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  • Geschichte der Linguistik & Sprachphilosophie x
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HerausgeberInnen: Iuditha Balint und Thomas Wortmann
Die Beiträge des Bandes verstehen „Krise“ als einen zentralen Bestandteil kultureller und gesellschaftlicher Institutionen – und gleichermaßen als Ursprung und Effekt von Erzählungen: Einerseits müssen Krisenphänomene narrativ hergestellt, medien-, gattungs- und disziplinspezifisch in Szene gesetzt werden, andererseits dient die Kulturtechnik des Erzählens – nicht nur im engeren Sinne einer talking cure – der Überwindung von und dem Lernen aus Krisen. Dabei stellen Krisen in Erzählprozessen als Ereignis meist den Zeitpunkt unmittelbar vor einem Wendepunkt dar: Krisen erfordern Entscheidungen.
Es gilt die kulturkonstitutiven Potentiale der Zerstreuung zu erforschen, weil sie unser Orientierungswissen in Frage stellen und die ‚Ordnung des Diskurses‘ karnevalistisch subvertieren.

Ausgangspunkt des Bands Ästhetik und Politik der Zerstreuung ist die Annahme, dass die eigentlich produktive Instanz von Kultur ein anonymer Prozess diskursiver Zerstreuung und Zerstreutheit ist, dem als entgegengesetzte Operationen Formen von Sammlung und Konzentration entgegenwirken. Während letztere die Funktionen der Hierarchisierung, Totalisierung und Identifizierung übernehmen, also Ordnung stiften in Bereichen, die eigentlich vom Prinzip der Dispersion gekennzeichnet sind, interessieren sich die Beiträge des vorliegenden Bands für ebenjene Momente kultureller Produktion, in denen das Prinzip der Zerstreuung entfesselt wird, Schlupflöcher findet, Grenzen überwindet und Fluchtlinien eröffnet. Angeregt von Überlegungen der Dortmunder Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Ute Gerhard widmen sie sich in exemplarischen Studien den Praktiken, Räumen, Dingen, Diskursen, Subjekten und Subjektivitäten der Zerstreuung und tragen so dazu bei, deren spezifische Ästhetik und Politik genauer zu konturieren.
AutorIn: Stephan Laqué

Abstract

Hamlet tends to be regarded as a largely immobile man of the mind who fails to move in the material world of action. But right from the start, Hamlet is a play about displacement: the displacement of a dead king who walks the earth, of a corpse dragged around and hidden in the castle, of soldiers dying for a piece of land that cannot even offer them burial, of the bones of the dead thrown out of their graves. Hamlet gradually comes to recognize the extent to which he has to become an agent of the displacement of others and the master of his own displacement until, in the graveyard-scene, he can proclaim that he is “Hamlet the Dane”.

in Poetica
AutorIn: Matthias Thiele

Abstract

Der Beitrag bezieht in seine Analyse von Ein Wildermuth mehrfach den Erzählband als Kontext der Erzählung mit ein. Aufgrund seiner Komposition und Vernetzung der Erzählungen auf mehreren Ebenen wird in einem ersten Schritt die Parallelität von Ein Wildermuth und Das dreißigste Jahr untersucht, wobei sich Themen und Motive in der Gemeinsamkeit bündeln, dass es sich in beiden Fällen um facettenreiche (De-)Normalisierungsnarrationen handelt. Ein Wildermuth hebt sich von Das dreißigste Jahr und allen weiteren Erzählungen des Erzählbandes vor allem durch Komik ab. Entsprechend werden in einem zweiten Schritt die komischen Formen, Verfahren, Elemente und Segmente analysiert, wobei die Gerichtszene mit dem Auftritt des Knopfspezialisten und dem Knopf als sperrigem, uneinhegbarem Ding nicht nur den narrativen Umschlags-, sondern auch den komödiantischen Höhepunkt der Erzählung darstellt. Die durch Kontrast und Inkongruenz erzeugte Komik und komischen Effekte, dienen vor allem zur Distanzerzeugung gegenüber Figur und Erzähler Anton Wildermuth und zur Vermeidung einer identifikatorischen Lektüre insbesondere bezüglich des zweiten Kapitels mit seiner geständnisartigen Narration. Die Distanz und die Komik ermöglichen sowohl die gewitzte Einsicht, dass die weiblichen Figuren narrative Konstrukte Wildermuths sind, als auch die Pointe, dass sein reduktionistisches, Literatur ausschließendes Wahrheitskonzept hochgradig mit Literatur – Märchen und literarisch-kulturellen Weiblichkeitsvorstellungen – verkoppelt ist.

in Sprache und Literatur

Abstract

Peter Huchel’s poetics of ultimate isolation, in which the relationship between private fate and power comes to the fore, is constituted by allusions to allegorically decaying rudiments of peripheral legends and apocrypha. Thus, the traces of a poem by Huchel, which remained uncommented in research, lead to a ballad by Alexander Pushkin and further to the Old-Russian Chronicles. These three poetics, the chronical, the romantic, and the late modernist, formulate historically important ruler-writer constellations, negotiating metaphorical tensions between narration and figuration that go far beyond an intertextual intrigue.

in Poetica
AutorIn: Rupert Gaderer

Abstract

Der Beitrag untersucht das Verhältnis zwischen Kulturtechniken, Dingen und Medien des Rechts in Ingeborg Bachmanns Erzählung Ein Wildermuth (1961). Dabei stellt sich die Frage, inwiefern dem Streit-Ding in der Erzählung eine Akteursbeschaffenheit und dem Recht eine Vernetzungsleistung von Menschen, Akten und Texten zugeschrieben wird. Die Erzählung thematisiert ein epistemologisches Problem, das von einem Streit-Ding ausgehend in unterschiedlichen Varianten durchgespielt wird: Wie ist es möglich, einen Zugang zur (juristischen) Wahrheit zu erlangen, wenn es bereits außerordentlich schwierig ist, etwas über die Identität eines Knopfes auszusagen? Bachmann bezieht sich auf literarische Diskurse der sprachlichen Urteilskraft über Dinge (H. v. Hofmannsthal) und verbindet diese mit der Frage nach juristischen Wahrheitsformen. Dabei zeigt sich die Wahrheitssuche als eine Recherche in den Abgrenzungen eines pädagogischen, juristisch-bürokratischen und sexuellen Dispositivs.

in Sprache und Literatur
AutorIn: Till Breyer

Abstract

Bachmanns Erzählung Ein Wildermuth unterzieht die historische Situation der Rechtsprechung in der Nachkriegszeit einer kritischen Reflexion. Der Gerichtsprozess um den Mordfall Wildermuth wird als prekäres und instabiles Gefüge erzählt, und zugleich verweisen die Reflexionen des Richters auf die Probleme der Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Der Aufsatz geht diesen rechtsgeschichtlichen Bezügen anhand der österreichischen Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen bis 1961 nach und rückt das Motiv der Erschöpfung als zentrale zeitdiagnostische Bewegung der Erzählung in den Mittelpunkt: Der Zusammenbruch des Richters und die Unterbrechung des Prozesses reflektieren indirekt die monströse Qualität des NS und seine ideologische Persistenz in der Nachkriegsgesellschaft. Das Motiv der Erschöpfung zeigt sich so als literarisches Symptom einer allgemeineren Krise von Rechts- und Urteilspraktiken.

in Sprache und Literatur
AutorIn: Armin Schäfer

Abstract

Der Beitrag nimmt seinen Ausgang von Ingeborg Bachmanns Frankfurter Poetik- Vorlesungen (1959/60), in denen die Autorin unter anderem das Verhältnis von Geschichtlichkeit und Subjektivität diskutiert und nach Rollen und Funktionen der Namen literarischer Figuren in der Moderne fragt. Die nachfolgende Lektüre stellt in einem ersten Schritt die Bedeutungsabsicht, die mit Verleihung eines Namens bzw. Vornamens verknüpft ist, heraus und fragt nach möglichen Bedeutungen, die mit den Namen in der Erzählung Ein Wildermuth (1961) evoziert werden. In einem zweiten Schritt wird die Wahl des Namens mit der Logik einer existentiellen Wahl verglichen. In einem dritten Schritt wird die poetische Sprachfunktion, die laut Roman Jakobson eine Auswahl aus einem sprachlichen Paradigma erfordert, mit einer Dialektik von Zufälligkeit und Bedeutsamkeit konfrontiert, die sowohl die Namen in Bachmanns Erzählung als auch die Konstruktion ihrer Handlung charakterisieren.

in Sprache und Literatur
in Sprache und Literatur
AutorIn: Susanne Gödde

Abstract

This paper analyses the human sacrifice of Menoeceus in Euripides’ Phoenissae. In the third epeisodion, Teiresias draws on the history of Thebes and its royal family to justify the sacrifice and the choice of Menoeceus as its victim. But what are the ritual or cultural models outside the dramatic fiction that inform this sacrifice and made it under­standable for the contemporary ancient Athenian audience? To answer this question, I discuss possible similarities to pre-battle sacrifice, the pharmakos-ritual, and the mythical pattern of a hero who sacrifices himself for the community. The relation of this sacrifice to the foundation of Thebes, which itself plays a prominent role in the play’s choral odes, is then examined in a concluding section. Here, the crucial question is whether the sacrifice restates the act of foundation and its violence or instead negates and invalidates it.

in Poetica