Zu einer pikturalen Logik des Exemplarischen
Reihe: Eikones
HerausgeberInnen: Andreas Cremonini und Markus Klammer
Die Untersuchung von Strukturen des Exemplarischen ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus geisteswissenschaftlicher Forschung gerückt, doch wurde es bisher verabsäumt, die besonderen Funktionen von Bildern als Beispielen, Illustrationen und Exempla in systematischer und historischer Perspektive zu thematisieren. Im Mittelpunkt der vorliegenden Publikation steht die Frage, wie Bilder – sowohl in der Rolle von konkreten Artefakten als auch von »theoretischen Objekten« – in epistemologische, kunsttheoretische, psychoanalytische und philosophische Diskurse eingebunden sind. Die Grundannahme des Bandes lautet, dass im diskursiven Umgang mit Bildern eine Logik des Exemplarischen vorherrschend ist, welche die Allgemeinheit der Argumente an die konkrete Gegebenheit eines Anschaulichen bindet. »Logik« ist dabei in einem weiten, inklusiven Sinn zu verstehen, der die lange Tradition der Rhetorik ebenso umfasst wie Immanuel Kants Überlegungen zum reflexiven ästhetischen Urteil.

Sorge, Wahrheit, Technik
Chor-Denken« erkundet erstmals die Zusammengehörigkeit des griechischen Theaterchores und der antiken Sorge- und Wahrheits-Techniken, denen Michel Foucaults letzte Arbeiten galten. Dabei geht es auch um ein dezidiert nicht-heideggerianisches Verständnis des antiken Theaters. Denn was »die Griechen getan haben, war nicht, in einer welthistorischen Geste das Sein zu enthüllen oder das Offene zu entfalten. (...) Es besteht darin, das Außen umzubiegen, in praktischen Übungen.« (Deleuze)
Gleichzeitig widmet sich die Studie aus gegenwartsdiagnostischer Perspektive den überraschenden Berührungspunkten zwischen der antiken Schwellenzeit des 6. und 5. Jahrhunderts und der vernetzten »Kosmo-Polis« des 21. Jahrhunderts: Detaillierte Neulektüren von Sophokles, Aischylos, Euripides und Aristophanes setzen historische Transformationen des antiken Kosmosverständnisses in Bezug zur Entstehung kontrollgesellschaftlicher (Deleuze) bzw. environmentaler (Foucault) Regierungsformen, die heute Lebewesen und Dinge immer feinmaschiger über Umweltvariablen zu steuern versuchen.

Figuren der Menge
HerausgeberInnen: Hermann Doetsch und Cornelia Wild
Die Menge rückt im 19. Jahrhundert ins Zentrum der Aufmerksamkeit, da sich mit ihr auf vielfältige Weise die durch die Tendenzen der Modernisierung und deren Deregulierungen hervorgerufenen Probleme und Aporien exemplarisch verhandeln lassen. Die Modernität der Menge besteht in der Dynamik der Ströme von Körpern, der Vielheit, der multitude, des Schwarms oder des Gewimmels, obwohl die Figur selbst eine Figur des Singulars ist.
Der Band bestimmt die Arten und Weisen der Repräsentation der Menge in den Paradoxien ihrer Darstellbarkeit und medialen Inszenierungen, die Dispositive der Wahrnehmung, die sprachlichen Ordnungen und Mechanismen ihres Ausschlusses, ihre Epistemologien und Figuren in Literatur und Film, Diskursen und Theorien.
Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Walburga Hülk, Wolfram Nitsch, Gianluca Solla, Georges Didi-Huberman u. a.

Über die Folgen der Netz- und Geopolitik von Facebook, Google, Amazon & Co.
Sind Mensch-Medien-Vernetzungen demokratiefähig? Wie können Demokratieoptionen greifen, wenn das Individuum in der technischen Vokabel der User*in aufgelöst wird? Wenn sich Demokratie im ständigen Zugang zu allen Informationen manifestiert, wie funktioniert sie in einem System, das Informationen ›vorsortiert‹? Die vorliegende Studie ist datentechnische Entwicklungsgeschichte und zukunftsorientiertes Gedankenexperiment zugleich. Ausgehend von der Annahme, dass eine zunehmende gesellschaftliche Digitalwerdung – insbesondere durch Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und Twitter – weitreichende Sozialveränderungen bis hin zum Gesellschaftsersatz auslöst, stellt Manfred Faßler kritische Fragen an die derzeitige Konstitution von Sozialem und Politischem und dabei den Demokratiebegriff in den Fokus seiner Überlegungen.

Kulturelle Narrative des Selbst in der deutschsprachigen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Welche Antworten gibt die Literatur auf die Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten eines Selbstentwurfs, also jenes Prozesses der Identitätsbildung, den ein Individuum durchläuft, wenn es nach individueller Selbstbeschreibung strebt? Orientierungs- und Reibungspunkte von Selbstentwürfen bilden kulturelle Narrative, also jene Denkangebote, die eine jeweilige Kultur zur jeweiligen Zeit für das Individuum bereithält. Sie umfassen Diskurse über Ethnie, Religion, Geschlecht, soziale Werte usf. Einsatzpunkt der Studie ist die Aufklärung, weil sich hier die moderne Idee vom bürgerlichen Individuum herausbildet, die bis heute Gültigkeit hat. Untersucht werden Erzählungen, Redeweisen und Denkmuster, die in literarischen Texten von u.a. Jean-Jacques Rousseau, über Ludwig Tieck und Arthur Schnitzler, hin zu Eva Menasse und Julia Franck ablesbar sind.

Aspekte von Werk und Wirkung
HerausgeberInnen: Sonja Asal und Annette Meyer
Der Philosoph Ernesto Grassi (1902–1991) gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den bekanntesten und einflussreichsten Professoren der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Band arbeitet verschiedene Aspekte seiner intellektuellen Biographie heraus und leistet damit einen Beitrag zum akademischen Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik. Im Vordergrund stehen Grassis Wirken in München, seine Auseinandersetzung mit der deutschen Philosophie, seine Versuche zur Neukonstituierung einer bürgerlichen Öffentlichkeit im Nachkriegsdeutschland und seine internationale Ausstrahlung.
Michel de Montaigne und seine englischen Leser des 17. Jahrhunderts
Michel de Montaigne hat mit seinen Essais eine Form des Schreibens erfunden, die früh auch in England Fuß fasst. Entscheidend für die innovative Form ist eine Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Öffentlichkeit und Privatheit.
Die Relevanz der Kategorien Öffentlichkeit und Privatheit ist in der Forschung zu Montaigne und zur Geschichte des Essays bislang unterbelichtet geblieben. Die Arbeit erschließt ihre Semantik bei Montaigne und arbeitet sie als zentrales Element der Formgebung der Essais heraus. Wie an John Florios früher Montaigne-Übersetzung gezeigt wird, etabliert sich die neue Form schnell in England. Ihrer Funktion wird anhand einer vergleichenden Analyse der moralphilosophischen und politischen Reflexion bei Montaigne und seinen Lesern Francis Bacon und William Cornwallis nachgegangen.
HerausgeberIn: Jochen Sattler
Mit diesem Band wird die Dokumentation einer Tagungsreihe zur Philosophie Oskar Beckers fortgeführt. Die Tagungen wurden im Zusammenhang mit der Herausgabe der Gesammelten Werke von Becker in den Jahren 1999–2008 an der FernUniversität in Hagen durchgeführt.
Der Band enthält Beiträge zu Fragen der Erkenntnistheorie und der Ethik in der Phänomenologie; ferner werden Beckers wissenschaftstheoretische und -historische Arbeiten zu den Grundlagen der Mathematik untersucht. Aus dem Nachlass des Philosophen wird eine Mitschrift der Freiburger Vorlesung „Grundfragen der Phänomenologie“ aus dem Wintersemester 1924/25 veröffentlicht.
Religiöse Erfahrungen in deutschsprachiger Prosa der ästhetischen Moderne
Seit den frühen Schriftzeugnissen ist die religiöse Erfahrung ein zentraler Topos. Ihre vielfältigen Formen und Funktionen kennzeichnen nicht nur kosmologische und prophetische Texte, sondern ebenso philosophische Dialoge sowie Epos, Drama und Lyrik.
In der Romantik markieren Form und Funktion von religiösen Erfahrungen eine ideengeschichtliche Zäsur, die für die ästhetische Moderne konstitutiv ist. Deren Auswirkungen widmet sich die hier vorliegende Studie anhand der systematischen Analyse von Epiphanien in deutschsprachiger Prosa der Romantik und der 1920er bis 1950er Jahre. Dabei zeigt sich, dass traditionelle und aufklärerische Darstellungsverfahren religiöser Erfahrungen sowie die Sakralisierung von Profanem ineinandergreifen. Epiphanien sind gerade im Ausgang von individuellen sowie historischen Krisenerfahrungen Ausdruck der literarästhetischen Herstellung und Reflexion sakraler Deutungsschemata.
Mikrohistorie und Mediengeschichte
Reihe: Film Denken
Der kleine Film legt keine Ontologie des Mediums nahe, sondern eine Möglichkeit das Kleine als historiografische und filmtheoretische Größe zu thematisieren. Das Buch befasst sich mit drei Sammlungen von Amateuraufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus und konfrontiert sie mit Siegfried Kracauers Geschichte – Vor den letzten Dingen – mehrere verschollene Gegenstände, die zu der Frage führen, wie sich das Kleine im historiografischen Prozess zum Großen positionieren lässt. Kracauers methodisches Grundproblem des Maßstabs wird in Varianten durchgespielt: vom Einzelding zur Geschichte, vom Gelegenheitsbild zum Filmmotiv, vom Aufsatz zur Filmtheorie und zuletzt vom kleinen Film zur kulturgeschichtlichen Mikrologie. Dabei geht es nicht um Kleinigkeitskrämerei, sondern um das, was bleibt, wenn die großen Schauplätze der Filmgeschichte in den Hintergrund treten.