Bilder europäischer Reisender im Osmanischen Reich um 1700
Die Sicht Reisender aus Nordwesteuropa auf den östlichen Mittelmeerraum war um 1700 durch die Bibel und antike Quellen, die Kreuzzüge und die osmanische Herrschaft geprägt. Wie fanden diese historischen Schichten Eingang in das Bild der Region, das ihre Zeichnungen und illustrierten Berichte hervorbrachten?
Reisende der Neuzeit fertigten Ansichten historischer Orte und Bauwerke im Osmanischen Reich für ein Publikum in Europa an. Diese Bilder wurden bislang meist als Quellen für die archäologische Forschung genutzt oder als Beleg für einen orientalistischen Blick gewertet. Die Studie beleuchtet sie erstmals in ihrem kulturhistorischen Kontext. Sie waren Teil eines breiten Austauschs über die Antike, für den auch der Kontakt mit lokalen Akteuren eine Rolle spielte. In drei Abschnitten zeigt das Buch auf, wie man das Reisen in die Länder der Bibel und der Antike verstand, wie man historisch bedeutende Topographien visualisierte und wie man sich Monumente und Relikte durch Zeichnen wie durch Sammeln aneignete.
Das Choreodrama "Le Sacre du printemps" im Spiegel der 'Theaterreform um 1900'
Igor’ Stravinskijs "Le Sacre du printemps" gilt als Meilenstein der Musik- und Tanzgeschichte. Gleichwohl hat die Wissenschaft einen Schlüsselaspekt zum Verständnis des Werkes bislang übersehen: die ‚Theaterreform um 1900‘. Leila Zickgraf zeigt erstmals, dass Stravinskij mit dem "Sacre" sein höchst eigenes ‚Theater der Zukunft‘ verwirklichte. Durch die Rhythmen seiner Komposition versetzte er Tänzer wie Publikum in einen körperlich erfahrbaren Rausch, wodurch er die Zuschauer ins Bühnengeschehen integrierte. Mit seiner interdisziplinären Ausrichtung sowie seiner umfassenden Quellenerschließung leistet das Buch einen wichtigen Forschungsbeitrag zu einem noch immer ungenügend ausgeleuchteten Meisterwerk.
Der literarische Realismus und die Kunst, Schulden zu erzählen
Finanzmärkte gelten als ominös und undurchschaubar. Schon die Realisten des 19. Jahrhunderts sind an ihrer Darstellung verzweifelt. Philippe Roepstorff-Robiano rekonstruiert ihre literarischen Versuche, Licht ins Dunkel zu bringen.
2008 erschütterte eine durch den Handel mit Hypotheken verursachte Wirtschaftskrise die Welt, deren Vorgeschichte bereits im 19. Jahrhundert beginnt. Die Studie führt mitten in diese bewegte Zeit, in der sich die gegenwärtige Architektur der Finanzmärkte konstituierte. Damals waren es nicht nur zeitgenössische Ökonomen wie David Ricardo oder Karl Marx, die über die gesellschaftlichen Auswirkungen des entstehenden globalen Kreditmarkts Auskunft gaben, sondern auch Romanciers wie Honoré de Balzac, George Eliot und Herman Melville. In ihren Kreditfiktionen liegt ein literarisches Wissen über den Handel mit Schulden verborgen, das an Relevanz und an Brisanz kaum eingebüßt hat.
Selbstformungen im 15. und 16. Jahrhundert
Die Studie „Leonardos Bart“ liefert erstmals aus kunsthistorisch-interdisziplinärer Perspektive umfassend und systematisch Einblick in die Sozialfigur des Künstler-Philosophen, die sie in den Selbstformungen frühneuzeitlicher Künstler findet. Dabei sind es antike Größen wie Sokrates und Aristoteles, die von Künstlern wie Leonardo da Vinci und Michelangelo Buonarroti als Vorbilder einer Anähnelung gewählt werden. Der Band dient gleichermaßen als Nachschlagewerk für (Selbst-)Darstellungen Leonardos und Michelangelos in Bild und Text. Für diese Übersicht bewegt sich die Analyse zwischen Kunstgeschichte, Philosophie, Literaturwissenschaft und Klassischer Archäologie.
Der Traum als anthropologisches Phänomen erfreut sich in der mittelalterlichen Literatur durch einen facettenreichen Umgang mit diesem Motiv einer besonderen Beliebtheit.
Ausgehend von dem facettenreichen Umgang mit der Traumthematik untersucht das Buch mittelalterliche Erzähltexte, in denen die Liebesthematik mit dem Traummotiv in Verbindung gebracht wird. Unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse bei der Traumdarstellung und -auslegung wendet sich die Studie aus einer komparatistischen und hermeneutischen Perspektive den Fragen zu, wie in den deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Erzähltexten mit dem Motiv des Liebestraums umgegangen wird und welche Funktionen die Liebesträume in den einzelnen volkssprachlichen Literaturen und Texten erfüllen.
Schriftenreihe des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt
HerausgeberIn: Iuditha Balint
Die von Iuditha Balint herausgegebene Reihe des Fritz-Hüser-Instituts fokussiert literatur- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen im Spannungsfeld von Literatur und Ökonomie: Erforscht werden dabei Darstellungen von ökonomischen Prozessen oder Phänomenen, von Ökonomie als gesellschaftliche Sphäre, von Ökonomien des Stils, der Rhetorik oder der Form; beleuchtet werden aber auch theoretische und methodische Überlegungen zum Zusammenhang von Ökonomie, Literatur und Kultur.
Das vielfältige Denken
HerausgeberInnen: Reinhold Clausjürgens und Kurt Röttgers
Der französische Philosoph Michel Serres ist am 1. Juni 2019 verstorben. Er hat etwa 50 Monographien veröffentlicht. Die Bekanntheit der Vielfältigkeit seines Denkens in Deutschland zu fördern, ist Ziel dieses Bandes.
Die Vielfältigkeit des Denkens von Serres, das Vielfältige zu denken, wird in diesem Band aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet. Thematische Akzente sind u.a.: Gemische und Gemenge, das Parasitäre, Boten und Mittler, der Mensch in den Netzen und in seiner Körperlichkeit. Außerdem werden die Berührungen mit anderen Philosophen thematisiert, von Henri Bergson über Michel Foucault bis zu Jean-Luc Nancy. Zu den Autoren der einzelnen Artikel gehören neben Philosophen auch Literaturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Psychologen, Religionswissenschaftler und Mathematiker sowie Wissenschaftshistoriker.
Der Beitrag von Autorinnen und Autoren osteuropäischer Herkunft zur literarischen Kultur im deutschsprachigen Raum
HerausgeberInnen: Matthias Aumüller und Weertje Willms
In den Beiträgen des Bandes wird das große Spektrum der aktuellen Migrationsliteratur von Autorinnen und Autoren aus Osteuropa im deutschsprachigen Raum veranschaulicht und theoretisch diskutiert.
Migration spielt für die Gegenwartsliteratur eine bedeutende Rolle. Sie ist dabei zum einen ein Sujet, das wichtige Veränderungen der Gesellschaft inhaltlich reflektiert, zum anderen manifestiert sie sich auch in sprachlich-formalen Besonderheiten. Denn dadurch, dass die Autorinnen und Autoren dieser Literatur in der Regel selbst Migrationserfahrungen haben, bringen sie neben dem Blick von außen auch nicht selten einen zweiten Sprachhintergrund mit. Dieser wirkt, ebenso wie die inhaltlichen Aspekte, in die literarischen Texte hinein. Die Beiträge des Bandes reflektieren theoretische Fragen sowie einzelne Werke, unter anderem von Maxim Biller, Olga Martynova, Matthias Nawrat, Julya Rabinowich und Katja Petrowskaja.
Dinge, Räume, Narrative
Ob als Motiv, Handlungsschauplatz oder Gegenstand der Kritik – in der Literatur wird das Museum zur Reflexionsfigur der Repräsentierbarkeit und Konservierbarkeit von Welt und Wissen. Museales Erzählen stellt die Frage nach dem Verhältnis von Zeichen und Dingen, von Erinnerung und materieller Kultur.
Die Beiträge widmen sich musealen Räumen, Praktiken und Dingen in literarischen Texten vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter Verschränkung museologischer, kulturhistorischer und literaturwissenschaftlicher Perspektiven geht es einerseits um institutionsgeschichtliche Aspekte verschiedener Museumstypen. Andererseits wird nach museumsspezifischen Formen des Erzählens gefragt: Wie werden die Dinge zum Sprechen gebracht? Welche Rolle spielen Praktiken des Sammelns, Inventarisierens, Kuratierens und Ausstellens?
Denkmuster und Repräsentationsformen vom Alten Testament bis in die Neuzeit
HerausgeberInnen: Andreas Höfele und Beate Kellner
Die Naturalisierung der Geschlechterordnung hat eine eminent politische Bedeutung. Dies lässt sich an der Geschichte der Geschlechter in vormodernen Gesellschaften beobachten, gewinnt aber auch in unseren Tagen erneut unerwartete Aktualität.
Die vermeintliche „Natur“-Ordnung der Geschlechter, die teils explizit behauptet, teils aber auch begründungslos vorausgesetzt wird, demonstriert die Wirkungsmacht von Naturalisierung in besonderem Maße. Gerade hier wird die Umwandlung gesellschaftlich-kulturell bedingter und historisch variabler Verhältnisse in vermeintlich ahistorische und invariable Naturgegebenheit und Naturnotwendigkeit exemplarisch deutlich. Der Band zeigt Strategien und Modelle der Naturalisierung der Geschlechterordnung sowie die Breite und Varianz der Geschlechterrollen vom Alten Testament und der klassischen Antike über naturphilosophische Spekulationen im Mittelalter bis in die Literaturen und die Kunst der Neuzeit.