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Festschrift zu Ehren von Gerhard Poppenberg
HerausgeberInnen: Giulia Agostini und Herle Christin Jessen
>Pathos< ist ein zentraler Begriff abendländischer Geistes-geschichte. Dieser umfasst eine emotionale Konfiguration, die in ihren etymologischen Ursprüngen das menschliche Leiden bedeutet und sich davon ausgehend semantisch als Gemütsbewegung schlechthin entfaltet, als Leidenschaft, Gefühl, Affekt oder Begierde. In einem ersten Schritt widmet sich der Band in Teil I dem Pathos in Literatur und Literaturtheorie, wobei die Beiträge einen Bogen von der Antike, über das Mittelalter, die frühe Neuzeit bis in die Moderne des 20. Jahrhunderts schlagen. Teil II konturiert das Pathos je in einem über das Literarische hinausgehenden öffentlichen Raum in Religion und Politik, Malerei und Film. Teil III untersucht das Pathos als das Seelische, Affektive und Emotionale in philosophischen Diskursen mit einer Spanne von Platon bis Walter Benjamin und Martin Buber.
Flüchtige Gegenwart und Phantasmagorie
Kein anderer Dichter des 19. Jahrhunderts ist Paris so eng verbunden wie Charles Baudelaire (1821–1867). Die Hauptstadt bietet mit Museen, Kunstausstellungen, Galerien und den Ateliers der ersten Fotografen neue inspirierende Orte des Austausches zwischen Literatur und Kunst. Bibliotheken, Verlage sowie die Zeitungen beschleunigen den Informationsfluss. Eine neue Unübersichtlichkeit entsteht. Bereits Balzac beklagt die historische Flüchtigkeit, die »erschreckende Geschwindigkeit« im Wandel des alten Paris. Im Zweiten Kaiserreich nehmen die Veränderungen ein unerhörtes Ausmaß an. Architektonische Neugestaltung, ein auf große Verkehrsachsen ausgerichtetes Straßennetz, Umbau des Louvre sowie die ersten Weltausstellungen von 1855 und 1867 repräsentieren unter Napoleon III. die imperiale, mondäne Hauptstadt Paris. In den Faubourgs und jenen Vierteln, wo Reichtum und schöne Fassaden fehlen, treten mit Industrialisierung und dichter Bevölkerung Mangel, extreme Armut, Kriminalität und Laster hervor. In Daumiers Karikaturen und Baudelaires Lyrik erscheinen prekäre Figuren des beschädigten Lebens, der Lumpensammler und die sich prostituierende Frau.
Manets Gemälde Die Musik im Garten der Tuilerien (1862) zeigt den Schriftsteller Baudelaire als städtischen Typus im schwarzen Anzug und mit Zylinder, nicht als Bohemien. Die urbane Lebenswelt in ihrer kulturellen Vielfalt ermöglicht, wie Baudelaire betont, »das Gespräch, dieses große, dieses einzige Vergnügen eines geistigen Wesens«. Der Dichter, wie ihn Manet malt, steht inmitten der Öffentlichkeit und ist ihr doch zugleich fremd. Baudelaires Gedichte, die Fleurs du mal (1857/1861), vergegenwärtigen bedrohliche Szenen des Bewusstseins, die die Ordnung städtischer Topographie überlagern. Der städtische Raum verwandelt sich im Blick des Betrachters in das Unheimliche und Monströse der Phantasmagorie.


Figuren der Menge
Die Menge rückt im 19. Jahrhundert ins Zentrum der Aufmerksamkeit, da sich mit ihr auf vielfältige Weise die durch die Tendenzen der Modernisierung und deren Deregulierungen hervorgerufenen Probleme und Aporien exemplarisch verhandeln lassen. Die Modernität der Menge besteht in der Dynamik der Ströme von Körpern, der Vielheit, der multitude, des Schwarms oder des Gewimmels, obwohl die Figur selbst eine Figur des Singulars ist.
Der Band bestimmt die Arten und Weisen der Repräsentation der Menge in den Paradoxien ihrer Darstellbarkeit und medialen Inszenierungen, die Dispositive der Wahrnehmung, die sprachlichen Ordnungen und Mechanismen ihres Ausschlusses, ihre Epistemologien und Figuren in Literatur und Film, Diskursen und Theorien.
Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Walburga Hülk, Wolfram Nitsch, Gianluca Solla, Georges Didi-Huberman u. a.

Stendhal und die Entstehung des Realismus
Contributor: Werner von Koppenfels
AutorIn: Anna-Lisa Dieter
1814 kehren die bourbonischen Könige nach Frankreich zurück, »um die letzten Wunden der Revolution zu schließen«. Stendhals literarisches Werk begehrt gegen diese Politik einer unmöglichen Wundheilung auf. Seine Romane untergraben den restaurativen Wunsch nach Vergessen und der Wiederherstellung einer alten politischen Ordnung. Sie halten die revolutionären Wunden offen.

In seinem realistischen Projekt verdichtet Stendhal das politische Scheitern der Restauration und verschiebt es in sexuelle Phantasmen. Weibliches Begehren trifft auf kastrierte Männlichkeit. Anna-Lisa Dieter zeichnet diese Dynamik in Lektüren der beiden Restaurationsromane "Armance" und "Le Rouge et le Noir" nach. Realistische Poetik entsteht aus der Abwehr der Restauration. Die Restauration tritt aus dem langen Schatten der Revolution heraus und erweist sich als Schlüsselepoche der französischen Literatur im 19. Jahrhundert.
Inszenierung von Adoleszenz in den Filmen von Francois Truffaut und Louis Malle
AutorIn: Verena Richter
Abseits des Blicks der Erwachsenen und auf Augenhöhe des Heranwachsenden – damit sind François Truffaut und im Anschluss Louis Malle wegweisend für ein bis heute zentrales Thema des französischen Autorenkinos: die Adoleszenz. Anhand der Filme beider Regisseure werden die filmgeschichtliche Entwicklung sowie die zentralen ästhetischen Verfahren dieses bisher kaum beachteten Schlüsselthemas des cinéma d'auteur sinnfällig. So beleuchtet die Arbeit insbesondere die diskursbegründende Rolle von Truffauts Debüt für eine moderne Darstellung Heranwachsender. Zugleich erarbeitet die Autorin eine „Topologie der Adoleszenz“: Räumliche Modellierungen in den Filmen werden hierbei einerseits auf die narrative Tradition des Entwicklungsromans sowie andererseits auf die seit dem 19. Jahrhundert bestehende „Anormalisierung“ dieser Altersphase zurückbezogen.
Der Band widmet sich Formen und Formgebungsprozessen von Zeit in der europäischen Literatur der Moderne. Den theoretischen Horizont des Bandes bilden aktuelle Forschungsansätze, in denen das Verhältnis von modernen Formtheorien zur Zeitlichkeit ästhetischer Prozesse reflektiert und problematisiert wird. Im Zentrum steht damit die Frage nach dem Wie der literarischen Zeitdarstellung. Die versammelten Beiträge zu Werken von Racine bis Egger untersuchen gattungsspezifische, rhetorische und poetologische Verfahren, durch die Zeit erfahrbar oder zumindest denkbar gemacht wird.
Wissen und Form der Essais
AutorIn: Helmut Pfeiffer
Die Essais werden als eine spezifisch moderne Textform in der Dynamik von Lesen und Schreiben, der Konstruktion und Revision von Wissen und Erfahrung vor dem Hintergrund einer epochalen Erschütterung ethischer, ökonomischer, philosophischer und religiöser Gewissheiten interpretiert. Gegenstand des Buches ist Montaignes Auseinandersetzung mit dem Wissen und den Formen der Bücher seiner umfangreichen Privatbibliothek. Sie umfasst die Literatur der Antike, aber auch Werke des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Der Leser Montaigne ist weder vom Anspruch der Nachahmung noch vom Gestus der Überbietung geprägt. Vielmehr arbeitet er an Rekonstruktionen, die in immer wieder neuen Ansätzen selbst kritischen Revisionen unterzogen werden. Thematisiert werden Montaignes Auseinandersetzung mit Rhetorik und Poetik der Antike, exemplarische Formen des Umgangs mit antiker Größe, die Lektüre und Relektüre zentraler Autoren, schließlich der Parcours einer anthropologischen Selbstreflexion, vor allem in den späten Essays.
AutorIn: Sabine Weber
Zeitlebens beschäftigt sich der Romancier Gustave Flaubert intensiv mit Denk- und Vorstellungsformen von Endlichkeit und Abschied. In seinem literarischen Werk setzt er dem Tod, der radikalen Sinnvernichtung, ein Kunstwerk entgegen, das sich in der ästhetischen Überformung des toten weiblichen Körpers zeigt.
Wie auf einer Schaubühne ist der Leichnam Emma Bovarys hinter Vorhängen aufgebahrt. Eine kalte Aura umgibt das Todestableau der karthagischen Prinzessin Salammbô. Die kühle Darstellungsform des Flaubertschen Erzählers erscheint ohne Mitleid. Flauberts Romanfiguren beklagen den Tod im leeren Pathos, in verstellten Trauergebärden, die an ein Schauspiel erinnern. Kulturelle Formen des Abschieds und des Angedenkens werden als scheinhafte Inszenierungen aufgedeckt. An ihre Stelle rückt eine unheimliche Todesvergegenwärtigung in Form eines schwarzen Abgrunds, in dem die Grenzen des Sicht- und Vorstellbaren gesprengt sind und aus dem der Künstler selbst schöpft.
Konzepte und Kodierungen im 18. und 19. Jahrhundert
Geld dynamisiert Affekte und Affekte dynamisieren Geld. Es ist sicher nicht zu bestreiten, dass ökonomische Entwicklungen insofern auch Einfluss auf die Entstehung von Affekten haben.
Eine Zusammenführung von Affekt und Ökonomie zum Begriff der Affektökonomie suggeriert jedoch darüber hinaus eine Übertragung ökonomischer Kategorien auf den Bereich des Affektiven. Nicht nur die Frage, welche ökonomischen Theorien für die Beschreibung und Analyse affektiver Zusammenhänge zur Verfügung stehen, sondern auch, welcher Mehrwert dadurch für das Verständnis der Affekte selbst zu gewinnen ist, rückt damit in den Vordergrund. Das vorliegende Buch geht diesen Fragen anhand literarischer Beispiele aus dem 18. und 19. Jahrhundert nach. Mit der sprunghaften Entwicklung ökonomischer Theorien zeigen sich in England, Frankreich und Spanien affektive Resonanzen, die modell- und ausschnitthaft in den Blick genommen werden.
Ein lateinisches Schulliederbuch des 16. Jahrhunderts
Die Hebdomas (1580) ist den Tagen der Schöpfung gewidmet und durchgehend in lyrischen Versmaßen als lateinische Oden gedichtet. Verfasst wurde sie von Ludwig Helmbold (1532–1598), einem protestantischen Liederdichter, und vertont vom Mühlhausener Komponisten Joachim a Burck (1546–1610). Gedacht sind die Lieder für den regelmäßigen Gebrauch an der Lateinschule: Zu jedem Tag der Woche gibt es, den acht Horen des Stundengebets folgend, je acht Oden.
Nikolaus Thurn unternimmt den Versuch, sowohl der Musikwissenschaft wie der Latinistik das jeweils fremde Feld näher zu bringen. Die erste kritische Edition der Hebdomas leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung des (lutheranischen) Kirchen- und Schulliedes auf Latein, besonders aber der Rekonstruktion einer Schulkultur des 16. Jahrhunderts, wie sie in den orthodox-lutheranischen Gebieten üblich war.