Analysen und Konstruktionen eines bewegten Musikunterrichts aus der Perspektive Ästhetischer Bildung
Im Zentrum der Ausführungen steht der Zusammenhang von Musik und Bewegung im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen. Im Rekurs auf ein menschlich-gesellschaftlicher Erfahrung zugrundeliegendes und auch als didaktische Kategorie verstandenes Phänomen „Bewegung“ werden dabei Möglichkeitsräume menschlicher Bildung in ihrer Relevanz für inhaltliche, methodische und soziale Dimensionen innerhalb unterrichtlicher Arrangements ausgeleuchtet. Vor dem Hintergrund einer kritischen Analyse schulischer Realität führen historisch-systematische Betrachtungen zu Begründungen für eine bildungstheoretische Verortung von Bewegung im Zusammenhang mit musikalischem Lernen in der Schule. Denn es besteht der Verdacht, dass insbesondere an der weiterführenden (Regel-)Schule die körperlich-sinnlichen Anteile im unterrichtlichen Geschehen zugunsten der kognitiven Aspekte in den Hintergrund treten. Anhand soziologischer Betrachtungen lässt sich aufzeigen, dass die Diskrepanz zwischen Bedürfnissen Heranwachsender und der Schulrealität auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Strukturen steht und die Entkoppelung der kognitiven Aspekte von sinnlichen, emotionalen und sozialen Bezügen zu Beeinträchtigungen in der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen führt. Aktuelle Tendenzen einer soziokulturellen Beschleunigung und einer daraus resultierenden Transformation menschlichen In-der-Welt-Seins, die zu einer Entfremdung des modernen Menschen von seinen anthropologischen Bedingtheiten führen, können jedoch durch eine ästhetische (Re-)Konstruktion des Menschen im Sinne griechischer aisthesis überwunden werden. Insbesondere ein Musikunterricht, der den Körper nicht bloß als Bezugsfeld, sondern sogar als Fundament musikpädagogischen Denkens und Handelns betrachtet, vermag als „Labor einer anderen Praxis“ auch einem zunehmenden Analphabetismus im Verständnis unserer Körpersprachen entgegenzuwirken. Das unter Bezug auf verschiedene Referenzkontexte entwickelte Modell einer Integrativen Integration (INTINT) öffnet dabei Orientierungskontexte für einen bewegten Musikunterricht, in dem es weiterhin um einen grundlegenden und umfassenden Anspruch des Musikunterrichts mit allgemein bildendem Charakter, historisch kultureller Verortung und künstlerisch bestimmter musikpraktischer Arbeit gehen soll.
Das Auge der Geschichte IV
Series:  Bild und Text
Wie wird das einfache Volk dargestellt? Dieser ebenso sehr politischen wie ästhetischen Frage widmet sich Georges Didi-Huberman ausgehend von Forderungen, die man bei Walter Benjamin findet (die Geschichte muss den Namenlosen eine Stimme geben) oder bei Hannah Arendt (in jeder Politik muss ein Stück Menschlichkeit zu finden sein).
Zurückgegriffen wird dabei auf Dichter (Villon, Hugo, Baudelaire), Maler (Rembrandt, Goya, Courbet) und Photographen (Walker Evans, August Sander, Philippe Bazin), die den »kleinen Leuten« ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben. Das Kino kennt diese »kleinen Leute« als Statisten, die den Hintergrund für den Auftritt der Stars abgeben. Sie bilden ein wichtiges historisch-politisches Motiv des Kinos – von seinen Anfängen (Arbeiter verlassen die Lumière-Werke) bis hin zu Eisenstein, Rossellini und darüber hinaus. Sehr ausführlich analysiert wird hier das Schaffen von Pier Paolo Pasolini, seine Art, die »verlorenen einfachen Menschen« in ihren »überlebenden Gesten« wiederzufinden.
Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in seinen Texten
Author: Frank Findeiß
Die vorliegende Arbeit beleuchtet den künstlerischen Werdegang Herbert Grönemeyers als Schauspieler, Musiker und Texter unter Berücksichtigung seiner biographischen Wurzeln und des für ihn zentralen Begriffs Heimat. Dabei steht das ihm in seiner Erziehung vermittelte Menschenbild im Vordergrund, das auf einer philanthropischen Grundhaltung fußt und aufgrund von persönlichen Veränderungen in seiner Vita durch kulturpessimistische Gedankengänge mitgeprägt wurde. In einem zentralen Teil des Buches stehen die Texte Grönemeyers im Fokus der Betrachtung, die sich überwiegend mit nahezu existenzphilosophischen Fragen zum Individuum, zur Gesellschaft und zu deren Wechselwirkung auseinandersetzen.
Studien zum Bild in der Moderne
Series:  Eikones
Author: Gottfried Boehm
Editor: Ralph Ubl
»Was zur Ruhe kommt, findet seinen Ort im Horizont der Zeit, vor dem es sich zeigt und deutet.«
Mit dieser Charakterisierung von Cézannes Malerei formuliert Gottfried Boehm die These, der seine Deutung der Kunst der Moderne und seine bildtheoretische Reflexion verpflichtet sind: dass in der Simultaneität des Bildes Zeit sichtbar wird und dass diese Zeit des Bildes nicht auf die dargestellte Zeit beschränkt ist, sondern durch die Form und Materialität der Darstellung zur Erscheinung kommt. Von den zahlreichen Beiträgen, die Boehm den zeitlichen Bestimmungen des Bildes gewidmet hat, versammelt dieser Band diejenigen, die sich zugleich mit zentralen Begriffen der künstlerischen Moderne wie dem der Entgrenzung der Gattungen, des Plastischen, der Allegorie oder der Abstraktion auseinandersetzen.
Kontradispositive der Zeichnung 1955–1975
Series:  Eikones
Der Begriff des Kontradispositivs beschreibt eine dekonstruktivistische Zeichenpraxis, die an den Paradigmen ihrer eigenen Geschichte und Technik ansetzt, indem sie die Theorie der Zeichnung zu Ende denkt und so an ihren Grenzen fortschreibt.
Es handelt sich bei diesen Randgängen der Zeichnung nicht mehr nur um neue oder andersartige Dispositive, wie diese von Pisanello bis Picasso verschiedentlich wirksam wurden, sondern um ›anti-klassische‹ Gegendispositive, die damit auch den Voraussetzungsreichtum eines scheinbar voraussetzungslosen Mediums in Frage stellen. Sechs Strategien dieser Entgrenzung werden insgesamt betrachtet, dazu gehören u.a. Geste und Automatismus bei Hartung und Pollock, Reflexion über den Topos der Blindheit bei Robert Morris, mit Derrida und Davidson, sowie der konzeptuelle Nominalismus Daniel Burens, der letztlich zu einer Aufhebung der Zeichnung führt und damit im strengen Sinne kein Kontra-Dispositiv mehr entwirft.
Innovationen entwickeln, statt Trends zu folgen
Design als Innovationsgenerator: Die nächste industrielle Revolution beginnt ... genau jetzt. Warten Sie nicht länger auf den nächsten heißen Trend, dem Sie folgen können. Entwickeln Sie selbst Innovationen, die diesen Namen verdienen!
Human Centered Design versteht sich als Verbindung aus kreativer Gestaltung, humanwissenschaftlicher Fundierung und experimentellem Arbeiten – und öffnet sich dabei bewusst einem interdisziplinären Blickwinkel. Martin Ludwig Hofmann führt in die Methodik des Human Centered Design ein und erläutert die Haltung, die diesem erweiterten Designverständnis zugrunde liegt. Eine intellektuelle Tour de Force von Apple über Adorno, von Naoto Fukasawa über Michel Foucault, von Paul Virilio bis zum kalifornischen Designbüro IDEO. Was Gestalter tun, ist in einem hohen Maße gesellschaftlich relevant. Es wird Zeit, dass wir uns dessen bewusst werden.
Texte zu Cy Twombly
Author: Thierry Greub
Die Kunst Cy Twomblys gilt noch immer als hermetisch und schwer zugänglich. Greub analysiert Twomblys Bildsprache und lotet die Möglichkeiten ihrer Interpretierbarkeit aus. Grundlage bildet die Vorstellung, dass die Werke des Künstlers zwar nicht ›zähmbar‹ sind, dafür aber sehr wohl beschrieben und gedeutet werden können.
Die Thematisierung von Twomblys technischen ›Grundparametern‹ (Linie bzw. Geste, Chiffren und Einschreibungen) schafft eine Grundlage zum Verständnis seiner Werke. In der Beschreibung der von Twombly empfohlenen Rezeptionsweise seiner Arbeiten oder seiner sich der fernöstlichen Ästhetik angleichenden Malweise im ›Spätwerk‹ werden zudem neue Aspekte zu Cy Twomblys Arbeiten eröffnet. Der Band macht dessen Bildsprache als spezifische, nur seinen Bildern eigene »primordial freshness« verständlich.
Morphomatische Reflexionen zu archäologischen Fallstudien
Die Texte dieses Bandes legen ausgehend von griechischen und römischen Kunstwerken dar, wie Leistungen des menschlichen Intellekts eine konkret erlebbare Form erhalten haben und welche Wirkmacht sie gerade durch die Ausgestaltung entfalten konnten.
Antike Artefakte wie Statuen, Reliefs oder Gemälde gaben Vorstellungen und Wissen eine sinnlich erfahrbare Form, machten sie anschaulich, überzeugend und dauerhaft. Zugleich veränderten sie intellektuelle Leistungen, indem sie bestimmte Aspekte betonten, präzisierten oder neu kombinierten, andere aber reduzierten oder ganz wegließen. Das Buch untersucht ihre Entstehung, die medialen Bedingungen der Gestaltungsprozesse und die Auswirkungen der gewordenen Form. Es legt den dafür entwickelten methodischen Ansatz des Internationalen Kollegs Morphomata dar und verbindet Fallstudien aus der Klassischen Archäologie mit Überlegungen zu zentralen Aspekten der materiellen Kultur.
Diskurse des Schattens im Werk von Hans-Peter Feldmann, W.G. Sebald und William Kentridge
Mit ihrer Untersuchung gelingt Angela Breidbach eine grundlegende Neubestimmung des Schattens in der Bildenden Kunst. Exemplarisch und vergleichend analysiert sie das Werk der Künstler Hans-Peter Feldmann und William Kentridge sowie des Autors W.G. Sebald.
Schatten, so Breidbach, übertragen Körper in unbestimmte Bilder, die wie von hinten auf sie zurück zeigen. Das macht ihre Form der Erinnerung verwandt. Der Betrachter füllt vage Umrisse mit seinen eigenen Vorstellungen. Erkennen wird zur Annäherung aus dem Negativ. Schattenspiele aktivieren im Betrachter Bildfolgen zwischen Phantasie und Täuschung, in denen die frühere Handhabung der Objekte erhalten bleibt. Die Trennung der Oberflächenprojektion ohne Tiefe vom abgründigen Schattenbild ohne Oberfläche führt Breidbach zu jenen Diskursen von Vermessung und Melancholie, die sie in den Œuvres ihrer drei Protagonisten vorfindet.
Kunsttheorie durch interdisziplinäre Methodik. Bild-Abstraktion – Atonalität – Mathematik
Author: Shoka Golsabahi
Die Autorin unternimmt den Versuch Adorno’s Begriff des Zeitgeistes methodisch auf kunsttheoretische Fragen anzuwenden. Können kunsttheoretische Fragen denkerisch gelöst werden, ohne Künstlerbiographien zu Rate zu ziehen, bzw. können Fragen einer Disziplin Antworten auf Fragen andere Disziplinen geben?