliums. Abschließend werden die Konsequenzen für das Verständnis von Glaube und Religion, Historizität und Heiliger Schrift, den Vernunftbegriff sowie Interdisziplinarität und die Wissenschaftlichkeit der Theologie gezogen.