Aus den "Gärten der Zeichen"

Zu Carl Einsteins 'Bebuquin'
1. Aufl. 1998, 312 Seiten, Fbr.
ISBN: 978-3-7705-3300-8
EUR 75.00 / CHF 91.50

Informationen zum Buch

Im Zuge der Aufarbeitung der Geschichte der literarischen Moderne hat sich eine Bebuquin-Rezeption etabliert, die in dem Roman den Inbegriff eines avantgardistischen Textes erblickt und vor allem den Bruch betont, den er hinsichtlich der Tradition bedeutet. Demgegenüber leitet diese Studie die zweifellos verblüffende Modernität des Textes weniger aus seinem innovativen Charakter her, sondern versteht sie als Effekt einer ironischen Auseinandersetzung mit der Literatur des Jugendstils, des Symbolismus und der Romantik. Die Hermetik, die den Text zu einem Paradebeispiel der Unverständlichkeitsprosa der emphatischen Moderne hat werden lassen, ist Resultat einer anspielungsreichen Abarbeitung an der Tradition, nicht Produkt voraussetzungsloser Originalität. Vor dem Hintergrund der mythologischen Welle um 1900 folgt Bebuquin (1907/12) dem narrativen Schema der Queste, der - konsequent scheiternden - Suche nach dem Wunder. Wie kaum ein anderer Text repräsentiert er die komplexe Situation zwischen Décadence und 20. Jh. - der Roman ist einer der zentralen Schwellentexte zur Moderne.