Der mißratene Ritter

Konzeption von Identität im Prosa-Lancelot
1. Aufl. 2001, 528 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-3566-8
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Informationen zum Buch

Auf der Grundlage eines erkenntnistheoretischen Identitätsbegriffs beschäftigt sich die Arbeit mit den historisch fremden Bedingungen der Konzeption und literarischen Gestaltung von Identität im Prosa-Lancelot. Untersucht werden mit Hilfe mentalitätshistorischer und diskursanalytischer Verfahren zum einen die zugrundeliegenden 'gedachten Ordnungen', zum anderen die literarischen Strategien der Modifikation elementarer Wahrnehmungsmuster sowie kollektiver Sinn- und Regelsysteme. Bewußt werden dabei auch die Heterogenität der Romanfigur sowie die Brüche und Inkonsistenzen, die sich neuzeitlichen Definitionen kohärenter Identität sperren, in den Blick genommen. Gegenstandsbereiche sind im einzelnen die gattungsspezifische Adelskonzeption, die Prozesse sozialer Identitätsbildung, die Ausprägung einer Protoform von Subjektivität und deren Pathologisierung im Diskurs der Liebe, der Zerfall dynastischer Identitätskonstruktion sowie Ansätze zur Gewissensbildung im Bereich religiöser Selbsterfahrung. Die Analyse der Romanpoetik erweist zuletzt, daß 'Identität' erst mit der historisch abgeschlossenen 'Biographie' gestiftet werden kann. Im 13. Jahrhundert handelt es sich dabei um ein gänzlich neuartiges narratives Muster, das der Roman über die Pluralisierung der Erzählperspektiven und soziokulturellen Deutungsmuster sowie die lineare Umphrasierung der Zeit- und Erzählstrukturen erst erzeugt.