Wenn die Apparate aus dem täglichen Umfeld verschwinden, tauchen sie an anderer Stelle wieder auf: als Objekte der Reminiszenz, als Gegenstand der künstlerischen Erforschung und der musealen Inszenierung.
Die neuere Mediengeschichte erscheint als eine Geschichte der Dematerialisierung. Sukzessive Auflösung der verschiedensten Medienapparate im Zuge der Digitalisierung, Ausdünnung der materialen Hardware und Reduktion von Schnittstellen. Wenn aber die Gegenwart der Mediennutzung von einem umfassenden Rück- und Abbau des Apparativen bestimmt wird, so findet dieser Abbau seine Gegenbewegung in einer Konjunktur von Inszenierungen des Apparativen, die ihre Schauplätze abseits des Technikmuseums im Kunstmuseum, im Programmkino und auf der Theaterbühne haben. Vor diesem Hintergrund perspektiviert der Begriff der „Attraktion“ sowohl die Exposition und Mise en scène von Apparaturen als auch eine Zäsur innerhalb der Aufmerksamkeitsökonomie.
Medien der Ungewissheit
In diesem Buch werden die medialen Konfigurationen »Bild« und »Spiel« über ihren jeweiligen Umgang mit Ungewissheit in Beziehung gesetzt. Diese Arbeit geht davon aus, dass die Auseinandersetzung mit Ungewissheit mehr denn je den geistigen Problemhorizont der Gegenwart bestimmt und auch zukünftig bestimmen wird. Die Rolle der Medien besteht dabei unter anderem darin, die paradoxe Erfahrung, dass alles kontingent ist, außer der Kontingenz selbst, in einen Umgang mit Ungewissheit zu transformieren, in dem letztere zwar nicht getilgt, aber eben »umgänglich« gemacht wird. Hier liegt der Einsatzpunkt des Buches: Formen der Wissensgenerierung, die sich des Spiels bedienen, um mit Kontingenz umzugehen.
A woman is implicated in an assassination and captured on CCTV. Instead of looking for a truth behind the image – is she really guilty? – the writer and curator Shumon Basar dives deeper into the image itself. The kaleidoscopic result of this “paranoid, associative portrait” is the gateway for the authors of this volume to meme Basar’s encounter with the digital image and to unfold what can be recognized as a post-digital image practice.
To cut, to split, to reformat, to rearrange, to zoom – these techniques mix up the relation of reality and its representations and show that questions concerning the truthfulness of images under post-digital circumstances come to a dead end. The mimetic status of imagery, the search for the one and only original or false copy becomes an unsolvable quest in a world that is overloaded with images. What the authors of this volume therefore call for is not to neglect the concept of mimesis but to treat it as even more important – though as a dynamic not as a normative, hierarchical ranking tool.
Die 18. Ausgabe des Archivs für Mediengeschichte ist den Folgen gewidmet, denen Geschichte – sei es als Ereignis, Struktur, Repräsentations- oder Denkform – durch die medialen Konstruktionen von „Deep Time“ und Mikrotemporalität ausgesetzt ist.
Damit schließt die Themenstellung vor allem an die Anthropozän-Debatte an, mit der der Begriff der Tiefenzeit eine aktuelle Konjunktur und in Bezug auf die Konzeptualisierung von Mediengeschichte verschiedene neue Akzentuierungen erfahren hat. Das Heft setzt sich zum Ziel, neben der Medialität der Tiefenzeit auch die Medialität der Mikrozeit und insbesondere die Art und die Konsequenzen ihrer operativen und epistemischen Verzahnung zu thematisieren. Es strebt an, die mit diesen Begriffen verbundenen Medien, Kulturtechniken, epistemologischen Sachverhalte, politischen Zwangslagen und geschichtstheoretischen Probleme aufeinander zu beziehen.
Mit Beiträgen von Lorenz Engell, Wolfgang Ernst, Abelardo Gil-Fournier, Patricia A. Gwozdz, Ann McGrath, Jussi Parikka, Jörg Paulus, Irina Podgorny, Reto Rössler, Eva Schauerte, Peter Schnyder, Patrick Stoffel, Oliver Völker, Geoffrey Winthrop-Young.
In den bisherigen Bänden der Schriftenreihe »Automatismen« widmeten sich Forscher aus den Kulturwissenschaften, der Medienwissenschaft, Psychologie, Soziologie und der Informatik den Erscheinungsformen von Automatismen. Der neueste Band nähert sich ihnen aus der entgegengesetzten Perspektive der Entautomatisierung und ihrer Bedeutung für die Veränderung etablierter Strukturen.
Die Beiträge fragen u.a., ob und inwiefern Entautomatisierung mit der strukturbildenden Funktion von Automatismen zusammenhängt, ob und welche geregelte Rolle Zäsuren und Singularitäten in beider Beziehung spielen oder ob sich Momente der Entautomatisierung subjektiv verorten lassen. Mit Beiträgen von Amy Alexander, Christopher Balme, Annette Brauerhoch, Martin Doll, Norbert Otto Eke, Lioba Foit, Ute Holl, Timo Kaerlein, Carmin Karasic, Laura Marks, Michaela Ott, Drehli Robnik, Chris Tedjasukmana, Renate Wieser und Anke Zechner.
Signaturen des Medialen
Das Handbuch Mediologie präsentiert zweiundvierzig Stichworte zu einer kulturwissenschaftlichen Medientheorie, wie sie während des zehnjährigen Bestehens des Forschungskollegs »Medien und kulturelle Kommunikation« nicht zuletzt in der Kolleg-Schriftenreihe »Mediologie« entworfen worden ist.
Diesem Kontext entsprechend verzichtet das Handbuch auf mögliche Definitionsversuche des Medialen oder bestimmter Einzelmedien. An deren Stelle setzt es Beschreibungen der Operationsweisen von Medien, die deren technologisch-apparativen Grundlagen genauso zu erfassen suchen wie ihre Verflechtungen mit sozialen Institutionen und ästhetisch-semiotischen Ordnungen. Neben Darstellungen zu den wichtigsten medialen Verfahren versammelt der vorliegende Band vor allem Beiträge, die die interdisziplinäre Reichweite einer kulturwissenschaftlichen Medientheorie dokumentieren.
Angeletics as an Approach to the Phenomenology of Communication - Die Angeletik als Weg zur Phänomenologie der Kommunikation
Wir leben in einer Gesellschaft, die stark durch digitale Botschaften geprägt wird. Im Gegensatz zur Hermeneutik, die sich mit deren Deutung befasst, will die Angeletik das Phänomen von Boten und Botschaften selbst philosophisch erörtern.
Gegenwärtig führt die interaktive digitale Informationstechnik zu einer Verschiebung von Machtstrukturen bezüglich Boten und Botschaftsverbreitung, einem »angeletic turn«.
Die Angeletik bietet einen Reflexionsraum, in dem die Bezüge zwischen Sendern, Nachrichten und Empfängern ergründet werden können.
Politische Interventionen durch Theater und Musikvideo
Author: Daniel Hornuff
Bisher galten Chor, Botenbericht und Mauerschau als Relikte der Antike. Sie waren Mittel der Beglaubigung und an Körper gebunden. Doch in vielen Musikvideos kommt es ebenso wie im politischen Theater zu einer ikonischen Wende: Seit dem 20. Jahrhundert sprechen engagierte Inszenierungen dokumentarischen Bildern die Funktionen von Chor, Botenbericht und Mauerschau zu. Das Buch erzählt die Geschichte eines Theaters, das Anklage erhebt gegen die Missstände der Welt. Und es zeigt, dass auch viele Videoclips die Misere des Lebens vor den Richterstuhl der Öffentlichkeit stellen. Unter anderem setzen Erwin Piscator, Peter Weiss, Wilfried Minks, Madonna, die Scorpions und Linkin Park auf die Zeugenschaft des visuellen Dokuments. Ihre Inszenierungen treffen sich im Glauben an die Überzeugungskraft der Bilder. Ganz so, wie einst die griechische Tragödie im Körper ein Indiz der Wirklichkeit sah.
Potentiale einer akustischen Figur
Als Resonanz wird in der Physik das Mitschwingen eines Systems verstanden, dessen Eigenfrequenz mit der Anregungsfrequenz einer äußeren Kraft annähernd übereinstimmt. Die Frage, welches Anregungspotential von dieser akustischen Figur ausgeht, führt zu den vielfältigen modellhaften, metaphorischen und methodologischen Dimensionen des Begriffs. Von ihrer Erforschung in Akustik, Musikinstrumentenbau und Kompositionslehre aus schlägt diese Figur auch in anderen Disziplinen Wellen. In Wahrnehmungstheorie und Ästhetik, in der künstlerischen Praxis sowie in der naturwissenschaftlichen Evidenzproduktion changiert die Resonanz zwischen Eigen- und Fremddynamik. Eine aktuelle Debatte um Kulturräume als Resonanzräume stellt Fragen nach der Architektonik synchroner wie diachroner Entwicklungen in Wissenschaft, Kunst und Technik. historische Bezüge in Resonanz zu versetzen.
Die Agenda-Setting-Funktion der Massenmedien
Author: Markus Rhomberg
Kommunikation ist das zentrale Strukturelement demokratischer Systeme. Das, was wir über Politik wissen, wissen wir fast ausschließlich aus den Massenmedien. Diese haben zu großen Teilen die Vermittlungsfunktion für zentrale Fragen der Gesellschaft übernommen. Sie setzen die Themen, die in der politischen Öffentlichkeit verhandelt werden und strukturieren eine kollektive Agenda. Deshalb stehen die Wirkungen und Funktionen der Massenmedien in der Diskussion zwischen Regierten und Regierenden im Zentrum dieses Buches. Dieses Verhältnis wird von den Medien und seinen Wirkungen auf das Publikum bzw. die politischen Akteure geprägt: Welches sind die individuellen Wirkungen medienvermittelter Politik auf politische Informiertheit, Involvement und Verhalten? Wie gestalten sich die langfristigen Folgen für die Gesellschaft und das politische System, im Hinblick auf Responsivität, Partizipationsbereitschaft, Wandlungsfähigkeit und Legitimation?