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Fotografische Menschenbilder zwischen Konstruktion und Destruktion
Fotografie wurde seit ihrem Aufkommen für äußerst vielfältige Darstellungszwecke eingesetzt, auch wenn es um das Ablichten von Menschen ging. Besondere Bedeutung kam hierbei den fotografischen Bildgebungsverfahren zu, weil man ihnen die unverfälschte Wiedergabe außerbildlicher Realität unterstellte. Dies galt für Porträts genauso wie für wissenschaftliche Menschenbilder, mit deren Hilfe man visuelle Ordnungssysteme zu errichten versuchte. Prekäre Zuspitzungen erfuhren solche Systeme in ideologisch motivierten Vorhaben wie koloniale Bildproduktion oder nationalsozialistische Propaganda. Gerade an diesen Projekten lässt sich verdeutlichen, dass die fotografische Konstruktion von Identität immer auch mit der Destruktion dessen einhergeht, was von der visuell gesetzten Norm abweicht. Dieser Zusammenhang spiegelt sich nicht zuletzt in mannigfaltigen Versuchen künstlerischer Subversion, welche die genannten historischen Bildpraxen in all ihrer Vielschichtigkeit fokussieren.
Series:  Eikones
Kunsthistoriker beanspruchen ein Sehen für sich, das über die alltägliche Wahrnehmung hinausgeht. Die behauptete analytische Schärfe dieses Sehens verdankt sich einer Schule, die aus ›Übungen im vergleichenden Sehen‹ und Doppelprojektionen des kunsthistorischen Vortrags besteht. Obwohl das vergleichende Sehen einen so großen Stellenwert innerhalb der Disziplin einnimmt, liegt bis heute keine umfassendere Untersuchung dieses Verfahrens vor. Mit Beiträgen von: Lena Bader, Edgar Bierende, Michael Bies, Georges Didi-Huberman, Vera Dünkel, Marcel Finke, Martin Gaier, Peter Geimer, Mladen Gladi´c, Johannes Grave, Thomas Hensel, Stefanie Klamm, Susanne Müller-Bechtel, Klaus Niehr, Dorothea Peters, Grischka Petri, Robin Rehm, Barbara Schellewald, Christian Spies, Frank W. Stahnisch, Ulfert Tschirner, Claus Volkenandt und Falk Wolf.
Weltentwürfe in Kunst, Literatur und Wissenschaft seit der Frühen Neuzeit
Den Weltbildern kommt unter der Vielzahl möglicher Motive insofern eine paradigmatische Bedeutung zu, als sie auf der Grundlage sich stets verändernder wissenschaftlicher Erkenntnisse ein übergreifendes Bild der Welt entwerfen.
Die Beiträge des Buchs untersuchen aus unterschiedlichen Blickwinkeln den Zusammenhang von Weltsicht und Weltbeschreibung, indem sie die Bedeutung bildlicher und sprachlicher Repräsentation im Erkenntnisprozess der Geistes- und Naturwissenschaften von der frühen Neuzeit bis heute analysieren.


Mit Beiträgen von:

Harald Atmanspacher, Stephan Brakensiek, Werner Busch, Stephan Dech/Tanja Kraus, Robert Felfe, Thomas Filk, Ulrike Gehring, Philine Helas, Wolfgang Klooß, Hans-Ulrich Seifert und Albrecht Wagner.
Deutungen des Himmels in der Moderne
Moderne Wolkenbilder sind mehr als Darstellungen meteorologischer Phänomene. Sie bieten Interpretationen komplexer Wirklichkeit. Das Buch diskutiert anhand ausgewählter Wolkenbilder von der Romantik bis Gerhard Richter, mit einem Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert, wie moderne Künstler den Himmel unterschiedlich wahrnehmen und deuten: als große, alles umfassende Einheit, als Spiegel menschlicher Verfassung und Imagination, als Ereignis und Überwältigungserlebnis, als Chaos und Zufall. Als Wolkenbilder werden sowohl Darstellungen des bewölkten Himmels (Malerei und Fotografie) als auch abstrakte Bilder, denen Wolkenstrukturen zugrunde liegen, analysiert. Wie Naturbild und abstraktes Bild in dieser Gattung einander nahekommen, ist ein eigener Argumentationsstrang. Wolken, so die These, interessieren die modernen Künstler als Metaphern einer diesseitigen Unendlichkeit.
Die Rhetorik des Sichtbaren
Series:  Eikones
In den Augen vieler haftet dem Zeigen etwas Primitives an, das Handgreifliche der Gebärde oder Geste, die bloße Hilfsfunktion eines Zeigers oder Zeichens. Es scheint hinter den komplexen Möglichkeiten des Sagens und Denkens zurückzubleiben. Nur wer nichts verstanden hat, braucht den direkten Fingerzeig. Mit der Diskussion über das besondere Potenzial ikonischer Präsentation kommt das Zeigen auf eine neue Weise in den Blick. Es wird deutlich, dass der Ursprung des Zeigens im Felde der Sichtbarkeit liegt, dort wo eine Sache vor Augen tritt und umgekehrt der Blick auf diese Sache gerichtet wird. Zwischen diesem Präsentieren und dem darauf gerichteten Blick liegt das Bild: Es zeigt, indem es auf etwas anderes verweist. Zugleich zeigt es sich selbst, denn nur so kann es auf etwas anderes verweisen. Eine kritische Reflexion des Bildes muss immer auch bei diesem doppelten Zeigen des Bildes ansetzen und es im Sinne der ihm eigenen „Rhetorik des Sichtbaren“ diskutieren.
Visuelle Ästhetik der Transgression
Bildern wird überraschend viel zugetraut. Hinter der vielfach erhobenen Rede von der Macht der Bilder steht eine noch wenig erforschte Faszination für die Kraft von Bildmedien, die sich kaum in den engen Grenzen eines Bilderrahmens, einer Kinoleinwand oder eines Bildschirms bändigen lässt. Die Beiträge dieses Bandes, die von der Kunstgeschichte bis zur Kulturwissenschaft, von der Astrophysik bis zur Philosophie und Medienwissenschaft reichen, erörtern die vielfältigen Phänomene einer Transgression solcher Rahmungen. Das gemeinsame Interesse richtet sich hierbei auf Formen der Überschreitung des Visuellen und deren ästhetische, epistemologische, soziale und medientheoretische Funktionen; kurz: auf maßlose Bilder.
Studien zum juristischen Bilderstreit
Mit Ausgang des 19. Jahrhunderts haben die Akademien, Studios und Redaktionen Konkurrenten bekommen. Der Gesetzgeber und die Gerichte generieren Bildregeln. Das Recht streitet etwa um Portraits von Caroline von Hannover und es pflegt dabei ein ganz eigensinniges Wissen um die Frage, was ein Bild ist. Im Zwist bleibt sicher, dass das Recht Bilder an Personen bindet, mit allen Vor- und Nachteilen, die darin für Personen und Bilder liegen können. Sobald das ideale Porträt einer Person nicht das Bild eines Fürsten ist und Dieter Bohlen zum Erben und zur Reproduktion Bismarcks wird, höhlt sich die Semantik des Bildnisschutzes aus, zumindest bekommt sie viele Falten. Die Untersuchung geht der Frage nach, wie Bild und Recht Kontakt aufnehmen können.
Effigies, Bildpolitik und Heiligkeit
Author: Kristin Marek
Der Historiker Ernst Kantorowicz hat, mit nachhaltiger Wirkung, die These von den 'zwei Körpern des Königs' formuliert, aufgeteilt in einen natürlichen und einen politischen Körper. Doch sind es wirklich nur zwei Körper, welche die Geschichte des christlichen Königs prägten? Im Mittelalter lassen sich, wie Kristin Marek zeigen kann, mindestens drei repräsentative Körperkonzepte bestimmen: Neben dem natürlichen und politischen existiert eine dezidierte Vorstellung vom heiligen Körper. Vor diesem Hintergrund erscheint die Effigies, das seit dem 14. Jahrhundert gebräuchliche bildliche Double des Königs im Funeralzeremoniell, in einem völlig neuen Licht. Ist dieser Bild-Körper tatsächlich Ausdruck des Heiligen im Sinne Agambens oder doch eher Ort des Politischen? Oder sind Bild und Körper des Königs nicht viel mehr Teil einer Politik, die immer wieder neu zwischen verschiedenen Bild- und Körperkonzepten unterscheidet? -Präsentation des Körpers.
Funktionen von Rahmen bei Goya, Velázquez, van Eyck und Degas
Author: Vera Beyer
Verändert sich in der Geschichte des Tafelbildes die Funktion seines Rahmens, markiert das Veränderungen in seinem Status. Rahmen können Bedeutung, Legitimität und Autorität eines Bildes unterstreichen, den Betrachter in den Bildraum einbinden und in ihrem Glanz den immateriellen Mehrwert, die Aura eines Bildes demonstrieren. Rahmen können jedoch auch als Fiktionsmarkierungen fungieren, den Betrachter aus dem Bildraum ausgrenzen und die Oberfläche eines Bildes betonen. Vera Beyer zeigt in Analysen exemplarischer Bilder von Goya, Velázquez, van Eyck und Degas markante Verschiebungen zwischen solchen Funktionen von Rahmen auf. Entgegen dem Topos vom Rahmen als Konstante des westlichen Tafelbildes wird damit eine historische Differenzierung vorgenommen.