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Die Moderne im Nationalsozialismus
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Erstmals seit Jahrzehnten liegt mit diesem Buch wieder ein Überblick über die Verfolgung der künstlerischen Moderne durch die Nationalsozialisten vor.
Die Nationalsozialisten haben die »Argumente«, mit denen die künstlerische Moderne verspottet und beschimpft wurde, nicht erfunden, sondern die Äußerungen des Unverständnisses und der Ablehnung begleiteten den Aufstieg der modernen Kunst von Anfang an. Auch solche Anschauungen fallen – sofern sie nicht juristisch relevante Tatbestände erfüllen – unter das Recht auf freie Meinungsäußerung in einer Demokratie. Das Besondere nationalsozialistischer Kunstpolitik liegt in dem Umstand, dass diese privaten Meinungen staatlich sanktioniert und zum Leitfaden für das Handeln öffentlicher Einrichtungen und schließlich des Staates selbst umfunktioniert wurden. Die moderne Kunst wurde öffentlich an den Pranger gestellt.
Ist die Moderne tatsächlich unsere Antike, wie man auf der documenta XII behauptete? Keine Epoche hat die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts so nachhaltig mit neuen Ideen, künstlerischen Konzepten, Programmschriften und geistesgeschichtlichen Denkfiguren versorgt wie die Moderne.
Auf diese Anerkennung folgte aber die Kritik: Die Konzepte und Forderungen der Moderne wurden in Frage gestellt, ihre künstlerischen Gestaltungslehren und Programme auf ihre Brauchbarkeit und ideologischen Gehalte hin überprüft.
Aus der Distanz des 21. Jahrhunderts eröffnen sich veränderte Perspektiven, aus denen die Dispositive der Moderne und ihre zahlreichen rezeptionsgeschichtlichen Brechungen neu befragt werden können: Ausgehend vom Stichjahr 1910 zeigen die Beiträge neue Aspekte der Moderne und ihrer Rezeption bis hinein in die Gegenwartskunst.
Szenographien der Desubjektivierung
Gewalt und Wissen sind intrikat verwoben. Das Wissen um Gewalt kann ihre Kritik ermöglichen. Es kann aber auch Teil der Gewalt selbst sein, etwa wo das Wissen um Lynchings, Folter oder Genozide als offenes Geheimnis und Drohgebärde zirkulieren. Welches Wissen haben Täter*innen, Zeug*innen und Überlebende von Gewalt? Welche Funktion kommt dem Szenischen bei der Produktion dieses Wissens zu? Wie erzeugen oder konterkarieren wissenschaftliche Anordnungen selbst Formen der epistemic violence?

Der interdisziplinäre Band konturiert das Verhältnis von Gewalt und Wissen, Öffentlichkeit und Subjektivität entlang von Positionen aus den Kultur- und Geisteswissenschaften. Er enthält darüber hinaus Beispiele künstlerischen Widerstands und gibt antihegemonialen Stimmen Raum. Im Fokus stehen zum einen das Lager als historischer Knotenpunkt des 20. und 21. Jahrhunderts und zum anderen mediale Dispositive und performative Verkörperungen von Gewalt.
Eine Bildgeschichte des gemalten Vorhangs
Series:  Bild und Text
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Im Akt der Enthüllung lässt ein beiseite geschobener Vorhang etwas zum Vorschein kommen, das zuvor verborgen war, und löst dadurch nicht nur das Interesse aus, dieses weiter zu ergründen, sondern lenkt auch unser Sehen. Dabei wird ersichtlich, mit welchen Mitteln ein Betrachter verführt wird, sich ein Bild anzusehen und wann welche Praktiken bestimmen, ob etwas in einem Bild zu sehen gegeben wird oder nicht gezeigt werden darf. Das vorliegende Buch fragt danach, auf welche Weise ein Vorhang im oder vor dem Bild die Begegnung mit dem Bild provoziert. Denn im Gegensatz zu einem distanzierten Sehen fordern die Vorhänge in den hier behandelten Kunstwerken vom 15. bis zum 19. Jahrhundert (u.a. Vermeer, Tizian, Velázquez, Manet, Cézanne) den Betrachter dazu auf, sich auf das im Bild Gezeigte einzulassen. Es ist ein Sehen, das zwischen dem Davor-Stehen und Sich-im-Bild-Bewegen zu pendeln beginnt. Ein Bild besteht somit weniger darin, Bedeutungsträger zu sein, sondern vielmehr darin, ein Zusammenspiel mit dem Betrachter und ein Sehen im Bild zu entfachen, dessen Reiz im Schauspiel des Halbversteckten liegt.
Begriff – Wahrnehmung – Installationen der zeitgenössischen Kunst
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Digitale Codes bleiben in der Regel der Wahrnehmung entzogen, doch in Installationen der zeitgenössischen Kunst ist der Status zwischen immateriellem Code und sichtbarer Erscheinung künstlerisch reflektiert und ikonisch gewandelt.
Die Studie zeigt dies entlang eines Dreischritts: Die Theorie des Codes legt zunächst die Begriffsgeschichte des Codes dar und verleiht einem facettenreichen Begriff Kontur, indem sie dessen Verwendung in verschiedenen Forschungsdisziplinen systematisch analysiert. Die sodann entwickelte Ästhetik des Codes denkt Code, Bild und Erscheinung zusammen, legt den Fokus auf wahrnehmungsästhetische Fragestellungen und das transformative Potenzial des Codes. Im Zentrum einer Aisthesis des Codes stehen schließlich fünf Künstler:innen, deren Arbeiten sich durch generative Codierungsprozesse und codereflexive Verfahren auszeichnen. Detaillierte Analysen der installativen Arrangements zeigen auf, wie Code und Erscheinung in ein oszillierendes Wechselspiel versetzt werden.
Zur Wende im Kräfteverhältnis zweier Theaterformen zwischen 1869 und 1918 in Berlin
Anders als heute war der Zirkus um 1900 überaus erfolgreich in Berlin – so erfolgreich sogar, dass er für das bürgerliche Literaturtheater eine bedrohliche Konkurrenz darstellte. Dies führte nicht nur zu Diskreditierungen des Zirkus in theaterinternen Debatten, sondern auch zu politischen Vorstößen von Bühnenverbänden gegen die Präsenz und Aufführungspraxis der Zirkusse. Doch obwohl die Theatergesetze zwischen 1880 und 1900 zu Lasten der Zirkusse verschärft wurden, war ihr Erfolg bis in die 1910er Jahre ungebremst. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte sich das Kräfteverhältnis der beiden Theaterformen jedoch um. Das Buch beleuchtet die komplexe Verflechtung von Akteur:innen und Faktoren, die zu dieser Wende führten, und zeichnet ein Bild der Ausgangslage des heutigen Theatersystems im deutschsprachigen Raum, das heißt der Theaterpraxis wie auch des grundlegenden Förderverständnisses. Zudem gibt es Antworten auf die Frage, wie der Zirkus zu seinem Status als „niedere“ oder Nicht-Kunst kam.
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Ästhetik und Physiologie im 19. Jahrhundert
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Das Buch untersucht die neuen Körperbilder in der Kunst der französischen Moderne aus naturwissenschaftlicher Perspektive. Im 19. Jahrhundert vollzieht sich in der französischen Kunst ein bemerkenswerter Wandel: Das Ideal ästhetischer Lebendigkeit weicht der Manifestation der künstlerischen Mittel, die das Dargestellte seines vitalen Illusionismus berauben und als materiell Gemachtes hervorkehren. Die Repräsentation des Menschen verliert ihre Rolle als dominantes Sujet und wird in ihrer ‚Wahrhaftigkeit‘ hinterfragt. Das Buch beleuchtet diese Entwicklung aus medizingeschichtlicher Sicht. Die Physiologie entwirft ein materialistisches und deterministisches Menschen- und Körperbild, das in Konkurrenz zur anatomischen Lehre tritt und Fragen der Darstellbarkeit, aber auch Willensfreiheit und Handlungsmacht aufwirft. Werkbeispiele aus der Zeit zwischen 1800 und 1900 zeigen auf, wie unterschiedlich die Kunst auf diese Verwerfungen reagierte – und neue Körperbilder entstanden.
Ein Grundlagentext zur Praxis und Ästhetik des japanischen Nō-Theaters. Zweisprachige Ausgabe. Übersetzt, philosophisch erläutert und herausgegeben von Ryōsuke Ōhashi, Rolf Elberfeld und Leon Krings
Das Buch bietet eine philosophisch kommentierte Übersetzung des altjapanischen Textes von Zeami zur Praxis und Ästhetik des Nō-Theaters.
Zeami beschreibt nicht nur die Praxis des Schauspielers in verschiedenen Aspekten, sondern entwickelt auch zentrale ästhetische Kategorien für die Rezeption des Nō-Theaters. Die Übersetzung wird ergänzt durch interpretierende Aufsätze zu Themen wie der Maske im Nō-Theater, dem Gebrauch des Körpers und einer Ästhetik des Atmens. Der Band liefert somit eine solide Grundlage für eine philosophisch-ästhetische Auseinandersetzung mit einer alten japanischen Schauspieltradition.
Kraft- und Berührungserfahrungen in Kunst und Wissenschaft um 1900
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Kunst wird mit den Augen genossen, aus der Ferne, und vor allem mit dem Geist. „Körper & Objekte" zeigt, wie in der französischen Kunst um 1900 mit diesem Diktum folgenreich gebrochen wurde. Das künstlerische Schaffen von führenden Kunsthandwerkern wie François-Rupert Carabin und Émile Gallé, aber auch das vom Architekten Jules Lavirotte, dem Bildhauer-Mediziner Paul Richer und der Tanzpionierin Loïe Fuller wird hierfür systematisch wissenschaftlichen Studien zum Tast- und Kraftsinn gegenübergestellt. Dabei wird erstmals greifbar, dass sich die ehemals „niederen" Künste zu einer Allianz mit den ehemals „niederen" Sinnen zusammengeschlossen haben: Kunst wird um die Jahrhundertwende mit dem Körper genossen.