Eine europäische Perspektive
HerausgeberInnen: Oliver Kohns und Jeanne E. Glesener
Ein historisches Ereignis wie der Erste Weltkrieg fordert immer wieder neue Interpretationen und Erzählungen heraus. Der Sammelband analysiert die Literatur und Kunst über den Krieg aus europäischer Perspektive.
Das Thema »Erster Weltkrieg« ist relevant nicht, weil der Beginn des Kriegs gerade seinen 100. Jahrestag erlebt hat. Der Krieg hat als eine Art »Urkatastrophe« Einsichten in die dunklen Seiten der Moderne offenbart. Dieser Band möchte die Dominanz einer einzigen dominanten Erzählung über den Krieg durch eine Vielzahl konkurrierender Perspektiven ersetzen. Die komparatistische Perspektive verspricht nicht eine neue Wahrheit über den Ersten Weltkrieg, sondern eher Einsichten in die Komplexität und die Vielzahl möglicher Wahrheiten. So eröffnet das Verstehen des Kriegs und seiner Rezeption zugleich eine Reflexion über die Arbeit der Geisteswissenschaften.
Interdisziplinäre Zugänge zur Sammlung Prinzhorn
Vertreter verschiedener Disziplinen diskutieren eindrucksvolle Werke der Sammlung Prinzhorn, entstanden zwischen 1880 und 1920 im psychiatrischen Kontext. Erfahrene Grenzsituationen und deren Verarbeitung in oft wahnhafte Sinnhorizonte wurden hier ästhetisch übersetzt.
Was ist eigentlich fremd an diesen Werken? Welche veränderte Welterfahrung wird in der scheinbaren Fremdheit sichtbar? Wäre es möglich, in der Begegnung mit ihnen grundlegende Strukturen subjektiver Erfahrung und Lebenswelt gerade dank ihrer Verzerrungen zum Vorschein zu bringen? Fragen nach allgemeinen Wirkungen der Bilder werden systematisch aufgegriffen, individuelle Werk- und Fallanalysen eröffnen den Raum für das pathische Geschehen in den Werken und in unserer Erfahrung mit ihnen. Überlegungen zu kreativer Praxis und Rezeption erhellen das Verständnis für die Übergänge zwischen Normalität und Anomalität.
Mit Beiträgen von Peter Berz, Lars Denicke, Beatrice Gründler, Friedrich Kittler, Ludwig Morenz, Barry Powell, Oliver Primavesi, Joachim Schaper, Gerhard Scharbert, Joulia Strauss, Peter Weibel, Siegfried Zielinski. „Auf mediengeschichtlichen Taubenfüssen kommen die wahren Revolutionen.“
Politisch-philosophische Perspektiven
HerausgeberInnen: Jürgen Manemann und Ulrich Hemel
»Heimat« ist zutiefst doppeldeutig. Heimat steht zum einen für Sicherheit und Geborgenheit, zum anderen für Enge und Exklusion. Heimat ist zugleich Paradies und Sehnsuchtsort wie auch Hölle.
Das Buch lotet diese Spannung aus. Im Fokus steht nicht nur der gegenwärtige politische Gebrauch des Begriffs. Gefragt wird auch, ob es angesichts der Individualität, Pluralität und Heterogenität, die das Lebensgefühl der Menschen prägen, überhaupt noch Sinn macht, den Begriff »Heimat« zu verwenden. Gleichzeitig fordern Migration und Flucht die modernen westlichen Gesellschaften heraus, sich neu mit kulturellen Verortungen auseinanderzusetzen.
Mit Beiträgen von Hans-Joachim Höhn, Markus Kotzur, Jürgen Manemann, Ulrich Hemel, Jörg-Dieter Wächter, Birgit Recki, Christian Starck, Saskia Wendel, Hans Joas, Armin Nassehi, Dominik Hammer, Burkhard Liebsch und Gerhard Kruip.
Im Jahre 1781 ruft der Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) das »Zeitalter der Kritik« aus. Alles muss sich der »freien und öffentlichen Prüfung« durch die Vernunft unterwerfen: die Religion, die Gesetzgebung, in erster Linie aber die reine Vernunft selbst. In ihrem ungezügelten Verlangen nach Erkenntnis verstrickt sie sich in endlose Streitigkeiten mit sich selbst. Kein Wunder also, dass die alte Metaphysik ein Kampfplatz ist, auf dem ein »rüstiger Ritter« den »Siegeskranz« davonträgt, solange er keinen neuen Angriff des Gegners aushalten muss. Abhilfe schafft die Kritik, ein Gerichtshof, den die reine Vernunft einsetzt, um über ihre berechtigten und unberechtigten Ansprüche zu entscheiden. Die Kritik stiftet Frieden im Reich des Denkens. Wir erkennen die Bedingungen, unter denen Metaphysik, Mathematik und Naturwissenschaft als Wissenschaften möglich sind.
Der Comic bietet anschaulich und leicht verständlich Einblicke in Kants Leben sowie den historischen und intellektuellen Kontexten seines Wirkens. Wir schauen dem »Fürsten der deutschen Denker« (K. von Knoblauch) beim Philosophieren über Gut und Böse, Freiheit und Natur, Politik und Recht, das Schöne und Erhabene, die Entstehung des Universums und vieles andere mehr über die Schulter. Und natürlich kommen auch seine Anhänger und Kritiker zu Wort.
Zur Aktualität von Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft
HerausgeberInnen: Steffen Herrmann und Sven Ellmers
Hegel war einer der ersten Theoretiker, der die soziale Bedeutung der zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstehenden Marktgesellschaft reflektierte. Er betont dabei die Gefahren dieser Vergesellschaftungsform, aber auch deren emanzipative Potenziale. Letztere entfalten sich für ihn mit Hilfe der Institution der Korporation. In korporativen Vereinigungen verwandelt sich das zweckorientierte Gegeneinander der Marktakteure in wechselseitige Solidarität. Hegel nennt die Korporation daher auch die eigentliche ‚sittliche Wurzel‘ der bürgerlichen Gesellschaft. Im vorliegenden Band wird Hegels Korporationslehre rekonstruiert und auf ihre Aktualität hin befragt. Dafür werden Anschlüsse aus der Wirtschaftsphilosophie, der Sozialphilosophie sowie der politischen Philosophie diskutiert.
Journal zum philosophischen Hausgebrauch
Die Eule der Minerva beginnt ihren Flug in der Dämmerung. Wenn die Schatten lang werden, ist die Zeit des Begriffs gekommen, der nach Weisheit strebt. Im Grauen des Morgens hingegen ringt das erwachende Bewusstsein um Zuversicht. Noch hat nichts wirklich begonnen und doch ist alles schon im Laufen. Und ist nicht dies die Zeit der Philosophie? Ein Philosoph baut Morgen für Morgen an seinem papierenen Haus des Seins: an seinem Journal zum philosophischen Hausgebrauch.
Dem Philosophen graut vorm täglichen Weltuntergang. Dagegen schreibt er an, wobei er nicht verabsäumt, seinen Lieben das Frühstück zu bereiten. Während draußen die Fakten »Fakten schaffen«, kultiviert er seine Häuslichkeit, seine kleine Welt, in der die große schon immer klirrend Einzug gehalten hat. Die Völker fliehen vor Hunger, Krieg und Tod; im Morgengrauen brechen sie auf, einem Abendland voller Stacheldraht entgegen.
»Es ist, wie es ist, und es ist gut«. Darauf, auf diese Vergeblichkeit hin, ohne die kein Menschsein möglich wäre, schreibt er Morgen für Morgen zu.
Konstellationen der Moderne bei Hans Blumenberg
Nicht nur den Umsturz des Geozentrismus, der zur Niederlage der theologischen Astronomie geführt hat, sondern auch, als dessen metaphorisches Korrelat, die Erosion des ewig bestehenden Kosmos: Dies bedeutet für Hans Blumenberg die kopernikanische Wende, die den Weg zur Neuzeit bahnt.
Am Leitfaden der damit verknüpften Himmels- und Sternmetaphorik erschließt Nicola Zambon den Horizont der Philosophie Blumenbergs: An Konstellationen astronomischer und theologischer, ästhetischer und philosophischer Motive wird eine ideengeschichtliche Perspektivierung herausgearbeitet, die im Blick auf Kant, Husserl und Heidegger in der Darstellung und Interpretation von Blumenbergs Phänomenologie gipfelt. Dabei figuriert der gestirnte Himmel nicht mehr die Erscheinung des Ganzen, das Eidos einer fertigen Welt: Der stetige Wandel der kontingenten, der Zeitlichkeit unterstellten Ordnung findet im ›Nachleuchten der Sterne‹ sein Sinnbild.
»Evolutionstheoretische Theologie« – so lautet der zentrale Begriff und gleichzeitig das Leitmotiv des neuen Buches von Heiner Mühlmann. Religionsgeschichte wird hier als
Evolutionsprozess gedacht, der drei zentralen Steuerungskräften unterliegt: Variation – Selektion – Reproduktion.
Variationen von Religionen und mit ihnen Variationen von Göttern evolvieren. Weil aber Variationen immer unter Selektionsdruck stehen, müssen die Götter untereinander konkurrieren. So wird aus einer evolutionstheoretischen Theologie eine polytheistische Theologie. Was evolviert, hat ein materielles Substrat. Da die materiellen Substrate der Götter die biologischen Gedächtnissysteme der Menschen sind, müssen folglich die Götter gedächtnistauglich sein, um in der Evolution zu überleben; Gedächtnistauglichkeit ist die Anpassungsfähigkeit der Götter. Die Evolutionstheorie der Götter ist somit in Wirklichkeit eine neurowissenschaftliche Studie zum Thema »kulturelle Gedächtnisforschung«. Ziel ist weniger eine Kritik des Christentums als vielmehr eine Hommage an seine Durchsetzungskraft.
mehr zeigen
HerausgeberInnen: Elfie Miklautz und Wilhelm Berger
In diesem Buch geht es um Neugier als Triebfeder in Wissenschaft und Kunst.
Neugier ist lustvoll. Die Wissenschaft trennt Leidenschaft und Vernunft. Neugier ist fragwürdig. Die Kunst verbindet Sinnlichkeit und Erkenntnis. Neugier ist unabdingbar. Sie sucht nicht nach der bestimmbaren Wissenslücke, sondern nach Unverfügbarem, Unerwartbarem. Der unbedingte Wille, etwas zu sehen, zu hören, zu wissen, eignet sowohl den Wissenschaften als auch den Künsten. Beider Geschichte ist bevölkert von Gestalten, die sich aus aller Konvention hinaus- und in Extreme hineinbegeben haben. Der Bruch mit dem Gewöhnlichen erweist sich als Bruch mit tradierten Ausdrucksformen. Das Buch erörtert daher auch die Möglichkeit des Zeigens als Alternative zum Behaupten.
Mit Beiträgen von Wilhelm Berger, Elke Bippus, Bazon Brock, Florian Dombois, Adreis Echzehn (Bilder), Pasquale Gagliardi, Julian Klein, Eva Meyer, Elfie Miklautz, Michaela Ott, Hans-Jörg Rheinberger, Andrea Rüdig.