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Author: Thomas Macho
»Was tun Sie, wenn Sie einen Menschen lieben?«, wird Herr Keuner gefragt. Brecht lässt ihn antworten: »Ich mache einen Entwurf von ihm, und sorge, dass er ihm ähnlich wird«, natürlich nicht der Entwurf, sondern der Mensch.
Vorbilder sind Puppen, Masken, Modelle; sie sind Götter, Stars, Prominente, und sie überzeugen ihr Publikum als Maßstäbe, Phantasmen, Ideale. Vorbilder verkörpern, was zur Wirklichkeit treibt. In ihnen manifestiert sich ein unbedingter Wille zur Realität.
Auch wenn diese Realität im eigenen Tod gipfelt.
Phänomenologie der Geschlechtlichkeit bei Beauvoir, Irigaray und Butler
Author: Silvia Stoller
Silvia Stoller setzt sich mit philosophischen Geschlechtertheorien des 20. Jahrhunderts auseinander, um sie mit der Phänomenologie Maurice Merleau-Pontys einer Neulektüre zu unterziehen. Wie sieht eine Geschlechtertheorie aus, die die Einsichten der modernen Geschlechterforschung mittels der klassischen Phänomenologie bearbeitet? Existenz, Differenz, Konstruktion fanden als Leitbegriffe des 20. Jahrhunderts auch Eingang in die philosophische Geschlechterforschung. Simone de Beauvoir (Existenz), Luce Irigaray (Differenz) und Judith Butler (Konstruktion) sind ihre prominenten Vertreterinnen. Wurden sie bislang als Gegensätze rezipiert, geht diese Studie einen ganz anderen Weg: Existenz, Differenz und Konstruktion schließen einander nicht aus, sondern finden ihren Ort in einer Phänomenologie der Geschlechtlichkeit. Neue Perspektiven für die Phänomenologie und die Gender Studies erschließen sich.
Poetik der Evolution
Author: Kyung-Ho Cha
Mimikry ist eines der bekanntesten Phänomene in der Geschichte der Evolutionsbiologie. Der Begriff bezeichnet ursprünglich die täuschende Ähnlichkeit eines Insekts mit einer anderen Art oder seiner Umgebung. Um 1900 beschäftigen sich Literaten und Humanwissenschaftler mit der Frage, ob eine menschliche Mimikry existiert und welche Bedeutung ihr für das gesellschaftliche Zusammenleben zu kommt. In Gedankenexperimenten, Theorien und literarischen Texten entsteht so der wissenschaftliche Mythos der Humanmimikry, dem ein mitunter fantastisches Menschenbild zugrunde liegt: Dem Menschen wird die Fähigkeit zugeschrieben, sich perfekt an die soziale Umwelt anpassen zu können, bis er sich weder physisch noch psychisch von seinen Mitmenschen unterscheiden lässt. Kyung-Ho Cha verortet die Humanmimikry im wissenschaftshistorischen Kontext der lamarckistischen Evolutionsbiologie und analysiert die epistemischen und poetologischen Voraussetzungen, die ihre Entstehung und Verbreitung in der Literatur und im Wissen vom Menschen auf der Schwelle zum 20. Jahrhundert ermöglichen.
Philosophie und Malerei in der Renaissance
Es gibt keinen Philosophen, der nicht dichtet und malt (fingit et pingit), schreibt Giordano Bruno am Ende einer Epoche der europäischen Kulturgeschichte, in der die Maler malend und schreibend über die Malerei reflektieren und Philosophen das Bild an der Grenze des begrifflichen Denkens neu in den Blick nehmen. Das Buch präsentiert Studien zum wechselseitigen Verhältnis von theoretischer Reflexion und künstlerischer Praxis der Malerei in der Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen die italienische Malerei des Quattrocento, der nordische Realismus – und ihr Verhältnis zueinander.
Innovationen in Soziologie und Sozialphilosophie
In der Funktion des »Dritten« liegt das Potential für eine weitreichende Umstellung der Sozialtheorie. In erkenntnistheoretischer und ethischer Hinsicht ist der Dritte konstitutiv für Subjektbildung, Sozialitätsgenese und Wissenserzeugung.
Die systematische soziologische wie sozialphilosophische Reflexion auf den Status triadischer Intersubjektivität eröffnet neue Perspektiven, wenn es um die Bestimmung der Grenzen des Sozialen, den Übergang von der Interaktion zur Institutionalisierung und umgekehrt um die Rückbindung sozialer Systeme an die konkrete Beziehung geht. Der Dritte erzeugt Differenz, stabilisiert und stört soziale Relationen, stiftet Spielraum und Gerechtigkeit. Insofern ist der sozialtheoretische Paradigmenwechsel vom »Anderen« zum »Dritten« relevant sowohl in ethisch-politischer wie in epistemologischer Hinsicht.
Über das alte Vorurteil für das Neue. Festschrift für Walther Ch. Zimmerli zum 65. Geburtstag
Walther Ch. Zimmerlis philosophische Bemühungen sind von Grenzgängen zwischen und Überschreitungen von Disziplinen gekennzeichnet und von der Grundüberzeugung getragen, dass Philosophie sich einzumischen und einzubringen hat.
Sie muss sich also mit den Lebensfragen der Menschen selbst auseinandersetzen. Zimmerlis philosophisches Ziel ist immer, die Problemlösungsqualität zu steigern. Um dies zu erreichen haben ihn Zeit seines akademischen Lebens weder disziplinäre Grenzen noch systematische Zuordnungen interessiert, sondern er hat Fragen der Technikbewertung (z.B. Kernenergie), der gentechnisch verfahrenden Biotechnologie (sog. Life Sciences), des Umgangs mit Computern philosophisch thematisiert. Bezugspunkt dabei war stets die öffentliche Vernunft als ein abwägendes Bemühen, politische Willensbildung, ökonomische Interessen, technologischen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung mit ihrer lebensweltlich unterschiedlichen Kommunikativität aufeinander zu beziehen und das bessere Argument zur Geltung zu bringen. Sich im öffentlichen Raum zu bewegen, heißt für ihn, begründet Position zu beziehen, reflektiert Gestaltungsspielräume auszunutzen und persönliche Verantwortung zu übernehmen. Davon ist sowohl seine akademische als auch seine hochschulpolitische Karriere sowie seine Tätigkeit in der Wirtschaft geprägt. Allen Bestrebungen gemeinsam ist die Suche nach Neuem und die Frage, wie es entsteht? Handlungsleitend für Walther Ch. Zimmerli war und ist aber stets, ob und wie diese Innovationen eine Verbesserung für die Menschen in Gegenwart und Zukunft darstellen.

Author: Karen Gloy
Karen Gloys neues Buch geht der Funktion und Geschichte der Begriffe Individual- und Kollektivbewußtsein nach - Begriffe, die heute wegen ihrer politischsoziologischen Bedeutung und der geschichtlichen Entwicklung im 20. Jahrhunderts kaum noch unbelastet gebraucht werden können.
Wie lassen sich Fiktion und Wissen nicht als Gegensätze, sondern in ihrer strukturellen Verschränktheit fassen, das Fiktive nicht als Gegensatz, sondern als Mitgift von Wissen erfahren? Der Streit um die Wissenskultur in der abendländischen Tradition ist seit Platon nicht geringer geworden. Die Rede von harten und weichen Wissenschaften hält an. Die Texte des IV. Bands der Zürcher Gespräche haben in diesem Sinne eine politische Implikation. Sie richten sich gegen eine Reduktion der Wirklichkeit auf das rational Wissbare. Sie zeigen, wie die Rezeptivität der Sinne und die Produktivität des Verstandes als gleichwertige Instrumente der Erkenntnisgewinnung zusammenwirken. Anhand der Kraft metaphorischer Sprache, anhand narrativer Performanz, anhand von Dichtung und Mythen wird gefragt nach Figuren und Wirksamkeiten des Fiktiven.
Die Geschichte - immer noch eine "Lehrmeisterin des Lebens"?
Unter dem Titel Gesellschaftliche Evolution und gegenwärtige Praxis macht Rüdiger Landfester einen Vorschlag, wie der alten Überzeugung, von einem Studium der Geschichte lebenswichtige Belehrungen erwarten zu können, ein auch gegenwärtig immer noch bedenkens- und befolgenswerter Sinn gegeben werden könnte. Das Scheitern des realsozialistischen politischen Ordnungsexperiments in den Staaten des ehemaligen Ostblocks verstärkte verständlicherweise die Skepsis nicht nur gegenüber der von Karl Marx inspirierten, sondern auch gegenüber jeder anderen Bemühung um eine ebenso geschichtsphilosophisch begründete wie universalhistorisch erfahrungshaltige Deutung des Geschichtsverlaufs. Die Folge war ein weitgehender Abbruch der in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bis dahin immer noch lebhaft geführten Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Projekts. Das befreite zweifellos noch einmal mehr von ideologischen Voreingenommenheiten, ließ nun aber auch umso mehr eine Grundorientierung vermissen, mit deren Hilfe die sprachlich wie sachlich sich immer mehr spezialisierende Einzelforschung überblickt und in praktisch gewinnbringender Absicht zur Kenntnis genommen werden konnte. Die hier vorgestellte Abhandlung möchte dazu anregen, die Suche danach entgegen dem herrschenden Trend wieder aufzunehmen und einen möglichen Weg dazu zur Diskussion zu stellen. Daneben und in engstem Zusammenhang damit ist es zum einen das besondere Anliegen des Verfassers, nach einer Phase der Überakzentuierung teils wirtschafts- und sozialgeschichtlicher und teils ideengeschichtlicher Erklärungsgründe für den Gang der Ereignisse dafür zu plädieren, dem Problem der politischen Ordnung im Prozeß der gesellschaftlichen Evolution wieder die ihm angemessene Beachtung zu schenken. Zum anderen geht es ihm darum behilflich zu sein, sich im gegenwärtig entbrannten „Kampf der Kulturen“ nicht nur der außergewöhnlichen Genese, sondern auch der praktisch wie moralisch überlegenen Instruktivität des europäischen Modernisierungspfades zu vergewissern und damit ein Gegenmittel gegen immobilisierende Selbstzweifel und die Versuchung zu verschaffen, sich durch multikulturelle Anbiederungsversuche oder gegenaufklärerische Regressionen zu entlasten. Wenn der europäische Weg dabei als einer des – noch unvollkommenen, aber doch schon unbezweifelbaren – politischen Freiheitsgewinns identifiziert wird, dann allerdings keinesfalls in dem bis zur Karikatur verkürzten Sinn, wie er von durchsichtig interessierten Vertretern liberaler oder neoliberaler Überzeugungen auch derzeit wieder nahegelegt zu werden pflegt.
Author: Karen Gloy
Karen Gloy legt eine packende Geschichte der Zeittheorie vor, die von Platon, Aristoteles und Plotin, über Augustin, Newton und Kant bis zu Husserl und Heidegger reicht. Ihr Buch zeichnet sich durch detaillierte Einzelinterpretationen der eminenten Zeittheoretiker aus, stellt diese aber in einen übergreifenden geschichtlichen Zusammenhang.