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Architektengespräche
Zitieren, Kopieren und Rekonstruieren sind gängige Verfahren im architektonischen Alltag. Anstatt sie zu verbergen, um den Originalitätsanspruch der Moderne zu wahren, werden sie in diesem Buch offengelegt.
Vier Architekten berichten im Gespräch mit den Herausgebern über mimetische Praktiken ihrer Entwurfsarbeit seit den 1990er Jahren. Der bewusst weit gespannte Rahmen umfasst sowohl formal-gestalterische Aspekte als auch prozessuale Formen der architektonischen Mimesis. Neben gängigen Analogiebildungen zum architektonischen Kontext, zu lokalen Bautraditionen oder zur Vorgängerbebauung finden anthropomorphe und biologische Bilder sowie philosophische Diskurse Beachtung. Die Gespräche spiegeln die zentrale Bedeutung mimetischer Praktiken für die neuere Architektur und Architekturtheorie wider und verstehen sich damit auch als Beitrag zur jüngsten Phase der Architekturgeschichte.
Die Partitur der Geste und das Theater der Avantgarde
Author: Martin Zenck
Pierre Boulez zählt zweifellos zu den renommiertesten Komponisten unserer Zeit. Von außerordentlicher Bedeutung ist darüber hinaus seine Rolle als Intellektueller, Autor, Theoretiker, Dirigent und Interpret. Martin Zenck legt mit seinem Buch Die Partitur der Geste und das Theater der Avantgarde die erste umfassende Studie über dessen vorläufiges Gesamtwerk in deutscher Sprache vor. Zenck verbindet es mit Boulez’ theoretischen Schriften, seiner Praxis als Dirigent und ›Kulturmanager‹ vor dem Hintergrund der philosophischen Diskurse und dem Panorama der anderen Künste seiner Zeit.
Im Mittelpunkt steht dabei der Musikdenker Boulez, der das Kompositorische selbst als eine genuine Denkpraxis begreift, die Martin Zenck auf völlig neue Weise als eine Praxis des ›Gestischen‹ versteht. Diese führt auf eine vierfache Signatur zurück: Die Textur der Schrift, ihre Bewegung einerseits, die zweitens den Leib und seine Gebärden einschließt, zum Dritten das synästhetische Spiel der Sinne und ihre verschiedenen Medien, und schließlich das performative Moment der Darbietung, der Präsentation, das auf seine Weise allererst Raum und Zeit entstehen lässt.
Kritische Perspektiven auf Sichtbarkeit und Entzug
Series:  Trajekte
Bilder von Gesichtern sind immer interpretiert und entworfen. Sie setzen weniger die konkrete Person in Szene als vielmehr das, was an ihr als bedeutsam erachtet wird. Seit Jahrhunderten konzentrieren sich auf dem Gesicht vielfältigste Deutungen, Ansprüche, Wünsche und Zuschreibungen, die einer bündig entwickelten Geschichte des Gesichts im Wege stehen.
Das Buch betrachtet religions-, wissens-, literatur- und kunsthistorische Zäsuren, in denen sich ein je neuartiger Bezug von Gesichtszeichen und Bildgebung formiert. Im Fokus stehen Positionen, die das Gesicht demonstrativ ausstellen, es verstellen oder vermeiden und aussparen. Gelöschte, geleerte, verschattete, fragmentierte, verdrehte, rückansichtige Gesichter rühren epistemologisch und ästhetisch an den Rand des Erkennbaren. Sie sind noch als Gesichter erfassbar, als lesbare Oberflächen werden sie jedoch prekär und gehen nicht länger in Gewissheit und Wiedererkennung auf.
Author: Robert Abels
Kein Komponist vor J. S. Bach hat in den letzten Jahrzehnten eine so konstante und vielfältige Rezeption durch zeitgenössische Komponisten erfahren wie Carlo Gesualdo, der Fürst von Venosa (1566–1613). Die intensive Darstellung von Liebesqualen, Schmerz und Schuld in seinen späten Madrigalen und geistlichen Werken befremdet und fasziniert uns auch heute noch aufgrund des Dissonanzenreichtums und der harmonischen Kühnheiten dieser Musik, auch wenn der »Gesualdo-Mythos«, der all dieses auf die Ermordung seiner ersten Ehefrau zurückgeführt hat, durch eine mehrfache Kontextualisierung des Spätwerks leicht zu entkräften ist. Die Vielfalt möglicher Rezeptionsweisen dieser Musik (Edition, Aufführung, wissenschaftlicher Text etc.) wird am Beispiel Wilhelm Weismanns, Paul Hindemiths und Igor Strawinskys dargestellt, bevor dann am Beispiel Jürg Baurs und Klaus Hubers zwei möglichst gegensätzliche kompositorische Auseinandersetzungen aus intertextueller Perspektive untersucht werden.
Der hohe gesellschaftliche Stellenwert von Wissen schien bis vor Kurzem auch in den Künsten die Bedeutung von Arbeit als einem Überrest des Industriezeitalters verdrängt zu haben. Jedoch kehrt die Arbeit, mit der es Kunstschaffende aller Disziplinen heute ganz unmittelbar zu tun haben, in einer neuen, wissensorientierten Form zurück. Der Band untersucht diese neue Konfiguration von Kunst, Wissen und Arbeit. Hierfür stehen die Künste des 20. und 21. Jahrhunderts im Mittelpunkt, sowie ein Befragen zeitgenössischer Bildender Künstler/innen und Musiker/innen nach ihren eigenen, über ihre Künste hinausgehenden, Arbeitserfahrungen. Dieser unmittelbare Blick auf das Zusammenspiel von Wissen der Künste und Wissen der Arbeit wird im Kontext der bereits vielschichtigen, jedoch bei Weitem nicht ausgehandelten Beziehungen zwischen Kunst und Arbeit im postindustriellen Zeitalter beleuchtet.
Acht Beiträge
Das Eigene der Bilder will gesehen, muss verstanden werden – und in Worte gefasst. Klaus Krüger gelingt dies mit besonderer Konsequenz und Eindringlichkeit.
Die acht hier vorgelegten Beiträge aus den Jahren 1993 bis 2010 behandeln Dispositive der Betrachtung, Ordnungen des Sehens und Schichtungen der Bilder, wobei der Untersuchungszeitraum vom Mittelalter über die frühe Neuzeit bis in die Moderne und Gegenwart reicht. Zudem stellt Klaus Krüger eine Reihe von Begriffen zur Diskussion, die nicht nur im aktuellen Diskurs des Faches Kunstgeschichte, sondern weit darüber hinaus den Blick auf das genuin Visuelle und den darin sich eröffnenden Spannungsraum zwischen Gegenwärtigkeit und Imagination erhellen.
Editor: Barbara Alge
Der vorliegende Band präsentiert unterschiedliche Zugänge zum Thema »Kunstmusik – Kolonialismus – Lateinamerika« aus Sicht der Historischen Musikwissenschaft, der Musiktheorie und der Ethnomusikologie. Im Zentrum stehen dabei das Konzept des Kolonialismus und dessen Einfluss auf die Entstehung bestimmter musikalischer Praktiken und auf Diskurse über bestimmte musikalische Praktiken aus Lateinamerika. Zeitlich begrenzen sich die Beiträge nicht ausschließlich auf die Kolonialzeit, sondern beleuchten auch Auswirkungen des Kolonialismus bis ins 21. Jahrhundert. »Kunstmusik« wird als Kategorie hinterfragt. So widmen sich einige Beiträge musikalischen Praktiken, die je nach Aufführungskontext ebenso als »Gebrauchsmusik« (Musik der Jesuiten; liturgische Musik aus Minas Gerais) und »Populäre, Traditionelle oder Vernakuläre Musik« (chacona; lundu; liturgische Musik aus Minas Gerais) verstanden werden können. Kritisch thematisiert wird ferner eine eurozentristische Haltung in der Musikgeschichtsschreibung und in der Darstellung musikalischer Praktiken, die sich unter anderem auf vergangene und heutige Identitätsdiskurse in Lateinamerika ausgewirkt hat (Exotismus; Hybridität). Neben der Untersuchung von Diskursen widmet sich der Band auch dem Umgang mit Musikmanuskripten (Archivierung und Edition), die in lokalen Archiven in Minas Gerais gefunden wurden und auf die Kolonialzeit verweisen. Die DVD im Anhang veranschaulicht eine Auswahl dieser Manuskripte in klingender Form im Kontext eines Konzerts an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.
Das Psychologische Institut im Berliner Stadtschloss und die Avantgarde
Series:  Eikones
Die Gestaltpsychologie hat maßgeblich zum Verständnis von Bildern, Form und visuellem Denken beigetragen. Dabei ist in Vergessenheit geraten, dass die Berliner Gestaltpsychologen ihre Wahrnehmungsexperimente in einem räumlich-ästhetischen Zusammenhang durchführten, der einer einzigartigen historischen Konstellation zu verdanken ist: Seit 1920 hatte das Psychologische Institut seinen Sitz im Berliner Stadtschloss.
Ausgehend von einer Fotografie, die eine rätselhaft erscheinende Experimental-Szene aus einem Saal des Schlosses zeigt, entschlüsselt Margarete Pratschke die gestaltpsychologischen Grenzgänge zwischen Wissenschaft und Avantgarde, für die das Schloss eine besondere Bühne bot. Pratschke zeigt anhand von bislang unbekannten Quellen, wie Psychologie, Kunst und die Eigenheiten des Ortes miteinander verschränkt waren.
Kunstformen der Theorie
Series:  Merz Akademie
Der Band widmet sich devianten Formen der Wissensproduktion und versammelt Positionen künstlerischer Forschung. Er zielt auf eine Epistemologie der Kunst und fragt nach den ästhetischen Bedingungen des Wissens.
Künstlerische Forschung meint nicht Umsetzung oder Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnis. Es handelt sich um ein eigenständiges, durch ästhetische Strategien und künstlerische Darstellungsformen hervorgebrachtes Wissen, das anders als die Wissenschaften verfährt, sich anders vermittelt, andere Evidenzen produziert. Die Beiträger sondieren Verfahren und Medien künstlerischer Forschung, befragen das Verhältnis von anschaulicher und begrifflicher Erkenntnis und legen Bezüge zum unbewussten Wissen frei. Zudem werden die ästhetischen Voraussetzungen von Theoriebildung reflektiert, mithin die Überschneidungen von Kunst und Philosophie berührt.
Impulse aus Elementarer und schulischer Musikpädagogik
Die Beiträge dieses Sammelbandes widmen sich aus Sicht der Grundschulmusikpädagogik sowie der Elementaren Musikpädagogik verschiedenen Fragestellungen rund um das Musiklernen in der Grundschule. Dabei werden konzeptionelle, forschungsbasierte und praxisbezogene Perspektiven vorgestellt. Der Band stellt das Ergebnis der Tagung „Musiklernen in der Grundschule – Impulse aus Elementarer und schulischer Musikpädagogik“ (März 2015, Universität Bremen) dar und richtet sich an Lehrkräfte aus Schule und Musikschule sowie Lehrende und Studierende der Elementaren und schulischen Musikpädagogik.