Logik - Rhetorik - Ästhetik
Wie schön muss die Philosophie sein, wenn es ihr um die Kunst geht? Und wie schön darf sie sein, wenn sie die Kunst als Weg zur Freiheit behaupten möchte? Friedrich Schiller gab mit seinem philosophischen Stil auf diese wichtigen Fragen durchaus überraschende Antworten.
Mit Form und Stil seiner Philosophie brüskierte Friedrich Schiller die Erwartungen seiner Zeitgenossen. Bis heute wirft das faszinierend Ungewöhnliche seines philosophischen Schrifttums etliche Fragen auf, besonders hinsichtlich der Verknüpfung von poetischen, rhetorischen oder im engeren Sinne philosophischen Elementen. Die Studie rekonstruiert, nicht zuletzt anhand von bisher unberücksichtigten Quellen zu Logik und Rhetorik, die Voraussetzungen und Normen von Schillers Denkbewegungen. Aber sie verortet die Erkenntnisse zugleich im Kontext der Debatten darüber, wie komplexe neue philosophische Gedanken an ein breites Publikum zu vermitteln sind – um somit die Bedeutung der Form für eine Philosophie zu ergründen, die der Kunst eine unabdingbare Funktion in der Gesellschaft garantieren möchte.
Risiko und Erzählstruktur
Volume Editors: Wolfram Ette and Bernhard Teuber
Was ist überhaupt ein Glücksritter? Was ist ein Abenteurer oder eine Abenteurerin? Und wie erzählt man deren Geschichten? Der vorliegende Band dokumentiert Antworten, die im Umfeld der Forschungsgruppe „Philologie des Abenteuers“ auf solche Fragen gefunden wurden.
Es werden aufschlussreiche Stationen aus der Geschichte der Abenteuerliteratur beleuchtet. Anhebend mit der innovativen Figur des mittelalterlichen Ritters, der freiwillig in die Fremde zieht, um dort sein Glück zu finden – Reichtum, sozialer Status, erotische Erfüllung –, schlägt die Ringvorlesung einen großen historischen Bogen, der über die Übersteigerungen und parodistischen Brechungen der frühen Neuzeit, über Vagabunden und Entdecker bis zu Alltagsabenteurern und den invertierten Helden Kafkas führt.
Religionsphilosophie von Kant zu Nietzsche
Author: Edith Düsing
Es geht um die bis heute währende Auseinandersetzung zwischen Atheismus und Religionsphilosophie. Im Ausgang von Kants Kritik des Atheismus und seiner ethisch fundierten Gotteslehre wird eine Typik von Denkformen des Atheismus entworfen. Anhand dieser Typik kann die Eigenart von Nietzsches Atheismus herauskristallisiert werden.
Des Näheren wird Nietzsches Verfremdung von Kants Gottespostulat untersucht. Grundstürzende Konsequenz ist Nietzsches Voraussicht des europäischen Nihilismus. In Entsprechung zu Nietzsches Destruktion der Gottesidee steht die von ihm konsequent zu Ende gedachte und in der Folgelast gefährliche Umkehr der Tradition der Geistseele zur Tierseele des Menschen. Dieser düsteren Prophetie werden klassische Modelle des Verhältnisses von Gott und Ich bei Fichte, bei Hegel, bei Hölderlin und Kierkegaard in ihrer argumentativen Klarheit und Überzeugungskraft entgegengestellt.
Symbols of Order in Eric Voegelin’s Order and History, Vol. I
Since the publication of the German edition of Israel and Revelation a noteworthy turnaround in the method of conducting research on this book has taken place.
The innovation consisted of bringing its interdisciplinary nature into greater relief, an aim which is further pursued by the essays collected in the present volume. Its four thematic sections focus respectively on civilization forms, on the order of human history, on specific aspects of Old Testament exegesis, and finally on the meaning of the term “revelation” in the context of the biblical events narrated.
Die Bedeutung von materiellen Artefakten, die in ihrer Form unverändert bleiben, kann sich durch räumliche Bezüge und durch den Wechsel des Kontexts verändern. In diesem Band werden räumliche, historische, topographische und diskursive Kontextwechsel in Fallbeispielen analysiert und deren Bedeutungen und Überschneidungen kritisch reflektiert. So zeigen Artefakte der Antike, wie Bildwerke gezielt aus ihren ursprünglichen Aufstellungskontexten herausgelöst und neu integriert worden sind, wobei dies entsprechend oder entgegen der älteren Verwendung geschehen konnte. Für die Neuzeit lässt sich zeigen, dass sich durch die Sammlung und die Anordnung von Artefakten Wissenssysteme etablieren und stabilisieren lassen.
Forensik des Vergessens in Literatur, Comic, Theater und Film
Der mythologische Fluss Lethe dient als Leitmotiv für das Aufspüren diverser medialer Strategien zum Vergessen in Lyrik, Prosa, Comic, Theater und Film. In Anlehnung an forensische Verfahren zeichnet sich eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Erinnerungsdiskursen zum vergangenen Jahrhundert ab.
Ermittelt werden poetisch profilierte Widersprüche, prosaische Ausdrucksformen von Demenz, mittels topografischer Projektionen sowie als Umwertung eines gemeinhin belastenden Vergessens. In Comics (ver)bergen gerade die grafischen Flächen ein raffiniertes Wechselspiel von Ein- und Ausblendungen, das mit verbalen Hinweisen kollaboriert. Auf und abseits der Theaterbühne wird nach Augenzeugen und Dokumenten gefahndet, während sich im Film gesellschafts- wie medienhistorisch bedingte Steuerungen ausmachen lassen, die von einem komplexen Wertewandel des Gedenkens zeugen. Über die literarisch erarbeitete Geschichtsvergessenheit in ihrer ukrainischen Heimat berichtet abschließend die Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk.
Dantes Commedia verdankt ihre anhaltende Faszination einer zeitgenössisch bereits wahrgenommenen, aber in der Forschung bislang kaum gewürdigten Poetik des Ungesagten.
In Auseinandersetzung mit politischen und religiösen Begrenzungen der Rede verleiht Dante den ungesagt bleibenden Dingen mit poetischen Mitteln eine neue Form. Die Leerstelle zieht die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich und fordert zum Kommentar heraus. An ihr entzündet sich eine potentiell gefährliche Lust am Lesen. Dantes Momente des Schweigens begründen die Resonanz seines Werks mit der jeweiligen Gegenwart. Mit dem Ungesagten reklamiert Dante für die profane volkssprachliche Dichtung eine Dimension von Textualität, wie sie sonst nur der Heiligen Schrift zukommt und die Erich Auerbach als Stilart des Alten Testaments bezeichnet hat.
Produktion in Skandinavien und Rezeption im deutschsprachigen Raum
Im skandinavischen Kriminalroman dringt das Verbrechen meist von außen in die Gesellschaft ein und insbesondere Russland gilt als Ursprungsort des Bösen. Damit leistet diese auf dem deutschsprachigen Buchmarkt äußerst populäre Gattung eine Fremdbeschreibung Russlands, die sowohl in Skandinavien als auch Deutschland breit rezipiert wird. Die zentrale Fragestellung dieses Buches geht den Produktions- und Transfermechanismen nach, die bei der Übernahme gesellschaftspolitischer Diskurse und Kontaktereignisse in die Fiktion zum Tragen kommen. Welche Elemente werden für die Beschreibung russischer Figuren verwendet, welche Veränderung erfahren sie über den Zeitraum der letzten fünfzig Jahre und wie vermischen die Erzählungen dabei Fakten und Fiktion? Zusätzlich werden auch die Vermarktungsstrategien bei der Übersetzung ins Deutsche analysiert, sodass anhand dieser Transferkette auch die Distributionswege von Stereotypen offengelegt werden können.
Weiße Identitäten in der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie
Author: Leena Crasemann
In kolonialen Projekten produzierten jahrzehntelang europäische Länder ungezählte fotografische Aufnahmen von Menschen anderer Kulturen. Wie befasst sich eine jüngere fotografische Praxis mit dem kolonialen Bildererbe und den visuellen Einschreibungen topischer, auch kunsthistorischer Motive in diesem weit verzweigten und in diversen Archiven und Sammlungen lagernden Bildkorpus? Im Zuge des postcolonial turn sind künstlerische Fotoarbeiten entstanden, die sich mit den diversen Implikationen weißer Darstellungsmacht befassen. Die fotogeschichtlichen Bedingungen sind der Bezugsrahmen dieser Aufnahmen. Wenn eine Bildkritik dadurch charakterisiert ist, dass sie visuelle Konventionen hinterfragt, Normen destabilisiert, Darstellungsmuster durchbricht, dann steht zu fragen, inwiefern die Positionen der Gegenwart eine Blickumkehr vornehmen, um weiße Identitäten mittels Fotografie kritisch zu perspektivieren: Wie wird Weißsein im fotografischen Bild dargestellt und wie funktioniert dessen machtvolle Aufladung, auch jenseits des fotografischen Rahmens? Welche Rolle kommt dem bildgebenden Verfahren der Fotografie zu, um das Unmarkierte sichtbar zu machen?
„Weltliteratur in der longue durée“ ist eine Zusammenschau weltliterarischer Fallstudien aus den letzten zehn Jahren.
Einerseits greifen sie bestehende Diskussionen auf, andererseits denken sie darüber nach, wie Theorien zur Weltliteratur in Zeiten von Migration und Globalisierung aussehen könnten. Welche Rolle spielen Mobilität, Übersetzungen und die doppelte Zugehörigkeit von Texten zu einer lokalen wie auch weltliterarischen Tradition? Wie lässt sich Weltliteratur außerhalb des Kanons denken? Ausgehend von diesen Fragen rücken Aspekte wie Mündlichkeit, Eurozentrismus, Institutionalisierung, Kanon und Wertung in den Blick. Dabei liegt die Besonderheit des Bandes nicht nur in der zeitlichen Verlängerung eines Konzepts von Weltliteratur, der „longue durée“, sondern auch in dem interdisziplinären Zugang aus Perspektive der Literatur- und Medienwissenschaften, der Ethnologie und der Folkloristik.