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Selbstporträt im Hexenspiegel
Charles Nègres Selbstportrait im Hexenspiegel ist eine der ungewöhnlichsten frühen Fotografien überhaupt. Die Daguerreotypie zeigt den großen Pionier der französischen Fotografie vervielfacht in einer sogenannten „sorcière“, einem elfteiligen Konvexspiegel. Die einzigartige, bislang unpublizierte Aufnahme, die sich in der Sammlung Herzog befindet, wird hier der Öffentlichkeit vorgestellt. Das vermutlich 1845 oder kurz davor entstandene Werk gehört zu den ganz wenigen von Nègre erhaltenen Daguerreotypien und ist darüber hinaus eine höchst rätselhafte, interpretationsbedürftige Aufnahme. Die Verwendung des Hexenspiegels gibt ihr nicht nur unter den zahlreichen von Nègre geschaffenen Selbstbildnissen eine Sonderstellung, sondern macht sie zu einer der bemerkenswertesten Daguerreotypien und frühen Fotografien überhaupt. Sie ruft – auch dadurch ein vielfaches Spiegelbild – in herausragender Weise eine Fülle der in den ersten Jahrzehnten der Fotografiegeschichte breit diskutierten Themen auf. Die Beiträge dieses Bandes loten das komplexe wie enigmatische Werk aus und verorten es in der Geschichte der Fotografie.
Warum gibt es vier Jahreszeiten? Gibt oder gab es Kulturen, bei denen nicht vier Jahreszeiten das Jahr ausmachen? Was bedeutet das wiederum für unsere fest verankerte Vorstellung von den vier Jahreszeiten? Welches Zeitmodell steht hinter der Idee der Jahreszeiten? Und: was bedeutet eine solche Einteilung in unserer Kulturepoche, in der die Grenzen zwischen den Jahreszeiten zunehmend verschwimmen? Solchen und weiteren Fragen zum Thema »Jahreszeiten im Wandel der Kulturen und Zeiten« widmet sich der Sammelband, der auf eine im Sommer 2011 in Köln veranstaltete Tagung zurückgeht. Entsprechend der Zielsetzung des Internationalen Kollegs Morphomata behandelt er das Thema sowohl diachron als auch im Kulturvergleich. Anhand von Fallbeispielen wird erstmalig ein umfassender Einblick in die divergierenden Bilder der Jahreszeiten in Meteorologie, Ritual und Kunst geboten, wobei neben den ›klassischen‹ Jahres zeitenvorstellungen (von der römischen Antike bis in die Kunst der Gegenwart) auch von diesem für uns ›tradi tio nellen‹ Modell abweichende Jahreszeitenvorstellungen (etwa in Mesopotamien, Ägypten, Altamerika, aber auch im antiken Griechenland) in den Blick genommen werden.
Zur Genesis der Moderne bei Baudelaire und Flaubert
Ein einheitlicher Stilbegriff ist in der Moderne kaum zu finden. Aber ist die Geschichte des Stils deshalb zu Ende? Ist eine Moderne ohne Stil überhaupt denkbar? Historisch und systematisch weist die vorliegende Studie im 19. Jahrhundert einen epochemachenden Wendepunkt des Stilbegriffs nach. An pointierten Analysen aus der ästhetischen Theorie und insbesondere dem prosapoetischen Spätwerk von Charles Baudelaire und Gustave Flaubert werden die Einschreibungen der Autoren in antike und moderne Stilparadigmen herausgearbeitet, die Spuren des Stil(u)s aber auch in philosophisch-theologische Quellen von Platon, Paulus, Augustinus oder Pascal über Kant, de Sade bis Poe und Nietzsche verfolgt und so eine bisher verstellt gebliebene Poetik des Stils rekonstruiert, die den modernen Stilbegriff neu bestimmt. Eindrücklich lässt sich an der Arbeit der Autoren am Stil zeigen, wie sich die Moderne mit einer einzigartig anderen Genealogie verbindet, die das klassische, logozentrische, abendländisch-aufgeklärte Ursprungsdenken lapidar durchkreuzt, der Moderne buchstäblich neue Quellen, Intertexte und Ursprünge, erschließt. Die hier umfassend untersuchten Stilreflexionen von Baudelaire und Flaubert eröffnen einen neuartigen Zugang zu Werk und Denken der zwei wichtigsten Autoren der französischen Moderne – und ergänzen die subjektfixierte Theorie der Moderne um eine andere Dimension.
Das Denkbild des Heiligen im anthropologischen und ästhetischen Diskurs der Moderne
Author: Alexander Kuba
Attribute wie heilig, sakral und vor allem tabu bezeichnen ein ambivalentes Phänomen, das sich die Moderne mit dem Bedeutungsspektrum des lateinischen ›sacer‹ erklärt hat: ehrwürdig und unantastbar, aber auch verworfen und unberührbar, strikt von der Sphäre des ›profanum‹ getrennt und irreduzibel anders.
Doch das lateinische Wort ›sacer‹ hat seine Verständlichkeit verloren. Die Moderne überblendet es mit einem ethnologischen Tabubegriff, der die Leitdifferenz heilig/profan mit der Binnendifferenz rein/unrein verbindet und so die Faszinationsgeschichte eines anziehenden Schreckens schreibt, der sich im Deutschen nicht durch ein einzelnes Wort wiedergeben lässt. Von William Robertson Smith, James George Frazer, Sigmund Freud und Rudolf Otto über Émile Durkheim, Marcel Mauss und Claude Lévi-Strauss bis zu Georges Bataille und Antonin Artaud zeichnet das Buch diesen Diskurs nach.
Zur Ehrenrettung der apokalyptischen Phantasie
Warum hat der Dritte Weltkrieg nicht stattgefunden? Das ist die Leitfrage des vorliegenden Buches. Es beschreibt die Rolle der apokalyptischen Phantasie, die sich und uns das Schlimmste ausmalt, um es zu verhüten. Dabei erleben wir die Einbildungskraft zunächst auf Aufholjagd. Der Erste Weltkrieg war als totaler Krieg ein nie dagewesenes Ereignis, das erst in den Raum des Vor- und Darstellbaren ineintransportiert werden mußte. Das leistete insbesondere die deutsche und englische Kriegsdichtung, die gleichsam als Augenzeugenbericht direkt auf dem Kriegsschauplatz entstand, und die spätere Aufarbeitung im Roman (Im Westen nichts Neues) und Kino (Westfront). Zur Verhinderung des Zweiten Weltkriegs reichten die so aufgebauten ästhetischen Widerstandspotentiale allerdings nicht aus. Erst der sich in Reaktion auf die neuerliche Erfahrung entgrenzter Gewalt ausbildende Darstellungsmodus des schwarzen Humors (Catch-22, Dr. Strangelove) war effektiver. Die entsprechend trostlose, doch fieberhafte und multimediale Ausmalung des atomaren Weltuntergangs, die Welle (post)apokalyptischer Phantasien in den Romanen, Filmen, Theaterstücken, Songs insbesondere der 1970er und 1980er Jahre, so eine zentrale These der Untersuchung, hat ihn verhindert. Einen Grund zum Feiern gibt es trotzdem nicht. Die Arsenale sind weiterhin gefüllt. Auch die Militärstrategen sind phantasiebegabt und manövrieren ohne Unterlaß. Der Kampf der Kriegsspiele und Simulationen geht weiter.
Ein kulturwissenschaftlicher Grundriss
Wer kennt es nicht? Man steht vor dem übervollen Kleiderschrank und hat trotzdem das Gefühl, nichts anzuziehen zu haben. Laura Bieger, Annika Reich und Susanne Rohr nehmen dieses Problem nicht bloß ernst, sondern zeigen uns seine kulturwissenschaftliche Dringlichkeit. Entgegen ihres schlechten Rufs führt uns die Mode nicht an die Oberfläche unserer Kultur, sondern an ihre Grundfesten: zur gemeinsamen Schmiede unserer Begehren, zur rückhaltlosen Verschränkung von Massenkonsum, Identitäts- und Körperproduktion, zum modernen Diktat des Immerneuen und seinen Herausforderungen an unser Selbsterleben, zur Einverleibung des Politischen in das Ästhetische. Mit Beiträgen von Laura Bieger, Annika Reich, Susanne Rohr, Annette Geiger, Ulrich Lehmann, Kaja Silverman, Barbara Vinken und Hanne Loreck.
Denkfiguren zwischen Literatur und Philosophie in Walter Benjamins "Einbahnstraße" und "Berliner Kindheit"
Author: Eva Axer
Aura und Eros markieren in Walter Benjamins Denken ein Spannungsfeld philosophischer Fragestellungen, anthropologischer Überlegungen und politischer Intervention. Dass in diesem Kontext zu Benjamins theoretischem Repertoire auch literarische Motive gehören, wurde bislang kaum gesehen. Anhand detaillierter Lektüren von Benjamins »Einbahnstraße«, der »Berliner Kindheit um neunzehnhundert« sowie seinen Essays zur Krise der Erfahrung in der Moderne zeichnet Eva Axer Benjamins Auseinandersetzung insbesondere mit dem Kosmiker Ludwig Klages nach. Im Zentrum steht dabei Benjamins Versuch, den Begriff der Erfahrung in Abgrenzung zu lebensphilosophischen Strömungen zu besetzen. Das Buch rekonstruiert, wie Benjamin literarische Motive und biographische Figuren in die Darstellung seiner philosophischen Konzepte einbezieht und andererseits Momente seiner Sprachphilosophie auf die literarischen Darstellungen überträgt. Das Buch wirft somit gleichermaßen neues Licht auf Benjamins Darstellungsverfahren und Denkfiguren.
Briefwechsel und Materialien
Author: Dirk Kemper
Heinrich Mann und Walter Ulbricht bewegten sich auf schwierigem Terrain, als sie 1936 im Pariser Exil an der Bildung einer deutschen Volksfront arbeiteten. Die Frage, ob die beiden großen Arbeiterparteien, SPD und KPD, Hitlers Machtergreifung durch ein Bündnis hätten verhindern können, belastete das Engagement dieser so verschiedenen Männer schwer. Wie standen sie zueinander?
Heinrich Mann war Präsident des Komitees zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront und Walter Ulbricht Vertreter der KPD. Letzerer agierte als Parteitaktiker und Erfüllungsgehilfe wechselnder Moskauer Interessen, jener als bürgerlicher Gesinnungsethiker, der sich in erstaunlicher Weise kommunistischen Positionen annäherte. Heinrich Mann gehörte bereits 1932 zu den Unterzeichnern des Dringenden Appells zur Aktionseinheit der KPD und der SPD gegen die Nationalsozialisten. Dafür schlossen ihn die Nationalsozialisten von der Akademie der Künste aus und entzogen ihm die deutsche Staatsbürgerschaft.
Auch Ulbricht war ins Exil gezwungen worden. Er hatte nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die Arbeit der KPD illegal weitergeführt.
In ihrem Kampf für ein gemeinsames Ziel kam es zu gegenseitigen Verdächtigungen, Schuldzuweisungen und Verunglimpfungen.
Umstritten ist bis heute die Frage: Wer sprengte die Volksfront? War Heinrich Mann wirklich ein »unwissender Magier« an Ulbrichts Fäden? Oder hat das Scheitern ihres großen Ziels seine Gründe im Scheitern der Existenzen im erzwungenen Exil?
Aus dem Briefwechsel gewinnt Dirk Kemper interessante Einblicke in das schwierige Verhältnis der beiden Männer.
Wie systematisch ist Hegels System?
Das Bild der Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels, wie wir es kennen, ist zu großen Teilen immer noch eine Frucht des Stilisierungswillens seiner Schüler, die nach dem Tode des Meisters dessen Lehre systematischer präsentieren wollten, als diese in Wahrheit gewesen ist. Es gibt viele Untersuchungen zu seinen Teilen, aber kaum ein Buch zum Ganzen des Systems.
Gerade im Blick auf den anstehenden Abschluss der Edition der Vorlesungen innerhalb der Gesammelten Werke müsste aber eine Frage mit Nachdruck gestellt werden: Wie sieht es in Wahrheit mit Hegels System aus? Das System ist nicht so systematisch wie es scheint, oder, anders gesagt, das späthegelsche System ist nicht so stringent, wie man meinen könnte.
Die Lebensumstände des "Mannes ohne Eigenschaften"
Author: Nanao Hayasaka
In welcher Wohnung wurde Musils »Mann ohne Eigenschaften« geschrieben? Wie sieht der Wallfahrtsort aus, wo der 19-jährige Musil seine ekstatische Initiation erlebte? Wie lebte es sich in den wechselnden Wohnungen des Autors und welchen Einfluss hatte Musils Umfeld auf sein Schaffen? Nach zahllosen Reisen und aufwendigen Recherchen ist es Nanao Hayasaka gelungen, diese Fragen zu beantworten und neue, kostbare Einsichten in das Leben des Schriftstellers zu gewinnen. Anhand zahlreicher Grundrisse und Bilder wird gezeigt, wie Robert Musil lebte und wo er schrieb. Auch 70 Jahre nach dessen Tod gibt es noch viel zu entdecken und zu erforschen.