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  • Literature and Cultural Studies x
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Series:  Eikones
Die fundamentale Rolle, die das Bild in Kommunikationsprozessen spielt, lässt sich weder allein auf die oft diskutierte mediale Verfügbarkeit noch auf seine Zeichen- oder Symbolhaftigkeit zurückführen. Vielmehr erweist sich das Bild als ein aktives Gegenüber – als ein Gestaltungsmoment, das Kommunikationsprozesse initiiert, konturiert und steuert. Hier setzt der Begriff „Movens Bild“ an. Er bezeichnet die Wirkung des Ikonischen, das Bewegende wie auch das Bewegte des Bildes. Diese Bandbreite des Ikonischen wird in dem Band an dem Gegenüber von Evidenz und Affekt, die als integrale Momente bildlichen Ausdrucks doch unmittelbar zusammen gehören. Mit einem solchen veränderten Blick gewinnt die Frage nach bildlicher Darstellung und Vermittlung eine neue Brisanz. Wie verschränkt sich die affektive Dimension des Bildes mit seiner Evidenzerzeugung? Weder lässt sich die dem Bild innewohnende Affektleistung von seiner Evidenzerzeugung trennen noch ist bildliche Evidenz ohne affektive Motivierung denkbar. Im Zentrum der Debatte steht also die Einsicht, dass es eine eigene Logik des Zeigens und Offenbarens gibt, welche die Wirkmächtigkeit der Bilder ausmacht. Ihr Spektrum bleibt breit und bietet eine Vielfalt an Übergängen: Es reicht von luzider Sachhaltigkeit über emotionale Aufladung und ästhetische Suggestion bis hin zur affektiven Überwältigung.
Geschichte der Mainzer Erzbischöfe. Kommentierte Ausgabe
Das bisher noch ungedruckte Werk des elsässischen Humanis-ten Jakob Wimpfeling (1450-1528) ist hier editiert aus der ein-zigen Handschrift (Hofbibliothek Aschaffenburg, Ms. 22), dem Widmungsexemplar von 1515 für den Mainzer Erzbischof, Reichs-erzkanzler und späteren Kardinal Albrecht von Brandenburg (1514-1545). Es bietet einen Bei-trag nicht nur zur mittelalterli-chen Mainzer Kirchengeschich-te, sondern streckenweise auch zur Reichsgeschichte. Die „Geschichte der Mainzer Erzbischöfe“ gibt sich bei einge-hender Lektüre als vielschichtiges Alterswerk zu erkennen. In die historische Darstellung sind meh-rere Themenkomplexe verwo-ben: Bischofs- und Fürstenspie-gel, Zeit- und Kirchenkritik mit Zügen einer Denkschrift, sowie viel persönlich Erlebtes, das manch neue Informationen über Wimpfeling vermittelt als auch über die Mainzer Erzbischöfe seiner Zeit, vornehmlich über Berthold von Henneberg (1484-1504). Einleitung und fortlaufen-de Kommentierung stellen den historischen Kontext her, besor-gen die Einordnung in die Main-zer Bistumshistoriographie und die Verknüpfung mit Wimpfelings Gesamtwerk und Briefwechsel.
Von Opfertod, Blutzeugen und heiligen Kriegern
Editors: Eva Geulen and Sigrid Weigel
Mit Selbstmordattentätern, die sich als Märtyrer verstehen und inszenieren, ist nicht nur die Religion in die Politik zurückgekehrt, sondern auch eine Figur auf den Schauplatz der Geschichte getreten, von der das säkulare Europa annahm, dass sie längst vergangenen Zeiten angehöre.
Die Vielzahl religiös begründeter Selbstmordattentate ist Anlass, die lange und vielgestaltige Geschichte von Märtyrern zu rekonstruieren und der Faszination ebenso wie der Bedrohlichkeit dieser Figur nachzugehen. In 50 Porträts von Märtyrern wird Kontinuität ebenso wie die Differenzen und Umformungen der Figur erkennbar: von der Antike bis zur Gegenwart, in verschiedenen Religionen, Künsten und Darstellungsweisen. Die Zitate von religiösen Symbolen – auch der christlichen Ikonographie – und von Chiffren der Popkultur offenbaren, dass hier auch europäische Traditionen im Spiel sind.
Begriff und Bild des Märtyrers sind wesentlich durch das massenhafte Auftreten frühchristlicher Märtyrer im kaiserlichen Rom des 2. bis 4. Jahrhunderts begründet. Sein Bild ist geprägt von Mythen heldenhafter Tode und dem antiken Konzept des noble death, aber auch von jüdischen Überlieferungen wie die der Makkabäer zur Zeit römischer Tyrannei, die zur Einhaltung der Gesetze und zum »Lob des göttlichen Namens« Folter und Tod in Kauf nahmen.
Der Auftritt der ›Heiligen Krieger‹ und die Verwandlung von Blutzeugen in Glaubenskämpfer verbindet sich mit der Entstehung des Islam und mit der Geschichte der Kreuzüge. Zur Popularität der Märtyrer haben aber vor allem die Erzählungen und Bilder ihrer Martern beigetragen: keine Märtyrer ohne Schauplatz und Zuschauer, ohne die Ausstellung des geschundenen Körpers und die Erzählung von Bekenntnis und Standhaftigkeit der Märtyrer sowie der Bekehrung durch sie. Die Märtyrer-Geschichte ist ein Produkt von ikonographischen, literarischen und medialen Inszenierungen.
Dabei zeigen die Kontinuität und Variationsbreite von Märtyrer-Figuren nicht nur die religionskulturellen Zusammenhänge politischer Gewalt, sondern auch die Verbindungen und Differenzen zwischen den drei monotheistischen Religionen. Und sie schärfen den Blick für die verborgenen oder vergessenen, gleichwohl aber fortwirkenden Prägungen der Moderne durch Muster, die der Kultur sakraler Gewalt und geheiligter Opfer entstammen.
Eine Diskurs- und Imaginationsgeschichte der Menschenmenge 1765-1930
Author: Michael Gamper
Die Menschenmasse gehört seit dem ausgehenden 18. Jahrhun-dert zu den verstörendsten Phä-nomenen der westlichen Welt. Sowohl das Erlebnis revolutionä-rer Menge als auch die Vorstel-lung einer unermesslichen, nivel-lierten Bevölkerung stellen indivi-duelle Existenzformen grundsätz-lich in Frage. Darstellung, Erfah-rung, Regulation und Reflexion der Masse sind deshalb zentrale Aufgaben des modernen Wis-sens, für deren Bewältigung Lite-ratur und Wissenschaft wichtige Beiträge geliefert haben. Michael Gampers Studie befasst sich mit der zentralen Rolle der Literatur bei der Etablierung der Masse als Objekt des Wissens und dessen imaginativer Gestal-tung vom 18. bis ins 20. Jahrhun-dert. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem Wechselverhält-nis mit den Wissenschaften, der Sozialstatistik, der Psychologie, der Soziologie und der Physik gewidmet.
Die Frage nach der neuen Sichtbarkeit des Todes und der Toten wird in diesem Band anhand von zahlreichen Beispielen aus Künsten und Medien diskutiert. Zu den elementaren Leitsätzen einer Beschreibung und Kritik der Moderne zählt die Behauptung, der Tod werde zunehmend verdrängt und ausgeschlossen. Gegen diese Behauptung lässt sich einwenden, der Tod selbst bleibe – aller Metaphysik zum Trotz – prinzipiell unvorstellbar, ungreifbar, opak. Der Tod kann also gar nicht verdrängt oder ausgeschlossen werden, ganz im Gegensatz zu den Sterbenden und Toten, die ab dem 19. Jahrhundert aus dem gesellschaftlichen Verkehr, den Praktiken und Inszenierungen eines symbolischen Tauschs, ins Niemandsland der Kliniken, Obduktionssäle, Leichenschauhäuser und exterritorialisierten Friedhöfe abgeschoben wurden. In seiner Studie über Nikolai Lesskow behauptete Walter Benjamin, es sei vielleicht der unbewusste „Hauptzweck“ der bürgerlichen Gesellschaft gewesen, „den Leuten die Möglichkeit zu verschaffen, sich dem Anblick von Sterbenden zu entziehen“. Seit einigen Jahren wird jedoch eine Revision dieser kulturkritischen Diagnosen geradezu erzwungen. Die Toten sind zurückgekehrt, nicht nur als Thema spiritueller, psychologischer oder philosophischer Diskurse, sondern in konkreter, sinnlicher, materieller Gestalt. Diese Rückkehr ereignet sich in den Künsten, in Literatur, Fotografien, Rauminstallationen und Ausstellungen; sie ereignet sich in Filmen und TV-Serien (wie „Six Feet Under“, „CSI“ oder „Crossing Jordan“), die das Publikum in allen forensischen Details über die konkrete Materialität der Toten aufklären; sichtbar wird sie auch in neu gestalteten Bestattungspraktiken oder in den öffentlichen Debatten um Sterbehilfe, Hospizbewegung, Transplantationsmedizin oder das biotechnologische Versprechen der Langlebigkeit – wenn nicht gar „Unsterblichkeit“. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt daher die Frage, ob sich gegenwärtig ein kulturelles System von Symbolen und Ritualen zu entwickeln beginnt, das zu einer neuen Sichtbarkeit des Todes und der Toten beiträgt.
Geschichte - Kultur - Weltbild
und Handelsstraßen, Fluss- und Eisenbahnnetz – einen Durchgang durch die Kulturgeschichte des Zarenreichs unternimmt und zudem Aufschluss gibt über typisch rus-sische Wegvorstellungen: vom persönlichen Lebensweg bis zum "Gang ins Volk" und zum Weg der Geschichte.Das neue Buch des bekannten Sozialhistorikers und Kul-turpublizisten Felix Philipp Ingold bietet am Leitfaden russischer Wege und Wegvorstellungen einen weit ver-zweigten, über 1000 Jahre sich erstreckenden Durch-gang durch die Zivilisations- und Geistesgeschichte Russ-lands. In einem großen Eingangskapitel werden zu-nächst die geographischen und kulturellen Dimensionen des "russischen Raums" vergegenwärtigt, der sich in ei-nem allmählichen Prozess innerer Kolonisierung heraus-gebildet und das Zarenreich zum größten Staatsterritori-um der Erde gemacht hat. Die Geographie dieses Rie-senreichs hat sich prägend auf dessen Geschichts- und Wirtschaftsentwicklung ausgewirkt, aber auch auf das nationale Selbstverständnis, die Staats- und Herrschafts-struktur sowie – zum Beispiel – auf das russische Ver-ständnis von Schicksal, Arbeit, Heldentum, Heim und Heimat. Weiterhin werden die russischen Verkehrswege – Land- und Wasserstraßen, Pilger-, Reise- und Handelsrouten – in ihrer historischen Entfaltung und geographischen Spe-zifik vergegenwärtigt; unter anderem ist ausführlich die Rede von der bis heute andauernden "Wegmisere" und ihren unterschiedlichen Ursachen, von der legendären Trojka als Reisegefährt mit Wagen oder Schlitten, von nomadisierenden Landstreichern und Christusnarren, von der Einführung der Eisenbahn und deren Bedeutung für Russlands Industrialisierung. Die Rede ist aber auch von der Bedeutung der Wegsymbolik in der russischen Kultur, vom Weg als Lebenslauf, vom Gang der Ge-schichte, vom Weg des Fortschritts, vom Weg des Korns u. a. m. Ergänzt wird die ausschließlich aus russischen Quellen erarbeitete Darstellung durch eine reichhaltige Auswahl von Text- und Bildbeispielen sowie durch zwei umfängliche Exkurse zur russischen Naturpoesie und Landschaftsmalerei.
Hermenautische Erkundungen in Dantes "Commedia"
Die europäische Literatur der Neuzeit ist im Italien des 14. Jahrhunderts begründet worden. Bis heute gilt Dantes Commedia als das kühnste, sprachmächtigste Werk, das die Nachantike hervorgebracht hat.
Der Aufbruch des Dante‘schen Odysseus ins westliche Weltmeer, um am Abend seines Lebens die unbekannte Welt ›ohne Menschen‹ jenseits der untergehenden Sonne zu erkunden, steht im Mittelpunkt der hier unternommenen Explorationen in Dantes ›großem Meer des Sinns‹. Wie Odysseus bricht auch Dante zu einer ungeheuren Reise auf, um sich in einer tiefen Lebenskrise des Sinns der Welt zu vergewissern.
Doch zugleich ist der Aufbruch des imaginären Wanderers durch das Ganze der menschlichen und göttlichen Welt ein Aufbruch des Dichters Dante zu einer neuen Idee des Werks.
Biographie
Das Leben des Parodisten, Romanciers und Journalisten Robert Neumann ist für einen deutschsprachigen jüdischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts exemplarisch. Hans Wagener erzählt es in diesem spannenden und genauen Buch zum ersten Mal. 1897 in Wien geboren wurde er mit seinen Parodienbänden Mit fremden Federn (1927) und Unter falscher Flagge (1932) sowie mit neusachlichen Romanen wie Sintflut (1929) und Die Macht (1932) berühmt, ging bereits 1934 ins Exil nach London, wo er mit Romanen wie By the Waters of Babylon (1940) zum englischsprachigen Schriftsteller wurde und als Begründer des österreichischen Exil-PEN zahlreichen emigrierten Schriftstellern half. Als „enemy alien“ wurde er zeitweilig interniert. 1959 kehrte er auf den europäischen Kontinent, nach Locarno in der Schweiz, zurück. Er spielte eine führende Rolle im neu begründeten österreichischen PEN und ließ sich in eine Reihe von Fehden mit seinen Schriftstellerkollegen, vor allem von der Gruppe 47, ein. Weder sein aggressiver Stil noch sein Einsatz für die Aufrechterhaltung kultureller Kontakte mit der DDR gewannen ihm Freunde. Diese erste Biographie des kontroversen Intellektuellen zeichnet nicht nur das Wirken des Autors in der Öffentlichkeit nach, sondern auch sein privates bewegtes Leben.