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Author: Philipp Weber
Etwa um 1800 kommt es zu einem konstitutiven und irreduziblen Bruch mit der Vorstellung des Kosmos. Hieraus folgt ein signifikantes und kritisches Ineinanderwirken von wissenschaftlichen, philosophischen und ästhetischen Diskursen.
Der Kollaps kosmologischer Vorstellungen veranlasst das Ich, das sich nunmehr selbst begreift, zu grundlegend veränderten Darstellungsweisen. Diesen Zusammenhang, so die These der Untersuchung, entdeckt zuerst die Frühromantik. Sie zieht damit zum einen die Konsequenzen aus der Verunmöglichung des Kosmos und erkennt hierin die Möglichkeitsbedingung moderner Subjektivität. Zum anderen macht sie die Erfahrung des Akosmismus zur Voraussetzung ihrer eigenen Poetik.
Author: Tania Eden
Unscharfe Grenzen und fließende Übergänge kommen in allen Registern der Erfahrung vor. Von einer positiven Unbestimmtheit kann indes nur dort die Rede sein, wo diese gleichsam zur Sache selbst gehört und nicht nur unserem begrenzten Erkenntnisstand oder mangelnden Realisierungsmöglichkeiten zuzurechnen ist.
Die gewachsene technologische Verfügungsmacht des Menschen, die sich mittlerweile auf die menschliche Lebenssubstanz selbst erstreckt, hat zu tiefgreifenden Veränderungen des Naturbegriffs geführt, in deren Verlauf die Grenzen zwischen Naturprodukten und Artefakten ständig verschoben werden. Damit tauchen neue Formen von Unbestimmtheit auf, deren begriffliche Bewältigung uns vor besondere Probleme stellt. Wann genau beginnt das zu schützende menschliche Leben? Sind Hirntote wirklich tot? Kann ich eine Gehirntransplantation überleben, meine Existenz sogar in einem Klon fortsetzen?
Eine Philosophie der sozialen Welt
Author: Gerhard Gamm
Dieses Buch beschreibt vertraute Praktiken wie Verantworten, Vertrauen, Anfänge machen, Ignorieren, Grenzen überschreiten. In solchen Auszügen aus dem Geschäftsleben der sozialen Welt zeichnet Gamm ein realistisches Bild der zeitgenössischen Gesellschaft.
Der Leitfaden dieser Philosophie der sozialen Welt ist ein erstaunter wie verstörter Realismus. Er befördert einerseits die soziale Welt auf den Prüfstand philosophischen Denkens, er konfrontiert andererseits die Philosophie mit dem ihr eigenen gesellschaftlich Unbewussten: Die herrschenden Ideen werden mit den Ideen der Herrschenden in Beziehung gesetzt.
Über populistische Rhetorik
Der Wille zum Feind ist tiefster Antrieb des Populismus. Auch seine »Liebe« zu Volk, Familie und Vaterland ist vergiftet. Sie lebt vom Hass auf all jene, die ausgeschlossen werden. Was macht diese Feindausdeutung so attraktiv? Warum findet sie in Medien und Öffentlichkeit und bei politischen Wahlen so großen Anklang?
Reinhard Olschanski untersucht den Populismus dort, wo er ganz bei sich ist – in der populistischen Rede. Hier entsteht eine besondere rhetorische Verbindung zwischen Redner, Publikum und Redegegenstand, in der es nicht um Problemlösung und sachliche Erörterung geht. Der populistische Redner meint es vielmehr persönlich! Sein Gegenstand ist der Feind, den er beschwört. Und sein letzter Zweck ist eine »magische« Transformation seines Publikums anhand des Feindbilds. Populistische Rede spaltet Gesellschaft im Versprechen auf ein neues – oder auch sehr altes – exklusives Wir.
Pop, Grammatologie und Politik
67 statt 68: für einen erweiterten Begriff der Politik. Zu 68 gibt es nichts mehr zu sagen. Aus dem „Ereignis“ ist wahlweise ein „Gegenstand der Geschichtswissenschaft“ oder ein „Mythos“ geworden; die Übertreibungen sind zurückgenommen, die Irrtümer korrigiert. Vielleicht aber hat schon 68 selbst, nicht erst seine Nachgeschichte, einen seinerzeit entwickelten Begriff der Politik wieder verkürzt, indem es die radikalen Experimente in Kunst, Alltag und Theorie aus dem Feld des Politischen ausgrenzte, zu dem sie 1967 noch gehörten. Dieses Buch (re)konstruiert daher einen Zusammenhang von literarischen und theoretischen Texten, von Popmusik, Filmen, Aktionen und Grammatologie aus dem Jahr 1967 und schlägt vor, daraus eine alternative Chiffre abzuleiten: 67 als „Sondierung der Basisstruktur der Sprache“ – und damit als Arbeit an den Grundlagen des Politischen überhaupt.
Künstlerisches und ästhetisches Handeln führt nicht nur zu bestimmten Werken, wie etwa den Kunstwerken, sondern kann auch selbst Wissen produzieren und weitergeben.
Im europäischen Kanon des Wissens und der Wissenschaften sind ästhetische Praktiken aus dem Blick geraten. Um die Wissensdimension dieser ästhetischen Praktiken wieder sichtbar und anwendbar zu machen, behandeln die Beiträge dieses Bandes sie sowohl als Gegenstände wie auch als mögliche Methoden einer kulturwissenschaftlichen Forschung. Ästhetische Praxis umfasst dabei nicht allein die als künstlerisch bezeichneten Praktiken, sondern auch Praktiken des Alltags und der Populärkultur. Die Beobachtung und Erforschung ästhetischer Praxis erlaubt es so, die vielfältigen Dimensionen und Zusammenhänge aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen nachzuvollziehen.
Kunstphilosophische Überlegungen zu Schelling und Mondrian
Series:  Konstellationen
Im Jahre 1800 veröffentlicht der noch junge Schelling (1775-1854) das System des transzendentalen Idealismus und mit ihm die Grundzüge seiner Ästhetik. Ob diese noch anschlussfähig an unser heutiges Kunstverständnis ist, wird in dem vorliegenden Buch diskutiert.
Den Ansatzpunkt hierfür bildet die Malerei Piet Mondrians. 100 Jahre später steht Mondrian vor seiner Leinwand nämlich vor demselben Problem wie Schelling: Wie erfasse ich eine indifferente Einheit ohne sie zugleich wieder zu zerstören? Oder, wie kann ich einen Strich ziehen, ohne dadurch eine Unterscheidung zu treffen? Um Mondrian mit Schelling lesen zu können, ist es jedoch ein weiter Weg. Ein Weg der unter anderem über die graphische Logik von Charles S. Peirce und die disegno-Theorie des florentiner Manierismus führt. Bleibt nur noch eine Frage: Was macht der nackte Dürer auf dem Cover?
Nietzsches Genealogie der Moral als Kritik der Geschichtsschreibung
Karsten M. Thiel interpretiert die Genealogie der Moral neu. Er rückt Nietzsches Kritik an der Geschichtsschreibung ins Zentrum der Betrachtung und nimmt so seiner Moralkritik alles Schrille, das ihr gewöhnlich anhaftet.
Für Nietzsche muss die Geschichtsschreibung über einen belastbaren Begriff von Vergangenheit verfügen. Doch wie konnte es zu einer Geschichtsschreibung ohne einen solchen Begriff überhaupt kommen? Nietzsches Antwort ist verblüffend. Für ihn war Geschichtsschreibung bisher fast immer teleologisch, ausgerichtet auf ein Ideal statt auf die Vergangenheit. Sein Gegenmodell ist die Genealogie: Sinn vergeht, indem er von späterem Sinn »überschrieben« wird. In der Genealogie der Moral ist ein solches Überschreiben mehrfach zu beobachten. Die Sklavenmoral erobert den Sinn der Herrenmoral, der archaische Vertrag zwischen Schuldner und Gläubiger wird immer wieder neu ausgelegt, wird zu Gerechtigkeit, schlechtem Gewissen und Schuld.
Versuch über das unerreichbar Nahe
Author: Peter Strasser
Gewiss, die Verbrechen des Abendlandes sind Legion. Und doch ist es das Land, wo die bösen Dinge einen Paradieses-Schatten werfen.
Mein Abendland erschöpft sich nicht im Terror des Geschichtlichen. Es ist nicht das Land einer Verkommenheit namens Establishment, das seine Machenschaften der armen dummen verführbaren Masse als Gemeinwohl auftischt.
Stattdessen ist es das Land des Menschenmöglichen: der unverbrüchlichen Rechte des Menschen und einer würdigen Gemeinschaft der Gleichen. Meinem Abendland erwächst der höchste ethische Gedanke: die Menschheit als Gemeinschaft der Völker, die umeinander besorgt sind.
Mein Abendland ist das Land der ort-losen Sehnsucht: Die Gewalt und das Böse mögen für immer von uns weichen! Im Morgengrauen lässt uns dies unerreichbar Nahe auf ein gutes Ende aller Tage hoffen: darauf, dass unsere unglücklichen, gequälten Seelen endlich Ruhe finden.
Transformationen von Mensch und Tier
Die Themen »Ökologien der Anderen« und »andere Ökologien« rücken Transformationsbeziehungen zwischen Menschen, Tieren und ihren Umwelten in den Blick und befragen die Reichweite der europäischen Grenzziehungen von Natur und Kultur, Wildheit und Domestikation, Menschen und Tieren.
Der Kulturbegriff ist »absoluter Begriff« geworden: »Eigentlich ist alles kulturell«, selbst das, was innerhalb der europäischen Ideen- und Kulturgeschichte der Kultur entgegensetzt wurde: »die Natur« und »das Klima«. Ethnologen wie V. de Castros, P. Descola, M. Strathern u.a. stellen die universelle Reichweite der europäischen Grenzziehungen in Frage und öffnen den Blick für »Ökologien der Anderen«. Der Band problematisiert Hypostasierungen von Kultur, aber auch die Grenzregime von Natur und Kultur: Es wird gefragt, wie die Differenz von Natur und Kultur in der Ethnologie, Bildgeschichte, politischen Zoologie und Philosophie je erzählt worden ist. Transformationsbeziehungen zwischen Menschen, Tieren und Umwelten rücken in den Mittelpunkt – Denkfiguren, Bild- und Praxisformen wie Totemismus und Animismus sowie Praktiken einer anderen Ökologie u.a. im Bereich der Küche, Jagd, Reproduktion.