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Zur Theatralität des Fliegens in der Frühen Neuzeit
Himmels-Falten eröffnet eine neue Perspektive auf die Geschichte der Luftfahrt, indem es das Theater der Frühen Neuzeit als einen Schauplatz aviatischer Wissensproduktion herausstellt. Die Zeitspanne von Leonardo da Vincis Flugstudien um 1500 bis zur ersten erfolgreichen Ballonfahrt durch die Montgolfière (1783) war eine Latenzzeit, in der Flug und Luftfahrt ihrer sakralen Bedeutung zunehmend enthoben, aber noch nicht im Bereich wissenschaftlicher Evidenz und technischer Realisierbarkeit angelangt sind. Wie die Studie zeigt, ist es gerade diese unscharfe Kontur des Fliegens, die in Kunst und Wissenschaft auf produktives Potenzial trifft: Der Flug wird zum Untersuchungsgegenstand und Aushängeschild der neuen Wissenschaften, zum Ansporn handwerklichen Erfindungseifers, zur beliebten Metapher in Rhetorik, Philosophie und Reiseliteratur sowie zum ästhetischen Faszinosum der Theater- und Festkultur. Viktoria Tkaczyk nimmt acht exemplarische Interferenzbereiche zwischen Flugkunst und -wissen in den Blick, so beispielsweise Leonardo da Vincis Theaterarbeit, die Einfluss auf die prominenten Flugmaschinen des italienischen Ingenieurs genommen hat.
Herausforderungen eines kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsels in den Altertumswissenschaften
Für die ägyptologische Methodik und Didaktik stellt der gegenwärtige kulturwissenschaftliche Paradigmenwechsel eine besondere Herausforderung dar. In 38 Beiträgen werden die vielfältigen epistemologischen Schwierigkeiten, aber auch die Chancen diskutiert, die sich aus dem kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel ergeben. Aus dem Gespräch von Ägyptologie, Kultur-, Geschichts- und Religionswissenschaft, Linguistik, Archäologie und Museologie ergeben sich neue Perspektiven. Nicht zuletzt gelingt es den Beiträgen, Impulse für die Entwicklung fachübergreifender Fragestellungen der verschiedensten kulturwissenschaftlichen Diskurse zu geben.
Entwurf einer kulturgenetischen Theorie
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind alle Träume vom Weltfrieden zerplatzt. Es herrscht Dauerstress und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Allen Weltfriedensordnungen, wie Francis Fukuyamas Ende der Geschichte, können nur noch Absagen erteilt werden. Einen dauerhaft kriegsfreien Zustand werden wir nie erreichen.
Die Natur der Kulturen macht klar, warum: Statt billigen Trost zu spenden, erhärtet es Mühlmanns kultur-evolutionäre These, dass Kulturen immer entweder von realen externen Stressoren attackiert werden oder auf paranoide Weise selber Stress erzeugen, der schließlich zu internen oder externen Konflikten und Aufständen führt. Was wir zur Zeit in der arabischen Welt beobachten, gibt dafür die Anschauung. Eine frühe Fassung von Die Natur der Kulturen ist 1996 erschienen und löste überall vehementen Widerspruch aus. Doch Mühlmann hat entgegen aller Kritik Recht behalten. Es fragt sich nun, ob mithilfe seiner Theorie die vergangenen und zukünftigen Konflikte des frühen 21. Jahrhunderts voraussehbar waren und sind. Im Rückblick klärt Mühlmann, ob vielleicht sogar der 11. September mit dem Modell des periodischen Wechsels von Stress und Relaxation der westlichen Kulturen hätte vorhergesehen werden müssen.
Altägyptische Zeitkonzepte
Author: Jan Assmann
Der ägyptische Zeitbegriff hat zwei Eigentümlichkeiten: erstens gibt es nicht einen, sondern zwei Begriffe für das, was wir ›Zeit‹ nennen, und zweitens können wir diese Begriffe zugleich mit ›Zeit‹ und mit ›Ewigkeit‹ wiedergeben.
Sie bezeichnen die Zeit in ihrer Gesamtheit, ihrer unabsehbaren Fülle. Jan Assmann untersucht die Bedeutung dieses dualen Zeit/Ewigkeitsbegriffs in zwei Schritten. In einem ersten, »systematischen« Teil wird diese Zweiteilung der Zeit aus der Aspektopposition des ägyptischen Verbalsystems abgeleitet, das sich nicht, wie das uns vertraute auf die drei Zeitstufen Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft, sondern auf die zwei Aspekte Imperfektiv/Perfektiv (unabgeschlossen/abgeschlossen) bezieht und mit verschiedenen Symbolisierungen und Personifikationen in Verbindung gebracht. Die eine Zeit der unendlich in sich kreisenden Bewegung, aus der die Zeiteinheiten der Stunden, Tage, Monate, Jahre hervorgehen ist die »Sternzeit«, die Zeit des Sonnengottes, die andere Zeit der unwandelbaren Dauer ist die »Steinzeit«, die Zeit des Osiris.
Im zweiten, historischen Teil untersucht Assmann den grundlegenden Wandel des ägyptischen Zeitdenkens in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v.Chr. Die aus der Bewegung der Sonne um die Erde ausströmende Sternzeit füllt sich immer mehr mit dem Inhalt von Schicksal und Geschichte, die Zeit, und mit ihr das menschliche Leben und das Geschick des Landes, wird »in Gottes Händen« gedacht.
Der dritte Teil behandelt anhand der Vorstellungen vom Ende die Unterscheidung und den Zusammenhang von linearer und zyklischer Zeit, Irreversibilität und Reversibilität.
Zum architektonischen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Eine Kulturgeschichte
Ausgehend von der These, dass Architektur als eine kulturelle Technik Räume und Gebäude plant und gestaltet, in denen - wie man mit Hans Blumenberg sagen könnte - »Haltungen und Verhaltungen« einer Gesellschaft zum Ausdruck kommen, stellt dieses Buch die konkreten institutionalisierten Räume, in denen in unserer Gesellschaft ganz überwiegend gestorben und getrauert wird, detailliert vor.
Im Hintergrund steht dabei die Frage, was sich an dem architektonischen Material über unseren Umgang mit Sterben, Trauer und Bestattung ablesen läßt.

Völker, Reiche und Namen stehen als Marksteine des Übergangs von der Spätantike zum frühen Mittelalter im Zentrum dieses Bandes.
Dabei werden Fragen bezüglich der Bedingungen von Staatlichkeit und der Identität der Völker sowie verschiedene Faktoren, die auf die Reichsbildungen einwirkten, wie z.B. Eliten, Legitimationsstiftung, Akkulturation, Christianisierung, untersucht und diskutiert.
Eine andere Kulturgeschichte des Fliegens
Eine ›andere‹ Kulturgeschichte des Fliegens, wie sie im vorliegenden Buch rekonstruiert wird, offenbart, dass sich der scheinbar antiquierte Terminus des Wunders bis in die Fundamente der modernen Wissenskultur zieht. In der einschlägigen Historiographie wird die Geschichte des Fliegens als eine lineare Erzählung dargestellt – von den Wachsflügeln des Ikarus bis zum Atlantikflug. Doch die historischen Spuren des Flugdiskurses zeugen von einer anderen Erzählung. In der ’Kunst des Fliegens’ hat sich – ganz entgegen den rationalistischen Zuschreibungen der Technikgeschichte – ein tiefsitzender Wunderglaube erhalten.
Ein Portrait
Author: Kurt Meyer
Als europäischer Historiker des 19. Jahrhunderts übt der Basler Jacob Burckhardt bis heute eine ungebrochene Faszination aus. Burckhardt war mehr als ein politischer Historiker, er war Kulturhistoriker und Pionier der Kunstgeschichte – aus einer riesigen Photosammlung hat er ein erstes musée imaginaire geschaffen. Das vorliegende Portrait zeigt das vielschichtige Werk in seinen Spannungen und Polaritäten: Kritisch wendet sich Burckhardt gegen die Aufbruchstimmung seiner Zeit, gegen Fortschrittsoptimismus und Demokratisierung, gegen Massenkultur und Nationalismus. Bei ihm, dem konservativen Denker, gingen auch Antimodernismus und Antisemitismus Hand in Hand. Diese erste, an ein großes Publikum adressierte Biografie und komplette Werkschau mit zum Teil nie gesehenen Bildern offenbart: Burckhardt ist alles andere als ein grauer Fachgelehrter gewesen.
Der Verfasser Konrad von Mure (1210–1281), Kanoniker und Lehrer am Züricher Großmünster, gehört zu jenen wichtigen, jedoch unverdienterweise lange Zeit wenig untersuchten lateinischen Schriftstellern am Übergang zum Spätmittelalter, deren wissenschaftliches Œuvre erst in den letzten Dezennien wieder Aufmerksamkeit und zunehmende Anerkennung gefunden hat. Sein umfangreiches Lehrgedicht Novus Grecismus besteht aus einem ersten größeren Haupteil grammatischlexikographischen Charakters, in dem Formenlehre, lateinischer und im beträchtlichen Ausmaß auch griechischer Wortschatz, dann Prosodie, Figuren- und Tropenlehre nacheinander ausgeführt werden. Der zweite, kleinere Hauptteil vermittelt Realienkunde natur- und humanwissenschaftlicher Art vieler Gebiete. Dieses sehr reiche Wissensgut kompilierte Konrad hauptsächlich aus antiken Autoren und aus den Standardwerken des Früh- und Hochmittelalters, die er auf eine vielfach innovative Art zu kombinieren vermochte.
Text, Übersetzung, Kommentar
Die in drei Handschriften überlieferte Vita Meinwerci ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. In diesem Werk werden die Grenzen des mittelalterlichen Vitengenres weit überschritten. Der Text erweist sich als eine geschickte Zusammensetzung aus verschiedenen Elementen: Er vereint Biographisches und Historiographisches, zeigt Charakterzüge eines Erbauungsbuches, dient zudem in gewisser Weise auch als ein Güterverzeichnis der Paderborner Kirche sowie als Gründungsbericht des Benediktinerklosters St. Peter und Paul, genannt Abdinghof. Über ihre unbestrittene Bedeutung für die Stadtgeschichte Paderborns hinaus lassen sich aus der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts geschriebenen Vita Meinwerci auch Kenntnisse für die Geschichte des mittelalterlichen Reiches gewinnen. Der Band stellt die erste zweisprachige Ausgabe dieses Textes zur Verfügung.