1. Aufl. 1999, 266 Seiten, Fbr.
ISBN: 978-3-7705-3347-3
EUR 43.90 / CHF 53.60
erschienen in der Reihe:
Band: 7

Informationen zum Buch

Wer am Ausgang des 20. Jahrhunderts von Schuld spricht, berührt einen der empfindlichsten Punkte in der allgemeinen Erfahrungsstruktur. Wahrnehmungen, die mit Schuld zusammenhängen, sind zu allgegenwärtig. Man wehrt sich, sperrt sich, verdrängt. Und doch sind sie in der menschlichen Realität unausweichlich: die seltsam unheimliche Erfahrung, daß es Strafe ohne Schuld, wie die aufrührerische, skandalöse Erfahrung, daß es Schuld ohne Strafe gibt. Man muß sich alten, klassischen Kulturen der altägyptischen, muslimischen, japanischen, jener der Azteken oder des antiken Roms zuwenden, um in die Klarheit von Diskursen zu kommen, die Schuld, Scham, Sühne, Sünde, Verfehlen, Buße, Reue rhetorisch so aufgearbeitet und interpretatorisch so ausdifferenziert haben, daß sich ein Weg vorbei an jenen Extremen zeigt, in denen Menschen überaus Mensch sind und dann scheitern. Eine Weisheit von der Schuld macht Schuld begrifflich: Worte des Sinns schaffen die schützende Distanz.