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"Erasmus" und "Jan Veth. Sein Leben und Schaffen". Aus dem Niederländischen von Annette Wunschel
AutorIn: Johan Huizinga
Der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga verfasste seine berühmte Studie über Leben und Werk des Erasmus 1924 für die Reihe »Great Hollanders« des amerikanischen Scribner-Verlags; erst danach erschien das Buch in einer annotierten niederländischen Fassung. Wie viele Werke Huizingas untersucht auch Erasmus – vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Krisen im Europa der Weltkriege – die Erscheinungsformen des geistigen Wandels in der Geschichte. Erasmus erscheint hier in deutscher Neuübersetzung, begleitet von der erstmals in eine andere Sprache übersetzten Studie Huizingas über den niederländischen Maler und Dichter Jan Veth (1864–1925), mit dem Huizinga eine enge Freundschaft verband.
25 Jahre Stadtarchäologie Paderborn
HerausgeberInnen: Martin Kroker und Sven Spiong
Seit über 25 Jahren erforscht die Paderborner Stadtarchäologie die Frühgeschichte der Stadt. Mit dem inzwischen vierten Stadtarchäologieband in der Reihe der MittelalterStudien zieht sie erneut Bilanz und berichtet über neue Forschungsergebnisse. Ein Schwerpunkt des Buches sind die Ausgrabungen der Jahre 2004 bis 2008 im Domkloster und in einem Areal des Busdorfstiftes. Dabei konnten erstmals die Überreste früher Kurien der Dom- und Stiftsherren identifiziert und untersucht werden. Ferner beleuchten vertiefende Untersuchungen das frühstädtische Umfeld des Bischofssitzes und seine Entwicklung zu einer befestigten mittelalterlichen Stadt mit festgefügten Hausstätten.
Georges Perec und die Räumlichkeit der Literatur
AutorIn: Julia Dettke
Was bedeutet eigentlich literarische Räumlichkeit? Julia Dettke entwickelt Analysekategorien, um zu beschreiben, wie es Texten gelingt, sich als von den Lesenden begehbare Räume zu inszenieren. Im Zuge des spatial turn sind eine ganze Reihe von Untersuchungen zu Literatur und Raum erschienen; die spezifi sch literarische Räumlichkeit ist dabei aber ein weithin blinder Fleck geblieben. Anhand zahlreicher literaturgeschichtlicher Beispiele und in Detailuntersuchungen von Georges Perecs Espèces d’espaces (1974) und La Vie mode d’emploi (1978), die auch bislang unveröffentlichte Typoskripte aus dem Nachlass des Autors einbeziehen, unterscheidet die Studie drei Ebenen des poetologisch-selbstrefl exiven Bezugs von Texten auf Räume: Paratext, Schrift und Seitenraum sowie narrative Transgressionen. Sie stellt somit auch ein Begriffswerkzeug bereit, das über die französische Avantgardeliteratur hinaus herausarbeitet, wie durch Räumlichkeit die literarische Form neu verhandelt wird.
Film-, Dia- und Videoinstallationen prägen die Gegenwartskunst seit den 1990er Jahren. Eines ihrer auffallendsten Merkmale ist die Arbeit mit den verschiedenen zeitlichen Ebenen des bewegten Bildes. In den Werken von Künstlerinnen und Künstlern wie Tacita Dean, Douglas Gordon, Mark Lewis und James Coleman spielen Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit eine entscheidende Rolle. Zeit als bildliches Phänomen wird hier mittels ästhetischer Praktiken sichtund erfahrbar gemacht. Durch bildliche Strategien wie die Manipulation der Dauer der Bilder, ihrer Bewegungen, Rhythmen und Dynamiken realisiert sich in den Werken gleichzeitig eine spezifische Geschichtlichkeit. So entstehen hybride Bildwerke zwischen Stillstand und Bewegung, zwischen Gegenwart und Geschichte. Der Band bietet detaillierte Analysen und Interpretationen zahlreicher Schlüsselwerke der vergangenen 25 Jahre.
Historische und zeitgenössische Bildpraxen in globalen Kulturen
Reihe:  dynamis
HerausgeberInnen: Christiane Kruse und Birgit Mersmann
Bilder steuern zentral die Wahrnehmung von Kulturen. Begreift man Kultur als gesellschaftspraktische Lebensform, dann lassen sich Bildkulturen als Gesamtheit der bildlichen Repräsentationen und Bildpraktiken, als Praktiken der Inkorporation von Denken und Handeln bestimmen, durch die Wirklichkeiten visuell konstruiert und behauptet werden. Die Erforschung von Bildkulturen wirft entsprechend die Frage nach dem ›Imagineering‹ auf, dem mentalen und physischen Erzeugen von Bildern, nach Bildtechniken, Bildpraktiken und Bildagentschaften. Eine Bildkulturwissenschaft widmet sich ferner dem Umgang mit und dem Verhalten zu Bildern im Sinne eines spirituellen und profanen Kultus sowie den anthropologischen und kulturellen Verortungen von Bildern im Spannungsfeld zwischen ›ImagiNation‹ und Migration. Die Beiträge des Bandes eröffnen eine ›Bildpraxeologie‹ des Politischen und erweitern damit den Horizont der Kulturwissenschaften um geopolitische Aspekte der Bildverwendung.
Der Band geht der wechselseitigen Durchdringung von visuellen Künsten und Naturwissenschaften bzw. Naturphilosophie im Kontext der europäischen Romantik nach.
Die Romantik als eine geistige Bewegung entfaltete sich in Europa auf Grundlage der allgemeinen Überzeugung, dass Kunst eine Form von Wissenschaft sei und umgekehrt. Viele Dichter und Künstler sowie Naturwissenschaftler waren bestrebt, empirische und kreative Formen der Welterkundung miteinander zu verbinden. Die Aufsätze in diesem Sammelband untersuchen die Entstehung einer „romantischen Wissenschaft“ und ihre Beziehung zur bildenden Kunst, worin objektive und subjektive Formen der Forschung gleichgestellt wurden.
Eine Mediengeschichte der Klassengesellschaft
AutorIn: Stephan Gregory
Klassifikation und Klassenkampf: Class Trouble begibt sich zu den unruhigen Ursprüngen der modernen Klassengesellschaft. Woher kommen die modernen Klassengesellschaften? Es wäre zu einfach, den Kapitalismus oder die Eigenlogik sozialer Systeme dafür verantwortlich zu machen. Wie Class Trouble am Beispiel Englands zeigt, waren es sehr unterschiedliche und heftig umstrittene Diskurse und Praktiken, aus denen im 17. und frühen 18. Jahrhundert die Idee einer in Klassen geteilten Gesellschaft entstand. Der Fokus der Untersuchung liegt auf den Medien und Verfahren, durch die sich das Prinzip der Klassenteilung effektiv durchsetzte. Neben den bevölkerungspolitischen Sortiertechniken der Politischen Arithmetik sind es vor allem die ›Neuen Medien‹ von 1700 (Kaffeehaus, Club, Zeitung, Zeitschrift), die als Agenturen einer klassifikatorischen Neuaufteilung des Sozialen verstanden werden können.
Romantische Metaphorologie des Mediums
AutorIn: Stefan Börnchen
Das »Medium«, so Novalis, ist die »Vereinigung« von »Körper« und »Seele« – also eine Metapher. Mit dieser Metapher verlagert sich das Körper-Geist-Problem, das die Anthropologie der 1770er Jahre immer noch nicht gelöst hat, von der Philosophie in die Literatur. So zeigt es sich bei Schiller, der seine zwei medizinischen Dissertationen über das commercium mentis et corporis für den Schauerroman Der Geisterseher wiederverwendet. Topologisch geht das Problem auf die antike Dichotomie von hýlē und eîdos, Stoff und Form, zurück. Schon Aristoteles hat über ihre Aufhebung im periéchon als dem »Allumfassenden« spekuliert. In der Romantik tritt es als »Weltseele« und »Medium« auf. Medien-Szenen bietet die Romantik in vielen Spielarten: E.T.A. Hoffmann klettert im schlesischen Riesengebirge über eine Himmelsleiter halsbrecherisch in die funkelnde Gischt des Zackenfalls hinab. Schiller lässt aquarellierend seinen Freund Körner buchstäblich aus dem eigenen Körper herauslaufen. Heute sind Romantikerinnen und Romantiker auf Baumwipfelpfaden über allen Wipfeln und Gipfeln unterwegs.
Fiktionen als sinnliche Erfahrungen
AutorIn: Jasmin Pfeiffer
In der Gegenwart lässt sich ein Boom von multimedialen Werken beobachten: Escape Rooms, VR- und AR-Anwendungen oder immersive Theateraufführungen bieten multisensorische Erlebnisse und sprechen alle Sinne an. Dieses Buch erarbeitet ein neues Fiktionsmodell, das solche Werke als Fiktionen beschreibbar macht und zugleich eine methodische Grundlage für deren Analyse bietet. Fiktionen werden darin als synästhetische Erfahrungen konzipiert, die sowohl mentale Vorstellungen als auch sinnliche Interaktionen umfassen können. Dabei werden nicht nur imaginierte Inhalte, sondern auch materiale Objekte als mögliche Bestandteile von Fiktionen in den Blick genommen. In komparatistisch angelegten Analysen, die den Schwerpunkt auf Beispiele aus dem 19. Jahrhundert und der Gegenwart legen, werden konkrete Anwendungsmöglichkeiten für das Fiktionsmodell vorgestellt und dessen Mehrwert demonstriert.
Das Problem der sinnlichen Negativität für Adornos Kunstkonzeption
AutorIn: Wonho Lee
Für Adornos Ästhetik ist der Begriff der ästhetischen Wahrheit zentral. Durch ihn versucht Adorno die beiden repräsentativen modernen Ästhetiken, die Kants und die Hegels, dialektisch zu vermitteln. Kunstwerke sind nach Adorno einerseits (und darin mit Hegel übereinstimmend) Medium der Wahrheit, zugleich jedoch (und darin Kant folgend) nicht zu begreifen, sondern nur ästhetisch zu erfahren. Wonho Lee geht in ihrer detaillierten Studie dieser Doppelkonzeption nach und prüft auf diese Weise, ob Adornos Kunstkonzeption in ihrem systematischen Kern aufgeht. Obgleich das Ergebnis negativ ausfällt, schließt sich die Autorin Adornos Leitgedanken, ästhetische Erfahrung als Kritik zu begreifen, an und schlägt eine modifizierte Konzeption vor.