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Rhetorische Grundlagen, poetische Konzepte, philologische Metaphorik, 1700-2000
Author: Marcel Lepper
Die Konjunktur von Ressourcenfragen in den Philologien gibt Anlass, einen Schritt zurückzutreten und nach der älteren Metapher zu fragen: nach der rhetorischen, poetischen und philologischen »Quelle«.
Etabliert sich die »Quelle« als Terminus im engeren Sinne tatsächlich erst in den verwissenschaftlichten Philologien des 19. Jahrhunderts? Wie stark überlagert der romantische und postromantische Leitdiskurs alternative Quellenverständnisse? Je genauer man hinsieht, desto deutlicher erweist sich die Quellenmetapher als hintergründig, vielschichtig, problematisch. Wo verflacht die Rede von der Quelle in der Metaphernvergessenheit der Hilfswissenschaften? Wo wird das Versprechen der Unerschöpflichkeit zur Zumutung und Bedrohung? An welcher Stelle kommt das Ressourcenverständnis als Gegenszenario ins Spiel?
Lichtenbergs Schreibszene
Author: Rüdiger Campe
Im Mittelpunkt der Studie steht die Rekonstruktion des Schreibverfahrens in Lichtenbergs Sudelbüchern, in denen der Physiker, Philosoph und Literat von 1765 bis zu seinem Tod 1799 Notizen verschiedenster Art zusammentrug. Das „Buch, in das ich alles eintrage“, wird Schauplatz einer Evidenzerzeugung, wie sie zwischen Descartes und Kant Programm war. Im Schreibverfahren Lichtenbergs erreicht die Zeit der Evidenz einen Höhepunkt, sie stößt aber auch an ihre Grenze.
Ältere Arbeiten Campes sind in diesem Buch mit neuen zu einer in sich geschlossenen Studie zusammengefügt. Das methodische Konzept der „Schreibszene“, mit dem Autorschaft und Kreativität in Wissenschaft und Literatur neu zu durchdenken sind, wird an literarischen Aufsätzen und Experimentalberichten erprobt. Im Fokus stehen aber Lichtenbergs Sudelbücher: Hier ist exemplarisch zu beobachten, wie etwas, das wohl nie als Werk geplant war, für uns heute aber Lichtenbergs wichtigstes Werk darstellt, Gestalt annimmt.
Der literarische Institutionendiskurs seit der Aufklärung
Literatur hat seit der Aufklärung in den öffentlichen Debatten ganz wesentlich zur Erkundung, Kritik und Legitimierung von Institutionen beigetragen. Im Anschluss an die äußerst produktive Forschung zur Gattung des „Institutionenromans“, wie er sich während der klassischen Moderne bei Autoren wie Robert Walser, Franz Kafka und Robert Musil auf paradigmatische Weise herausbildet, soll dieser Sammelband das Verhältnis von Literatur und Institution in einem möglichst weit gesteckten diskurs- und gattungsgeschichtlichen Kontext neu auf den Prüfstand stellen.
Mit Beiträgen von Rüdiger Campe, Benjamin Bühler, Rupert Gaderer, Anja Gerigk, Ulrich Kinzel, Andrea Krauss, Karin Krauthausen, Johannes Lehmann, Clemens Pornschlegel, Patrick Primavesi, Adrian Robanus, Mareike Schildmann, Marcus Twellmann und Martina Wernli.
Verliebtheit, Liebe und Übertragung bei Gottfried Keller
Die Studie beschäftigt sich erstmals dezidiert mit dem Thema Liebe bei Gottfried Keller und untersucht zu diesem Zweck kontrastierend zwei Novellensammlungen, die zusammen Früh- und Spätwerk des Autors umgreifen („Die Leute von Seldwyla“ und „Das Sinngedicht“). Damit soll nicht nur ein Beitrag zur Kellerforschung geleistet, sondern darüber hinaus auch der Versuch unternommen werden, den theoretischen Rahmen von literaturwissenschaftlichen Liebesstudien mit Hilfe der Psychoanalyse zu erweitern. Mit Freud und Lacan wird deutlich, was für ein großer Sprung es von den Verliebtheitsgeschichten der am Imaginären haftenden Seldwyler zur Liebe als symbolischer Sinnverdichtung ist. Wenn es stimmt, dass Kellers „Sinngedicht“ ein Buch über Übertragung ist, dann kann diese Studie zuletzt auch ein Licht auf die literarische Vorgeschichte der Psychoanalyse werfen, die sich für Liebesgeschichten fortan nicht nur zuständig erklärt, sondern die daraus sogar ihre Behandlungstechnik ableitet.
Author: Michaela Hartl
Das Buch analysiert Robert Walsers Romane „Geschwister Tanner“ (1907), „Der Gehülfe“ (1908) und „Jakob von Gunten“ (1909). Walser überwand traditionelle Romanformen und entwickelte ein zeitgemäßes Erzählen wesentlich im Austausch mit seinen kleinen literarischen Formen. Hierdurch gewannen seine Romane ästhetische Innovationskraft. Walsers Romane befassen sich zudem höchst reflexiv mit Gattungsnormen und reflektieren stets, was in einem Wertungsdenken als anerkannte (‚große‘) Literatur gilt. Der Bildungsroman in der Nachfolge Goethes, der realistische Roman Gottfried Kellers und die klassische Autobiographie sind etablierte literarische Gattungen, mit denen sich Walsers Romane kritisch auseinandersetzen. In einer doppelten Perspektive werden sie daher als ‚große, kleine‘ Romane erfasst.
Literatur, Kunst und Wissenschaftsphilosophie
Das Buch handelt von Hermann Broch im Kontext der österreichischen Moderne seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei werden Brochs Beziehungen zur Literatur, Philosophie, Malerei und Musik herausgestellt. In der Literatur sind es Franz Kafka, Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus, in der Philosophie der Wiener Kreis, bei deren Hauptvertretern er studierte, in der Musik sind es Arnold Schönberg und Alban Berg, die ihn faszinieren, und in der Malerei sind es Anton Faistauer und Georg Merkel, die seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei ist aber in der Literatur und der Malerei auch der europäische Kontext zu erwähnen und da spielen zum einen James Joyce, zum anderen Pablo Picasso Hauptrollen. Sowohl das Romanwerk wie die Essays Brochs stehen im Mittelpunkt des Interesses.
Zur poetischen Argumentation in Nietzsches Also sprach Zarathustra
Die Studie präsentiert eine neue Lektüre von Nietzsches philosophischem Hauptwerk „Also sprach Zarathustra“. Der Text hat seit seinem ersten Erscheinen (1883–1885) extreme und stark divergierende Reaktionen hervorgerufen: Galt Nietzsche um 1900 als ‚Dichter-Philosoph‘, so bot zugleich die anti-demokratische und elitistische Haltung Anlass für vehemente politische Kritik. Die französische Philosophie der 1960er und -70er Jahre fand in Nietzsche hingegen den Kritiker und Freigeist par excellence. Den Sprachwitz von Nietzsches Text sowie dessen ironischen und parodistischen Charakter betonten poststrukturalistische Lesarten der 1980er und -90er Jahre. Vor dem Hintergrund einer bis heute fortwirkenden Spannung zwischen dekonstruktiven und hermeneutischen Zugriffen auf den Text unternimmt die Studie eine neue und konsequente Rekonstruktion der eigenwilligen Poetik von „Also sprach Zarathustra“.
Dieses Buch untersucht erstmals die Frage des Pathos in Sebalds Selbstverständnis und Rezeption.
Es beleuchtet das Verhältnis zwischen Sebalds Stilideal der unpathetischen, leidenschaftslosen Rede und seiner Ethik der Mitleidenschaft, der Em-Pathie als Protest gegen politische A-Pathie. Pathos ist hier kein Verstoß gegen den guten „ethisch-ästhetischen“ Geschmack, sondern eine zentrale Dimension seines elegischen Werks im Zeichen der Shoah. Im Lichte von Aby Warburgs Begriff der Pathosformel, die die Ausdrucksintensität zugleich steigert und zähmt, werden Sebalds vieldiskutierter Gebrauch von dokumentarischem Material und Bildern, aber auch diskretere Motive wie Körpergebärden und die Bezüge zu Film, Theater und Oper als Formen des Pathos neu gelesen.
Series Editors: Felix Christen and Martin Vöhler
Das HÖLDERLIN-JAHRBUCH steht seit mehr als 60 Jahren im Zentrum der internationalen Hölderlin-Forschung. In ihm werden die alle zwei Jahre von der Hölderlin-Gesellschaft veranstalteten Jahresversammlungen mit ihren Vorträgen und Berichten aus Arbeitsgruppen und Foren dokumentiert.
Weitere aktuelle Forschungsbeiträge zu Hölderlin, seinem Umfeld und der Rezeption seiner Werke sowie Rezensionen und Forschungsüberblicke zu spezielleren Themen spiegeln das weite Spektrum der wissenschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzung mit Hölderlin wider. Das Jahrbuch wird im Auftrag des Vorstands der Hölderlin-Gesellschaft von Sabine Doering (Germanistik), Michael Franz (Philosophie) und Martin Vöhler (Klassische Philologie, Germanistik) herausgegeben.
Zur politischen Idee der Germanistik 1806-1848
Author: Christian Lück
Viele namhafte Intellektuelle, Dichter, Juristen, Historiker, Philologen waren um 1800 von dem Gedanken besessen, dass ein deutscher Nationalstaat nur durch die Überwindung des »fremden« römischen Rechts und Wiederherstellung eines »einheimischen« Rechts erreicht werden könnte.
Noch 1846 hielt das spätere Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Georg Beseler das Römische Recht für ein »Nationalunglück«. Damit schrieb er einen Gedanken fort, der mit Beginn der »Deutschen Bewegung« im 18. Jahrhundert vorgetragen wurde. Christian Lück untersucht den Diskurs von Justus Möser, der um 1770 Goethe und Herder wichtige Anregungen geliefert hat, über Savignys Historische Rechtsschule, die politische Romantik, Fichte, Kleist, Adam Müller, die Gebrüder Grimm bis zum Germanistentag 1846. Die Studien verstehen sich als Beitrag zur Gründungsgeschichte der Germanistik als historischer Wissenschaft des Deutschen.