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Studien
Die Humanisierung von Religion ist die Grundintention von Lessings letztem Drama. Das bedeutet: Religion ist unsere eigene Aufgabe. In der autonomen Kunst findet diese Humanisierung ihren angemessenen symbolischen Ausdruck.
Heute ist es notwendiger denn je, sich auf eine zentrale Idee der Aufklärung zu besinnen, für die in der Moderne die autonome Kunst das größte kulturelle Symbol darstellt: auf die ›Sakralität der Person‹ (H. Joas). Wolfgang Braungarts Studien, die von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwartsliteratur reichen, haben nicht nur im Blick, was man die moderne Kunstreligion nennt: die Sakralisierung der Kunst selbst. Vor allem betrachten sie ein spezifisches, im 18. Jahrhundert begründetes Verhältnis von Kunst und Religion und ein spezifisches Verständnis des Menschen. Wir müssen Religion so machen, dass sie ihrer Wahrheit, die der Mensch selbst ist, dient. Dabei muss der Gedanke der Transzendenz keineswegs notwendig verlorengehen. Die Kunst, wie sie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gedacht wird, ist nach beiden Richtungen offen: zum radikal Humanen wie zur Transzendenz.
Studien zum Verhältnis von Wissensordnungen und Erzählformen
Author: Hilmar Kallweit
Kallweit zeigt, wie dominant werdende Ordnungen des Wissens sich in kulturellen Bereichen auswirken, insbesondere in der Literatur.
Zwei historische Präzedenzfälle, situiert an der Epochenschwelle zur Frühen Neu-zeit und dem Beginn der Moderne, werden untersucht. Einerseits das Ord-nungsgerüst der »Loci communes« inner--
halb der Topica universalis humanistischer und barocker Wissenschaft, das die Rolle eines Universalschlüssels aller Wissensmaterien und Erzählkompendien gespielt hat. Andererseits die neue Anthropologie leib-seelischer Konnexion am Beginn der Moderne, die im zeitgenössischen »Studium des Menschen« für Theorie und Erzählen im Roman leitend geworden ist. Mit vielen Quellentexten und Diskursen, anhand derer die Genese dieser Vorgänge erschlossen wird, eröffnen sich Explikationen für das jeweilige kulturelle Selbstverständnis der Zeit.
Zur Kulturpoetik des Briefs um 1900 - Korrespondenzen Hugo von Hofmannsthals und Rainer Maria Rilkes
Author: Jörg Schuster
Die Epistolarkultur um 1900 ist bislang kaum erforscht worden – obwohl Autoren wie Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke immens viele Briefe verfasst haben, deren Poetizität an Prosagedichte heranreicht.
Die Studie fragt nach der produktiven kulturpoetischen Funktion dieser Briefe. Analog zum Jugendstil in der Bildenden Kunst und Architektur fungieren sie als Formen der »Gebrauchskunst«, die auf die umfassende Modernisierung reagieren. Infrage steht die Konstruktion einer Text- und Lebenswelt, die nur als ästhetische zu ertragen ist. In genauen Einzelanalysen geraten Versuche literarischer Kreisbildung und Experimente »ästhetischer Erziehung« ebenso in den Blick wie die Ökonomie des Briefs und – im Kontext einer Kulturpoetik des (Innen-) Raums um 1900 – Konzepte des »epistolaren Interieurs«.
Die Entwicklung der sprachlichen Verhältnisse in Deutschland
Author: Utz Maas
Unsere Sprache ist kein Erbe, das uns die Vorfahren überlassen haben. Die deutsche Schriftsprache ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Spracharbeit in einem sprachlich heterogenen gesellschaftlichen Raum, in dem sich eine bürgerliche Gesellschaft mit ihrer Nationalsprache herausgebildet hat. Diese Spracharbeit hatte zwei Seiten: die Integration der gesellschaftlich heterogenen Bevölkerung und die Auseinandersetzung mit der lateinischen Bildungssprache. Die gegenwärtig so heftig debattierten Fragen, die sich um den Gegensatz des Eigenen und des Fremden drehen, gehören in diese Entwicklung: der Prozess der Spracharbeit ist nicht abgeschlossen. Eine solche Sichtweise verlangt eine historische Vergewisserung. Diese will das Buch möglich machen, indem seine Darstellung von den heutigen Verhältnissen zur germanischen Frühzeit zurückgeht, und die Sprachentwicklung anhand von ausgewählten Quellen veranschaulicht.
Mit Beiträgen zu: Max von der Grün, Erich Loest, Peter Rühmkorf, Peter Schneider, Dieter Wellershoff, Eva Demski, Herta Müller, Günter Kunert, Uwe Timm, Hanns-Josef Ortheil, Friedrich Christian Delius, Anne Duden, Hartmut Lange, Wilhelm Genazino, Volker Braun, Angela Krauß, Arnold Stadler, Josef Haslinger, Marcel Beyer, Robert Schindel, Ulrich Woelk, Robert Menasse, Judith Kuckart, Werner Fritsch, Albert Ostermaier, Lea Singer, Kathrin Röggla und Doron Rabinovici.
Seit 30 Jahren besteht an der Universität Paderborn die nach Frankfurt/Main älteste Poetikdozentur in Deutschland. Sie wurde gegründet mit dem Ziel, durch die Begegnung mit Autoren und Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Einsichten in literarische Prozesse, künstlerische Eigenarten, Bedeutungs- und Wirkungsdimensionen des geschriebenen Wortes zu vermitteln, Einblicke in die Bedingungen des Schreibens selbst, in die Arbeitsweisen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern zu gewähren und von hier aus das Verständnis von Literatur zu fördern. Mit ihren selbstreflexiven Momenten bieten die in der Mehrzahl veröffentlichten Poetikvorlesungen der Paderborner Gäste eine Grundlage für die Auseinandersetzung mit ästhetischen Strukturen, Formungsweisen des literarischen Textes, Motivverdichtungen und Intentionen zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur. Diese am Werk zu rekonstruieren, ist das Ziel des Bandes »Poetologisch-poetische Interventionen: Gegenwartsliteratur schreiben«. Er enthält Beiträge von renommierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zu allen Paderborner Poetikdozenten und -dozentinnen der letzten dreißig Jahre und bietet damit einen repräsentativen Querschnitt durch die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.
Die Erfahrung des Orpheus nimmt dieser Band in einer doppelten Perspektive in den Blick: als Grenzerfahrung zwischen Tod, Liebe und Kunst sowie als Entgrenzung im Feld der Künste und zwischen Kunst und Leben.
Die Beiträge diskutieren den -ersten Sänger- dabei nicht nur in historischer Hinsicht, sondern fragen insbesondere auch nach der Valenz dieser zentralen Figur noch für die gegenwärtige Kunstproduktion und Theoriebildung.

Mit Beiträgen von: Armen Avanessian, Karl Heinz Bohrer, Gabriele Brandstetter, Franck Hofmann, Bernhard Huss, Claudio Magris, Gert Mattenklott, Tom McCarthy, Renate Schlesier, Gregor Stemmrich, Jan Völker, Birgit Wiens, Friederike Wißmann, Slavoj Zizek.
Zur Sprachlichkeit des Menschen
'Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache' – Ausgehend von diesem Satz Wilhelm von Humboldts wird noch einmal die Frage nach der sprachlichen Verfasstheit des Menschen aufgeworfen. Für Wilhelm von Humboldt war die Sprachlichkeit des Menschen die zentrale anthropologische Konstante: Der Mensch produziert sein Denken in der Dimension des Anderen mittels der Sprache, die Vielfalt der menschlichen Denkmöglichkeiten zeigt sich in der Vielfalt der Sprachen, und dies konstituiert den Menschen als Menschen. Ist diese Annahme noch aktuell? Oder muss sie vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen unserer Kultur, die die Relevanz des Sprachlichen infrage stellen, revidiert werden? In Humboldts Satz steckt heute ein erhebliches Diskussionspotential. Die Beiträge diskutieren die Sprachlichkeit des Menschen aus unterschiedlichen philosophischen, kulturtheoretischen und sprachwissenschaftlichen Perspektiven. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie es sich mit Humboldts sprachzentriertem Menschenbild in unserer Kultur verhält.
Biographie
Das Leben des Parodisten, Romanciers und Journalisten Robert Neumann ist für einen deutschsprachigen jüdischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts exemplarisch. Hans Wagener erzählt es in diesem spannenden und genauen Buch zum ersten Mal. 1897 in Wien geboren wurde er mit seinen Parodienbänden Mit fremden Federn (1927) und Unter falscher Flagge (1932) sowie mit neusachlichen Romanen wie Sintflut (1929) und Die Macht (1932) berühmt, ging bereits 1934 ins Exil nach London, wo er mit Romanen wie By the Waters of Babylon (1940) zum englischsprachigen Schriftsteller wurde und als Begründer des österreichischen Exil-PEN zahlreichen emigrierten Schriftstellern half. Als „enemy alien“ wurde er zeitweilig interniert. 1959 kehrte er auf den europäischen Kontinent, nach Locarno in der Schweiz, zurück. Er spielte eine führende Rolle im neu begründeten österreichischen PEN und ließ sich in eine Reihe von Fehden mit seinen Schriftstellerkollegen, vor allem von der Gruppe 47, ein. Weder sein aggressiver Stil noch sein Einsatz für die Aufrechterhaltung kultureller Kontakte mit der DDR gewannen ihm Freunde. Diese erste Biographie des kontroversen Intellektuellen zeichnet nicht nur das Wirken des Autors in der Öffentlichkeit nach, sondern auch sein privates bewegtes Leben.